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	<title>Schmalz und Marmelade &#187; Einblick</title>
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	<description>Die Frühlese für Spätaufsteher in Schwerin</description>
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		<title>Basta! Herr thom* las</title>
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		<pubDate>Mon, 20 Jun 2011 03:46:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thom*</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einblick]]></category>

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		<description><![CDATA[Hallo, mein Name ist Horst Schwerinski und manchmal denk ich so: Haha.

Haha!
Ganz oft. Wenn ick sone Fips Asmussen Kassette einlege, und denn hör ick den Witz von den Verkäufer, einen Verkäufer wa, der so jut is, dass der einen Mann der ne Packung Slipeinlagen haben will, jleichn neuet Auto mit Wohnwagen dran verkooft. Damit er [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hallo, mein Name ist Horst Schwerinski und manchmal denk ich so: Haha.</p>
<p><span id="more-1351"></span></p>
<p>Haha!</p>
<p>Ganz oft. Wenn ick sone Fips Asmussen Kassette einlege, und denn hör ick den Witz von den Verkäufer, einen Verkäufer wa, der so jut is, dass der einen Mann der ne Packung Slipeinlagen haben will, jleichn neuet Auto mit Wohnwagen dran verkooft. Damit er angeln jehen kann. Haha. </p>
<p>Dabei is der jut, der Witz. Der is schon mehr als 40 Jahre jut, det isn Klassiker, saubret Handwerk eines anständigen Humorschaffenden und ick denk nur: Haha. </p>
<p>Weil: Kenn ick schon. </p>
<p>Oder: Internet. Ne Katze schläft aufm Rücken und wackelt flauschig mitte Beene dabei. Süß. Haha. Kenn ick schon. Oder: Junge macht mit so chinesischen Kampfstöckern rum und haut det Kinderzimmeraquarium in Scherben. Haha. Oder  Ick krich ne E-Mail. Haha. Brauch ick nich. Haick doch schon so viele von. Überrasch mich ma. Haha.</p>
<p>Ick hab in den letzten Jahren meiner Vataschaft allet jemacht, wat da ßu machen is. Ick hab allet jesehen, wat da ßu sehen is &#8211; wenn det Kind Mittachsschlaf jemacht hat, hab ick allet jesehen. Fenster, Fernsehen, Internet. Leer. Allet leer.</p>
<p>Und och mit den Kind selbst bin ick fertich. Wir warn in Zoo, in Zirkus, in Puppentheater und sind mit der Straßenbahn einmal von Endhaltestelle zu Endhaltestelle jefahrn. Wir ham Jeburtstach jefeiert, wir ham uns n Kinderjarten anjeguckt und ein Haustier beerdigt. Wenn ick da ma so meine Kindheit als Vagleich nehme, denn ham wa dat wichtigste abjehakt. In Rekordzeit. Nu kommt nur noch erster Schnapps und erste Bettjeschichte, aba da muss ick ja nu nüscht für tun. </p>
<p>Langsam vasteh ick, wieso sich Leute an son Jummiseil hängen und denn wo runterspringen. Weil det innerlich dann einfach anders klingt, det Haha. Haaaaaaaaaaa</p>
<p>Meine Frau sacht, ick hab ne Depression. Ick sach bei Männern heißt det Alkoholismus. Sie wieder: aba nur wennde och trinkst dabei. Und denn haick kurz überlecht, trinken, trinken, trinken&#8230; Und denn isses mir wieder einjefallen. Haick ma jemacht. Und als ick denn voll war haick jedacht haha.</p>
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		<title>Rot-Weiß &#8211; Blicke</title>
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		<pubDate>Sun, 10 Apr 2011 20:48:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thom*</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einblick]]></category>
		<category><![CDATA[Vermischtes]]></category>

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			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1332" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><img src="http://www.schmalzundmarmela.de/wp-content/uploads/2011/04/20110410_SuM_Rot-Weiß_016-500x333.jpg" alt="Blicke - Foto: Ulli Wille" title="Blicke - Foto: Ulli Wille" width="500" height="333" class="size-medium wp-image-1332" /><p class="wp-caption-text">Blicke - Foto: Ulli Wille</p></div>
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		<title>Rot-Weiß: Herr thom* las, kann hier aber nicht veröffentlichen&#8230;</title>
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		<pubDate>Sun, 10 Apr 2011 18:50:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thom*</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einblick]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8230;denn der Text soll zuerst woanders erscheinen. In der Mai/Juni-Ausgabe des Geocaching-Magazins nämlich.
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8230;denn der Text soll zuerst woanders erscheinen. In der Mai/Juni-Ausgabe des <a href="http://www.geocaching-magazin.com/">Geocaching-Magazins</a> nämlich.</p>
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		<title>Rot-Weiß: Tini las</title>
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		<pubDate>Sun, 10 Apr 2011 14:37:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thom*</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einblick]]></category>
		<category><![CDATA[Marmelade]]></category>

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		<description><![CDATA[Frau K.
Rot-Weiß
Pommesglück

Frau K.
Es ist so ein warmes, prickelndes Gefühl in mir. So in die Knie zwingend und aufstoßend und mich schüttelnd kriecht es erst allmählich brodelnd meine Speiseröhre hoch, wird schneller und schießt schließlich als Schwall aus mir heraus. Jetzt liegt es als sie beschämt in unserem dunklen Hausflur vor mir. Und ich brülle: „Du!“ [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frau K.</p>
<p>Rot-Weiß</p>
<p>Pommesglück</strong></p>
<p><span id="more-1320"></span></p>
<p><strong>Frau K.</strong><br />
Es ist so ein warmes, prickelndes Gefühl in mir. So in die Knie zwingend und aufstoßend und mich schüttelnd kriecht es erst allmählich brodelnd meine Speiseröhre hoch, wird schneller und schießt schließlich als Schwall aus mir heraus. Jetzt liegt es als sie beschämt in unserem dunklen Hausflur vor mir. Und ich brülle: „Du!“ es blickt mich schulbewusst an „Du&#8212; Du komisches Gefühl! Endlich bist du raus.“ Guter Einstieg, ja, weiter so. „Du bist hier, weil ich ein Wörtchen mit dir reden will.“ Genau. „Du&#8212;fühlst dich komisch an!“<br />
Zuerst scheint sie wenigstens noch irritiert, aber ihr Blick ernüchtert sich zunehmend, im Gegensatz zu mir. Mist. Jetzt ist mir das schon wieder peinlich. Jetzt stehen wir beide  beschämt da. „Weißt du-aus meiner Position – bist du auch nicht ganz angenehm.“ Das geht aber zu weit. Ich greife zurück zu meinem roten Faden und schwinge mich daran weiter durch den verworrenen Urwald meines alkoholisierten Denkens. „Ich wollte dir nämlich mal sagen, dass das so nicht weitergeht. Ehrlich. Du musst dich entscheiden. Rauf oder Runter? Das ist wie Links oder Rechts und… Wein oder Bier und Schwarz oder Grün! Ich meine, da geht nur eins, und je länger du wartest, desto schmerzhafter wird beides.“<br />
Ihr  Blick sagt mir, das sie weiß das ich nicht weiß wohin, sie es aber weiß und sie weiß, dass ich weiß dass sie es weiß und weiß das ich es nicht von ihr wissen möchte. Oder so. Auf jeden Fall mach ich weiter: „Ja ich meine damit…“<br />
„Es ist mir klar, was Sie meinen.“ Hey, das wusste ich nicht. „Jetzt würde ich gern mal was sagen.“ Na ja, Gespräch sind ja immer zwei. Und angefangen hat sie jetzt sowieso auch schon. „ Ich weiß nur noch nicht, wie ich es anfangen soll.“ Man könnte meinen, dass sollte ihr bei ihrem Anblick doch egal sein. „Ich muss doch wohl bitten.“ Hab ich das laut gesagt? „Sie reden schon die ganze Zeit  ohne- verzeihen Sie &#8211; einen Ansatz des Denkens zu zeigen. Aber der Einstieg ist gut, vielen Dank. Sehen Sie uns doch mal an; wir haben viel gemeinsam nicht?“ Das geht jetzt aber…. „Ich meine es doch folgendermaßen: wir sind doch gerade beide nichts Halbes und nichts Ganzes, nicht wahr? Wir beide sind der trübe braune Alltagsbrei, der zwischen rauf und runter hin- und her zuckt. Und wissen Sie – ich habe beschlossen, ich ändere mich. Ich möchte anders sein.“<br />
„Soll ich Waldi holen? Wenn der dich aufschlabbert und erbricht, schaust du ganz bestimmt anders aus…“ Sie rümpft hörbar die Nase: „Ich meinte eigentlich nicht diese Art von Anders. Ich möchte raus in die Welt und etwas Erzählenswertes  erleben, anstatt in ihrer Magenhöhle eingesäuert und verdaut zu werden. Ich möchte nach Südamerika,  Schiff fahren, an den Nordpol! Ich &#8212;ich möchte Geschichtenschreiber werden. Und dafür reichen Sie mir nicht aus, tut mir Leid.“<br />
Auf die Gefahr, schon wieder prollig zu sein, muss eines mal gesagt werden: du bist meine Kotze! „Dessen bin ich mir durchaus bewusst; doch ich habe befunden, dass ich mich davon nicht hindern lasse, das zu tun, was ich mir wünsche.“<br />
Aus, Vorbei, Tiefpunkt. Nicht mal sie hat Bock auf mich. „Ach kommen Sie“ tröstet sie mich, ich hab offensichtlich schon wieder laut gedacht, „ Nehmen Sie es nicht so hart. Morgen sieht alles bestimmt anders aus, Sie sind jetzt ja noch völlig ausgetrocknet und bleich. Und &#8211; m-hüm“ hüstelt sie verlegen, „sie haben da noch etwas von mir im Gesicht. M-hüm. Nun ja.“<br />
Sie steht auf und blickt prüfend zum Hutständer, von dem sie sich schließlich Omas abgewetzten altrosa Damenhut mit Plastikstreublümchen greift und aufsetzt, dann geht sie in Richtung Tür. „Wenn Sie mich in nächster Zeit treffen sollten, wäre ich Ihnen sehr verbunden, wenn Sie mich Frau K. nennen und  Siezen könnten.“  Ich nicke nur noch, aber ein bisschen stolz. Ich meine, wer wird mir schon glauben, was für höfliche und intellektuelle Kotze ich habe? „Dankeschön.“ sagt sie. Mist.<br />
Sie steht schon in der Tür, doch da dreht sie sich nochmal um und betrachtet mich sehr genau. „Denken Sie daran“ sagt sie eindringlich, „Man sieht sich immer zweimal!“<br />
Und so ist sie durch die Tür verschwunden.</p>
<p><strong>Rot-Weiß</strong><br />
Sie ist wunderschön, einfach mit ihrer Anwesenheit.<br />
So herausragend aus der grün-grauen Landmasse von vertrockneten Grasbüscheln und verbrannter Erde, in der sie steht, schillernd von Farbe. Vielleicht schon etwas älter, aber ehrlich gesagt macht sie das nur noch eingängiger, attraktiver und sogar ein bisschen autoritär. Sie ist nicht irgendeine, sie ist die. Einzig. Wahre. Schranke.</p>
<p>Aber er will an ihr vorbei. Sie endlich hinter sich lassen. Schluss machen. Abhauen.<br />
Und dafür gilt es allen Charme und Wortwitz zu versprühen, obwohl das sowieso an diesen  Altmetallteilen abzuprallen scheint. Die müssen einfach um jeden Preis den Anschein irgendeiner unnötigen Ehrwürdigkeit zu wahren und sind dabei nur extrem hochnäsig und eingebildet. Und wehe man kommt ihnen auch nur ein Müh falsch. Da ist man für die nächsten fünf Jahre weg vom Fenster.<br />
Und jetzt das hier. Aber er kann nicht mehr anders.<br />
Er holt lange und bedeutungsschwanger Luft. Sein Lungenvolumen vervierfacht sich und sein Hemdknopf wackelt schon gefährlich, er lässt den Augenblick der Stille stehen, um diese unglaublich überzeugende Atmosphäre einzufangen – jetzt setzt er seinen vertrauenswürdigsten und zugleich ernsten Blick und sein allerbreitestes Lächeln auf, sein Mund öffnet sich und er bietet es ihr dar wie auf Silber:„Bitte.“<br />
Der Hauch des Wortes hängt kurz und schön als leichte Brise der Hoffnung in der Luft. Er kann es spüren – jetzt wird sie es sagen und dann wird er &#8211;<br />
„Nein.“<br />
Wusste er. Als wenn eine Schranke jemals etwas Anderes beim ersten Mal rausbrächte.<br />
„Oh bitte!“ säuselt er. „Nein.“ „Es ist aber absolut-“ „Nein.“ „Und wenn-“ „N-E-I-N.“ „Und wenn ich kein Nein verstehe?“ „Niemals.“<br />
Er heuchelt ein falsches Lachen über seine aufsteigende Wut. Das die auch  immer so starrköpfig sein müssen.<br />
„Ich weiß genau, wohinter du her bist.“<br />
 Aha.<br />
„Ich sehe doch, wie du sie anstierst.“ Oh, sie weiß es tatsächlich. Und er hatte angenommen, die gucken niemals hinter sich, was ein Reinfall. Doch leugnen will er jetzt auch nicht mehr: Hinter ihr steht: DIE ANDERE.<br />
Die Figur eines weit entfernten und jetzt so greifbar nahen Traumes, so wonniglich rund und wohl geformt, so eindeutig, handfest und unumstößlich, unverrückbar in all der porzellanenen Schönheit. Straffes, weißes Diensthemd, schwarze bürokratisch anmutende Hose. Blond; natürlich, mit Locken deren Kringel Abenteuer in die Luft schreiben, dabei die Arme in die Hüfte gestemmt, die Ellenbogen scheinbar schon in Richtung des Vollzuges deutend, aber er darf jetzt nicht sabbern. Die Brille zwinkernd auf der Nase ein wenig vorgerückt und mit langen Wimpern klimpernd steht dort:<br />
Agentin U.N.G.<br />
Fräulein Agentin Versuch U.N.G. Ein Fräulein, vor dem kein Kraut gewachsen ist – und eigentlich auch keine Schranke wachsen sollte. „Ja“ legt die Schranke jetzt spitz ein, „ du geiferst schon vor Lust du unersättlicher Lümmel, aber ich bin eine SCHRANKE. S-C-H-R-A-N-K-E. An mir gibt’s keine Schlupflöcher, keine Ausnahmen, kein Weg vorbei. Haha.Ha.“<br />
Ihr tonloses Lachen klingt wie Drahtbürstenschrubben und es sagt ihm alles.<br />
Sie ist eifersüchtig. Niedlich. Nein – Bösartig! Gnade! Wer von einer Schranke verdächtigt wird, ist praktisch  schon vom bürokratischen Dschihad gefressen. Soviel hatte er während dieser Beziehung gelernt. Und der bürokratische Dschihad ist groß. Und Mächtig. Und Grau. Und voller Formulare. Er beginnt zu winseln.<br />
Die Arme in die Luft werfend reißt er sich zu Boden und wühlt und wälzt sich im Dreck, während er schreienderweise klagt: „Ich Unheiliger! Ich Ignorant! Habe mich verleiten lassen, obwohl ich dich doch bereits vor mir habe, ich unterwürdigestes Gekreuch aus Mutter Erde Schoß!“<br />
„Nun..“ will Schranke anfangen.<br />
„Nein. Ich weiß, was zu tun ist.“<br />
Das überrascht sie. „Was denn?“<br />
Versteckt holt er tief Luft, denkt ein letztes Stoßgebet und vergräbt dann sein Gesicht tief und lange im Matsch. Sehr lange. Seine Lungenflügel biegen sich unter dem hin-und her zuckenden Kohlendioxid, das sich verzweifelt einen Ausweg sucht. Komm schon murmelt er lautlos. Mit jeder Sekunde wächst das Gas in seiner Brust zu einen noch größerem Ungetüm. Komm…<br />
Ein unsicheres Hüsteln und dann: Erlösung. „Du-kannst jetzt wieder hochkommen…Ähm…wenn du noch lebst.“ Das Gasmonster brüllt triumphierend und leitet so den schwersten Teil der Inszenierung ein: Er zwingt sich, das Gesicht in langsamster Slow Motion zu heben und das Riesentier nicht abprubt aus und sofort ein Neues einbrechen zu lassen; tröpfchenweise lässt er das Tier schrumpfen, mit jedem Millimeter nach oben und lässt  das neue wachsen, bis er auf einer wahrhaft eindrucksvollen, sinntragenden  Höhe ist: zwei Zentimeter über dem Schlamm.<br />
Jetzt muss er etwas Sagen und es muss das richtige sein, etwas, das nur Gnade als mögliche Gefühlsregung zulässt &#8211; es muss episch sein, zugleich natürlich und irgendwie vertraut, dezent heroisch, mit ein wenig Einsamkeit in der Formulierung, einer Spatelspitze Pathos und vor allem REUE&#8212;-<br />
„Mit Toten spricht man nicht.“ sagt er und will seinen Worten hinterher schreien, dass sie zurückkommen sollen. Jetzt wird der Dschihad kommen und ihn schlucken, und er wird nie wieder frei sein, denn mit so einem Spruch ist nicht mal ein Baustein zu überzeugen.<br />
„Nun“ hüstelte die Schranke ein wenig eingeschüchtert „man muss ja nicht gleich.“ Sie bricht ab, offensichtlich platzend vor Stolz.<br />
Das ist unfassbar, denkt er, so unfassbar &#8212; beschränkt.<br />
„ Nun ja.“ sagte die Schranke noch mal, „Ich bin ja auch nur eine Schranke, nicht? Aber für uns Schranken gibt es nun einmal nur zwei Möglichkeiten: Man verehrt oder bricht uns.<br />
„AHA!<br />
„Wie?“<br />
Krchnkrachknorzquietschnuauffschrrachtonk.</p>
<p>Und er steigt über die Trümmer<br />
Nun wird er leben wie noch nie<br />
Wo und wie er hat kein Schimmer<br />
Es lebe fort die Anarchie.</p>
<p><strong>Pommesglück.</strong><br />
„Cheinmal Poomees rrroot-weiiß biette.“<br />
Das bestellte Kalash jeden Tag bei mir, immer mittags viertel nach eins, sechs Tage die Woche, am siebten kochte seine Frau, so ging das seit vier Jahren. Er war Bauarbeiter im Bürogebiet. Kaum stand ein neues Glasmonstrum, war das andere nicht mehr schick genug. Und so stand er dort am wackligen weißen Steh-Klapptisch und mampfte Pommes rot-weiß, jeden Tag.<br />
Kalash war Russe und verdiente als Bauarbeiter bestimmt nicht viel Geld, trotzdem hatte er 5 Kinder, von denen 4 bereits Enkelkinder mit nach Hause brachten und auch regelmäßig dort ließen. Er lebte in einer ausgebauten Gartenlaube in einer kleinen Grüngartenanlage am Rande der Stadt, deren Dach er permanent flickte, dessen Überholung für ihn allerdings nicht zu haben war, weswegen ihm die pensionierten Nachbarn wegen optischer Verschandelung der Anlage alle zwei Monate verklagten. Er besaß kein Auto sondern fuhr Bahn oder ging zu Fuß. Auf jeder Baustelle wurde er belächelt für seinen starken Akzent mit den viel zu langen Vokalen, den lustig gerollten r’s und  ch’s an falscher Stelle und jeder Arbeitgeber zahlte ihm höchstens den halben Lohn.<br />
Das war eine grobe Übersicht der Dinge, die ich Kalash beim Essen aus der Nase gezogen hatte. Was ich jedoch immer noch nicht wusste, war, warum Kalash trotz alle dem so lächeln  konnte. Im Gegensatz zu all den grauen, hastenden Büromenschen und auch allen anderen Bauarbeitern. Kalash trug praktische, ausgeblichene Kleidung und geflickte Arbeitshosen, die Mütze auf seinem Kopf war das Erbe seines Großvaters, hatte also ergo beide Weltkriege gesehen und sah dementsprechend aus. Das Einzige, was aus der Kleidersammlung herausragte, waren Hände und Gesicht. Sie hatten den eigenwilligen, gegerbten Braunton, der vom vielen Aufenthalt draußen zeugte und waren übersät mit kleinen Narben und Wunden der harten, körperlichen Arbeit. Aber ich kannte keinen Menschen mit so vielen Lachfalten im Gesicht. Ja, wenn Kalash anfing zu lachen, war man glücklich genug, die stattfindende Apokalypse zu vergessen; die vielen Fältchen schienen sich zu einem verkehrten Regenbogen zu formen, der sich am Himmel spiegelte.<br />
„Alles klar. Wie geht’s dir, Kalash?“ „Guut. Uund dier?“ „Gut. Wie geht’s deiner Frau?“ „Seehrrr guut. Meiine kleiinstee Enkeelien chaat geeraade Laufeen geleerrrnt uund ien sieben Woochen kaann Iyonna uuns besuuchen kommen.“ „Schön. Haben deine Nachbarn also eine Pause eingelegt?“ „Siie weechseln geeraade deen Aanwaalt, chaberrr meiin Soohn saagt, deen kriiegt er auch weiich. Siie sietzen dafuurrr gaanzen Taag hienterrr Cheecke uund beoobachten meiine Zwiellinge beiim Fuußball.“ „Und der Bau? Wie kommt der Bau voran?“ „Beesteens. Iech glauubee aaberrr, Herrr Schuulzee – wie cheiißt- verrrmeiiert miech. Iech arrrbeiite iemmerrr einee Stuunde längerrr als Anderrree. Aberrr iech werrrdee iehm zeigeen, waas bedeuteen Arrrbeit Kalash.“<br />
„Na gut. Hier sind deine Pommes, Kalash.“ Ich hatte ihm einmal angeboten, ihm mit seinen ausländerfeindlichen Chefs zu helfen. Da hat Kalash mir sehr ernst, vertraut und ganz ruhig erklärt, dass er als 8-jähriger mit seiner Familie zu Fuß von Weißrussland bis nach Deutschland gelaufen war und er hätte seinen Vater nicht einmal gefragt, ob er den Rucksack abnehmen und auf den Wagen legen dürfe. Es ginge ihm einfach wider die Moral zu jammern. Seitdem sagte ich dazu nichts mehr.<br />
„Ich hab mir auch Pommes gemacht. Ich stell mich zu dir, ja?“ „Daanke, daas iest neet.“  Wir schwiegen ein bisschen und ließen die Pommes zwischen unseren Kiefern krachen, während graue Büromäuse an uns vorbei zu ihren Glasmonstern hasteten und uns dabei einen abfälligen, kopfschüttelnden Seitenblick zuwarfen. „Chaast duu cheutee gaar keiinee luustiegee Frrraage füürrr miech?“ fragte Kalash und grinste, weil ich rot wurde. „Lustige Frage?“ versuchte ich abzutäuschen. „Wiee iech überr Deeprrressiioneen deenke oderrr ob iech miech naach frrrüherrr seehnee.“<br />
Ach was sollt’s. Ich hatte den ganzen gestrigen Abend über eine neue Frage nachgegrübelt mit der ich seinem Geheimnis näher kommen könnte und jetzt wollte ich eine Antwort haben, auch wenn er mich dafür milde belächelte. „Ist es dir nicht langweilig, Kalash?“ „Wiie meiinst duu?“ „Naja- du arbeitest, isst Pommes und gehst dann heim zu deiner Familie. Arbeit, Pommes, Familie. Seit vier Jahren futterst du Pommes rot-weiß! Ist dir das nicht mal über?<br />
„Meiine Faamilieee iest seehrrr schneell und wuuselieg. Iech brrrauchee auch eiin biesschen Beeständiegkeiit. Und iech essee jeedeen Soonntaag eetwaas aanderrrees aals Poomees.“<br />
„Und du willst nicht manchmal etwas ganz Anderes?“ Da lachte Kalash sein tolles Lachen.<br />
„weiißt duu, meiin Mädcheen: Iech sietze jeeden Aabeend drrraußeen. Iech trienkee eiin kaaltes Bierrr, meiinee Frrrau errrzählt mierrr voon deen Naachrrriechten uund uunserrren Kienderrn uund diee Zwiellienge spiieleen fußbaal. Uund Geesterrrn Aabeend hhaabe iech meiine Naachbarrn duurch eiin Looch ein deerrr Checke geeseehn. Beiidee! Siee chaaben meiinen Eenkeeln zugeseehen. Uund chjeetzt weiiß iech, waarrruum siee chiemmerrr soo sauerrr guucken. Siie chaben es niecht, aabeerrr iech: Iech  chabe meiin Glüück geefuunden.“ Und lächelnd lehnt er sich ein Stück zurück und schaut mich sehr zufrieden an.<br />
So zurückgelehnt lächelnd sieht er aus wie mein Opa, der sich freut, weil seine Enkelin aus Wallenstein zitieren kann.<br />
Oder wie mein Onkel, nachdem ich auf der Jugendweihe den dritten Eimer gefüllt habe.<br />
Mein Bankberater, der mir den Kredit für die Bude gewährt hat und von der Provision ein Kinderrad kaufen wollte.<br />
Mein Vorgänger, der endlich seine Bude los war.<br />
Mein Klassenlehrer, der mir wieder zünftig einen reingedrückt hat.<br />
Meine Mutter nachdem ich ihr erklärt hatte, dass ich ausziehen würde.<br />
Meine Schwester am Traualtar.<br />
Und dann sieht Kalash aus wie ich. Wow-ich habe Falten wie ein Mops und sollte eindeutig weniger Pommes essen. Aber dann könnten diese ganzen Röllchen und Fältchen sich auch gar nicht krümmen und hüpfen, während ich aus voller Kehle lache. Schallend und strahlend wie zwanzig Neon-Honig-Sonnen. Die Bretter in meinem Kopf fallen wie ein Dominospiel, ich sehe Lottozahlen an mir vorbeifliegen und ignoriere sie, denn vor mir steht Fred und sagt: „Mensch-wir werden Eltern!“ und ich fühle mich zehn kilo leichter obwohl mir im Zeitraffer eine Kugel wächst. Denn es ist schön und richtig und endlich leicht. Wie Kalashs Lachen.<br />
Dann steht da wieder nur Kalash. Ich bemerke, dass ich ziemlich breit grinse.<br />
„Duu siiehst chübsch aus, wenn duu lächeelst. Schmeecken Poomees gleiich nooch beesserrr.“ „Schön“ stammle ich und muss wieder grinsen. „Iech muus chjeetzt zuurrrück zuurrr Aarrrbeiit. Bies moorrrgen.“ „Ja-bis morgen Kalash.“ Ich sehe dem alten, sonnengegerbtem Russen nach, wie er straff davon marschiert. Ich winke ihm, obwohl er nicht guckt. Mir ist so anders. Ich beschließe, schwanger zu werden und weiß gleichzeitig, dass ich nichts mehr beschließen muss. Ich gehe zurück in meine Bude, kniee mich unter die Theke und breche drei Eimer voll, wobei ich aus Wallenstein zitiere. Ich habe die richtige Frage gestellt, obwohl ich weniger darauf eine Antwort bekommen habe.<br />
Und alles- ist leicht.</p>
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		<title>Rot-Weiß: Max las</title>
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		<pubDate>Sun, 10 Apr 2011 13:48:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thom*</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einblick]]></category>
		<category><![CDATA[Marmelade]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Hohn des Telefon
Kontraproduktiv

Kontraproduktiv
1 Minute seit Fahrtbeginn
Das Auto ist voll. Zum ersten mal haben wir nichts vergessen und müssen nicht nochmal zurück.
Alles ist verstaut: Die Koffer, die Pakete, der Hund und meine Schwester. Alle sind glücklich, denn in zwei Stunden werden wir bei Oma mit einer dampfenden Tasse Kakao empfangen.
Und morgen ist Weihnachten!
3 Stunden seit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der Hohn des Telefon</p>
<p>Kontraproduktiv</strong></p>
<p><span id="more-1318"></span></p>
<p><strong>Kontraproduktiv</strong><br />
<em>1 Minute seit Fahrtbeginn</em><br />
Das Auto ist voll. Zum ersten mal haben wir nichts vergessen und müssen nicht nochmal zurück.<br />
Alles ist verstaut: Die Koffer, die Pakete, der Hund und meine Schwester. Alle sind glücklich, denn in zwei Stunden werden wir bei Oma mit einer dampfenden Tasse Kakao empfangen.<br />
Und morgen ist Weihnachten!</p>
<p><em>3 Stunden seit Fahrtbeginn</em><br />
Es schneit.<br />
Und zwar waagerecht.<br />
Auf einer Skala von 1 bis 10 kriegt der Schneesturm, der sich da draußen gerade abspielt eine glatte 11. Die Autobahn eins versinkt mit jeder Minute tiefer im Chaos und wir stecken mitten drin.<br />
Im Fernsehen hatten sie noch gesagt, dass der Treibhauseffekt für warme Winter sorgen wird. Aha. Ich merk&#8217;s&#8230;<br />
Außerdem bekomme ich langsam Platzangst und es fängt an komisch zu riechen. Der sanfte Duft eines halb gegessenen McDonald&#8217;s Maxi-Menüs mischt sich mit den säuselnden Darmwinden des Dackels hinter mir. Ich hätte jetzt nichts gegen Guantanamo.</p>
<p><em>4 Stunden 17 Minuten seit Fahrtbeginn</em><br />
Der Typ im Radio rattert seit einer viertel Stunde Unwetterwarnungen und Verkehrsmeldungen herunter, ein Wunder, das der noch Luft kriegt. Aber verstehen kann ihn sowieso keiner, weil meine Schwester wieder in eine Mischung aus Heulen, Kreischen und Gurgeln verfallen ist.<br />
Das nützt sowieso nichts: Wir Stehen seit einer Stunde.<br />
Ich will Papa fragen, ob er Oma anrufen kann, weil wir ein klitzekleines Bisschen zu spät kommen, aber ich lasse es lieber: Er hat rote Ohren. Eigentlich ist es ganz praktisch wenn man den Gemütszustand eines Menschen an seinen Ohren ablesen kann, aber derzeit sind sie dunkelrot und ich kann förmlich sehen wie sich eine dünne Rauchsäule daraus empor windet.</p>
<p><em>4 Stunden 48 Minuten seit Fahrtbeginn</em><br />
Der Labersack  im Radio ist endlich verstummt. Nur gelegentlich dringt ein leises Schluchzen aus dem Apparat. Der menschliche Verstand ist für soviel Schnee und Leid einfach nicht gemacht. Da schau ich mir lieber die Apokalypse an. Live in Farbe und vor meinem Fenster. Ein Eichhörnchen fliegt vorbei. Es guckt verdutzt. Kein Wunder, so hat es sich die globale Erwärmung sicher nicht vorgestellt.<br />
Ich frage mich ob ich jemals soviel Schnee gesehen habe. Mein Opa würde diesen nassen, weißen Schmutz wahrscheinlich als „kontraproduktiv“ bezeichnen, wie er wie ein riesiger Marshmallow die Straßen verstopft.<br />
Papas Ohren sind jetzt weinrot.</p>
<p><em>5 Stunden 21 Minuten seit Fahrtbeginn</em><br />
Das Auto liegt jetzt völlig ruhig da. In stiller Resignation gammelt sein Inhalt vor sich hin, irgendwo zwischen Apathie und Wachkoma. Bis auf Papa, der dampft weiter.<br />
Im Kofferraum quiekt der Hund. Die arme Wurst will natürlich Gassi gehen, aber das geht nicht. Ich glaube ich habe da draußen einen Eisbären gesehen.<br />
Da warte ich lieber weiter auf die Kerle die in den Nachrichten alle mit Decken und heißen Getränken versorgen, aber ich glaub, da kann ich lange warten.<br />
Zustand von Papas Ohren: Purpur.</p>
<p><em>6 Stunden seit Fahrtbeginn</em><br />
Irgendwie komme ich mir vor wie in einer schlechten Realityshow.<br />
4 Menschen für 6 Stunden auf 4 Quadratmetern gefangen. Den eigenen Ausdünstungen schutzlos ausgeliefert. Bleibt nur zu warten bis einer durchdreht oder beginnt ein Familienmitglied anzuknabbern.<br />
Und der blöde Hund ist im Kofferraum Gassi gegangen.<br />
Die Einzige, die das nicht stört ist Mama. Die schläft seit 6 Stunden. Oder ist erstickt. Würde mich nicht wundern.<br />
Papas Ohren sind jetzt lila.<br />
Ich blicke wieder nach draußen in die weiße Nacht.<br />
Dann wird mir eins klar:<br />
Es ist Winter.</p>
<p><strong>Der Hohn des Telefon</strong><br />
Im Sommer herrscht in Schwerin eine große Nachfrage an Pensionen, Hotels und Unterkünften. Unglücklicherweise hat meine Familie eine Pension, aber glücklicherweise haben sie mich als strafversetzten Sekretär. Also schiebe ich mal wieder Telefondienst. Das wäre halb so schlimm, hätten wir nicht „Pipi Langstrumpf“ als Klingelton.<br />
An einem Sonntag um halb zehn liege ich also auf dem Sofa und gucke Fernsehen. Das Telefon klingelt. Düdü. Zum siebten mal an diesem Morgen. Ich gehe ran.<br />
„Pension am Lewenberg, Max Darsow am Apparat, guten Tag.“ , sage ich mit gespielter Freude. Eine zögernde, möglicherweise männliche Stimme antwortet mir.<br />
„Hallo, ähm spreche ich mit der Pension am Lewenberg?“, ich dachte ich hätte das gerade erwähnt, aber ich antworte stattdessen:<br />
„Ja, da sind sie richtig.“<br />
Eine kurze Pause.<br />
„Vermieten sie auch Zimmer?“, fragt es aus dem Telefon.<br />
„Wir sind eine Pension, also ja, wir vermieten Zimmer.“<br />
Stille. Noch mehr Sttille.<br />
„Möchten sie denn vielleicht ein Zimmer buchen?“, mache ich einen Versuch.<br />
„Ähm, ähm, ja?“<br />
Ich liebe ja solche Leute, die immer gleich zum Punkt kommen.<br />
„Für wann möchten sie denn ein Zimmer buchen?“<br />
„Öff, tja, Sommer denke ich.“<br />
Langsam werde ich ein klein wenig gereizt.<br />
„Könnten sie das nicht ein Bisschen päzisieren?“<br />
„Öchoahh. Ich, äh, ähm. Da muss ich kurz überlegen&#8230;“<br />
„Also, ich mach Ihnen einen Vorschlag: Sie überlegen sich, ob und wann sie ein Zimmer brauchen und melden sich dann wieder.“<br />
Dieser plötzliche Verlauf der Unterhaltung scheint meinen Gesprächspartner zu überfordern.<br />
„Öh, ähm, jaa&#8230;“<br />
„Schönen Tag noch“, sage ich, dann lege ich auf.<br />
Ich hab den Knopf noch gar nicht gedrückt, da klingelt es schon wieder. Düdü.<br />
„Pension am Lew&#8230;“<br />
„Ah guten Tag Herr Darsow!“, unterbricht mich eine barsche Stimme, „ich wollte mich nur noch einmal melden um über unser letztes&#8230;“ „Hier ist Max Darsow, rufen Sie bitte später noch einmal an wenn mein Vater zu sprechen ist. Auf Wiederhören.“ Und Auflegen. Unverschämter Kerl, denke ich, mir einfach ins Wort zu fallen. Außerdem hab ich Wochenende. Aufs Sofa sinken. In die Kissen. Düdü. Ich spüre wie mein Auge zuckt. „Pension am Lewenberg, Max Darsow am Apparat, guten Tag.“<br />
„Hallo, ähm, spreche ich mit der Pension am Lewenberg?“ Der schon wieder.<br />
„Ja das ist richtig. Haben sie sich jetzt entschieden?“<br />
Keine Antwort. Man hört es denken.<br />
„Ähm. Ja?“<br />
„Gut, und für wann möchten sie dann ein Zimmer haben?“<br />
Grübeln.<br />
„Ich glaub Juli. Vielleicht&#8230;.“<br />
„Und wann im Juli?“<br />
„Öff.“<br />
„Ich denke Sie melden sich wieder wenn sie sich entschieden haben. Guten Tag!“<br />
 So. Jetzt aber Wochenende. Düdü.<br />
„Pension am Lewenberg. Max Darsow am Apparat, guten Tag.“<br />
„Ach hallo Andrea, hier ist die Ines. Ich wollt noch mal mit dir reden, wegen dem nächsten Kochabend und außerdem&#8230;“ „Hier ist ihr Sohn, Max. Meine Mutter ist leider gerade nicht zu Hause. Tschüss.“ Und weggedrückt.<br />
Wieder einmal stelle ich mir die alten Fragen: warum ich? Warum am Sonntag? Und warum&#8230;<br />
Düdü.<br />
„Hallo?“<br />
„Öhm, guten Tag, ähm. Ist da die Pension am Lewenberg?“<br />
Ich werd noch bekloppt. Aber jetzt reichts.<br />
„Nein hier ist die Pizzeria Roma und wir haben Sonntags geschlossen. Eigentlich auch sonst immer. Rufen sie also am besten NIE wieder an!“Weggedrückt. Und das Telefon schweigt. Düdü.<br />
Denkste.<br />
„Pension am Lewenberg, Max Darsow am Apparat. Und ja wir vermieten Zimmer. Und nein ich bin  nicht Herr Darsow, oder Frau Darsow, ich bin ihr Sohn. Oder Opfer wie mans nimmt!“</p>
]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Himmel und Erde: Max las</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Feb 2011 19:24:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thom*</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einblick]]></category>
		<category><![CDATA[Rückblick]]></category>

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		<description><![CDATA[Herr Schmoo
Der Fremde

Der Fremde
Montag,
Liebes Tagebuch,
Heute morgen als ich aufgestanden bin ist mir etwas seltsames passiert. In unserem Treppenhaus ist mir ein fremder Mann begegnet. Der hatte ein glattes rotes und pausbäckiges Gesicht, aber er kam mir irgendwie gruselig vor. Wahrscheinlich war es ein Heizungsableser oder so. Ich werde mal Mama fragen.
Dienstag,
Ich habe Mama gefragt aber [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Herr Schmoo</p>
<p>Der Fremde</strong></p>
<p><span id="more-1313"></span></p>
<p><strong>Der Fremde</strong><br />
Montag,<br />
Liebes Tagebuch,<br />
Heute morgen als ich aufgestanden bin ist mir etwas seltsames passiert. In unserem Treppenhaus ist mir ein fremder Mann begegnet. Der hatte ein glattes rotes und pausbäckiges Gesicht, aber er kam mir irgendwie gruselig vor. Wahrscheinlich war es ein Heizungsableser oder so. Ich werde mal Mama fragen.</p>
<p>Dienstag,<br />
Ich habe Mama gefragt aber sie hat gelacht und gemeint, das müsse ich schon selbst herausfinden. Ich habe Papa jetzt schon seit zwei Tagen nicht mehr gesehen. Langsam frage ich mich wo er ist und ob der Dicke von gestern etwas mit seinem Verschwinden zu tun hat.</p>
<p>Mittwoch,<br />
Papa ist immer noch nicht aufgetaucht, aber der Dicke war heute zum Abendessen da. Natürlich hab ich mich nicht zu ihm gesetzt, wer weiß wer das ist. Ich befürchte, das Papa abgehauen ist, weil Mama einen neuen Freund hat. Aber warum dann so einen komischen zwielichtigen Typen, ich dachte immer Mama hätte Geschmack! Vielleicht hat der Dicke Papa aus dem Weg geräumt, damit er Mama ganz für sich allein hat. Ich werde ihn überwachen müssen.</p>
<p>Donnerstag,<br />
Noch immer keine Spur von Papa, aber Mama behandelt den Dicken, als würde er fest zur Familie gehören. Vielleicht ist das alles eine große Verschwörung in der Papa entführt und dann durch den Dicken ersetzt wurde. Und dann haben sie meine ganze Familie einer Gehirnwäsche unterzogen und nur mich übersehen. Ich muss nur noch herausfinden wer hinter der ganzen Geschichte steckt. War es der Geheimdienst, oder vielleicht die Freimaurer. Und was haben die Illuminaten damit zu tun? Ich werde es herausfinden. Aber zuerst muss ich den Dicken ausschalten.</p>
<p>Freitag,<br />
Ich bin mir jetzt fast sicher, dass Außerirdische hinter der Entführung stecken. Sie haben meinen Vater entfernt und durch eine dicke, pausbäckige Überwachungsdrohne ersetzt um die Menschen auszuspionieren. Ich habe versucht die Regierung anzurufen, aber da ging niemand ran. Vielleicht sind die auch schon infiltriert. Meine Freunde glauben mir nicht, aber wahrscheinlich sind das auch alles Außerirdische.  Ich schreibe ihre Namen bei Gelegenheit auf meine Verdächtigenliste. Ich habe die Sonde noch nicht ausschalten können, ich kenne ihre Schwachstelle noch nicht. Aber ich werde erst einmal versuchen sie auf die herkömmliche Weise aus dem Weg räumen. Zum Glück weiß ich wo Papas Gewehr liegt.</p>
<p>Samstag,<br />
Die Drohne ist heute den ganzen Tag zuhause geblieben. Ich versuche sie nicht zu auffällig zu überwachen, sonst schöpft sie Verdacht. Ich befürchte sie hat vor Mamas Gehirn zu essen. Ich habe begonnen mein Zimmer mit Alufolie auszukleiden, die  Außerirdischen können vielleicht meine Gedanken lesen. An Papas Gewehr bin ich nicht rangekommen. Ich wusste die Kombination vom Waffenschrank nicht. Aber ich habe mir eine Rohrzange genommen, um es zu erledigen. Ich warte bis die Drohne allein ist, sonst mache ich Mama nur Angst. Aber die werden ihr Gehirn nie kriegen!</p>
<p>Sonntag,<br />
Mama hat mich gefragt warum ich heute nur Alufolie anhabe, aber ich habe ihr nicht geantwortet, sie wird schließlich überwacht. Ich lege mich mit der Rohrzange auf die Lauer und warte den passenden Moment ab, um die Drohne zu eliminieren. Ich schreibe wieder wenn es erledigt ist.</p>
<p>Noch einmal Sonntag,<br />
Ich war mit Mama und dem Anderen in der Küche und sie hat mit mir geschimpft, weil wir keine Alufolie mehr haben. Und dann hat sie gesagt, ich soll mich nicht so aufregen nur weil Papa sich den Bart abrasiert hat. Dann hab ich die dicke Drohne angeguckt und hab gemerkt, dass das Papa ist und er gar nicht entführt wurde und es gar keine Drohne gab und ich Papa nur nicht erkannt habe, weil er keinen Bart mehr hat. Ich kam mir irgendwie dumm vor.</p>
<p>Montag,<br />
Das Missverständnis mit dem Drohnen-Papa hat sich ja jetzt geklärt. Aber seit heute hab ich eine neue Englischlehrerin und ich bin sicher sie kommt vom Jupiter. Ich werde sie auf meine Verdächtigenliste schreiben. Zum Glück habe ich die Kombination von Papas Waffenschrank herausgefunden.</p>
<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;</p>
<p><strong>Herr Schmoo</strong><br />
Einige sagten Herr Schmoo sei gefährlich. Andere hielten ihn für einen echten Helden. Aber für die meisten war er nur ein armer alter Hippie.<br />
Herr Schmoo selbst wollte von dem ganzen Kram nichts wissen. Ein Hippie? Gut er hatte schon etwas ökohaftes mit seinem langen grauen Pferdeschwanz, dem Ziegenbärtchen und der selbst genähten Kleidung. Aber Herr Schmoo war gegen Vorurteile. Er gehörte einfach nicht zu diesen Weltverbesserern, die nackt im Regen tanzten. Oder den Idioten, die ihre Umgebung mit „Rettet den Regenwald“-Flyern tapezierten, für deren Produktion ein Großteil des Selben wahrscheinlich draufgegangen war, während die Ausdünstungen ihrer Haare ihr Übriges zum Treibhauseffekt taten.<br />
Nein, da war Herr Schmoo gegen.<br />
Er war einfach jemand der gerne protestierte, jemand, der seine Meinung sagte, wenn sie gehört werden wollte. Zugegeben auch, wenn sie niemand hören wollte.<br />
Herr Schmoo hatte schon mit den Linken gegen die Rechten protestiert und mit den Rechten gegen die Linken. Und dann mit den Protestgegnern gegen die ganzen Demonstrationen.<br />
Er hatte sogar die Partei der Nichtwähler gewählt. Einfach aus Protest.<br />
Einmal hatte ihn jemand gefragt, ob er eigentlich gegen alles sei. Herr Schmoo hatte kurz überlegt, dann hatte er gesagt: „Ich hab nichts gegen Protest.“ Natürlich hatte er auch schon gegen die freie Meinungsäußerung demonstriert, aber da hatte ihm schon keiner mehr zugehört.<br />
Auch als er anfing über die Dinge nachzudenken, gegen die er protestiert hatte und eine vertretbare Meinung entwickelte, hatten die Jüngeren ihn nur belächelt. „Er wird senil, der Schmoo.“, hatten sie gesagt und ihn in ein Altersheim gesteckt. Natürlich hatte Herr Schmoo protestiert, doch es hatte nichts geholfen. Irgendwann kamen sie in seinen Bungalow und nahmen ihn einfach mit.<br />
Und als er ankam in der Hölle aus Beton und Haferbrei und durch die endlosen kalten Flure schlurfte, da wurde Herrn Schmoo klar, dass er endlich seinen Platz gefunden hatte. Das Heim war ein Paradies für jeden Protestierenden.<br />
Und Herr Schmoo protestierte: Gegen das schlechte Essen, das ihm den Magen verdarb, gegen die harten Matratzen, die ihm das Rückgrat zermalmten, gegen zu wenig Medikamente, gegen zu kalte Zimmer und gegen die hässlichen Pflegerinnen.<br />
Er fand einfach immer neue Probleme gegen die er wettern konnte.<br />
Und zum ersten Mal in seinem Leben war Herr Schmoo wirklich glücklich.</p>
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		<item>
		<title>5. Advent &#8211; Fotos des Tages</title>
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		<pubDate>Sun, 12 Dec 2010 18:18:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thom*</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einblick]]></category>

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		<description><![CDATA[Noch mehr Fotos gibt es hier als Diashow
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1267" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><img src="http://www.schmalzundmarmela.de/wp-content/uploads/2010/12/20101212_5.Advent_027-500x333.jpg" alt="5. Advent - Foto: Ulli Wille" title="5. Advent - Foto: Ulli Wille" width="500" height="333" class="size-medium wp-image-1267" /><p class="wp-caption-text">5. Advent - Foto: Ulli Wille</p></div>
<div id="attachment_1268" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><img src="http://www.schmalzundmarmela.de/wp-content/uploads/2010/12/20101212_5.Advent_014-500x333.jpg" alt="5. Advent - Foto: Ulli Wille" title="5. Advent - Foto: Ulli Wille" width="500" height="333" class="size-medium wp-image-1268" /><p class="wp-caption-text">5. Advent - Foto: Ulli Wille</p></div>
<div id="attachment_1269" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><img src="http://www.schmalzundmarmela.de/wp-content/uploads/2010/12/20101212_5.Advent_033-500x333.jpg" alt="5. Advent - Foto: Ulli Wille" title="5. Advent - Foto: Ulli Wille" width="500" height="333" class="size-medium wp-image-1269" /><p class="wp-caption-text">5. Advent - Foto: Ulli Wille</p></div>
<p><a href="http://www.flickr.com/photos/sandmann/sets/72157625583496016/show/">Noch mehr Fotos gibt es hier als Diashow</a></p>
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		</item>
		<item>
		<title>5. Advent &#8211; Tini las</title>
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		<pubDate>Sun, 12 Dec 2010 17:52:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thom*</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einblick]]></category>

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		<description><![CDATA[Du &#038; ich
AN, NICHT ZU WEIHNACHTEN

Du &#038; ich
Du und ich.
Ich und du.
Müllers Esel das
sind manchmal wir beide
wahrscheinlich öfter ich
du erklärst nämlich logischer warum jetzt ich
trotzdem: wir beide.
Du und ich.
Mal bist du
und ich bin weg
wenn wir uns dann sehen
trinken wir Kaffee
und oft rauchst du doppelt, hast aber nur eine in der Hand
Vieles was dein Stil ist,
 [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Du &#038; ich</strong></p>
<p><strong>AN, NICHT ZU WEIHNACHTEN</strong></p>
<p><span id="more-1275"></span></p>
<p><strong>Du &#038; ich</strong></p>
<p>Du und ich.<br />
Ich und du.<br />
Müllers Esel das<br />
sind manchmal wir beide<br />
wahrscheinlich öfter ich<br />
du erklärst nämlich logischer warum jetzt ich<br />
trotzdem: wir beide.</p>
<p>Du und ich.<br />
Mal bist du<br />
und ich bin weg<br />
wenn wir uns dann sehen<br />
trinken wir Kaffee<br />
und oft rauchst du doppelt, hast aber nur eine in der Hand</p>
<p>Vieles was dein Stil ist,<br />
 ist nicht meiner<br />
Vieles, was ich schätze,<br />
schätzt du nicht;<br />
du bist am Ziel,<br />
 ich reise noch.<br />
Aber was am Anfang steht und stand das<br />
sind du und ich. </p>
<p><strong>AN, NICHT ZU WEIHNACHTEN</strong></p>
<p>24.Dezember, 6.30:<br />
Mein Wecker klingelt.</p>
<p>6.35:<br />
Mama kommt rein. „Hey du musst aufstehen! Du hattest versprochen mitzukommen.“</p>
<p>7.00<br />
Ich quetsche mich mit neben Mama in eine Tiefkühltruhe von Auto, die über Nacht von zwanzig Zentimetern Neuschnee zu gedeckt wurde. Ich bibbere im Auto, Mama schippt draußen, zehn Minuten später rasen wir dem um 8.00  Uhr öffnendem Fischhändler entgegen. Wie jedes Jahr erklärt sie, dass sie nächstes Jahr den Fisch vorher bestellen wird, und ich nicke wie jedes Jahr und mein Déjà-vu beginnt. Gleich wird sie fragen….<br />
„Weißt du noch was wir alles kaufen müssen?“fragt Mama. Wieder nicke ich und beginne aufzusagen: Lachs.<br />
Bei uns gibt es Weihnachten immer Lachs, niemals Karpfen blau. Meine Mama hasst Karpfen. Als Kind schwamm bei ihr der Karpfen am 17.  in der heimischen Badewanne, um sie dann an Heiligabend  von der Servierplatte aus anzustarren. Also&#8212;Lachs. Nicht vorbestellt. Dummerweise gilt beim Fischhändler eisernes Marktgesetz:<br />
Wer zuerst kommt, kauft zuerst, und immer ein bisschen mehr als nötig: „Man kann ja nie wissen.“<br />
Zwanzig vor Acht reihen wir uns in die Schlange der wartenden.</p>
<p>9.30<br />
Man erlaubt mir neben Weihnachtsbaum schmücken, Weihnachtslieder singen und zwischen Küche und Keller hin und her zu hetzen tatsächlich einen lauwarmen Kaffee zu trinken.<br />
Papa und Clara singen aus voller Kehle, ich kriege einen Ohrwurm von  „Oh du Fröhliche“.</p>
<p>10.30<br />
Ich soll mein Zimmer aufräumen, sagt Mama. Mit 5 Jahren habe ich mal gefragt, was das denn hieße, aufräumen; worauf meine Mutter antwortete: „Du sollst dein Spielzeug zur Seite räumen, damit man durch dein Zimmer gehen kann. Fataler Fehler. Ich schaufele einen Weg durch mein Zimmer zum Bett, lasse mich fallen und schlafe ein.</p>
<p>11.30<br />
Mama hat mich beim Schlafen erwischt und ist jetzt noch nervöser als vorher. Zimmer nicht aufräumt, Müll nicht draußen, Kind liegt noch im Bett und riecht auch so. Sie beginnt in leisem Gemurmel vor sich hin zu fluchen. Ich schätze: „Nervositätsstufe zwei von zehn“ und drehe mich nochmal um.<br />
Mama ruft im Rausgehen, ich solle den Tisch decken und mich bitte mal waschen.</p>
<p>13.00<br />
Ein kaltes Mittagsessen aus Toast und Geflügelsalat wird schweigend eingenommen. Mama ist sauer weil sie mich gerade mit einer Standpauke aus dem Bett getrieben hat und weder der Tisch gedeckt ist noch ich gewaschen bin. Papa und Clara sind ein wenig heiser vom Singen.<br />
Stille Nacht, heilige Nacht.</p>
<p>15.00:„Zieh dir was Ordentliches an!“<br />
15.15:„Das ist nicht dein Ernst!“</p>
<p>15.30<br />
Meine Großeltern treffen wie üblich eine halbe Stunde vorher ein, die Skala meiner Mama erreicht die Stufe fünf. Die beiden werden mit Kaffee, Kuchen und geringfügigem Small-Talk versorgt und vor dem Fernseher mit der Feuerzangenbowle-DVD geparkt.</p>
<p>18.15<br />
Opa Nummer zwei, ich nenne ihn den großen Opa, erreicht die Stätte des heiligen Beschenkvollzuges, augenblicklich wird ein Spaziergang iniziert. Ich darf mit dem Opa Nummer eins, meinem kleinen Opa, zuhause bleiben. Ich höre mir die Geschichte von seinem Jagdunfall in der neusten Version und noch einmal meinen Familienstammbaum mütterlicherseits an.</p>
<p>18.35<br />
Beim Wiedereintreffen der Spaziergänger stehen -Oh Wunder!- zwei Säcke mit eindeutigen Ausbeulungen vor der Tür. „Geschenke!“  schreit Clara und läuft ab da nur noch im Kreis.<br />
Mama reist mir die Widmungskarte von einem der Säcke aus der Hand, in der golden gedruckt „Mit besten Grüßen- Äpfel Maier“ steht.</p>
<p>18.45<br />
Wir gehen zum kulturellen Pflichtprogramm über.<br />
Clara beginnt mit: „Lieber guter Weihnachtsmann..“ ist sofort Liebling der Versammlung (was sie sowieso schon ist) und darf sich wieder setzen.<br />
Als ich ähnliche Versuche starte, wird direkt abgebrochen. Nicht mal Heinz Erhardt zieht. Seufzend hole ich die Gitarre, spiele einen unpassenden aber komplizierten Walzer, alle sind begeistert.<br />
Geschenke? Wo denke ich hin, jetzt kommt doch der eigentliche Höhepunkt:<br />
Das „Oh Tannebaum“.<br />
Wir kreisen den selbst geschlagenen und geschmückten Weihnachtsbaum ein. Dieses Jahr, erklärt Papa stolz, habe er ihn in die Akazie gehängt, damit er nicht wieder von Nachbarkatzen markiert wird.<br />
Doch in so engem Kontakt zum Baum und unterstützt von der Hitze der Kerzen geht jedem von uns auf, dass es auch dieses Jahr wieder nicht so ganz geklappt hat.<br />
Papa räuspert sich verlegen und stimmt „Oh Tannebaum“ an.<br />
Mit einer Verzögerung von insgesamt zehn Sekunden zieht der Rest der Familie hinterher, der Refrain: laut, nur dezent wacklig, leicht kanonartig. Erste Strophe.: tadellos. Ab Strophe zwei geht die Gesangsgruppe ins piano  und in eine Stimmführung, die ich hier mal als „voce nuschel“ bezeichne über. Dafür aber der Refrain wieder so laut und falsch wie eh und je. Schön.</p>
<p>19.05<br />
Jetzt aber: Geschenke!<br />
Clara hüpft ähnlich einer auf Herdplatten wandelnden Katze, hilft beim Sack auspacken mit fleißigen Namenvorlesen, schmeißt zufällig auch Päckchen mit der Aufschrift Mama, Papa und Opa auf ihr Häufchen, das innerhalb kürzester Zeit Bergeshöhe  erreicht . Mama erklärt nebenher lächelnd, dass sie das gar nicht verstehen könne und dass Clara dem Weihnachtsmann aber sehr danken müsste.</p>
<p>20.10<br />
Essen. Lachs auf Spinat, vier Sorten Gemüse, Fischstäbchen. Oma fragt wie jedes Jahr warum es kein Karpfen blau gibt und wird wie jedes Jahr übergangen. Der kleine Opa packt noch eine Runde Jägerlatein zum sanften Duft des Weihnachtsbaumes aus, der große Opa ist schon zu den Enkelkindern drei Kilometer weiter gedüst. Die sind nämlich älter und können deswegen länger auf Geschenke warten. Ätsch.<br />
Nach dem Essen werden sich auch meine anderen Großeltern schnell verziehen,  weil dem kleinem Opa fahren im Dunkeln immer ein bisschen unheimlich ist.</p>
<p>21.55<br />
Das Auto der Großeltern rollt vom Hof.<br />
Das Gesicht meiner Mama entspannt sich zu einem Lächeln.<br />
 Sie denkt an das morgige große Familienessen mit besagten Verwandten in drei Kilometern Entfernung, bei dem wir uns jedes Jahr mit ihnen abwechseln und wir dieses Jahr nicht dran sind. </p>
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		</item>
		<item>
		<title>5. Advent &#8211; Max las</title>
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		<pubDate>Sun, 12 Dec 2010 17:45:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thom*</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einblick]]></category>

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		<description><![CDATA[Was ist Weihnachten?
Töchterchens Weihnachtswünsche

Was ist Weihnachten?
Wenn Sie jemand fragt, was Weihnachten ist, und keine Ahnung hat worum es dabei geht, wie würden sie es ihm erklären? Tja, das ist gar nicht so einfach, nicht wahr? Aber ich habe es einmal versucht.
Weihnachten, das ist wenn sich die ganze Familie zusammen in einen, recht sauerstoffarmen Raum zwängt, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Was ist Weihnachten?</strong></p>
<p><strong>Töchterchens Weihnachtswünsche</strong></p>
<p><span id="more-1264"></span></p>
<p><strong>Was ist Weihnachten?</strong></p>
<p>Wenn Sie jemand fragt, was Weihnachten ist, und keine Ahnung hat worum es dabei geht, wie würden sie es ihm erklären? Tja, das ist gar nicht so einfach, nicht wahr? Aber ich habe es einmal versucht.<br />
Weihnachten, das ist wenn sich die ganze Familie zusammen in einen, recht sauerstoffarmen Raum zwängt, wohl wissend, dass sie sich nach diesem Abend wahrscheinlich für lange Zeit aus dem Weg gehen werden.<br />
Das ist, wenn ein kleines fettleibiges Kind im Wohnzimmer ein kitschiges Gedicht herausrotzt.<br />
An Weihnachten schleppt man ein stachliges Gestrüpp in sein Haus und behängt es mit allerlei Schwermetall.<br />
Und, an Weihnachten wird gestritten. Die wohl wichtigste Tradition, ist der gute alte Weihnachtsstreit. Die Familienmitglieder keifen sich gegenseitig an, während die Kinder weinen.<br />
Da wird noch einmal das gesamte letzte Jahr in recht pessimistischer Art und Weise zusammengefasst. Den Sabberbrocken sollte man dabei ausweichen.<br />
Nachdem entweder Luft oder Argumente ausgegangen sind, und sich dadurch alles wieder beruhigt hat, werden die Kinder in einen Raum gesperrt und an ein Massenverblödungsmittel angeschlossen<br />
Während die Verwandten eine beträchtliche Menge bunter Pakete vor dem Ofen stapeln, glotzen die Kleinen weiter, in der naiven Annahme ein rot gekleideter, adipöser Greis würde sich durch ihren Kamin zwängen, um sie zu beschenken.<br />
Nun trifft sich die Familie wieder in der Stube, die Geschenke werden ausgepackt und die materielle Wollust der Kinder wird endlich befriedigt.<br />
Ach ja, und dann war da noch was mit Religion. Aber, das ist nicht so wichtig.</p>
<p><strong>Töchterchens Weihnachtswünsche</strong></p>
<p>Papi.<br />
Ja, Zuckermaus?<br />
Papi, weißt du was ich mir zu Weihnachten wünsche?<br />
Nein, mein Honigkuchenpferdchen.<br />
Papi, ich will ein I Phone!<br />
Wir haben doch schon einen Eierkocher, wozu brauchst du da noch einen Eierföhn?<br />
Nicht Eierföhn, Papi, sondern I Phone!<br />
I Phone&#8230; Und was ist das?<br />
Das ist ein Handy.<br />
Ein Handy? Aber du hast doch ein Neues zu deinem letzten Geburtstag bekommen.<br />
Och Papa, das ist aber sooo alt! Das I Phone ist viel besser.<br />
Kannst du dir nichts sinnvolles wünschen? Etwas kleineres? Oder etwas, das uns allen etwas bringt?<br />
O.K., dann wünsche ich mir den Weltfrieden!<br />
Den Weltfrieden&#8230; Den Weltfrieden?<br />
Ja genau!<br />
Nun hör mir mal zu mein kleines Hasenfürzchen: Das mit dem Weltfrieden ist so eine Sache&#8230;<br />
Papiiii, ich will meinen Weltfrieden.<br />
Aber Mäuschen&#8230;<br />
Ich will meinen Weltfrieden.<br />
Aber ich kann die keinen Weltfrieden schenken!<br />
Wenn ich keinen Weltfrieden kriege, dann schrei ich!<br />
Aber Spätzchen!<br />
Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaah&#8230;<br />
Prinzessin!<br />
Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaah&#8230;<br />
Schmusebärchen!<br />
Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaah&#8230;<br />
O.K., O.K., sei nur bitte still!<br />
Aaaaaaah! Ich will meinen Weltfrieden.<br />
Aber wie soll ich das machen?<br />
Ichwillichwillichwillichwillichwillichwillichwill!<br />
Aber ich kann nicht!<br />
Papi, ich will meinen Weltfrieden!<br />
Rattenzähnchen, das wollen wir doch alle! Aber, das ist nicht so leicht.Wir Menschen führen einfach manchmal Krieg. Und da kann ich nichts dran ändern. Manchmal ist jemandem halt jedes Mittel recht um seinen Willen zu bekommen.<br />
Ich halt jetzt so lange die Luft an, bis kriege was ich will.<br />
Aber Katzenpfötchen!<br />
Hooooooooooooouuuuuuup<br />
Käferäuglein, der Papa bekommt Angst.<br />
…<br />
Stikefüßchen, hör auf damit!<br />
…<br />
Schon gut, schon gut, du kriegst ja alles was du willst. Aber kann es nicht etwas Kleineres sein?<br />
Huuuuuuuuuuu&#8230; O.K., ich will ein I Phone.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>5. Advent &#8211; Herr thom* las</title>
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		<pubDate>Sun, 12 Dec 2010 15:37:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thom*</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einblick]]></category>

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		<description><![CDATA[Hallo, mein Name ist Horst Schwerinski und das Kind ist weg.
Amok

&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;
Hallo, mein Name ist Horst Schwerinski und das Kind ist weg.
Eben bei de Bescherung wars noch da. Jetzt isses weg. Und nu is die janze bucklige Verwandtschaft am Suchen. 
Hamse wenigstens ma was zu tun &#8211; Pfeifen die. Hocken hier seit drei Tagen rum und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Hallo, mein Name ist Horst Schwerinski und das Kind ist weg.</strong></p>
<p><strong>Amok</strong></p>
<p><span id="more-1262"></span></p>
<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;</p>
<p><strong>Hallo, mein Name ist Horst Schwerinski und das Kind ist weg.</strong></p>
<p>Eben bei de Bescherung wars noch da. Jetzt isses weg. Und nu is die janze bucklige Verwandtschaft am Suchen. </p>
<p>Hamse wenigstens ma was zu tun &#8211; Pfeifen die. Hocken hier seit drei Tagen rum und rühren keinen Finger. Glaubense nich, das da ma einer gesacht hätte, komm ick helf dir, ick kratze mir den Kartoffelsalat selber ausse Aldi-Packung. Neee, lassen sich bedienen von vorn bis hinten.</p>
<p>Mein Schwager zum Beispiel, krümmt keinen Finger hier in unsern Haushalt&#8230; stattdessen hüppt der den ganzen Tag nur um seine Holde rum, Küsschen vorne, Küsschen hinten&#8230; „Meine Elfe“ sacht er zu ihr&#8230; Elfe!!!! </p>
<p>Man soll ja nich im Glashaus steinigen, aber jestern wurd mir das denn zu bunt&#8230; Ha ick ihn jefragt, ob er Peter Pan jesehen hat und ob ihm da vielleicht auch aufjefallen ist, dass Julia Roberts da die Elfe spielt und nich John Goodman.  Hatter nich verstanden&#8230; </p>
<p>Und abends bein Fernsehen massiert er ihr die Füße.  Musste dir ma vorstellen, die leecht ihre Mauken so von Sessel zu Sessel quer über unsern Adventskranz und denn knetet der los. Mit einer Hinjabe! Und sie macht denn immer so mhhhh und aaaahhh dazu&#8230; Wenn denn noch Bilder von nem Pumajehege im Zoo inne Tagesschau kommen, denkste, det is Jeruchsfernsehen. </p>
<p>Wenn die dat morjen wieder machen, zünd ick aba die Kerzen an, kannste wissen.</p>
<p>Aba ick jloob nich, dat die das morjen wieder macht&#8230; An Ende hat sich nämlich det Kind nen Spaß draus jemacht und seine Luftballons auf der ihr Schienbein geschubst und sich diebisch jefreut, wie die jeplatzt sind&#8230;</p>
<p>Aba det is ja nun wech dat Kind&#8230; Eben beide Bescherung wars noch da&#8230; Nu isses wech&#8230;. Und die janze bucklige Verwandtschaft is an Suchen&#8230;  </p>
<p>Ick? Ick nich&#8230; Einer muss doch aufn Adventskranz ufpassen. Kind wech und Adventskranz abjebrannt &#8211; da wär ja det janze Fest in Eimer&#8230;</p>
<p>Aprospos in Eimer&#8230; Mein Schwager und die Elfe, die haben det ja janz anders jelöst als wie wir. Bei denen jeht er arbeiten und sie bleibt ßu Hause. Kann man machen. Klar. Aba det hat nu den Effekt, dass wenn er ihr nich die Füße massiert, dasser denn immer mit sein Handy an Spielen is&#8230; Weil er ja was mit Internet macht, sacht er und da musser immer gucken, ob seine Surfer noch laufen&#8230; </p>
<p>Aber ick jloobe, dat sind eher so Surferinnen und janz in Ordnung schienen die nich zu sein, denn wie ick neulich mal jeguckt hab, uff sein Handy, da stand da „Kreditkarte nicht akzeptiert &#8211; Verbindung mit www.Schlampenlaufenheiß.de wurde unterbrochen&#8230;“ Wie er das mitjekricht hat, wurd er janz rot und hat jestammelt, det sei ne Testumjebung für son neuet Projekt.  Na det is halt die neue Welt, wa&#8230; bei uns hieß Testumjebung noch Rotlichtviertel&#8230; Und wir ham auch nie nich Projekt dazu jesacht&#8230;</p>
<p>Aprospos Projekt&#8230; Det Kind is immer noch weg, wa? Eben beide Bescherung wars noch da&#8230;</p>
<p>Den Weihnachtsmann ha ick ja in diesen Jahr selber jespielt. Ha ick mir die Sackkarre ausn Keller jeholt, den janzen Krempel in son jroßen Kartoffelsack jepackt und hab mir det schön uffn Balkon zurecht jestellt.  Bein Einpacken ha ick noch jedacht, wenn det Kleene lesen könnte, würds sicher denken, der Weihnachtsmann heißt Amazon&#8230; </p>
<p>Ick also raus aufn Balkon, rote Mütze, Bart, Mantel, ne Rute ha ick mir aus unsern Ficus jeschnitzt und denn bin ick rinjestürzt inne jute Stube. Wat vor allem daran lag, det die Sackkarre nich über die Schwelle wollte, ick aba schon so in Schwung war. Und denn bin ick mitn Fuß och noch inne Lichterkette hängen jeblieben und denn war det Schlamassel perfekt. Mein Schwager is vor Schreck det Handy ausse Hand jefallen und ausjerechnet uf det Schienbein von seine Elfe jeplumps &#8211; nu hat der Bildschirm lauter hässliche Kratzer. Nur det Kind is janz ruhig jeblieben und hat jefracht, Papa is Dir wat passiert?</p>
<p>An Ende ham wir denn den Baum wieder uffjestellt und denn wurd det ja noch janz harmonisch. Ick hab Socken und Deo ausjepackt, meine Frau ha ickn Jutschein für Blume 2000 jeschenkt und als hätt sies jeahnt hat die Elfe mein Schwager ne Schutzhülle fürs Telefon jekooft. Ick hatte denn nur das Jefühl das die Elfe höchstselbst ihre Begeisterung für den w-lan-router nur jespielt hat. </p>
<p>Damit warn wir denn auch nach drei Minuten durch und denn fing det Kind an. Puppenstube, Autorennbahn, Cornelia Funkes gesammelte Werke, das Laborset für die kleine Chemikerin und und und. Ick hab denn aus lauter Langeweile schon det Weihnachtsmärchen in Fernsehen anjemacht, det fing nämlich jrad an und wat soll ick sagen pünktlich mitten Abspann, da war det Kind denn och endlich mit auspacken fertig. </p>
<p>Aber det is nu weg, det Kind&#8230; Ick überlech grad, wann ick det das letzte Mal jesehen hab&#8230; Hat det Kleene nich nachn Auspacken so voller Inbrunst mit den Pappkartons jespielt? Aba die ha ick doch nu schon in Papierkontainer jebracht&#8230; Mh&#8230;</p>
<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;</p>
<p><strong>Amok &#8211; ein Lied</strong></p>
<p>Amok<br />
Die Welt läuft Amok<br />
Der Grund steht im Kalender &#8211; es ist Dezember.<br />
Amok. Die Welt läuft Amok<br />
Der Grund steht im Kalender &#8211; es ist Dezember.</p>
<p>Meine Bank hat sich saniert mit meinen Dispozinsen<br />
Im Einzelhandel sehe ich die Einzelhändler grinsen<br />
Mein Tankwart hat sich nagelneue Preise ausgedacht<br />
Und spielt als Soundtrack an der Autobahn: Stille Nacht</p>
<p>Stille Nacht, heilige Nacht,<br />
alles schläft, einsam wacht<br />
nur das traute hochheilige Paar<br />
der Mann am Schwenkgrill &#8211; die Frau an der Bar</p>
<p>&#8230;da gibts Glühwein und Met bis keiner mehr steht.<br />
Last Christmas i gave you my heart<br />
&#8230;da gibt Mutzen und Glögg &#8211; die Welt ist verröckt<br />
but the very next day you gave it away&#8230;</p>
<p>Amok<br />
Die Welt läuft Amok<br />
Der Grund steht im Kalender &#8211; es ist Dezember.<br />
Amok. Die Welt läuft Amok<br />
Der Grund steht im Kalender &#8211; es ist Dezember.</p>
<p>Jedes Kind spielt im Schnitt 15 Weihnachtskonzerte<br />
Der Pastor kommt ins Radio als Weihnachtsexperte<br />
Doch bevor er kurz und knapp die frohe Botschaft verkündet<br />
Spielt der Radiomann: Sind die Lichter angezündet</p>
<p>Sind die Lichter angezündet, Freude zieht in jeden Raum.  Weihnachtsfreude wird verkündet,<br />
Im Dezember brennt der Baum</p>
<p>&#8230;dann gibts Glühwein und Met bis keiner mehr steht.<br />
Last Christmas i gave you my heart<br />
&#8230;da gibt Mutzen und Glögg &#8211; die Welt ist verröckt<br />
but the very next day you gave it away&#8230;</p>
<p>Amok<br />
Die Welt läuft Amok<br />
Der Grund steht im Kalender &#8211; es ist Dezember.<br />
Amok. Die Welt läuft Amok<br />
Der Grund steht im Kalender &#8211; es ist Dezember.</p>
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		<title>Pro! &#8211; Foto des Tages</title>
		<link>http://www.schmalzundmarmela.de/2010/10/10/pro-foto-des-tages/</link>
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		<pubDate>Sun, 10 Oct 2010 17:54:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thom*</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einblick]]></category>

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		<description><![CDATA[Foto: Ulli Wille &#8211; Diashow
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1247" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><img src="http://www.schmalzundmarmela.de/wp-content/uploads/2010/10/20101010_SuM_PRO_020-Kopie-500x333.jpg" alt="Pro!" title="Pro!" width="500" height="333" class="size-medium wp-image-1247" /><p class="wp-caption-text">Pro!</p></div>
<p>Foto: Ulli Wille &#8211; <a href="http://www.flickr.com/photos/sandmann/sets/72157625133863840/show/">Diashow</a></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Pro! &#8211; Tini las</title>
		<link>http://www.schmalzundmarmela.de/2010/10/10/pro-tini-las/</link>
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		<pubDate>Sun, 10 Oct 2010 17:34:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thom*</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einblick]]></category>

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		<description><![CDATA[Pro-Prosa zum Zählen
Ehre die Farbe!

Ehre die Farbe!
Ehre das Blau,
aber lass dich nicht immer von Gott Blauheit heimfahren,
Ehre das Lila
denn vielleicht wird es dir eines Tages ringförmig um die Augen stehen
Und ehre das Schwarz
außer du willst Emos diskriminieren.
Ehre das Grün
Denn eines Tages wir deine Mutter meinen: Grün fördert die Konzentration!“ und dein Zimmer mintgrün streichen
Ehre das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Pro-Prosa zum Zählen</p>
<p>Ehre die Farbe!</strong></p>
<p><span id="more-1242"></span></p>
<p><strong>Ehre die Farbe!</strong></p>
<p>Ehre das Blau,<br />
aber lass dich nicht immer von Gott Blauheit heimfahren,<br />
Ehre das Lila<br />
denn vielleicht wird es dir eines Tages ringförmig um die Augen stehen<br />
Und ehre das Schwarz<br />
außer du willst Emos diskriminieren.</p>
<p>Ehre das Grün<br />
Denn eines Tages wir deine Mutter meinen: Grün fördert die Konzentration!“ und dein Zimmer mintgrün streichen<br />
Ehre das Rot<br />
Denn Ketchupflecken sind hartnäckig (auch im Gedächtnis) und werden dafür von jedem geliebt<br />
Ehre das Gelb,<br />
auch jenes das Unbekannte aus Spaß und Freude in den Schnee malen<br />
Und ehre das Orange,<br />
denn Ringelblumen können zwei Dinge selbst in kilometerweiter Entfernung: stinken und strahlen.</p>
<p>Auch ehre das Grau,<br />
denn du wolltest bestimmt schon einmal unsichtbar sein,<br />
Und ehre das Weiß,<br />
obwohl heute nur noch die Reinheit von Ariel cool ist, aber sie es existiert bis heute.</p>
<p>Und denke stets daran:<br />
Vielleicht bist du hässlich. Aber Farben machen schön!</p>
<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;</p>
<p><strong>Pro-Prosa zum Zählen</strong></p>
<p>Probleme. Probleme. Pro-blähung. Proktophantamisten meinen :<br />
Proletprophet weil proteisch wie Protest.<br />
Prothese.<br />
Schon mal proporz gedacht?<br />
Wir fordern: eine provenziale Propretätspromenade zur neuen Proviant-pro-Kopf-Verbrauchs-Produktion.<br />
Dafür noch gesucht: ein Profitprogeniturprofessionist.<br />
Kein Profitchen, nicht prodomo.<br />
Alle Probanden für das promethische Projekt :hierher!<br />
Wir sind die Profanitätsprokura! Nur Prohibilisten schüren Profanität profanierende Prophezeihungen! Wir überwinden die Profilneurose!<br />
Etwas abseits grinst der Prohabilismus und sagt: Prost!<br />
Prost pro Pro-prosa!</p>
<p>38</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Pro! &#8211; Herr thom* las</title>
		<link>http://www.schmalzundmarmela.de/2010/10/10/pro-herr-thom-las/</link>
		<comments>http://www.schmalzundmarmela.de/2010/10/10/pro-herr-thom-las/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 10 Oct 2010 17:15:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thom*</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einblick]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.schmalzundmarmela.de/?p=1240</guid>
		<description><![CDATA[Prokrastinier mit mir!
Der Alte und ich

Prokrastinier mit mir!
Es gibt soviel zu tun, soviel zu tun
lassen wirs bleiben
bleiben
Es gibt soviel zu tun, soviel zu tun
komm lass uns treiben
treiben
Prokrastinier mit mir &#8211; aha
Prokrastinier mit mir &#8211; aha
Prokrastinier mit mir &#8211; aha
Pro kras ti nier mit mir
Wir sind nicht träge, sind nicht faul, wir wissen nur genau,
es hat [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Prokrastinier mit mir!</p>
<p>Der Alte und ich</strong></p>
<p><span id="more-1240"></span></p>
<p><strong>Prokrastinier mit mir!</strong></p>
<p>Es gibt soviel zu tun, soviel zu tun<br />
lassen wirs bleiben<br />
bleiben<br />
Es gibt soviel zu tun, soviel zu tun<br />
komm lass uns treiben<br />
treiben</p>
<p>Prokrastinier mit mir &#8211; aha<br />
Prokrastinier mit mir &#8211; aha<br />
Prokrastinier mit mir &#8211; aha<br />
Pro kras ti nier mit mir</p>
<p>Wir sind nicht träge, sind nicht faul, wir wissen nur genau,<br />
es hat alles seine Zeit<br />
seine Zeit<br />
Wir sind nicht träge, sind nicht faul, wir wissen nur genau,<br />
noch ist es nicht so weit<br />
nicht so weit</p>
<p>Prokrastinier mit mir &#8211; aha<br />
Prokrastinier mit mir &#8211; aha<br />
Prokrastinier mit mir &#8211; aha<br />
Pro kras ti nier mit mir</p>
<p>Es gibt immer einen allerallerletzten Moment<br />
und wir sind klug genug solange zu warten<br />
Du prokrastinierst vor dem Theaterkanal<br />
und ich sortier derweil ein paar Daten</p>
<p>Prokrastinier mit mir &#8211; aha<br />
Prokrastinier mit mir &#8211; aha<br />
Prokrastinier mit mir &#8211; aha<br />
Pro kras ti nier mit mir</p>
<p>Wir waschen ab, wir wischen weg, wir dichten ab, wir schlagen Leck<br />
mit bloßen Füßen<br />
Füßen<br />
Wir räumen ab, wir räumen um, backen Kuchen, brennen Rum<br />
weil wir nicht müssen<br />
nicht müssen</p>
<p>Prokrastinier mit mir &#8211; aha<br />
Prokrastinier mit mir &#8211; aha<br />
Prokrastinier mit mir &#8211; aha<br />
Pro kras ti nier mit mir</p>
<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;</p>
<p><strong>Der Alte und ich</strong></p>
<p>Frühnebel hing in der Senke zum Dorfweiher. Fern bellte ein Hund. Die halbherzig von alter Farbe befreite Tür des Gutshauses war nur angelehnt. „Guten Morgen“, rief ich von der Treppe aus hinein, „Morgen“ kam es dumpf aus dem Inneren zurück. Dielen knarrten unter schlurfenden Schritten, dann drückte ein gewaltiger Kopf sich zwischen Tür und Rahmen ins Freie.  „Wir hatten telefoniert?“, fragte ich vorsichtig &#8211; gegenüber hoben sich Augenbrauen, eine Stirn schlug Falten und ich konnte Augen sehen, tief in den Höhlen und eingezwängt zwischen Wangenpolstern und hängenden Lidern. „Kommse junger Mann“. </p>
<p>Mein Zimmer war eine Kammer unter dem Dach, ich schaute durch das Ochsenauge auf Kühe, die sich drängten an der Tränke. Meine Gastgeberin hatte wortlos die Treppe hinauf gewiesen, mit einer knappen Geste. Wie in Zeitlupe war sie dann durch die Diele geächzt und in einem angrenzenden Zimmer verschwunden. Als am Fenster sie vorbeischlich, war es dunkel geworden für einen Moment. </p>
<p>Dunkel war auch meine Kammer. Die Möbel &#8211; alt, aus den 50ern schätze ich, eine Kommode, darauf eine Häkeldeckchen von einer Glasplatte plattgedrückt. Ein Kleiderschrank mit gülden geschwungenen Türgriffen und knarrenden Scharnieren, auf der Matratze wölbte sich ein schweres Federbett, das hölzerne Bettgestell war von unzähligen Löchern durchsiebt. Die Glaskelche der Deckenlampen, das mit Fliesensplittern belegte Nierentischchen &#8211; alles hier hatte mindestens 50 Jahre auf dem Buckel. Ich musste an Berliner Flohmärkte denken &#8211; im Prenzlauer Berg hätten die zugezogenen Designerschwaben für so eine Einrichtung ein Vermögen bezahlt. Bei der alten Tante meines Chefredakteurs hingegen, war es das Mobiliar im Fremdenzimmer.</p>
<p>„Ein paar Tage auf dem Lande werden Dir gut tun &#8211; und ich hab da auch schon eine Unterkunft für dich“, hatte mein Chefredakteur gesagt und furchtbar großzügig getan. Dabei war uns beiden klar, dass wer nicht da ist, auch nicht bezahlt werden muss und so wir beide von meinem Zwangsurlaub profitieren würden. Doch wie viele meiner fest angestellten Kollegen war Chef ein Meister der herbeigefühlten Realität und ich sah förmlich, wie er sich auf die Schulter klopfte bei seinem Angebot. Fürsorgepflicht. Auf dem Führungskräfteseminar gelernt. Dem ist die Mutter gestorben und der erholt sich nicht davon, da müssen wir was tun. Pah! Auf der anderen Seite hatte er natürlich Recht &#8211; ich hatte in dieser Woche schon zwei Frühschichten verschlafen und drei Nachrichtenblöcke in den Sand gesetzt. „Der tschechische Regisseur Pawel Tschuktschew ist tot. Er befanden sich an Bord einer tschetschenischen Passagiermaschine die aus Tschechien kommend über der turkmenischen Hauptstadt Aschgabat abgestürzt war“. Tschechische Regisseure. Tschetschenische Passagiermaschine. Aschgabat. Unter normalen Umständen hätte ich so einen Satz gar nicht erst mit ins Studio genommen. Dazu meine Augenränder und dieses Zucken&#8230; Ich fügte mich also in meine ersten freien Tage seit 16 Monaten.</p>
<p>Draußen hatte Sonne den Nebel aus dem Weiher getrieben. Ich suchte meine Radlerhose im kleinen Koffer und das Trikot mit den Taschen auf dem Rücken, zog mich um. Der Spiegel im Kleiderschrank zeigte mir eine stattliche Wölbung unterhalb der Brust, eine Wölbung, die der Stoff nur knapp bedeckte. Irgendwie ist das Hemdchen kürzer geworden im letzten Jahr, dachte ich die Treppen hinunter. Vor dem Haus hob ich das Rennrad vom Dach des Kombis, die Pedalverschlüsse klickten und im Schneckentempo tastete ich mich auf dem Feldsteinpflaster von der Wendeschleife am Gutshaus in Richtung Hauptstraße.</p>
<p>Als ich spät am Nachmittag zurück war, von einer Runde an Seen entlang und durch Laubwälder &#8211; hinter Traktoren war ich hergezuckelt und ausgesetzt hatte ich mich in einer Dorfkneipe den unverhohlen neugierigen Blicken der Leute &#8211; als ich zurück war und in den Pedalen stehend aufs Gutshaus zuholperte, stellte ein Mann sich mir in den Weg. Vielleicht 70 Jahre war er alt, Gummistiefel trug er, der Arbeitskittel schmutzig-blau und speckig, die Hände hatte er tief in den Hosentaschen vergraben. „Is nich gut mit so dünnen Reifen“, sagte der Alte, ich antwortete möglichst beiläufig, „Doch, doch&#8230;“ und wollte ausweichen. Dabei rutschte das Vorderrad vom Pflaster in den Schlamm, tief und tiefer, verkeilte sich, meine Füße hingen fest in den Pedalen und so langsam, wie meine Gastgeberin am Morgen die Diele durchschritten hatte, sank ich nun der Straße entgegen. Etwas schneller dann auf den letzten 50 Zentimetern. Sehr viel schneller. Der Alte ging beiseite und als ich aufschaute, sah ich fünf Schritte entfernt die Hacken seiner Gummistiefel über die Steine trampeln. </p>
<p>„Hier kommt ganz selten einer her“, sagte meine Gastgeberin. „Und schon gar nicht ohne Auto.“ Auf der Veranda füllte sie allein die Gartenbank, schnippelte Bohnen ohne hinzuschauen. Einweckgläser standen auf dem Fensterbrett. „Ich hab das ja gesehen, wie er gefallen ist&#8230; Da war keiner weiter&#8230;“  So ist es also, dachte ich. Sprachstörungen, Augenringe, das Zucken und hier, am einsamsten Ort der Welt, treffe ich Menschen, die gar nicht da sind. Die erste Nacht in der Kammer hinter dem Ochsenauge verging in traumlosem Schlaf. </p>
<p>Am Morgen war von meiner Gastgeberin nichts zu sehen. Beim Zähneputzen in der Waschküche, überlegte ich, wen ich anrufen könnte. Im Adressbuch fand ich: Kollegen, Bekannte, flüchtige Bekannte. Ich drückte Chefs Nummer und das Telefon meldete „kein Empfang“. Später an der Tankstelle beim Frühstück, hatte ich Empfang, aber da war das Telefon schon vergessen. „Warum macht einer wie Du eigentlich hier Urlaub?“, fragte der Alte in den Gummistiefeln und streckte sich auf dem Beifahrersitz. „Ist so schön einsam hier“, sagte ich , „jedenfalls, wenn nicht gerade wildfremde Leute in meinem Auto sitzen.“ Wir stritten dann ein wenig, ob das Wort wildfremd noch zutreffend ist, unsere Beziehung zueinander zu beschreiben, wo wir uns doch gestern schon begegnet waren und am Ende beschlossen wir, etwas rumzufahren. Ich holte Tabak und ein Feuerzeug aus dem Handschuhfach und machte zwei Zigarretten, die Asche schnipsten wir aus dem Fenster, die Kippen löschten wir ab, im Tankstellenkaffee zwischen den Sitzen.</p>
<p>Wir bogen auf die Hauptstraße, von der Hauptstraße auf einen einspurigen Wirtschaftsweg, dann rollte der Wagen auf unbefestigtem Untergrund durch die Landschaft. Windspiele hingen hier vor den Fenstern der Resthöfe, überall war der Rasen gestutzt und die Rasenkanten waren sauber mit Stein eingefasst. „Wochenendhäuser“, grunzte der Alte, „Wochenendhäuser“ und spuckte verächtlich durchs offene Fenster Tabakkrümel ins Grün. „Und nu ma in Ernst: Warum macht einer wie Du Urlaub hier&#8230;“ „Ich weiß nicht“, sagte ich ehrlich und erzählte in gebotener Kürze die Vorgeschichte. Von Chef und meinem Feldbett im Sender, von 16 Monaten Arbeit ohne echte Pause und den Patzern am Schluss. „Dann hat Dein Chef Dich hier abgeladen?“ „Im Prinzip&#8230;“ Ich drückte ein paar Tasten am Autoradio, bis ich die Musik unaufdringlich genug fand und summte mit. „You can´t allways get, what you want&#8230;“ Und ich dachte an meine Mutter, die diese tiefe Weisheit zu reduzieren wusste auf „Man kann nicht alles haben“, so wie sie den kategorischen Imperativ von Kant reduziert hatte auf „Was Du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu.“ Man muss sich das einmal vorstellen, dachte ich, mit einem Knoten im Magen &#8211; tausende Philosophen in aller Welt versuchen Kant und den kategorischen Imperativ zu verstehen, halten Kongresse ab und schreiben Aufsätze, die Klügsten der Klugen kommen da zusammen und meine Mutter wischt das alles mit einem simplen Sprichwort vom Tisch. Ich weiß noch: Nach ihrem Tod hatte ich kurz darüber nachgedacht, den Original-Kant auf ihren Grabstein meißeln zu lassen, hatte es dann aber gelassen. Das hätte nur Streit gegeben. Der Alte neben mir verschränkte die Hände hinter dem Kopf und schwieg.</p>
<p>Was danach genau geschah, kann ich nicht sagen. Ich muss etwas übersehen haben, einen Stein vielleicht oder einen Baumstamm, der Wagen jedenfalls war plötzlich aus der Spur gesprungen und als ich aufwachte, im Gurt zusammengesackt und mit Speichel an Kinn und Hemd, hing der Airbag schlaff über dem Lenkrad. Der Platz neben mir war leer, die Tür geschlossen, ich schälte mich aus dem Sitz, sah mich um. Mein Kopf schmerzte, im Brustkorb brannte es bei jedem Atemzug. Allein die Beine schienen in Ordnung zu sein. </p>
<p>Der Wagen startete nicht. Vorn war die Stoßstange  gleichmäßig um eine Eiche gewickelt, ein Hinterrad hing in der Luft. Ich suchte nach dem Telefon und zögerte, als ich es gefunden hatte. Einen Krankentransport fand ich übertrieben, der ADAC kam nur bis zur nächsten befestigten Straße und wenn mich mein Gefühl für Raum und Zeit nicht täuschte, war die Kilometer entfernt. Ich schloss das Auto ab, folgte der Schneise, die mein Kombi geschlagen hatte bis zum Feldweg und entschied mich, am nächstgelegenen Hof nach einem Bauern zu fragen, einem echten Bauern, mit einem echten Traktor.</p>
<p>Links und rechts vom Weg lagen die Felder brach &#8211; waren Wiesen geworden über die Zeit, Sommerwiesen mit blauen, roten und gelben Tupfern. Der Geruch von Sonnenöl lag in der Luft, wie so oft im Juli &#8211; in jedem Jahr fällt mir das auf, aber ich habe nie herausbekommen, welche Pflanze es ist, die im mecklenburger Hinterland riecht wie ein Strandkorbstrand in Boltenhagen. Ich begann die Schritte zu zählen, um von den Schmerzen abzulenken. Immer wenn das Schlüsselbund klapperte sagte ich eine Zahl. Bei 773 war ich in einem Wäldchen angelangt, bei 1.512 erschien das erste rote Walmdach in der Ferne, bei 2.610 stand ich vor einem der Wochenendhäuser, an denen der Alte vorhin Tabakkrümel aus dem Auto gespuckt hatte.</p>
<p>„Wo müssen Sie denn hin“, fragte der braungebrannte Hausherr und rammte den Spaten in den Boden. Ich erklärte ihm die Möglichkeiten &#8211; das Auto müsste frei geschleppt werden, aber wenn dafür keine Zeit wäre, sei ich auch damit zufrieden zur nächsten Straße gebracht zu werden, mit dem Taxi könnte ich dann ja&#8230; Beim Wort Taxi lachte der Braungebrannte auf, er ließ mich einsteigen in seinen glänzenden Geländewagen, warf ein Seil hinterher und eine Stunde später stand mein Kombi auf dem Feldweg &#8211; zerbeult aber fahrtüchtig und sogar der Motor tuckerte wieder. Mein Retter hatte sich unterdessen stolz an der Motorhaube aufgebaut, ich war mir sicher, dass er beim Heimkommen seiner Frau erklären würde, wie gut es doch gewesen sei, einen Geländewagen erworben zu haben &#8211; schon aus Mitmenschlichkeit. Als ich das Portmonee aus der Tasche zog, tat er beleidigt und so drückte ich ihm Dankbarkeit murmelnd wenigsten eine Flasche Saale-Unstrut-Wein in die Hand. Die lag im Kofferraum in einen Pullover gewickelt, war eigentlich für meine Gastgeberin gedacht, doch für den Moment fand ich sie so besser angelegt.</p>
<p>Der Gastgeberin schob ich dann eine dunkle Schokolade auf den Tisch in der Diele. Da hatte ich schon zuvor den Wagen in eine Werkstatt gebracht, die der Braungebrannte mir als vertrauenswürdig empfohlen hatte, in der nächsten Kleinstadt, war nach Hause gefahren worden, ins Gutshaus, von einem jungen Mann, der die Fahrt über viel geredet hatte, dass er weggehen wolle aus diesem Drecksnest, nach Ludwigslust, oder nach Schwerin sogar. Übermorgen aber versprach er ersteinmal wiederkommen, um mich abzuholen. Dann sei der Wagen fertig, hatte er an der Auffahrt zum Gutshaus gesagt. Wie am Morgen schon war meine Gastgeberin nicht zu sehen, doch durch den Türspalt hörte ich einen Fernsehkommissar ermitteln. Kurz vor dem Einschlafen fiel mir ein, dass ich nun aller Fahrzeuge beraubt nur noch die Wahl hatte, spazieren zu gehen, oder meine Tage zu verbringen in der Nähe einer gewaltigen alten Frau, die nicht nach Gesprächen zu lechzen schien, in einem halbherzig hergerichteten Gutshaus ohne Fernseher auf dem Zimmer, ohne Telefon und ohne Internet. Ich dachte an diesen Komiker, der auf Pilgerpfaden gewandert war zu sich selbst, und ohne entschieden zu haben, was besser sei für mich, schlief ich ein.</p>
<p>Am Morgen grübelte ich im Halbschlaf, was wir früher getan hatten, als ich Kind war, im Urlaub in der Kleinfamilie und nichts kam mir in den Sinn, dass in diese Situation hier passte. Gelesen hatte ich viel, Winnetou zum Beispiel, aber auch Jules Verne und da war ich selbst Indianer gewesen oder Ballonfahrer, oder U-Boot-Kapitän, da war ein Maßband zum Aufrollen mein Funkgerät unter der Bettdecke. Das war dann irgendwann verschwunden, das Maßband, und ich war kein Funker mehr, nicht im Ballon und nicht im Unterseeboot.</p>
<p>Als ich die Treppe hinunter kam, saß meine Gastgeberin auf der Terrasse, eine Zeitung, ein Anzeigenblatt, auf dem Schoß. Sie habe sich schon gewundert, sagte sie, als ich nach der Küche fragte, gewundert, wie ich denn bisher zurecht gekommen war. „Ich wollte nicht stören“, log ich sie an, deshalb das Frühstück von der Tankstelle, deshalb kein Abendessen, aber nun&#8230; Und während ich begann ihr den gestrigen Tag zu beschreiben, hob sie sich langsam aus der Gartenbank. Mit dem Ende meiner Geschichte, stand auf dem Tisch ein zwiebelgemusterter Pott mit türkisch gebrühtem Kaffee. Ich nahm mir einen Stuhl aus der Diele nach draußen, auf die Terrasse und stellte ihn zurück, nachdem ich die ersten Kaffeeflusen erreicht und mit Widerwillen heruntergeschluckt hatte. Ich sagte leise „Danke“ und „Bis später“ und der gewaltigen Kopf der Gastgeberin nickte dazu.</p>
<p>„Immer wenn wir uns treffen“, sagte ich zum Alten, der stand an der Weggabelung zum Wald hin und machte sich die Fingernägel sauber mit dem Taschenmesser, „immer wenn wir uns uns treffen, passiert ein Unglück. Was kommt als nächstes? Fällt mir ein Ast auf den Kopf? Werde ich angeschossen? Was passiert?“ „Das hängt doch von mir nicht ab“, gab der Alte brummig zurück und steckte das Messer weg. Nebeneinander gingen wir an Birken vorbei, dann bog der Weg links ein in eine Kiefernschonung, dann wurde der Wald licht zum Himmel hin, das Unterholz aber war wildes Gestrüpp. „Wie Kraut und Rüben“, grummelte es neben mir, auch das ein Spruch, den ich von meiner Mutter kannte, bevorzugt benutzt, wenn ich etwas vertüddelt hatte, wenn ich nicht so genau wusste oder unentscheiden verharrte. „Heute hüh, morgen hott, wie sieht das nur in Deinem Kopf aus“, hatte Mutter dann doziert, „wie Kraut und Rüben.“ Und damit mir mein Kraut-und-Rüben-Hirn nicht irgendwann zum Verhängnis wird, hatte sie gesagt, müssen wir alles immer schön planen. „Wir“, hatte sie gesagt. Genau war auch Chef in mein Leben geraten. Da war ich gerade mit meinem Philosophiediplom nach Hause gekommen aber statt mich zu beglückwünschen, stellte mir Mutter den Chef vor und sagte, der könne mich unterbringen im Rundfunk, alle wollen doch zum Rundfunk. Und obwohl ich bis dahin Journalisten für die direkten Nachfolger der mittelalterlichen Hofnarren gehalten hatte, für unwissenschaftliche Populismusschranzen, im Umgang bestenfalls ein schmallippiges Lächeln wert, sagte ich Kant adieu und Bonjour Boulevard. Fortan verkündete ich den Tod tschechischer Regisseure in tschetschenischen Passagiermaschinen. Genau genommen bin ich damit weniger als ein Hofnarr &#8211; ich bin Marktschreier, bin neben Karpfen-Kurt und Gemüse-Gerd, der Nachrichten-Norbert. Das alles hatte ich eben gedacht und als ich es dem Alten erzählen wollte, etwas milder formuliert vielleicht, war ich schon wieder allein.</p>
<p>In meiner Kammer im Gutshaus nahm ich Block und Stift aus dem kleinen Koffer und schrieb meine Kündigung. Als der junge Mann von der Werkstatt hupte vor dem Haus am nächsten Morgen, nahm ich sie mit in die Stadt, kaufte einen Umschlag und eine Marke und reichte den Brief im Postamt über den Schalter. Ich ließ mir soviel Geld geben, wie ich bekommen konnte, bezahlte die Werkstatt und im Ramschladen gegenüber kaufte ich einen Satz Dartpfeile und eine Weltkarte als Poster. Die hängten der Alte und ich an die älteste Eiche am Gutshaus &#8211; zwei Wurf für mich, einer für ihn.</p>
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		<title>Raten: Herr thom* las</title>
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		<pubDate>Sun, 13 Jun 2010 14:31:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thom*</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einblick]]></category>
		<category><![CDATA[Rückblick]]></category>

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		<description><![CDATA[Vergeigt
Herr Hanke legt auf
Fragen Sie mich doch nicht

Vergeigt
Als er bei Jauch der Joker war
für seinen herrischen Papa
war das kein guter Tag
Die Milch verbrannt, das Kind verschreckt
er wäre lieber zugedeckt
geblieben, wo er lag
Dann sagt er C, ganz sicher C
Papa loggt ein und Jauch sagt Nee
und Papa fällt vom Sitz
Der Jauch danach am Telefon
sagt, raten Sie, Sie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Vergeigt</p>
<p>Herr Hanke legt auf</p>
<p>Fragen Sie mich doch nicht</strong><br />
<span id="more-1188"></span></p>
<p><strong>Vergeigt</strong><br />
Als er bei Jauch der Joker war<br />
für seinen herrischen Papa<br />
war das kein guter Tag</p>
<p>Die Milch verbrannt, das Kind verschreckt<br />
er wäre lieber zugedeckt<br />
geblieben, wo er lag</p>
<p>Dann sagt er C, ganz sicher C<br />
Papa loggt ein und Jauch sagt Nee<br />
und Papa fällt vom Sitz</p>
<p>Der Jauch danach am Telefon<br />
sagt, raten Sie, Sie Supersohn,<br />
es war sein letztes Quiz</p>
<p><strong>Herr Hanke legt auf</strong><br />
Die Fahnen vor dem Hotel im Gewerbegebiet hängen schlaff an den Seilen. Ein bärtiger Kerl im Blaumann raucht vor der Schiebetür, wenn er sich zum Aschenbecher dreht, schaltet die Automatik mit einem Klicken und das Glas setzt sich in Bewegung. „Es zieht“, brüllt dann eine blondierte Frau im Dindl von der Rezeption her, der Bärtige tritt einen Schritt vor, schschschschscht, und die Tür ist wieder zu. Dreimal geht das so.</p>
<p>Da ist ein Schild an der Blaumannbrust, doch weil es ausgewaschen ist und ohne Kontraste kann Herr Hanke den Namen darauf nicht erkennen. Nicht von hier. Am Anfang ist ein P, rät er und beschließt, dass der Mann Pomerenke heißt. Pomerenke passt. Herr Hanke hat ein Gespür dafür, wie Menschen heißen sollten. Herr Hanke mag Namen. Er sammelt sie in einem kleinen Büchlein, das in seiner Brusttasche steckt, die schönsten schreibt er in rot auf eine extra Seite. „Indira Fiebelkorn“ steht da zum Beispiel ganz oben und in der Spalte für die Erläuterungen hat Herr Hanke verzeichnet: „Schulkameradin von U. Hussel“, später Textilverkäuferin, Erzgebirge.  </p>
<p>Herr Hanke steht auf dem Hotel-Parkplatz zehn Meter entfernt von der Automatiktür und starrt über das Lenkrad. In seinem verwaschen roten Kombi sitzt er vorgebeugt, die Fenster sind herunter gelassen. Da ist ein Schleier auf der Scheibe denkt Herr Hanke und schnippst die Kippe auf den Asphalt. Noch zwei Stunden. Jetzt lässt er einen Ruck durch seine Glieder gehen und steigt aus. Das lila Jackett nimmt er aus dem Kofferraum, zusammen mit einem entwaffnenden Lächeln und grüßt. Tach! nuschelt es aus den Barthaaren zurück, im Vorübergehen liest Hanke „Paulsen“ auf dem Blaumannschild und ist enttäuscht. Paulsen trägt keinen Blaumann, denkt er, Paulsen ist Mittelstürmer oder Sportjournalist und keinesfalls bräsig-bärtig vor einem Hotel im Gewerbegebiet. Pomerenke sollte da stehen. Pomerenke passt! Dann klickt die Automatik, die Tür geht auf, an der Rezeption streckt Hanke der Blondierten die Hand entgegen und sagt „Moderation und Musik für Sie und ihre Gäste &#8211; das beste von gestern von heute und ein Blick in die Zukunft, verschmitzt und mit Witz! Hanke! Angenehm“</p>
<p>Die Einrichtung im Saal ist nicht mehr neu, die Kunstblumen nicht mehr grün und hinter den altrosa Vorhängen findet Hanke die Steckdosen, die er braucht. Als das letzte Kabel verlegt ist, spuckt draußen eine Kutsche 35 Senioren aus. Zum Einlass entscheidet sich Herr Hanke für deutsche Schlager &#8211; Lautstärke 3.<br />
Die Veteranen der hiesigen Agrargenossenschaft sind guter Dinge. Sie trinken Schnaps aus kleinen Flaschen, vorn, die Dame im Rollstuhl &#8211; Hanke hat sie Kosmehl getauft &#8211; tippt mit dem Zeigefinger den Takt bis der Kuchen serviert wird und die Blondierte ihren Dirndl-Busen beim Kaffee-Einschenken nacheinander auf allen Seniorenschultern parkt. Ein Mann im schwarzen Beerdigungsanzug hält nach der eigenen gleich noch die Tassen seiner Nachbarn hin und lächelt selig. „Nanana! Junger Mann!“, wird er ermahnt, dann klappern die Kuchengabeln. Das ist Herr Brückner, beschließt Hanke und wählt Volksmusik &#8211; Lautstärke 4.</p>
<p>Inzwischen ist der Chef der Agrargenossenschaft eingetroffen, im Anzug mit einer gelben Krawatte, gelb wie der Raps, der rund ums Gewerbegebiet blüht. Nach dem Kaffee hält er eine Rede, in der die Wörter Erfolg, Aufbau, Brüssel und Milchpreis etwas zu oft vorkommen. Frau Kosmehl sucht im Redefluss einen Takt, Herr Brückner geht aufs Klo, kurz vor der Rezeption streckt er sich, schreitet, schreitet und schreitet, solange es sein Ischias erlaubt. Und der erlaubt es tatsächlich bis an die Klotür, Hanke indessen beschließt einen Scherz zu wagen und spielt im Anschluss an die Rede „Du hast mich tausendmal belogen“ von Andrea Berg.</p>
<p>Vor 15 Jahren hatte ein junger Historiker ein Quiz zur Geschichte der Genossenschaft entwickelt. Der hatte eine Arbeit geschrieben über den Kartoffelanbau in der Landwirtschaft der DDR und als Dankeschön für die unzähligen Interviews 20 Fragekarten gebastelt. Der Rapsschlips überreicht sie wie eine Reliquie. Gleich die erste Karte zieht Hanke die Schuhe aus: Welches Pflanzenschutzmittel wurde in unserer LPG am häufigsten eingesetzt &#8211; a) Namedit, b) Plantulin, c) Trazalex oder d) Trizilin. Hanke stottert und verspricht sich viermal, Frau Kosmehl, Herr Brückner und die anderen jedoch schreiben innerhalb von Sekunden einen Buchstaben aufs Papier. Allein Frau Stern &#8211; Hanke hatte sie ihres verträumten Blicks wegen so genannt &#8211; allein Frau Stern schaut hilflos. Dann kämmt sie weiter das braune Haar ihrer Puppe und flüstert „Damit Du schön bist, Mariannchen“. </p>
<p>Nach dem Quiz schickt Hanke „Stand up for the Champions“ aus dem Laptop in die Boxen &#8211; Champion, das ist heute Herr Brückner, der hatte alles richtig, der kannte die Zahlen der Rekordernte ebenso wie den Tierbestand im Jahr 63 und bekommt nun einen Präsentkorb mit Wurst, Schnaps und Mandarinen. Alle anderen dürfen sich etwas aussuchen aus einer großen Kühltasche, daneben liegen Anstecker und Kugelschreiber vom Landestourismusverband und einem Futtermittellieferanten. Produkte aus der Region sagt der Chef und zeigt auf die Tasche &#8211; Hanke ist noch immer nicht sicher, wie er ihn nennen soll. Ludwig, so wie der 14.? Ist ihm zu einfach. Der Rest des Nachmittags wird vertanzt, Volksmusik und deutsche Schlager, Du kannst nicht immer 17 sein als Höhepunkt, Lautstärke 6.</p>
<p>Die Straßenlaternen im Gewerbegebiet flackern schon, als Herr Hanke vor die Tür tritt. In der Ferne hört er noch das Klackern der Hufeisen auf Asphalt, dann legt er das lila Jackett zurück in den Kofferraum und das entwaffnende Lächeln legt er dazu. Hanke geht noch einmal zur Rezeption und fragt nach dem Bärtigen im Blaumann. Pomerenke? fragt die Blondierte zurück und dann nickt Herr Hanke sich wortlos lächelnd auf den Heimweg.</p>
<p><strong>Fragen Sie mich doch nicht</strong><br />
Fragen Sie mich doch nicht.<br />
Ich kann doch auch nur raten &#8211; a b c oder d<br />
Gleich nach der Werbung kommt einer, der weiß die Antwort<br />
Und vielleicht ist die Antwort </p>
<p>Hühnerfrikassee<br />
Hühnerfrikassee</p>
<p>Ich bin kein Experte, ich kenne mich nicht. Aus. Ich bin kaum in der Lage, meinen Geschirrspüler so einzuräumen, dass mein Geschirr sauber wird. Ich kann kein Fahrrad reparieren und keine Mauer hochziehen, ich kann kein Feld bestellen und keinen Ringkampf bestehen. Ich bin ein Produkt der Dienstleistungsgesellschaft. Wer sich auf einen wie mich verlässt, muss Vertrauen haben in den Fortbestand der Zivilisation, wie wir sie kennen.</p>
<p>Fragen Sie mich doch nicht.<br />
Ich kann doch auch nur raten &#8211; a b c oder d<br />
Gleich nach der Werbung kommt einer, der weiß die Antwort<br />
Und vielleicht ist die Antwort </p>
<p>Hühnerfrikassee<br />
Hühnerfrikassee</p>
<p>Und so kann ich Ihnen nur sagen: Ich habe keinen Bausparvertrag. Ich habe keine Riesterrente, ich habe kein Immobilienportfolio. Ich hatte mal ein Sparbuch und heute, hier hab ich fünf Minuten und Sie sind meine Quote &#8211; und da soll ich Ihnen raten? Nichts da! Damit Sie hinterher mir vorwerfen, ich hätte mich hinab begeben in die Niederungen der Stammtische. Ich hätte die komplexe Wahrheit auf plumpe Bauernweisheiten reduziert. Ich hätte Parodie und Parole verwechselt. Also bitte!</p>
<p>Fragen Sie mich doch nicht.<br />
Ich kann doch auch nur raten &#8211; a b c oder d<br />
Gleich nach der Werbung kommt einer, der weiß die Antwort<br />
Und vielleicht ist die Antwort </p>
<p>Hühnerfrikassee<br />
Hühnerfrikassee</p>
<p>Und wahrscheinlich, wahrscheinlich, nun ich bin kein Experte wie gesagt, ist die Antwort NICHT Hühnerfrikasse, dafür ist das alles viel zu komplex. Alles hängt von allem ab und manchmal scheint es mir, als könnten wir gar nicht wissen, obs besser ist friedlich durchs zu Watt waten und Kleckerburggräben auszuheben mit dem Klappspaten, als sagen wir, bei einer Ölbohrinsel den Stöpsel zu ziehen. Denn es könnte doch ohne Frage ein Sack Reis sein, der umfällt in China und alles aus der Bahn wirft, alles. Und wenn Sie dann da stehen so ganz ohne Planeten, urplötzlich, und mich verfluchen, weil ich Ihnen kurz zuvor noch geraten hattee, jetzt zur Arbeit zu gehen, anstatt Fahrrad zu fahren mit den Kindern. Wie stünde ich denn dann da? Hören Sie mal!</p>
<p>Also: Fragen Sie mich doch nicht.<br />
Ich kann doch auch nur raten &#8211; a b c oder d<br />
Gleich nach der Werbung kommt einer, der weiß die Antwort<br />
Und vielleicht ist die Antwort </p>
<p>Hühnerfrikassee<br />
Hühnerfrikassee</p>
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		<title>Angucken: &#8220;werkstatt der künste&#8221; zum filmkunstfest</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Apr 2010 20:03:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thom*</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausblick]]></category>
		<category><![CDATA[Einblick]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir kommen ja geradewegs von der Bühne im Schleswig-Holstein-Haus und haben da ein sehr freundliches Publikum vor der Nase gehabt. Das Programm war für uns ein kleines Experiment &#8211; wir haben geschaut, was an deutschen Befindlichkeiten wir in unseren Texten finden und da hab ich, also der Herr thom*, vor allem ein paar Klassiker des [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir kommen ja geradewegs von der Bühne im Schleswig-Holstein-Haus und haben da ein sehr freundliches Publikum vor der Nase gehabt. Das Programm war für uns ein kleines Experiment &#8211; wir haben geschaut, was an deutschen Befindlichkeiten wir in unseren Texten finden und da hab ich, also der Herr thom*, vor allem ein paar Klassiker des ersten Jahres Lesebühne gefunden, ähnlich gings dem Herrn ivalo und Andersen Storm hat mit ganz neuen Liedern dagegen gehalten. </p>
<p>Das mit den deutschen Befindlichkeiten kommt daher, dass im 20. Jahr der Einheit Deutschland selbst das Gastland des 20. filmkunstfestes ist, zu dem wiederum die &#8220;werkstatt der künste&#8221; traditionell gehört.</p>
<p>Und genau die sollten Sie in den kommenden Tagen genau verfolgen. Die Ausstellung im Holstein-Haus, natürlich, <a href="http://www.filmkunstfest.de/index.php?id=werkstatt">aber auch die vielen großartigen Veranstaltungen drumrum. </a></p>
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		<item>
		<title>Wiedergänger &#8211; Herr thom* las</title>
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		<pubDate>Sun, 11 Apr 2010 16:16:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thom*</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Spinnen
Osterfeuer

Spinnen
Schwarze haarige Spinnen, jede kaum größer als eine Reißzwecke, krochen aus dem Handrücken des Herrn S. und von dort den Unterarm entlang bis zum Ellenbogen, unter dem Stoff des kurzärmligen Beamtenhemdes ein Stück &#8211; bis zur schlaffen Haut des Doppelkinns und dann zwängten sie sich eine nach der anderen in das kleine schwarze Loch, das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Spinnen</strong></p>
<p><strong>Osterfeuer</strong></p>
<p><span id="more-1139"></span></p>
<p><strong>Spinnen</strong></p>
<p>Schwarze haarige Spinnen, jede kaum größer als eine Reißzwecke, krochen aus dem Handrücken des Herrn S. und von dort den Unterarm entlang bis zum Ellenbogen, unter dem Stoff des kurzärmligen Beamtenhemdes ein Stück &#8211; bis zur schlaffen Haut des Doppelkinns und dann zwängten sie sich eine nach der anderen in das kleine schwarze Loch, das zwischen den Lippen geblieben war, als der Herr S. in einem trägen Seufzer zum letzten Mal ausgeatmet hatte. So sah es aus, als wanderten die Spinnen einen Rundweg durch den Herrn S., denn die schwarze Spur aus der Handrückenbeule, der braun vereiterten, riss nicht ab und oben verschwanden die Tiere im Gänsemarsch wie eine Reisegruppe im Stolleneingang zur Baumannshöhle im Harz.</p>
<p>Am Rande des Harz hatte der Herr S. seine Kindheit verbracht &#8211; als Sohn eines Unteroffiziers und einer Kindergärtnerin und wenn sich der Herr S. daran erinnerte, dann sah er den Vater einen dicken Lederkoppel aus den Schlaufen ziehen und die Mutter, wie sie den Kopf tief zwischen den Schultern das Radio lauter drehte. Deshalb erinnerte sich der Herr S. nicht gern und wenn es doch unvermeidlich war, dann begann es zu kneifen in seiner Brust, und dieses Kneifen verschwand erst, wenn er wenigstens einen Menschen tief hinein tauchen konnte in diesen, seinen inneren Unrat. </p>
<p>Herr S. ging dabei immer auf die gleiche Weise vor: In einer scheinbar belanglosen Plauderei sprach er erst langsam und mit langen Pausen, leise und immer leiser. Wenn sein Gegenüber dann näher gekommen war, und arglos in das Neonlicht des Büros blinzelte, kippte er die Stimme eine Quarte hinauf, zog das Tempo an und schließlich peitschte der Herr S. jedes einzelne Wort in das wehrlose Gesicht seines Opfers. Einen Anlass zu finden, war für ihn nicht schwer. </p>
<p>Wo gehobelt wird, da fallen Späne, sagt der Volksmund und der Herr S. war ein Meister darin, jeden einzelnen Span solange aufzubewahren, bis die Zeit gekommen war, ihn mit Gift und Galle versetzt auf den Schreibtisch eines Büronachbarn zu spucken. In einem Seminar für Führungskräfte hatte der Herr S. gelernt, dass so ein Verhalten, wöchentlich an den Tag gelegt, die Autorität stärkt und auch wenn er es selbst nie für nötig erachtet hatte, seine Ausbrüche zu begründen, so war ihm doch ganz recht, dass sein Verhalten von höherer Stelle aus gedeckt schien. Und so hatte es der Herr S. auch nur als seine Pflicht angesehen, eine Spinnwebe unter seinem Schreibtisch solange zu beobachten, bis ihre Zeit gekommen war.</p>
<p>Es schien Frau D., als dröhnte der Staubsauger heute nacht besonders laut unter ihrem dunkelgrauen Haaransatz und wenn sie die Schlüssel herum drehte in den Bürotürschlössen, dann hallte hinter ihrer Stirn das Klappern lange nach.  Gern hätte sie sich mit einem Lächeln verabschiedet, doch wenn sie zu lächeln versuchte im Bad zum Beispiel beim Putzen der marmorgemaserten Waschtische, dann warf ihr der Spiegel nur ein gequältes Grinsen entgegen. Und so ließ sie nach einigen Versuchen einfach los und schob lediglich mechanisch noch den Sauger auf dem Teppichboden hin und her. Am Schluss, da hielt sie ihn oben unter die Schreibtische. Nicht, dass es noch eine Rolle spielte, die Würfel waren ja gefallen, doch schätzte Frau D. die menschliche Eigenschaft, aus Fehlern lernen zu können. Und wer weiß, was es ihr nützen würde, bei der nächsten Stelle, derer wegen sie morgen das Fahrrad aus dem Keller holen und zum Amt radeln würde. Wer weiß, was es nützen würde. </p>
<p>Ein einziges Versäumnis gönnte sich Frau D. zum Abschied, das aber nur, weil sie eine Begründung hatte dafür: Den Putzfrauen war es streng verboten, die Computer, die Bildschirme, ja generell die Technik anzurühren. Und so hielt Frau D. nur kurz inne, angesichts einer kleinen, haarigen reißzweckengroße Spinne auf der Tastatur im Büro des Herrn S. Dann zog sie den Staubsaugerstecker aus der Dose, genoss die plötzliche Stille und holte sich vom Automaten heißes Wasser für einen Tee.</p>
<p>Angesichts der Spinnen, die dem Herrn S. auch noch nach einer halben Stunde aus dem Handrücken krochen, zog der junge Bestattungshelfer eine Augenbraue in die Höhe. Er nahm eine Sprühflasche aus seiner Hebammentasche und sprühte oben und unten, so lange, bis die schwarze Spur zwischen Handrücken und Lippen unterbrochen war. Dann rollte er den schlaffen Körper vom Schreibtisch weg ans Kopfende der Bahre und als sein Kollege eintraf, ließen sie gemeinsam den Herrn S. mit den Füßen voran vom Bürostuhl auf den abwaschbaren Kunststoff plumpsen. Als ganz zuletzt und federnd der Kopf aufschlug, erbrach sich der Leib des Herrn S. wie er selbst sich zu Lebzeiten nur einmal erbrochen hatte, damals war die Ursache ein seltsamer Pfefferminzlikör, den er als Kind in Köhlers Klause aus den Neigen genippt hatte, eine Verfehlung für den sein schmaler Rücken tags drauf mit dem Koppel bearbeitet worden war. Diesmal allerdings quoll keine grüne Suppe sondern vielmehr ein unerhörten Schwall aus tausenden haarigen Spinnentieren aus seinem Mund und hätte jemand eine Lupe auf das Geschehen gerichtet, hätte er tote Spinnen gesehen, die gefressen werden von den Überlebenden der Sprühflasche und ein winziges Stück Zunge des Herrn S., das in ein Netz gesponnen wird in Sekunden. Doch weil da keine Lupe war hob der Bestattungshelfer nur die zweite Augenbraue, griff erneut in die Hebammentasche, holte die Sprühflasche heraus und während das Gewimmel erstarb sagte er leise „Krematorium“. In einem Seufzer, in dem Hoffnung lag, sagte er leise: Krematorium.</p>
<p><strong>Osterfeuer</strong></p>
<p>Ein Osterfeuer, das nicht brennen will, ist ein schlechtes Omen. Wie eine schwarze Katze von links nach rechts oder eine Krähe auf dem Fensterbrett eines Kranken. Und Vadder Thesers Osterfeuer im Dorf am Ende der Straße, das hat nicht gebrannt. Nicht mit Drohen und nicht mit gut Zureden war das zu entfachen, nicht mit Spiritus und nicht mit Grillanzünder. Vadder Theser ist vor Schreck gleich am nächsten Tag in die Kirche gegangen, es war der Ostersonntag und Vadder Theser hat beim Gottesdienst sogar ins Gesangsbuch geguckt und die Lippen bewegt. Macht er sonst nie. Dafür fallen ihm in letzter Zeit ein paar Lieder seiner Kindheit wieder ein. Die singt er manchmal beim Umgraben. Heute gehört uns noch Deutschland und morgen das ganze Feld. In die Kirche geht er sonst nur zum Subotnik, wie er das nennt. Wenn mal wieder die Bänke zu streichen sind.</p>
<p>Drei Tage später erzählt Vadder Theser der Nachbarin, das Kirche nicht geholfen hat. Blase verkühlt, sachter Dokter. Musst ja so kommen &#8211; wegen dem Osterfeuer.„Joa. Ganz schön kalt noch, wenns Feuer nich wärmt.“, sagt die Nachbarin um höflich zu sein und lässt ihre Skistöcke dazu auf dem Asphalt der Dorfstraße klackern. Die hat sie bestellt übers Fernsehen und nu pieckt sie damit Löcher in die Natur. Vadder Theser guckt, als sei hinter ihr der Schäferhund auferstanden, den er vor einigen Jahren am Gewächshaus vergraben hatte. So wenig Verständnis für Zeichen, Wunder und Flüche hätte denn doch nicht erwartet. Doch weil die Nachbarin kurzsichtig ist, bemerkt sie sein Entsetzen nicht, nickt und lässt Vadder Theser an der Eiche stehen. „Wat weiß sone Stadtschickse schon&#8230;“, murmelt der und später im Wohnzimmer schiebt er den Sessel dichter an den Schrank.</p>
<p>Die Hochzeit, sagt Vadder Theser und legt ein großes, in Leder gebundenes Buch beiseite. Und hier die Kinder. Ein weiterer Band. Das letzte der vielen Alben ist eine Sammlung von alten Zeitungsartikeln zu Spuk und Geistertreiben. Es liegt etwas abseits im Fach unter den russischen Cognacschwenkern. Da ist es wenn man es genau nimmt hingekommen aus dem Hessischen. Mit dem Zug bis ins Nachbardorf und dann zusammen mit den anderen Sachen, dem Geschirr, den Kleidern, den Möbeln mit dem Leiterwagen bis aufs Gehöft. Das war damals noch neu gewesen und es gab Pferde, Kühe im Stall und einen Dreschkasten in der Scheune. Vadder Theser nimmt das Album zur Hand, blättert hin und her, macht immer wieder den Finger feucht dabei, Seite um Seite. Klabautermann, Kornmume, das zweite Gesicht,  Bummelux&#8230; Osterfeuer. </p>
<p>Als die Nachbarin am nächsten Tag in aller Frühe ihre Hüfte zwischen den Stöckern schwenkt, ist Vadder Theser nicht zu sehen. Dafür krakeelt es aus dem Hühnerstall. Dann geht die Tür, ein dumpfer Schlag und es ist still. Die Nachbarin folgt dem Geräusch und sieht wie der Vadder ein Huhn ausbluten lässt über dem Holzstapel, der das Osterfeuer hätte werden sollen. </p>
<p>Zur Mittagszeit hat die Nachbarin endlich die Telefonnummer des Pastors gefunden. Der ist auf einer Tagung in der Kreisstadt und hat gerade seinen Kollegen erzählt, was ihm Vadder Theser vorgeschlagen hatte angesichts der knappen Gemeindekasse: Ein Stück Land und einen Pflug sollte er sich anschaffen, hatter Vadder gesacht, und denn vom Feld zwischendurch schnell mal auf die Beerdigung und denn wieder rauf aufs Feld. Die Runde lacht noch ein etwas gequältes Lachen, als die Nachbarin das Mobiltelefon in der ledernen Aktentasche klingeln lässt.</p>
<p>Zum Abendbrot liegt Rauch in der Luft. Die Nachbarin steht im Wintergarten vor dem angekippten Küchenfenster. Sie kann Vadder Theser sehen, da am Herd, wie er sich müht, das Suppenhuhn aus dem Topf zu ziehen. Na, haste das Essen gerochen, sagt der Vadder durch die Scheibe und die Nachbarin lächelt gequält. Dauert noch, wird Frikasse.</p>
<p>Knapp eine Stunde später sitzt die Nachbarin satt und zufrieden vor ihrem Kamin, blättert hin und her, macht immer wieder den Finger feucht dabei, Seite um Seite. Klabautermann, Kornmume, das zweite Gesicht,  Bummelux&#8230; Osterfeuer. Vadder Theser schaut noch einmal nach der Glut, dann nascht er noch ein Gabel voll und den Rest des Frikasses, den friert er ein.</p>
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		<title>Wiedergänger &#8211; Vorbereitungen fürs Capitol</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Mar 2010 18:20:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thom*</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Am 11. April sind wir im Capitol zu Gast und spielen die wie immer einmalige Show &#8220;Wiedergänger&#8221;. Mit Martin Sancassani und Carsten Stotco. Für das Kinoplakat hat sich Herr ivalo in die Maske begeben. Was er da genau gemacht hat und warum &#8211; Überraschung. (Foto: Ulli Wille)
Die unglaublich feine, sorgsame und &#8211; wie man später [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am 11. April sind wir im Capitol zu Gast und spielen die wie immer einmalige Show &#8220;Wiedergänger&#8221;. Mit Martin Sancassani und Carsten Stotco. Für das Kinoplakat hat sich Herr ivalo in die Maske begeben. Was er da genau gemacht hat und warum &#8211; Überraschung. (Foto: Ulli Wille)</p>
<div id="attachment_1123" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><a href="http://www.schmalzundmarmela.de/wp-content/uploads/2010/03/20100303_Oli_0129-Kopie.JPG"><img src="http://www.schmalzundmarmela.de/wp-content/uploads/2010/03/20100303_Oli_0129-Kopie-500x333.jpg" alt="Herr ivalo in der Maske" title="Herr ivalo in der Maske" width="500" height="333" class="size-medium wp-image-1123" /></a><p class="wp-caption-text">Herr ivalo in der Maske</p></div>
<p>Die unglaublich feine, sorgsame und &#8211; wie man später sehen wird &#8211; effektvolle Schminkarbeit hat freundlicherweise die Maskenbildnerin <a href="http://www.sorayasmaskengalerie.de/">Soraya Stabenow</a> übernommen.</p>
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		<title>tEXTRAbatt bei Schmalz und Marmelade</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Oct 2009 16:28:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ivalo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausblick]]></category>
		<category><![CDATA[Einblick]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie? Was? Jetzt gibt es bei Schmalz und Marmelade schon Rabatt auf die Texte? Die nehmen doch eh keinen Eintritt! Ich soll also nachher irgendwie 15% weniger spenden, &#8230;? Das ist ein Trick! Hab ich voll gemerkt!
Äh, hallo?!
tEXTRAbatt ist eine Lesebühne aus Stralsund. Drei Damen, deren Initialen geeignet angeordnet POESIS ergeben performen seit Juni dieses [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Wie? Was? Jetzt gibt es bei Schmalz und Marmelade schon Rabatt auf die Texte? Die nehmen doch eh keinen Eintritt! Ich soll also nachher irgendwie 15% weniger spenden, &#8230;? Das ist ein Trick! Hab ich voll gemerkt!</p></blockquote>
<p><em>Äh, hallo?!</em><br />
<a href="http://textrabatt.blogspot.com/">tEXTRAbatt ist eine Lesebühne aus Stralsund</a>. Drei Damen, <a href="http://www.cyberprosa.de/textrabatt/textrabatt.htm">deren Initialen geeignet angeordnet <em>POESIS </em>ergeben </a>performen seit Juni dieses Jahres monatlich Lyrisches.<br />
Wir sind neugierig und gespannt, denn am kommenden Samstag (24.10.) kommen zwei (oder drei) Autorinnen von tEXTRAbatt zu uns nach Schwerin. Wir lesen gemeinsam im Kunterbunt, ab 21.00 Uhr.</p>
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		<title>Danke für Ihr Klatschen auf CD</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Sep 2009 10:47:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thom*</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das war wunderbar gestern abend. Vielen Dank Ihnen allen, dass Sie da waren, dass Sie nun unsere CD in Ihrem Schrank stehen haben, dass Sie andächtig den großartigen Jungs von Minor Swing lauschten, dass Sie geplauscht haben mit uns und den vielen anderen. 
Ganz besonderen Dank noch einmal an Carsten Stotco, Tino Bittner, Martin Molter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das war wunderbar gestern abend. Vielen Dank Ihnen allen, dass Sie da waren, dass Sie nun unsere CD in Ihrem Schrank stehen haben, dass Sie andächtig den großartigen Jungs von Minor Swing lauschten, dass Sie geplauscht haben mit uns und den vielen anderen. </p>
<p>Ganz besonderen Dank noch einmal an Carsten Stotco, Tino Bittner, Martin Molter und Regge vom Schulzenhof fürs bunte Treiben, dass sie mit uns unternommen haben.</p>
<p>Die CD ist natürlich auch jetzt schon bei uns zu haben. Auch wenns noch nicht erwähnt ist &#8211; natürlich können Sie das Formular auch für die Bestellung der neuen CD nutzen. Einfach einen entsprechenden Hinweis ins Bestellfeld schreiben. Die CD kostet 10 Euro plus 1 Euro für den Versand.</p>
<p>Und für alle, die nicht dabei sein konnten, hier den Schmalzundmarmelade-Protestsong2009 in einer Küchenversion vom 08.09.2009</p>
<p><a href="http://tinyurl.com/nv2dku">Download</a></p>
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		<title>Vor der CD-Vorstellung, Mittwoch, 19.30 Uhr: Die Flyer-Präsentation (mit Kunst!)</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Sep 2009 20:10:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thom*</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausblick]]></category>
		<category><![CDATA[Einblick]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine kleine Erklärung zur neuen Lesezeit sei erlaubt: Wir haben uns gedacht, wir machen in diesem Jahr einiges etwas anders. Wir feiern die Sonntagslesen im Freischütz nun zweimonatlich &#8211; im September, November &#8211; als Ausnahme wegen Weihnachten auch im Dezember &#8211; dann wieder im Februar, April, Juni. Und weil es in der Vergangenheit immer wieder [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eine kleine Erklärung zur neuen Lesezeit sei erlaubt: Wir haben uns gedacht, wir machen in diesem Jahr einiges etwas anders. Wir feiern die Sonntagslesen im Freischütz nun zweimonatlich &#8211; im September, November &#8211; als Ausnahme wegen Weihnachten auch im Dezember &#8211; dann wieder im Februar, April, Juni. Und weil es in der Vergangenheit immer wieder Leute gab, die gern gekommen wären, aber Sonntagmittag in der Regel anderes zu tun haben, lesen wir noch in diesem Jahr drei Sonnabend-Abende im Kunterbunt in der Geschwister-Scholl-Straße. Mit Gästen und so. Das wird spannend  </p>
<div id="attachment_901" class="wp-caption alignnone" style="width: 366px"><a href="http://www.schmalzundmarmela.de/wp-content/uploads/2009/09/flyer_2009_10.jpg"><img src="http://www.schmalzundmarmela.de/wp-content/uploads/2009/09/flyer_2009_10-356x500.jpg" alt="Unser neuer Flyer - Kunst: Regge vom Schulzenhof" title="Unser neuer Flyer - Kunst: Regge vom Schulzenhof" width="356" height="500" class="size-medium wp-image-901" /></a><p class="wp-caption-text">Unser neuer Flyer - Kunst: Regge vom Schulzenhof</p></div>
<div id="attachment_903" class="wp-caption alignnone" style="width: 366px"><a href="http://www.schmalzundmarmela.de/wp-content/uploads/2009/09/flyer_2009_10_h.jpg"><img src="http://www.schmalzundmarmela.de/wp-content/uploads/2009/09/flyer_2009_10_h-356x500.jpg" alt="Termine" title="Schmalz und Marmelade - der aktuelle Flyer - die Termine" width="356" height="500" class="size-medium wp-image-903" /></a><p class="wp-caption-text">Termine</p></div>
<p>Der Kenner erkennt es sofort: <a href="http://www.schulzenhof.de">Hier stand der Regge am Pinsel. Der Regge vom Schulzenhof.</a> Und nu haben wir einen dollen Flyer.  Jedenfalls wenn die Druckerei den gedruckt hat. Ob das bis Mittwoch wird? Mh. Eher nicht, befürchte ich. Aber bis zum 20. bestimmt.</p>
<p>Ein Molter auf der CD und ein vom Schulzenhof auf dem Flyer. Das ist groß. </p>
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