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	<title>Schmalz und Marmelade &#187; nadine</title>
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	<description>Die Frühlese für Spätaufsteher in Schwerin</description>
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		<title>Kulturkonflikt</title>
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		<pubDate>Thu, 15 May 2008 21:10:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nadine</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausblick]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich mag ja Kultur, wirklich. Glaubt mir keiner? Doch echt. Aber manchmal, wissen Se, da isses mir einfach zuviel. Ehrlich. Und das sind dann gar nicht mal die Typen mit den Proseccos, die überall rumstehen und genau wissen, warum Hamlet am Ende sterben muss, die mir auf den Kranz gehen, oder die Literaten, die nie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich mag ja Kultur, wirklich. Glaubt mir keiner? Doch echt. Aber manchmal, wissen Se, da isses mir einfach zuviel. Ehrlich. Und das sind dann gar nicht mal die Typen mit den Proseccos, die überall rumstehen und genau wissen, warum Hamlet am Ende sterben muss, die mir auf den Kranz gehen, oder die Literaten, die nie zuhören, weil sie aus Versehen den Stift ins statt hinters Ohr gesteckt haben&#8230; Nee, die alle sind es gar nicht mal. Manchmal ist es mir einfach zu viel. Zuviel Kultur. Zuviel davon in dieser Stadt. </p>
<p>Freitag, 16. Mai<br />
Storm und thom* und Gäste<br />
Lieder, Literatur, Faxen, Kram<br />
Beginn: 20.00 Uhr<br />
Ort: Zeppelin, im &#8220;Wurm&#8221;, Schwerin</p>
<p>Und dann sowas: </p>
<p>Freitag, 16. Mai<br />
“Rum und Wodka” von Conor McPhersen<br />
mit Martin Neuhaus, Musik: Oli Schneider, Bilder: Karen Obenauf<br />
Beginn: 20.30 Uhr<br />
Ort: werk3 </p>
<p>Nee, da reicht&#8217;s mir dann einfach. Ich bin &#8216;ne Frau &#8211; ich weiß ja schon immer nicht, was ich anziehen soll. Jetzt muss ich auch noch überlegen, wo ich hingehen soll. Echt Leute. Kulturfuzzis! </p>
<p>(So, das war jetzt meine Anti-Hommage an all jene, die immer meckern, dass in Schwerin zu wenig los sei. Was ist eigentlich das Antonym von &#8216;Hommage&#8217;?) </p>
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		<title>Frau nadine las: Minutentext</title>
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		<pubDate>Sun, 13 Jan 2008 18:49:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nadine</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rückblick]]></category>

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		<description><![CDATA[Vernissage

&#8220;Noch eine Minute&#8221; sagte er zu ihr, als sie den Lippenstift zur Seite legte, sich noch einmal eine Haarsträhne hinterm Ohr zurechtzupfte und den perfekten Sitz der Spange prüfte. &#8220;Noch eine Minute, dann ist das Taxi wieder weg, weil der Typ denkt, wir verarschen ihn. Und wir kommen zu spät. Er hupt schon.&#8221; Er ging [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Vernissage</strong></p>
<p><span id="more-385"></span></p>
<p>&#8220;Noch eine Minute&#8221; sagte er zu ihr, als sie den Lippenstift zur Seite legte, sich noch einmal eine Haarsträhne hinterm Ohr zurechtzupfte und den perfekten Sitz der Spange prüfte. &#8220;Noch eine Minute, dann ist das Taxi wieder weg, weil der Typ denkt, wir verarschen ihn. Und wir kommen zu spät. Er hupt schon.&#8221; Er ging ans Fenster, um dem Taxifahrer zu winken, doch der sah nicht hoch. – &#8220;Dann kommen wir eben zu spät.&#8221;, sagte sie. &#8220;Die Dinger hängen auch morgen noch.“ Er blickte nervös auf seine Armbanduhr. &#8220;Du verstehst das nicht.&#8221;, sagte er und ging aus der Tür ohne sich umzudrehen. Sie nahm ihren Mantel und folgte ihm. &#8220;Doch,&#8221; sagte sie, &#8220;natürlich verstehe ich: wir stehen da rum und du willst nicht zu spät kommen, um mit all den wichtigen Menschen zu reden, Hände zu schütteln und Smalltalk zu machen.&#8221; Sie stiegen ins Taxi. Der Fahrer blickte grimmig in den Rückspiegel: &#8220;Dacht’ schon&#8230;&#8221;, murmelte der Fahrer. &#8220;Zur Kunsthalle&#8221;, sagte er nach vorn und tippte dem Fahrer leicht auf die Schulter. Er wusste, wen er dort alles treffen wollte. &#8220;Ich möchte ganz einfach nicht zu spät kommen.&#8221;<br />
&#8220;Es ist Kunst.“, sagte er. –  Sie hasste Ausstellungseröffnungen.<br />
&#8220;Es ist eitel.“, sagte sie.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>&#8220;Großes Kino&#8221;: Frau Jules las</title>
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		<pubDate>Tue, 13 Nov 2007 19:26:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nadine</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rückblick]]></category>

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		<description><![CDATA[Herr Sonntag &#038; ich &#8211; Lichtblickkino
Dynastie 
Für A. zum Vortreffen

Herr Sonntag &#038; ich &#8211; Lichtblickkino
Lichtblickkino. Matte Metallene Buchstaben über der Holztür, die man schwenkt um hindurch zugehen. Milchglas. Berlin, am Abend. Das matte Metall im Kegel zweier Scheinwerfer, des Abends und des Baugerüsts linker Hand wegen. Die Scheinwerfer faustgroß.
Der Trottoir kopfsteingepflastert. Graues Laub, der die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Herr Sonntag &#038; ich &#8211; Lichtblickkino</strong></p>
<p><strong>Dynastie </strong></p>
<p><strong>Für A. zum Vortreffen</strong></p>
<p><span id="more-358"></span></p>
<p><strong>Herr Sonntag &#038; ich &#8211; Lichtblickkino</strong></p>
<p>Lichtblickkino. Matte Metallene Buchstaben über der Holztür, die man schwenkt um hindurch zugehen. Milchglas. Berlin, am Abend. Das matte Metall im Kegel zweier Scheinwerfer, des Abends und des Baugerüsts linker Hand wegen. Die Scheinwerfer faustgroß.<br />
Der Trottoir kopfsteingepflastert. Graues Laub, der die Straße säumenden Bäume. Der Trottoir ein wenig nass. Glänzend im Kegel zweier Scheinwerfer.  Die Scheinwerfer faustgroß. Vor dem Milchglas eine Bank. Dort raucht man. Vor der schwarzen Einfahrt rechter Hand, junge Künstler zur Eröffnung ihres Ateliers. Laufpublikum heischend. Man gehe bis ganz hinten durch. Eine Toilette. Graue, beleuchtete Buden, zur Einkehr zwischen den Bäumen. Man isst und trinkt.<br />
Zum Abend wird es eng. Man kennt sich oder kennt sich nicht bis kaum.<br />
Noch vier Minuten. Das Lichtblickkino besitzt nicht mehr als dreißig Plätze. Der Vorraum. Fliesen.  Man drängt sich vor der Tür. Die Tür wie die Wände, eine Farbe wie nasser Sand sich färbt. Blumenmuster im oberen Drittel. Filmplakate. Ich sei nicht allein, sagt mir darauf eine Frau mit Wachdienstmütze und ein Dicker mit spitzer Nase und fettigen Haaren. Er trägt ein weißes Unterhemd. Ich sei nicht allein. Das kenn ich von zu Haus, denke ich.<br />
Zur linken eine hohe Blechtheke mit Süßkram und bunten Flaschen, die Preisliste dazu. Ein Mann mit Kunzebrille, für den die Revolution noch nicht zu Ende ist, der letzte Karten verkauft und Süßkram und bunte Flaschen, dahinter. Nicht die von vor einer Stunde. Die, die so nach Ungarn klang oder Polen, nach irgendwas hinter der Oder im Osten von uns.<br />
Zu spät öffnet man uns die Tür. Es ist nahezu zehn Minuten nach der Zeit. Schmale Lederjacke, mit langen grauen Fingernägeln von rechts raucht und schiebt. Die Dicke in Leinen mit Brille, vor mir, stinkt, drängelt. Einen dünnen, schwarzen Blechgang klopft man ab mit den Schritten in Richtung der nicht mehr als dreißig Sitze. Dann beide versunken in rotem Plüsch. Die Leinwand ist wie alles eng und klein. Nicht die Wände. Die sind hoch. Der Projektor steht schief. Knarrt. Gekaufter Süßkram und gekaufte bunte Flaschen rascheln, floppen und zischen und ein Schmatzen dazu. Die Bilder fangen an am Licht vorbeizuzurren. Stufen rechts neben mir. Das Blech unter unseren Füßen war Fliese, wurde Blech, Stein jetzt.<br />
Angelehnt. Unser Film beginnt. Unser Film endet. Man fällt ineinander, küsst, verschließt Augen und streicht Hüften zwei Plätze rechts neben uns. Wie im Film, denke ich. Was glaubst du woher kommen die Geschichten. Sagt Herr Sonntag. </p>
<p><strong>Dynastie</strong> (Laudatio für Familie Wille &#8211; Oscar für die besten Fotos)</p>
<p>Das Motiv.<br />
Die Kamera.<br />
Die Schärfe.<br />
Das unbewegte Bild, ihr Metier.<br />
Das unbewegte Bild, ihre Passion.<br />
Generation 1<br />
Generation 2<br />
Generation 3<br />
Rahmen uns in Megapixeln.<br />
Uns, Schmalz &#038; Marmelade.<br />
Sie, The Willes.</p>
<p><strong>Für A. zum Vortreffen</strong> (Laudation für Anne)</p>
<p>Hinten Rechts in der Ecke<br />
da sitzt du<br />
und feilst<br />
und schmierst<br />
und drechselst<br />
mit uns.</p>
<p>Hinten Rechst in der Ecke<br />
da sitzt du<br />
in deckender Deckung<br />
in beruhigender Ruhe<br />
in guter Mine<br />
zu uns.</p>
<p>Hinten Rechts in der Ecke<br />
da sitzt du<br />
mit feilschendem Blick<br />
mit lachendem Zahn<br />
mit schlichtender Zunge.</p>
<p>Hinten Rechts aus der Ecke<br />
Erwischt uns der Zuruf<br />
von sauberer Dramaturgie<br />
von guter Idee<br />
von der auftrittlosen Nummer vier<br />
von dir.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>&#8220;Großes Kino&#8221;: Frau nadine las</title>
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		<pubDate>Sun, 11 Nov 2007 19:03:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nadine</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rückblick]]></category>

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		<description><![CDATA[Cineast
Laudatio für Bärbel Naedler
Laudatio für John R. Carlson

Cineast
Nun, liebes Publikum, als der ausgewiesene Cineast dieses Lesekollektivs komme ich natürlich nicht umhin, Ihnen auch noch einen Film Text zum Thema zu präsentieren und mit Ihnen ein wenig über die Faszination der bewegten Bilder zu plaudern. 
Zum Beispiel darüber, wie man ein guter Cineast wird.
Zuerst einmal wird [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Cineast</strong></p>
<p><strong>Laudatio für Bärbel Naedler</strong></p>
<p><strong>Laudatio für John R. Carlson</strong></p>
<p><span id="more-352"></span></p>
<p><strong>Cineast</strong></p>
<p>Nun, liebes Publikum, als der ausgewiesene Cineast dieses Lesekollektivs komme ich natürlich nicht umhin, Ihnen auch noch einen <strike>Film</strike> Text zum Thema zu präsentieren und mit Ihnen ein wenig über die Faszination der bewegten Bilder zu plaudern. </p>
<p>Zum Beispiel darüber, wie man ein guter Cineast wird.<br />
Zuerst einmal wird man Cineast nicht bewusst. Man wacht nicht eines Tages auf und sagt: ab heute bin ich Cineast! So, meine Damen und Herren, funktioniert das vielleicht im Film&#8230; </p>
<p>Der Zauber der bewegten Bilder packt einen irgendwann oder er packt einen eben nicht. Mich hat er sehr früh gepackt. Mein großer Bruder war – ohne es zu wissen oder zu behaupten (und das unterscheidet ihn von vielen anderen heutzutage) – ein Cineast. Meine frühesten Filmerinnerungen schlängeln sich um die großen Blockbuster der späten Siebziger und frühen Achtziger Jahre. &#8216;Späte Siebziger?&#8217; Mögen Sie jetzt ausrufen und sagen &#8216;Pah! Da war sie doch noch viel zu jung!&#8217;  Aber nun gut, wir dürfen nicht vergessen, dass hinter dem eisernen Filmvorhang eine andere Kinozeit tickte. Unter Einberechnung einer relativen Raum-Zeit-Verzögerung von ca. 2 Jahren, in denen die Streifen dann endlich irgendwann auf dem schwarzen Kanal liefen, kommt es mathematisch dann wieder hin, dass ich als Kind in den Genuss von „Star Wars“ kam oder „Saturday Night Fever“. (Apropos schlechte Musikfilme, ganz groß auch „Xanadu“, 1980). Die frühen Helden meiner Märchen hießen nicht König Drosselbart oder Prinz Eisenherz. &#8211; Meine trugen gold-glitzernde Anzüge und hießen Buck Rogers oder kamen in plusternden Hosen dahergeritten und hörten auf den Namen Sindbad. Natürlich in der Variante mit den Special Effects von Ray Harryhausen. Meine Helden schwangen Lichtschwerter und flogen von Dächern. </p>
<p>Allerdings ist der Weg, ein echter Cineast zu werden, ein steiniger und vor allem ist er mit vielen Irrtümern gespickt.<br />
Eine ganz frühe Perzeption habe ich z.B. von „Some like it hot“ / &#8220;Manche mögen’s heiß&#8221;. Aber a) heißt dieser wunderbare Streifen in meinem mentalen Firmarchiv „Josephine und Daphne“ und b) war er zwischen meinem 8. und 12. Lebensjahr unter der Rubrik Tragödie abgespeichert, da ich mich in all meiner kindlichen Naivität nur daran erinnern konnte, dass zwei Männer ständig und in allen nur erdenklichen Situationen ihres Lebens demütigenderweise gezwungen waren, Frauenkleider zu tragen.<br />
Erst als ich den Film einige Jahre später erneut sah, erschloss sich mir sein wahrer komödiantischer wie filmgeschichtlicher Wert. Ein Meilenstein. </p>
<p>Ein weiterer großer Irrtum meiner frühkindlichen cineastischen Bildung war „La Boum“.<br />
Da die jugendlichen Protagonisten die meiste Zeit des Filmes über damit beschäftigt sind, ihre Eltern loszuwerden und mein großer Bruder und meine ältere Cousine von den Implikationen des Films auf ihr Leben nur unter vorgehaltener Hand sprachen, hielt ich „La Boum“ lange Zeit für einen Skandalfilm. Heute finde ich eher skandalös, dass Schulen, Landesmedienzentren oder auch der Jugendschutz das Material nicht im Unterricht einsetzen um der Generation Flatrate aufzuzeigen, wie es auch geht. </p>
<p>Nach der filmwissenschaftlichen Forschungsphase mit dem Trial-and-Error-Prinzip ereilte mich als nächstes Entwicklungsstadium hin zum vorbildlichen Cineasten die Klugscheißer-Phase.<br />
Während Mitte der 80er der Rest der Welt noch darüber sinnierte, wer wohl nach dem in meinen Augen unterschätzten aber dafür herrlich britischen Roger Moore den Geheimagenten im Dienste Ihrer königlichen Majestät würde geben dürfen, argumentierte ich bereits mit voller Inbrunst und nach Leibeskräften, dass der damals durch die Detektiv-Romanze „Remington Steele“ bekannte Pierce Brosnan einen wunderbaren Bond abgeben würde. Aber United Artists bzw. MGM hörten nicht auf mich. Sie hätten eine Menge Geld sparen können. Heute – nachdem Dalton beim Publikum kläglich durchgefallen ist, behaupten sie gern, Brosnan sei damals schon im Gespräch gewesen. Lügen und lügen lassen. </p>
<p>Nach der Klugscheißer-Phase, die bis Ende der 80er dauerte, machte sich Anfang der 90er nicht nur in den Bond-Filmen die Beendigung des kalten Krieges bemerkbar sondern trat auch ich eher unsanft in die vom klassenfeindlichen Kommerz dominierte, die Videothekenphase, ein. Da ich in Ermangelung eines eigenen Einkommens auf das Filmkonsumverhalten meines großen Bruders angewiesen war, der glaubte, alle schlechten Filme aus den 80ern nachholen zu müssen, erspare ich Ihnen an dieser Stelle Einzelheiten über diese Phase meiner filmographischen Metamorphosen. </p>
<p>Eine bewusste Rezeption von mir höchstpersönlich ausgewählter Streifen setzte 1991/92 mit der Blending-Phase ein. Diese Phase ist dadurch gekennzeichnet, dass aufgrund eines zu intensiven Medienkonsums auf der einen Seite bei gleichzeitiger Hinzunahme bewusstseinserweiternder Drogen auf der anderen Seite die Grenzen zwischen Leinwand und Kinosaal anfingen zu verwischen. Schuld war u.a. Oliver Stone. Ich kann Ihnen bis heute nicht mehr genau sagen, ob meine erste große Jugendliebe wirklich aussah wie Jim Morrison oder doch eher wie Robby Krieger. Ich weiß nur, dass wir „Love Street“ singend durch die Straßen zogen und bei mir aber Schluss mit lustig war, als er drohte noch vor seinem 30. Geburtstag in einer Badewanne sterben zu wollen. </p>
<p>Nach dieser Phase ereilte mich endlich die Phase der cineastischen Adoleszenz und begann ich, einen eigenen, sehr intensiv ausgeprägten Filmgeschmack zu entwickeln. Verstärkt achtete ich darauf, wer das Drehbuch geschrieben oder die Musik zum Film komponiert hatte. Noch heute führt dieses Hintergrundwissen zu von Freunden verhassten Impulsreferaten im Foyer.<br />
Welche filmischen Leckerbissen ich seit dieser Phase allerdings konsumiere oder wessen Musik ich mittlerweile ohne Abspann zu erkennen in der Lage bin, das allerdings verrate ich Ihnen ein anderes Mal, denn a) müssten wir Ihnen heute sonst wegen Überlänge eine größere Spende abverlangen und b) macht einen guten Cineasten nicht aus, dass er anhand einer Checkliste abhaken kann, welche Filme, die gemeinhin als Muss gelten, er gesehen hat. Einen guten Cineasten erkennt man daran, dass ihn sein eigener, individueller Geschmack – oder wahlweise der Auftritt einer  aufstrebenden Lesebühne &#8211; in den kuscheligen Kinosessel treibt. </p>
<p><strong>Laudatio für Bärbel Naedler</strong><br />
(Oscar für das beste Catering am Set &#8211; und weil unsere Lesebühne ohne sie wohl &#8220;Würstchen und Kekse&#8221; hieße&#8230;)</p>
<p>Hast uns Obst jeflückt<br />
un Erdbeeren jesucht<br />
     un de Gläsa jefüllt.<br />
un jeschnippelt und jeschält<br />
un jefüllt und jefahrn&#8230;.<br />
	alles mit dein&#8217; Auto. </p>
<p>Hast det Kind jehüt&#8217;<br />
Uns Töppe jebracht<br />
 	Un Schmalz ausjefahrn<br />
Hast &#8216;n thom groß jemacht<br />
Uns Applaus jeklatscht<br />
	Alles dank deine Hände. </p>
<p>Da stehn wa nu hier,<br />
in den jroßen Saal<br />
und sagen ganz doll Danke. </p>
<p><strong>Laudatio für John R. Carlson</strong><br />
(Oscar für die beste Filmmusik)</p>
<p>You god of sound that thou comest from afar.<br />
The waves have brought you hither<br />
Through storms and rain right from across the world<br />
To flatter us with music sweet and glistenting. </p>
]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Ablenkungsmanöver: Was ist eigentlich bei Heldens los?</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Oct 2007 21:22:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nadine</dc:creator>
				<category><![CDATA[Vermischtes]]></category>

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		<description><![CDATA[Während wir, das Lesekollektiv, hier fleißig sehen und ernten und die Weltöffentlichkeit gespannt darauf wartet, wie wohl ein Schmalz-und-Marmelade-Filmplakat aussehen würde, habe ich mich mal auf die Reise begeben und bei unseren Helden vorbeigeschaut.
Ein Blick auf die Homepage meines persönlichen Jazzhelden verrät mir: &#8220;Letzte Aktualisierung: 10.05.2006&#8243;
Nun. Das war kurz, nachdem ich die Ehre hatte, ihn [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Während wir, das Lesekollektiv, hier fleißig sehen und ernten und die Weltöffentlichkeit gespannt darauf wartet, wie wohl ein Schmalz-und-Marmelade-Filmplakat aussehen würde, habe ich mich mal auf die Reise begeben und bei unseren <a href="http://www.schmalzundmarmela.de/linktipps">Helden</a> vorbeigeschaut.<br />
Ein Blick auf die Homepage meines <a href="http://www.tim-isfort.de" target="_blank">persönlichen Jazzhelden</a> verrät mir: &#8220;Letzte Aktualisierung: 10.05.2006&#8243;<br />
Nun. Das war kurz, nachdem ich die Ehre hatte, ihn persönlich kennen zu lernen.  (Danke, Rudi!) Nun macht er seinem Namen alle Ehre. Tim? Ich zehre doch noch heut von diesem Tag! Wo sind Sie? &#8220;Es fehlt etwas&#8221; auf dieser Welt, wenn Sie nicht musizieren!<br />
Herr Isfort, ich höre? Hallo? </p>
<p>Na, hoffen wir mal, dass Du nicht auf einer &#8220;Oortschen Wolke&#8221; davongeschwebt bist, sondern einfach Deine Seite nicht aktualisieren konntest, weil Du Tag und Nacht, &#8220;Die Ganze Zeit&#8221;, im Studio bist und mit anderen fantastischen Musikern voller &#8220;Absolute Activity&#8221; an einem neuen Album schraubst. </p>
<p>Herr thom*, was machen eigentlich Ihre Helden? Herr ivalo? </p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Sehen und Ernten: Frau jules las</title>
		<link>http://www.schmalzundmarmela.de/2007/10/14/sehen-und-ernten-frau-jules-las/</link>
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		<pubDate>Sun, 14 Oct 2007 18:51:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nadine</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rückblick]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Spieler
und 
Herr Sonntag und ich &#8211; Herbsttag

Der Spieler 
Er war ein Spieler. Ohne Frage. Schon immer. Er war einer der Ideen von seiner Zunge in deinen Kopf springen macht. Er war einer dem du glaubst, wenn er da steht und grinst. Den Kopf nach  oben gerichtet. Das was die anderen von dir sehen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der Spieler</strong></p>
<p>und </p>
<p><strong>Herr Sonntag und ich &#8211; Herbsttag</strong></p>
<p><span id="more-335"></span></p>
<p><strong>Der Spieler </strong></p>
<p>Er war ein Spieler. Ohne Frage. Schon immer. Er war einer der Ideen von seiner Zunge in deinen Kopf springen macht. Er war einer dem du glaubst, wenn er da steht und grinst. Den Kopf nach  oben gerichtet. Das was die anderen von dir sehen, das bist du in ihrem Kopf. Und sie wollen viel, sagte man ihm. Früh genug, dass er es nicht vergaß. Ein Spieler eben, sodass andere klatschten für das was er gab. Sein Herz nämlich. Es war sein Beruf später dann, ein Lachen oder einen Zauber säen, vom hohen Brett aus. Ein Spieler eben, sodass andere klatschten für das was er gab. Vom hohen Brett aus einen Zauber oder ein Lachen säen war sein Beruf später dann. Seine Kunst. Sein Herz bekam er nicht wieder. Verkauft und verscheuert. Anderes hatte er vorgesehen. Das war lange her. Noch bevor man ihm sagte, dass du das seiest, was die anderen von dir sähen und das jene viel wollten. Das Seil in dem er hing, knüpfte er weiter und weiter, nimmt am Ende den Strick und eine alte Hoffnung mit. </p>
<p><strong>Herr Sonntag und ich &#8211; Herbsttag</strong></p>
<p>Eine Sonne scheint. Ein Laub raschelt.<br />
Regenschirmgerippe ragen aus Mülleimern.<br />
Ein Wind schiebt eine Wolke mit einem Regen in Richtung Abend. Es ist Herbst. Kein Sommer.<br />
Die Uhr geht ihre Runden und geht und geht. Da hatte einer lange warten müssen. Einen ganzen Sommer lang.<br />
Es war seine Lieblingsjahreszeit. Juhu, sagte Herr Sonntag, Juhu es ist Herbst und springt mit blauen Gummistiefeln in eine graubraune Pfütze gerahmt von graubraunem Pflaster die einen graubraunen Herbsthimmel spiegelt. Juhu. Mir ist kalt, sagte ich.<br />
Ja die Badeanzugszeit ist auch vorbei. Jetzt wird es mummelig und man trinkt Tee.<br />
Ja, ja…Mir ist kalt.<br />
Du bist und bleibst eine alte Miesmuschel. Miesmuschelig sein macht allein – schon vergessen? Wenn man dich schon mit der Nase draufstößt… Du sitzt im Schoß von immer wieder und meckerst und meckerst. Da brauchst du dich nicht wundern.<br />
Wundern? ich wunder mich doch nicht…<br />
Oh doch, du denkst immer, dass alle dir was wollen, was schlecht ist.<br />
Ach das…<br />
Oh doch, oh doch. Sieh es doch mal so: du schaust die meiste Zeit miesmuschelig drein und wunderst dich dann warum alle anderen  dann auch miesemuschelig drein schauen, denkst dann, dass die denken, dass du böse bist mit ihnen und der Welt …so ist des doch?<br />
Ach du bist wie alle anderen, du guckst doch auch miesmuschelig…<br />
Siehst du, siehst du! Und warum?<br />
Es ist Lieblingsjahreszeit. Juhu, hab ich gesagt, Juhu es ist Herbst hab ich gesagt und bin mit meinen blauen Gummistiefeln in eine graubraune Pfütze gerahmt von graubraunem Pflaster die einen graubraunen Herbsthimmel spiegelte gesprungen. Juhu. Hab ich gesagt.<br />
Mir ist kalt. Hast du gesagt und ein Gesicht gemacht, wie eine Sardine guckt bevor der Aludeckel zugerollt wird. Genau…Und?<br />
Ja…Aber…<br />
Aber aber, aber?<br />
Ach…Kein aber…</p>
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		<title>Sehen und Ernten: Frau nadine las</title>
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		<pubDate>Sun, 14 Oct 2007 18:42:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nadine</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rückblick]]></category>

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		<description><![CDATA[Erntedankfest
und
Lebensernte

Erntedankfest
Es gibt kaum etwas Typischeres für die menschliche Seele als dieses Fest. 
Ernte, wie demütigend, impliziert mit aller Konsequenz, wohin wir verkommen sind: von den stolzen Jägern, die mit ihren Speeren den Tigern durch die Steppen nachjagten zu vermeintlich aufrecht gehenden Menschen, die es nicht aushalten, sich auf ihre eigenen Fähigkeiten zu verlassen, auf ihren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Erntedankfest</strong></p>
<p>und</p>
<p><strong>Lebensernte</strong><br />
<span id="more-334"></span></p>
<p><strong>Erntedankfest</strong></p>
<p>Es gibt kaum etwas Typischeres für die menschliche Seele als dieses Fest. </p>
<p>Ernte, wie demütigend, impliziert mit aller Konsequenz, wohin wir verkommen sind: von den stolzen Jägern, die mit ihren Speeren den Tigern durch die Steppen nachjagten zu vermeintlich aufrecht gehenden Menschen, die es nicht aushalten, sich auf ihre eigenen Fähigkeiten zu verlassen, auf ihren Instinkt des Jagens, auf ihre Schnelligkeit, ihre Treffsicherheit und die Gewissheit, dass es ihnen auch gelingen wird, die Beute zu erlegen. Jäger, die sich bewusst sind, dass es von ihnen abhängt, in ihren Händen liegt, ob die Sippe überlebt.<br />
Stattdessen sind sie zu Jammerlappen in vorausschauendem Gehorsam verkommen. Die stolze Sippe Jäger, die sich nahm, was sie brauchte, baut nun an, in weiser Voraussicht, sät, damit geerntet werden kann. Nur wer sät, wird ernten. Und hält sich dabei für so schlau. Wir sind die Herren dieser Welt. Wie viele Missernten müssen noch über uns hereinbrechen, wie viele Schädlingsplagen, Dürren und Fluten, damit der Mensch versteht, dass auch das ihn nicht vor dem Unvermeidlichen bewahrt. Der Mensch erfand den Ackerbau, das Säen und Ernten, um nicht mehr abhängig zu sein, von der Gnade des Schicksals, das ihm die Jagdbeute vorbeischickt. Der Mensch dachte, er kauft sich damit frei. Stattdessen begibt sich der arme Tor in die viel größere Abhängigkeit. Während der Mensch denkt, eine bedacht gesetzte und gehegte Saat bewahrt ihn vor dem Hungertod, treibt er die Natur zu immer ausgefeilteren Tricks, ihm diese Ernte zu nehmen. </p>
<p>Erntedank. Nur wer sät, darf auch ernten. Dem Müßiggänger sei es nicht gegönnt. Danken darf nur, wer auch geackert hat.<br />
Von der Jagd zum Ackerbau – mit diesem Wandel in der Nahrungsbeschaffung vollzog sich auch der religiöse Wandel. Vor der Jagd bemalten sich die Krieger, sprangen um das Feuer, um sich aufzuheizen für die Hetzjagd nach dem Tier. Den Göttern wurde nicht gedankt, mit den Göttern maß man sich, als man ihren Kreaturen nachstellte.<br />
Mit dem Ackerbau kam der Dank. Denn der Mensch gab es aus der Hand, sein Schicksal. Mit jeder Ernte dankt er nun aufs Neue, dass es ihm gnädig war. Dass es seine Saat verschonte, von Fluten aus der Erde gespült zu werden, von Heuschrecken geplagt zu werden, von Dürren vertrocknet zu werden. In aller Passivität ist er den Naturgewalten ausgeliefert und verneigt sich zutiefst und in Demut, wenn sie ihn verschont haben. Unterwürfig. Der stolze Jäger wich dem dankbaren Bauern auf dem Schachbrett von Fressen und Gefressen werden. </p>
<p>Und da der Mensch umso exstatischer wird, je mehr er sich vor einem Herrn verneigen darf, wird diese Dankbarkeit gehörig gefeiert. In Kirchen stößt der Mensch Gebete gen Himmel, in Zelten windet er Kränze, tanzt, lacht und trinkt, fährt seine neue Art von Beute stolz auf Traktoren durchs Dorf.<br />
Es entspricht seiner neuen Natur, immer dankbar zu sein für alles. Statt mehr zu fordern, badet er in der mittelmäßigen Glückseligkeit über das, was er hat. Er feiert den Spatz in der Hand.<br />
„Wir sind Herren dieser Welt“, singt derweil die Knef im Radio.<br />
Der dankbare Mensch. </p>
<p><strong>Lebensernte</strong></p>
<p>Der Raum war klein, klein und kalt. Ein Gemäuer wie an einem eisigen Donnerstag in einem Januar, dessen klirrende Kälte nicht schneidig genug war, um einem den Atem zu nehmen. Auf der linken Seite zwei Bankreihen. Davor die Blumen. Auf der rechten Seite noch mehr Bänke. Und Stühle. In der Mitte, der rote Läufer. Wie oft hatte sie hier gesessen, bevor dieser Tag gekommen war. Dieser eine, von dem sie wusste, dass er eines Tages kommen würde, dieser eine unausweichliche. Nicht eine Minute hatte sie geglaubt, dass sie dem entgehen würde.<br />
Sie sah sich um. Die Menschen waren festlich gekleidet. Blumen hielten sie in den Händen für diesen besonderen Tag. Links sah sie ihre Familie sitzen. Die Enkelkinder in der ersten Reihe, die Kinder in der zweiten.<br />
Langsam, ganz langsam glitt ihr Blick über jedes einzelne Gesicht, jedes einzelne. Wie eine blasse Perlenkette auf schwarzem Samt sah sie die Gesichter aufgereiht unter ihren dunklen Hüten, zwischen ihren dicken, wollenen Schals und Jacken. Da saßen sie und versuchten zu verbergen, dass sie nicht damit gerechnet hatten. Nicht jetzt. Und schon gar nicht auf diese Art und Weise.<br />
Sie drehte sich um, als ob sie dann besser erkennen könne, was hinter ihr lag. Blickte zurück. Der Krieg lag hinter ihr. Einen der beiden Männer hatte sie ihm lassen müssen. Die große Liebe ihres Lebens. Aber die zweitgrößte tut es ja auch. So war es gewesen. Nach einem Krieg hat man nicht mehr die erste Wahl. Schon gar nicht, wenn man ihn angezettelt hat. Schuld. Zufrieden sein. Zufrieden sein, über das Davongekommensein. Das war es gewesen. Immer schon. Immer hatte man zufrieden sein müssen. Zwei Männer hatte sie gehabt. Den einen nie wirklich, den anderen nie ganz. Aber sie hatte zwei Mädchen. Immer schon hatte sie eine Familie haben wollen und Kinder. Nun hatte sie zwei, und eine kleine Schwester an der Hand dazu. Als die Mutter starb, hatte sie plötzlich auch eine Stiefschwester. Das Leben hatte es gut mit ihr gemeint, dieses Mal hatte sie mehr bekommen, von dem, was sie sich so sehnlichst gewünscht hatte. Die Flucht, vereitelt, wäre nun sowieso nicht mehr möglich gewesen. Es gibt Puzzleteile des Schicksals, die passen fast immer.<br />
Wieder konnte sie zufrieden sein. Man hatte sein Leben. Man war gesund. Hatte die Kinder. Noch bevor sie die Chance gehabt hatte zu begreifen, dass all das vielmehr war, als ihr zugestanden hätte, vielmehr gar, als anderen zuteil wird, kam der Tod. Dieser große schwarze, der sich wie eine Wucherung durch den Körper frisst. Heute, ja heute hätten sie ihn noch Jahre am Leben erhalten können, aber damals? Und so entriss ihr das Leben auch ihre Liebe zweiter Wahl.<br />
Sie liebte nie wieder. Keinen Mann.<br />
Sie sah sich um. Es kamen gute Jahre. Sie verzichtete darauf, auch die dritte oder vierte Wahl zu haben. Sie hatte lieber keine Wahl mehr. Das war sicherer. Zum ersten Mal wieder Jahre des Glücks. Des Glücks, dass sie bis dahin nur in ihrer Kindheit gekannt hatte. Blessed is he who expects nothing for he shall never be disappointed. Endlich, das funktionierte. Den Kindern ging es gut. Die Enkel kamen, dann die Schule. Keine Krankheiten, keine Kriege. Selbst als das System verschwand, das ihr so oft in die Suppe gespuckt hatte und dem sie sich verweigert, brach kein neues Unglück über sie herein. Auch dieses Mal ergab sie sich. Keine Wahl mehr zu haben, ersparte ihr, den Kampf zu verlieren oder die falsche Wahl zu treffen.<br />
Wieder, Jahre des Glücks. Sie war zufrieden, die Semipermeable zwischen Glück und Zufriedenheit hatte sich vollends aufgelöst, sie war aufgeweicht im Sud der nicht mehr gehegten Erwartungen.<br />
Es hätte noch Jahre so weitergehen können. Sie hatte es doch endlich verstanden, dieses große weite Leben durchschaut, von dem man nicht allzu viel verlangen konnte, wie sie dachte. Sie hatte sich ergeben, nun könnte sie endlich die Früchte ihrer Einsicht ernten. Ein Leben ohne enttäuschte Erwartungen, ohne die zweite Wahl oder die dritte, ohne Unzufriedenheit. Aber das Leben lässt sich nicht austricksen. An dem Punkt, an dem sie glaubte, das Spiel durchschaut zu haben, schlug das Leben zu, in all seiner finalen Wirkung und riß sie mit sich.<br />
Es war die Ironie des Schicksals, dass es die gleiche Krankheit gewesen war wie bei ihrem zweiten Mann. Eine Krankheit zweiter Wahl. Nicht mal einen eigenen Tod hatte sie haben dürfen. Durfte ihren eigenen Weg nicht gehen.<br />
Langsam verließ ihre Familie das Gebäude. Sie sah die Kinder. Die Enkelkinder. Die Saat, die Frucht ihres Lebens. Zum Grab folgte sie ihnen nicht mehr. Sie wartete am Ausgang auf die, die sie nicht sehen konnten.</p>
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		<title>Schützenfest: Frau jules las</title>
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		<pubDate>Wed, 12 Sep 2007 11:02:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nadine</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rückblick]]></category>

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		<description><![CDATA[Wildschwein
&#8220;Schützenkönig 1&#8243;
&#8220;Schützenkönig 2&#8243;

Wildschwein
Es war, dass ich über ein Feld ging wegen der Luft und der Sonne zu Beginn der Jagdsaison. Still und lauschend. Bis ein Hochsitz war, nicht weit entfernt. Ein Jäger war ein guter Schütze. Ein Schuss fiel und ich begann zu laufen des Lebens wegen.
&#8220;Schützenkönig 1&#8243;
Sich gegenüber standen sie beide ohne ein Wort [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wildschwein</strong></p>
<p><strong>&#8220;Schützenkönig 1&#8243;</strong></p>
<p><strong>&#8220;Schützenkönig 2&#8243;</strong></p>
<p><span id="more-321"></span></p>
<p><strong>Wildschwein</strong></p>
<p>Es war, dass ich über ein Feld ging wegen der Luft und der Sonne zu Beginn der Jagdsaison. Still und lauschend. Bis ein Hochsitz war, nicht weit entfernt. Ein Jäger war ein guter Schütze. Ein Schuss fiel und ich begann zu laufen des Lebens wegen.</p>
<p><strong>&#8220;Schützenkönig 1&#8243;</strong></p>
<p>Sich gegenüber standen sie beide ohne ein Wort zu sagen, während der Regen gegen die Scheiben ging. Sie sagten einmal, sie wollten beieinander bleiben. Bis zum Ende. Aber es kam anders und schneller. Mit Eifer begann er nach fremden Gerüchen zu suchen. Nach einem Dritten, der einen Schlüssel besaß für das Zimmer, in dem das Bett stand.  Nach einem anderen, der ihre Brust in den Händen halten durfte.</p>
<p>Er war einer derer, der sich nicht verließ auf mehrere Jahre, auf ein Lachen, auf eine Verzeihung, auf sich selbst oder etwas Zauberhaftes. Er war ein derer, der hoffte, es lernen zu können mit der Zeit. Oder schneller. Sie vertraute auf mehrere Jahre und ihn, der mehr war als jeder dritte ohne es zu wissen. Aber er würde nicht reichen für sie, er wäre nur gut bis zum Ende. Für ihn gab es keinen, der ihn rettete.</p>
<p>So ging neben dem Regen, der gegen die Scheiben ging, die Kugel durch ihn.</p>
<p><strong>&#8220;Schützenkönig 2&#8243;</strong></p>
<p>Als durch ihn die Hoffnung ging, er würde es doch noch mal schaffen, da brummte sein Herz grobtriebig und begann langsam wieder zu rattern.</p>
<p>Es ruckte und zuckte am Anfang, wie ein Motor der lange rosten musste und im Regen wieder angeworfen worden war ohne Öl. Aber es lief, wenn auch langsam, weil die Hoffnung wieder durch ihn ging.<br />
Die Hoffnung kam mit einem Eilzug in den Bahnhof gerauscht und sagte zu ihm, der warten musste, ich weiß bin zu spät. Lass uns ein Bier trinken und reden.</p>
<p>Es war ja schon Abend, da trinkt man Bier, wenn man reden muss. Und als es dann morgens war und die sonst matten Straßenpflaster glitschten, des Regens wegen, da sagte die Hoffnung zu ihm, weißt du, fang doch noch mal an. Ja, sagte er und durch ihn ging neben der Kugel wieder die Hoffnung.</p>
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		<title>Schützenfest-Rückblick: High noon in Schwerin city</title>
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		<pubDate>Sun, 09 Sep 2007 20:39:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nadine</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rückblick]]></category>

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		<description><![CDATA[High noon in Schwerin city
Oder: Die wilde 13
Ein Schützenfest wollten wir mit Ihnen feiern, liebes Publikum, eine Schussfahrt in die neue Saison sollte es werden.
Herauskam ein Showdown um 12 Uhr Mittags, mit vier Helden, die hereingeritten kamen in den Saloon auf einer musikalischen Welle, bereit mit Gags zu feuern und Pointen zu schießen. Der &#8220;Freischütz“ [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>High noon in Schwerin city<br />
Oder: Die wilde 13</strong></p>
<p>Ein Schützenfest wollten wir mit Ihnen feiern, liebes Publikum, eine Schussfahrt in die neue Saison sollte es werden.<br />
Herauskam ein Showdown um 12 Uhr Mittags, mit vier Helden, die hereingeritten kamen in den Saloon auf einer musikalischen Welle, bereit mit Gags zu feuern und Pointen zu schießen. Der &#8220;Freischütz“ war bis auf den letzten Platz gefüllt – das freute uns sehr, duellierten wir uns an diesem Tag doch mit Altstadtfest und dem Tag des offenen Denkmals.<br />
Pünktlich um 12 und ganz westernmäßig durften Sie aber erst einmal auf uns, die Tells, schießen, bevor wir an unserem Festtisch Platz nahmen. Begleitet wurden wir vier Leseschützen von unserer Schützenkapelle für diesen Tag: von <strong>dem</strong> Saxophonquartett der Stadt.<br />
Herr thom* läutete das Schützenfest ein mit einer galoppierend schnell erzählten Kurzfassung des &#8220;Freischütz“, gefolgt vom Medieval Action Adventure von Frau nadine, das wiederum direkt überleitete zur Geschichte des Herrn thom*, in  der er davon berichtete, wie er, ganz shootermäßig, mit zwei unbekannten Helden – dem Fatalisten und dem Berliner – das Schlaraffenland erobern wollte.<br />
Frau jules erzählte uns vom Kugel und später Hoffnung durchbohrten Schützenkönig, und Herr ivalo erklärte, warum Regentropfen es verdient hätten zu Königen gekrönt zu werden, warum diese Ehre bisher jedoch noch nie einem Regentropfen zuteil wurde. Nach dem &#8220;Wildschwein“ von Frau jules ging es dann – mit Blasmusik &#8211; beschwingt in die Pause.<br />
Nach der Pause betrat unser Schützenkönig und Lesegast, der Schweriner Schauspieler Andreas Lembcke, den Schützenplatz und erzählte uns vom Erlegen einer Currywurst, liebenden Rittern in quietschenden Rüstungen und sang ein traumhaft schönes Lied über Hansa Rostock.<br />
In den dritten Leseblock schritten wir – den mussten wir uns dann doch noch geben – zum Jägerchor aus Carl Maria von Webers &#8220;Freischütz“ ein.<br />
Herr ivalo bot – die Besucher der <a href="http://www.schmalzundmarmela.de/2007/01/14/wurst-und-durst-wohl-dem-der-freunde-hat/">Kochlese mit Horst Matthies</a> werden sich an seine <a href="http://www.editionschlitzohr.de/home.html" target=_blank">monovokalischen Texte</a> erinnern – ein Bivokalisches Schützenfestgedicht feil, während Frau nadine der Schweriner Wirtschaft huldigte, Frau jules ihren zweiten Schützenkönig krönte und Herr ivalo über das einzig wahre Schützenfest für einen ostwestfälischen Fußballfan sinnierte: das Schützenfest in Dortmund. Herr thom* ließ zum krönenden Abschluss noch einmal &#8220;Helga“ musikalisch wiederauferstehen, um sie dann – &#8220;Schuss“ – vermittels Liedende zu erlegen.<br />
Das Publikum dankte es mit reichlich Applaus – hatten wir wohl mit diesem Saisonauftakt ins Schwarze getroffen. Für die Schweriner Lesebühne war’s die 13. Frühlese – kein Grund, abergläubisch zu werden. Für Sie war es hoffentlich einer der schönsten literarisch-musikalischen Shoot-outs der <strike>Film</strike>Schützenfestgeschichte.</p>
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		<title>Schützenfest: Frau nadine las</title>
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		<pubDate>Sun, 09 Sep 2007 20:24:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nadine</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rückblick]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine Hommage an die Schweriner Wirtschaft
Schützen fest: Medieval Action Adventure im Mehrspielermodus mit Option zum Finishing Move

Eine Hommage an die Schweriner Wirtschaft
An meinem ersten Tag in der kleinen Landeshauptstadt lernte ich, dass in Schwerin auf Sprachökonomie nicht die linguistische Höchststrafe steht. Ganz offiziell und unverfroren stand da an einem Schild am Schelfmarkt &#8220;Straba&#8221;. Einfach so.
An [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Eine Hommage an die Schweriner Wirtschaft</strong></p>
<p><strong>Schützen fest: Medieval Action Adventure im Mehrspielermodus mit Option zum Finishing Move</strong></p>
<p><span id="more-317"></span></p>
<p><strong>Eine Hommage an die Schweriner Wirtschaft</strong></p>
<p>An meinem ersten Tag in der kleinen Landeshauptstadt lernte ich, dass in Schwerin auf Sprachökonomie nicht die linguistische Höchststrafe steht. Ganz offiziell und unverfroren stand da an einem Schild am Schelfmarkt &#8220;Straba&#8221;. Einfach so.<br />
An einem höchstoffiziösen, kommunalen, steuergeldlich finanzierten, kunststoffhergestellten, DIN-genormten deutschen Hinweisschild stand eine Abkürzung, die in meiner Heimatuniversitätsstadt von höheren Semestern der Philologien nur noch naserümpfend und allenfalls im mündlichen Sprachgebrauch geduldet wurde.<br />
Zumindest sprachlich hatte die Stadt in meinen Augen von da an den Mut und die sympathische Dreistigkeit eines kleinen Dorfes in Gallien.</p>
<p>An meinem zweiten Tag in Schwerin lernte ich, dass die Menschen in diesem Land den Gedanken, in einem Flächenland zu leben, so sehr verinnerlicht haben, dass für sie jeglicher Fußweg über 30 m eine Strecke von schier unzumutbarer Distanz und unüberwindbarer Länge bedeutete. Ich hatte in der Nebenstraße geparkt und dies auch so kundgetan, als ich von meinen nimmerintegrationsmüden Kollegen erfuhr, für Mecklenburger Verhältnisse stünde ich im Nachbarkreis.</p>
<p>An meinem dritten Tag lernte ich das Selbstlern-Sightseeing-Programm der Stadtmarketing kennen. Man startet mit dem PKW einfach an einem beliebigen Punkt innerhalb eines Zwei-Kilometer-Radius’ um die Innenstadt. – Ein geradezu didaktisch konzipiertes, methodisch aufeinander aufbauendes System aus Einbahnstraßen oder für den privaten PKW-Verkehr gesperrten Straßen ermöglicht es dem Neuankömmling, sich innerhalb von 40 Minuten die bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt mit dem KFZ zu erschließen &#8211; ohne aussteigen oder eine Straße doppelt nutzen zu müssen. </p>
<p>An meinem vierten Tag entdeckte ich den &#8220;Freischütz&#8221;. Zu meinem Erstaunen hatten sich die Gäste in dieser Kneipe offenbar nicht im Skiurlaub einen Sonnenbrand geholt. Auch hatten sie – und hier hatte dieses kleine Land im hohen Norden gleich wieder den Charme eines kleinen widerborstigen Dorfes – nicht wie alle in Berlin oder Köln ihre Fladenbrote auf martialische Weise aufgeschlitzt und wie überall, gepresste, gequälte und völlig überwürzte Fleischbröckchen hineingestopft. Nein, hier hatte man Mut, hier war man anders. Hier blieb das Brot – ganz Milchviehland – ein Fladen, auf dem der Gast nach Herzenslust Sättigungsbeilagen stapeln lassen konnte.<br />
Ich fühlte mich gleich ein wenig zu Hause, denn von der Wand lächelte der gleiche nette, schlecht frisierte ältere Herr wie im Musikkabinett meiner Dorfschule.<br />
Ein wenig befremdlich fand ich zwar, dass hier – anders als in den Schankwirtschaften des Bundeslandes, aus dem ich grade kam, Beine statt Geweihe von den Wänden hingen, aber nun gut, vielleicht gibt es ja so hoch im Norden einfach keine Hirsche und hätte das Beschaffen eines Geweihs die Besitzer oder Raumausstatter dieser Kneipe an den Rand der Beschaffungskriminalität getrieben. Das hätte ich auch nicht gewollt. Und so betrachtet fand ich Beine dann schon wieder besser als tote Fische.<br />
Als ich auf die Toilette musste, war es mir vollends klar, dass ich an einem Ort gelandet war, an dem man stets und ständig um das Wohlergehen der Gäste bemüht war: statt sich in Situationen allergrößter zeitlicher Not mit mehr als viersilbigen Beschilderungen aufzuhalten,<br />
hatte man sich hier auf  ganze zwei Silben verlegt: &#8220;Das Weib“.<br />
Als ich mich wieder an den Tisch setzte und noch einmal den Blick schweifen ließ, wusste ich, könnte meine Oma mich jetzt sehen, wüsste sie, ich wäre angekommen.<br />
Angekommen und in guten Händen.<br />
Denn für einige Jahre nach dem Tod meines Großvaters hatte sie im Ort&#8230; die Erfassungsstelle für Eier.</p>
<p><strong>Schützen fest: Medieval Action Adventure im Mehrspielermodus mit Option zum Finishing Move</strong></p>
<p>Die Fahnen flattern, bunt weht des Königs Wappen hoch im Wind.<br />
Rosse, Rennbahn, Ritterlanzen krachen.<br />
Es schnaubt des edlen Recken Schimmel<br />
Und scharrt die Hufe durch den feinen Sand.<br />
Die Nüstern wutvoll aufgebläht.<br />
Bauern, Mägde, Knappen, alle sind versammelt.<br />
Medieval public viewing, wunderbar!</p>
<p>Auf der Tribüne, König, sin Fru und auch das Goldstück Froll’n Tochter.<br />
Die Fürstenloge war schon ausverkauft, so’n Schiet,<br />
So wie im Globe einst tobt die Menge auf den Plätzen,<br />
als Kunigund’ den Recken sieht.<br />
Die Rüstung glänzt, der Gaul geschniegelt, die Mähne weht an Helm und Pferd.<br />
Galopp macht auf der and’ren Seit’ des Gegners stolze Stute.<br />
Sie rast, er hebt die schwere Lanze an zum Stoß.<br />
Das Ziel in Kunigundes Augen ist erfasst, fest richtet sich der Blick auf ihn,<br />
den unbekannten Schützen. Doch er, nur Augen für den Feind,<br />
Erfasst das Ziel und treibt das Ross mit Sporen.<br />
Holt hoch die Lanze, fest im Griff, den Blick starr gradeaus.<br />
Und &#8220;krach“ das Holz zerberst’, die Lanzen splittern&#8230;<br />
Das Fräulein auf, dann von der Brüstung springt, der Vater sie kaum lässt,<br />
sie, reißt sich los, rennt übers Heldenfeld, direkt ihm in die Arme<br />
der Recke strahlt, das Spiel vorbei, hält Kunigund’ den Schützen fest.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>2. September: Saisonauftakt außer der Reihe &#8211; Der Rückblick</title>
		<link>http://www.schmalzundmarmela.de/2007/09/04/2-september-saisonauftakt-auser-der-reihe-der-ruckblick/</link>
		<comments>http://www.schmalzundmarmela.de/2007/09/04/2-september-saisonauftakt-auser-der-reihe-der-ruckblick/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 04 Sep 2007 17:02:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nadine</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rückblick]]></category>

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		<description><![CDATA[Oder: That&#8217;s what friends are for&#8230;
Eine &#8220;klitzekleine&#8221; Auswertung solle ich schreiben, sagte der Herr thom*. Hmm&#8230; er hätte auch Lehrer werden können, der Herr thom*. Denn eine klitzekleine Auswertung, wo wir – Sie, liebes Publikum, und ich &#8211; doch alle wissen, dass ich nichts lieber tue, als ein paar mehr Worte zu machen um die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Oder: That&#8217;s what friends are for&#8230;</strong></p>
<p>Eine &#8220;klitzekleine&#8221; Auswertung solle ich schreiben, sagte der Herr thom*. Hmm&#8230; er hätte auch Lehrer werden können, der Herr thom*. Denn eine klitzekleine Auswertung, wo wir – Sie, liebes Publikum, und ich &#8211; doch alle wissen, dass ich nichts lieber tue, als ein paar mehr Worte zu machen um die Dinge, die mich bewegen. Nun gut, Herr thom*, ich versuch’s: </p>
<p>Also wir waren da, an diesem frühherbstlichen Spätsommersonntag, in Barnin, und wir wollten uns ja eigentlich mit diesem kleinen Picknick außer der Reihe bei Ihnen bedanken, bei Ihnen, unseren Freunden, unserem Publikum, unseren treuen Gästen, fleißigen Helfern, tapferen Schmalzvertilgern&#8230;  Eigentlich. Aber dann waren da auch noch Axel Göttsch, in dessen Kulturscheune vom <a href="http://www.atelier-barnin.de" target="_blank">Atelier am Barniner See</a> wir zu Gast sein durften, dessen blaue Bühne uns die schönste Picknickwiese war, die man sich vorstellen kann! Und Sannah, die ganz oft hin- und herrannte, damit auch alle Gäste einen Teller hatten und frischen heißen Kaffee und Stühle und Tische; und dann war da noch die Weltreisende <a href="http://www.schmalzundmarmela.de/2007/06/11/reiselese-manja-maschi-graaf-las/">Maschi</a>, extra angereist, um fleißig Marmelade umzuschichten, bis die Gläschen platzten, <a href="http://www.andersen-storm.de" target="_blank">Anderson Storm</a>, der für Sie und uns die Bretter der wunderbaren blauen Picknickwiese zum Erbeben brachte mit seinen Liedern; und Carlo, unser Live-Pianist, in den sich doch glatt Frau Jules fast verliebt hätte; und da waren die <a href="http://www.wortlichter.de" target="_blank">Wortlichter</a>, das treueste Publikum der Welt und ihre Improtheater-Gäste von ImProgramm und Impromptü&#8230; Kurz: dann waren da schon wieder so viele Helfer und Freunde und Stammgäste, dass wir glatt nächsten Sonntag gleich noch mal mit Ihnen dankeschönpicknicken müssten.  Aber da es draußen langsam kalt wird, gehen wir lieber rein. Am 9. September, in den Freischütz. Um 11.30 Uhr. Mit Ihnen. </p>
]]></content:encoded>
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		<title>Reiselese: Manja &#8220;Maschi&#8221; Graaf las</title>
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		<pubDate>Mon, 11 Jun 2007 21:41:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nadine</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rückblick]]></category>

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		<description><![CDATA[Höchst flexibel.
Pioniergeburtstag

Höchst flexibel.
„Ich bin eine Nummer. Ich laute 5399668 und wer sich bei meiner Noch-Besitzerin mein Passwort abholt, kann noch bis Dezember 2007 in Neuseeland ca. 5 Stunden kostenlos mit dem Bus fahren.“
Pioniergeburtstag
Heaphy Track, Saxon Hut zur John Mackay Hut, 13.12.2006
Heute ist ein ganz besonderer Tag, denn heute habe ich einen neuen Freund gefunden.
Gestern war [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Höchst flexibel.</strong></p>
<p><strong>Pioniergeburtstag</strong></p>
<p><span id="more-295"></span></p>
<p><strong>Höchst flexibel.</strong></p>
<p>„Ich bin eine Nummer. Ich laute 5399668 und wer sich bei meiner Noch-Besitzerin mein Passwort abholt, kann noch bis Dezember 2007 in Neuseeland ca. 5 Stunden kostenlos mit dem Bus fahren.“</p>
<p><strong>Pioniergeburtstag</strong></p>
<p><strong>Heaphy Track, Saxon Hut zur John Mackay Hut, 13.12.2006</strong><br />
Heute ist ein ganz besonderer Tag, denn heute habe ich einen neuen Freund gefunden.<br />
Gestern war auch ein besonderer Tag, denn da bin ich nach heftigen Regenfällen auf nassen Steinen ausgeglitten und in den Fluss gefallen. Beim Trocknen meiner Sachen und mir selbst ist mir dann die den Fluss überspannende Hängebrücke in den Augenwinkel geraten.<br />
Aber heute ist ein ganz, ganz besonderer Tag, denn ich habe einen neuen Freund gefunden. Er heißt Mr. PICKEY, ist ca. 52 cm groß und alles kam so:<br />
Nach verspäteten Aufbruch, was ganz klar noch mit zu erbringender Trockenleistung des prasselnden Ofens in der Saxon Hut zusammenhing, wanderte ich zügig in die nächsten Regentropfen hinein, die dann aber weit weniger zahlreich als befürchtet fielen. Und da war es auch gleich viel weniger schlimm ziemlich zum Bergfest des Heaphy Tracks kniehoch im Schlamm stecken zu bleiben.<br />
Wie ich am Abend feststellen durfte war ich nicht die einzige, aber dem Moment der negativen Schrittgeschwindigkeit mitten im Neuseeländischen Urwald tat dies keinen Abbruch. Geräuschvoll schwankte und zutschte ich mich frei, um deutlich vorsichtiger und langsamer die verbleibenden Kilometer bis zur John Mackay Hut zu… schlurpsen… und dabei die schuhgerechten Fuß- und Zeh &#8211; Schlammpackungen langsam in Körpertemperatur und darüber hinaus übergehen zu merken.<br />
Die Hütte lag dann hügelig versteckt aber im strahlenden Sonnenschein und der Zeltplatz war ein sonnenwarmes Holzpodest auf Pfählen im morastigen Grund – also dem Schweriner Schloss nicht unähnlich. Dort streckte ich mich und meine Sachen gleich aus, um den mich einhüllenden Schlamm einfach an der Luft resttrocknen zu lassen, was mir klüger, vernünftiger und Zeit sparender als Waschen vorkam.<br />
Es war dann so ca. 15 Uhr 00 und ich beschloss die Nachtruhe einzuläuten. Ein Zelt war nicht aufzubauen, denn ich hatte keins und einen geheimen Unterschlupf für und gegen den mich sowieso irgendwann weckenden Nachsturm mir Regen und Gewitter hatte ich bereits ausgespäht.<br />
Ich kroch also halbwegs gesäubert in meinen Schlafsack uns sank warm und trocken (erstmals seit drei Tagen) auf den himmlisch harten Holzboden. Der Kopf berührte die Bretter und der Mensch schlief.<br />
Und dann wurde ich geweckt, weil mich etwas ins Gesicht piekte.<br />
Einigermaßen erschrocken fuhr ich hoch, aber als Schlafsack getarnte Bockwurst erreichte ich gerade so die Höhe, um mich auf meinen rechten Ellenbogen aufzustützen und meinem neuen Freund genau in die Augen zu schauen.<br />
Bevor weitere Begrüßungsformeln ausgetauscht werden konnten, piekte er noch mal in meine Wange und leckte auch ein bisschen, um dann wegzugehen. Ich denke, er mag keine Bockwurst, aber ich habe jetzt einen neuen Freund und er heißt Mr. PICKEY.<br />
Später habe ich gesehen, dass er mit seiner ganzen Familie da war und der eigentliche König der John Mackay Hut. Ich habe ihn auch fotografiert, aber noch in der Nacht beschlossen, sämtliche strafverfolgende Schritte gegen ihn zu unterlassen – ich meine, wir sind Freunde!<br />
Außerdem freute ich mich sehr über die gewaltige Wetterverschlechterung mit aufziehendem Sturm und rapiden sowie tiefen Temperaturverfall (binnen zehn Minuten sah man seinen Atem in der Hütte gehen), denn der DOC [Department Of Conservation] – Ranger zeigte Herz und ließ mich trotz fehlendem Hüttenpass drinnen schlafen.<br />
Dabei stellte ich dann gleich noch fest, dass ich im Gegensatz zu meinen Mitwanderern ANGUS und LUIS MIGUEL Feuer machen kann und dass sich getrockneter Schlamm prima ausklopfen lässt. </p>
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		<title>Reiselese: Frau nadine las</title>
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		<pubDate>Mon, 11 Jun 2007 21:28:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nadine</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rückblick]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir sind Weltmeister
Rungsted &#8211; Über die Magie des Reisens

Wir sind Weltmeister
Kein anderes Volk war im vergangenen Jahr reiselustiger als die Deutschen. Sie gehen am häufigsten auf Reisen. Sie geben auch weltweit das meiste Geld für ihren Urlaub aus. Insgesamt rund 56 Milliarden Euro jährlich. 
Ich weiß nicht, was an Reisen so toll sein soll. 
Gehen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wir sind Weltmeister</strong></p>
<p><strong>Rungsted &#8211; Über die Magie des Reisens</strong></p>
<p><span id="more-294"></span></p>
<p><strong>Wir sind Weltmeister</strong></p>
<p>Kein anderes Volk war im vergangenen Jahr reiselustiger als die Deutschen. Sie gehen am häufigsten auf Reisen. Sie geben auch weltweit das meiste Geld für ihren Urlaub aus. Insgesamt rund 56 Milliarden Euro jährlich. </p>
<p>Ich weiß nicht, was an Reisen so toll sein soll. </p>
<p>Gehen wir das doch mal durch. </p>
<p>Noch vor Antritt der Reise tut sich das eigentliche Dilemma wie ein Abgrund vor einem auf, denn es gilt für den deutschen Durchschnittsreisenden zwei für den weiteren Reisverlauf entscheidende Grundfragen zu klären: 1. Abzüglich des für die meisten Erdbewohner aus finanziellen Gründen nicht in Frage kommenden Weltraumtourismus bleiben genau 194 Länder übrig als Antwort auf die Frage: Wohin soll es gehen? Und 2. und in Anbetracht von 13.8 Millionen Einzelpersonenhaushalten in Deutschland und 11,2 Millionen bekennender und praktizierender Singles: mit wem? &#8211; Spätestens zur Beantwortung der zweiten Frage setzen sich die meisten Menschen bereits einem medizinisch nicht mehr vertretbaren Stresspotenzial aus. Gilt es bei der Auswahl des Reisepartners schließlich nicht nur auf die psychologische Kompatibilität des Partners mit den eigenen Reiseprioritäten zu achten, sondern auch freundschaftliche Bande zu berücksichtigen, verwandtschaftliche Verpflichtungen einzuhalten sowie voreilig in der Nicht-Urlaubszeit abgegebene Versprechen einzulösen. Hat man dann endlich eine Lösung gefunden und sich entschieden, allein zu reisen, sieht man sich dem Vorwurf irreparabler Misanthropie ausgesetzt und ist – spätestens dann – endgültig urlaubsreif. </p>
<p>Die Reise selbst.<br />
Statistisch gesehen ist Reisen eine der gefährlichsten Tätigkeiten überhaupt. Das Argument, Fliegen sei nach wie vor die sicherste Art der Fortbewegung kann hier keine Anwendung finden. Oder wie viele Hotels kennen Sie, die neben einem Gästeparkplatz noch über eine Start- und Landebahn für Jumbo-Jets verfügen? Spätestens wenn es innerhalb des mühselig ausgewählten Ziellandes die Unterkunft zu erreichen gilt, erhöht sich das Risiko, eines gewaltsamen Todes zu sterben um 12,4 Prozent wählt man den All-inklusive-Bustransfer oder aber um 13,8 Prozent, ruft man sich ein Taxi. Von halsbrecherischen Mountainbike-Touren und abstürzenden Seilbahn-Gondeln mal ganz abgesehen. Und das Stichwort Titanic schießt Ihnen in diesem Zusammenhang vielleicht ganz von selbst durch den Kopf. </p>
<p>Vor Ort angekommen<br />
194 Ländern, die zu bereisen es möglich wäre, stehen 6.912 Sprachen gegenüber – 6912. Das sind 6911 mögliche Sprachen, derer man nicht mächtig sein kann. Bei vielen Menschen sogar doch 6912.<br />
Die Kriegserklärung an die eigenen kommunikativen Kompetenzen, die ein Auslandsurlaub für die meisten Menschen bedeutet, steht in direktem Zusammenhang mit den kulinarischen Stolpersteinen, die einem auf Reisen in den Weg und in den Magen gelegt werden können. Die Caribbean Breakfast Surprise oder das Oeuf dur à la coque entpuppen sich dann ganz schnell mal als Obstsalat und banales Frühstücksei. Andere Reisende sind schlichtweg gar nicht in der Lage, ohne die Hilfe diplomierter Übersetzungswissenschaftler zu bestellen. Sollte das wider Erwarten doch einmal gelingen, wird sich nur den wenigsten erschließen, was genau sie da verzehrt haben. Und in den meisten Fällen ist dies auch besser so. Salomonellenvergiftung, Durchfall oder Gastritis bescheren dann der Pharmaindustrie das allsommerliche Umsatzplus.<br />
Packt man am Urlaubsort angekommen Koffer oder Rucksack aus, ist es inhärentes Merkmal von Urlaubswetter, dass man sowieso die falsche Kleidung dafür eingepackt hat. Die Kleidung ist zerknittert, ein Reisepass kostet 60 Euro und mit den Impfungen verseucht man sich den Körper chemisch in solch hohem Maße, wie ihn früher nur die Betriebsärzte in den VEB Leuna-Werken der ehemaligen DDR von den Mitarbeitern kannten. </p>
<p>Wir sind Weltmeister, aber mal ganz ehrlich, ich weiß nicht, was an Reisen so toll sein soll.</p>
<p><strong>Rungsted &#8211; Über die Magie des Reisens</strong><br />
<strong>Und weil <a href="http://www.andersen-storm.de" target=blank>Andersen Storm</a> gesagt hat: „Schreib diese Geschichte auf.“ </strong></p>
<p>Jeder Mensch hat eine Lebensliste. Eine Liste, mit all den Dingen, die er unbedingt in diesem Leben tun möchte, eine Liste mit Orten, an denen er gewesen sein will. Auf meiner Liste stand seit jeher, einmal irgendwann in meinem Leben das Karen-Blixen-Museum im kleinen dänischen Rungsted zu besuchen. </p>
<p>Als im Juni 2004 eine Kollegin mir anbot, ob ich sie nicht ein Stück Richtung Norwegen begleiten wolle, willigte ich ein und wusste, das war sie, die Gelegenheit für Rungsted.<br />
Aber eigentlich war alles eine Verkettung schicksalhafter Entscheidungen &#038; Begegnungen. Ich hätte benahe mein Ferienhaus in Dänemark im Internet gebucht, als Karin ins Zimmer gestürmt kam und meinte „Ferienhaus? Nein, geh auf keinen Fall in die dänische Pampa. Du musst nach Kopenhagen!“ Kopenhagen also. In Kopenhagen angekommen, fand ich sofort ein Zimmer und nutzte den Rest des Tages, streifte durch die Stadt, und ließ Dänemark auf mich wirken. Die Stadt war jung, multikulturell, voller Leben, bunt und skandinavisch frisch. Einziger Nachteil: die Stadt war so jung und voller Leben, dass ich nach einem halben Tag Durchstreifen der Stadt das Gefühl hatte, die vergangenen Stunden nichts anderes getan zu haben, als den vorbeieilenden Menschen auf der Straße ausgewichen zu sein. So beschloss ich, das, was ich eigentlich erst für irgendwann später in meinem Urlaub geplant hatte, bereits am nächsten Tag zu tun: ich stand früh auf, frühstückte in einer nahe gelegenen Bäckerei und fuhr mit der Bahn ins ca. eine halbe Stunde entfernte Rungsted. </p>
<p>Zielstrebig fand ich den Weg zum Museum, bog aber – ohne Nachzudenken – kurz vor dem Museum in die Tourist Information ab und erkundigte mich, ob es denn auch Zimmer in Rungsted gäbe. Ja, gäbe es. Und so willigte ich ein, auf dem Rückweg vom Museum wieder anzuhalten und den Handel perfekt zu machen, die Dame wollte in der Zwischenzeit entsprechende Telefonate führen und mir das angeblich schönste Gästezimmer des ganzen Ortes besorgen.<br />
So zog ich denn los, mir meinen Traum zu erfüllen. </p>
<p>Jeder, der Karen Blixens Bücher gelesen hat, weiß, das Museum würde ihr gefallen. Alles ist sehr dezent arrangiert. Gar nicht <i>touristy</i>. In einem Teil des Hauses kann man durch einige wenige Zimmer gehen. In einem anderen Teil befinden sich ein Café sowie eine Ausstellung. Eine kleine Ewigkeit saß ich in einem der Sessel und hörte mir über Kopfhörer ihre Geschichten an, die sie fürs dänische Radio selbst gelesen hatte. </p>
<p>Auf dem Rückweg zum Bahnhof, machte ich meine Anzahlung für das Zimmer und fuhr nach Kopenhagen, um meine Sachen zu holen. Was auch immer die kommenden 10, 12 Tage in Rungsted passieren würde – selbst wenn es einfach nur nichts war &#8211; ich hatte meinen Lebenstraum bereits jetzt erfüllt und konnte wieder einen Punkt auf meiner Lebenswunschliste abhaken – mehr als glücklich abhaken.<br />
Am nächsten Morgen zog ich nach Rungsted. Philip, der Töpfer, bei dem ich in Kopenhagen gewohnt hatte, wünschte mir viel Glück für den Rest meiner Reise und gab mir noch einen Satz mit auf den Weg: „There’s just one thing the heart wants. It wants to be recognized.“ </p>
<p>Was sich dann nach etwa einer halben Stunde Fußweg durchs Dorf vor mir auftat, war das wunderschönste, alte gelbe dänische Landhaus, das man sich vorstellen konnte. Davor eine ältere liebenswerte Lady und ein großer alter träger schwarzer Hund auf den Stufen. Das Zimmer war bezaubernd. Gerade so, als würde ich Ferien bei Tommy und Annika machen oder auf Green Gables. (Leider kenne ich kein dänisches Kinderbuch.) </p>
<p>Während ich an diesem Abend der zufriedenste Mensch der Welt war – ich hatte das Museum besichtigt, im Park gelesen und meinen Traum erfüllt – sah ich mich am nächsten Morgen in Elsebeths Wohnzimmer beim Frühstück einer netten älteren Dame gegenüber, die auch sofort munter im feinsten <i>British English</i> auf mich einschwatze und erklärte, sie sei der andere Gast, ich sei also nicht allein im Haus. Nach diversen braven Antworten zum ungewöhnlichen Ziel meiner Reise, ihrem Zweck und weiteren geplanten Reisevorhaben, erlaubte ich mir, mein herrliches britisches Gegenüber nach Grund und Zweck ihres Aufenthaltes an diesem eher verlassenen Ort zu befragen. Die englische Upper-Class-Lady, die britischer nicht hätte sein können, hieß Joyan, hatte ebenfalls Literatur studiert und war in Rungsted zu Gast, da sie als ‚Flower-Lady’ im Museum arbeitete. Das war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. </p>
<p>Natürlich lud mich Joyan ein, sie am nächsten Tag im Museum besuchen zu kommen. Es wurde ein illustrer Nachmittag auf der Terasse des kleinen Museumscafés und eigentlich hätte mir das auch schon wieder gereicht an unerwarteten Urlaubsabenteuern. Aber es kam noch dicker. Als auch die letzten Mitarbeiterinnen des Museums sich verabschiedet hatten, meinte Joyan, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt: So, und nun schließen wir ab und ich zeige dir das Haus. &#8211; Bitte? Ich hatte das Haus doch aber schon gesehen. Nein, aber doch nicht alles. Das Museum mit den 3 Räumen sei doch nur der kleinste Teil. So liefen wir los – treppauf, treppab, durch die Küche, die hinteren Räume, die Seminarräume, die Scheune, den Garten, Karen Blixens Bad bis hoch ins Schlafzimmer. In das Zimmer, in dem sie auch gestorben war. Während wir munter schwatzend durch das Haus liefen, zitierten wir ich weiß nicht, wen alles: Shakespeare, Jane Austen, Arthur Miller und nicht zuletzt natürlich Karen Blixen. </p>
<p>Zwei Stunden später saß ich – erschöpft und um viele Geschichten reicher – in Karens Blixens Küche, die noch immer so ist, wie sie sie zuletzt eingerichtet hat, bevor sie 1962 gestorben ist. Und ich sah Joyan zu, wie sie in Karen Blixens Vasen Blumen anrichtete, ganz so als wäre es das Natürlichste von der Welt, dass ich in ihrer Küche sitze und mit Joyan beim Blumen machen über das Leben und die Literatur rede! </p>
<p>Es sollte nicht der einzige Tag bleiben, an dem ich Joyan von der Arbeit abholte, ihr noch in der Küche beim Blumen arrangieren zusah und wir dann den Rest der Nacht Wein trinkend in Elsbeths gelbem alten Haus verbrachten. Elsbeth, die übrigens Karen Blixen noch gekannt hatte und deren Bruder in „Jenseits von Afrika“ das Flugzeug fliegt. </p>
<p>Und wir waren uns sicher: Wir zwei an diesem Ort, eine Britin, die gut und gerne meine Großmutter hätte sein können und ich, über Literatur und das Leben philosophierend in ihrem Haus – das hätte ihr gefallen. </p>
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		<title>Fahrradtour: Der Gründungsmythos</title>
		<link>http://www.schmalzundmarmela.de/2007/05/17/fahrradtour-der-grundungsmythos/</link>
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		<pubDate>Thu, 17 May 2007 16:58:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nadine</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rückblick]]></category>

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		<description><![CDATA[Schmalz und Marmelade &#8211; Wie alles begann

Frau nadine:
Es war in Berlin. Vor einem Jahr im Winter. Ich war in der Straßenbahn eingenickt.                                  [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Schmalz und Marmelade &#8211; Wie alles begann</strong><br />
<span id="more-275"></span></p>
<p><i>Frau nadine:</i><br />
Es war in Berlin. Vor einem Jahr im Winter. Ich war in der Straßenbahn eingenickt.                                                                                                          Ich saß hinten. In einem der  Wagen, die machen, dass der Matsch auf die Straßen spritzt.                                                                                                        Endhaltestelle – ich wachte auf. Auf der Wiese am Stadtrand ein großer Zirkus, der Winterpause zu machen schien. Ein Clown rannte auf mich zu, mit einem lustigen Jungen an der Hand, der einen seltsamen Dialekt sprach.<br />
„Nimm den Jungen!“, rief der Clown.<br />
Ich sah in sein eines trauriges und sein anderes, fröhliches Auge und ich wusste nicht, welchem Auge ich glauben sollte.<br />
„Wieso?“, entgegnete ich.<br />
Und der Clown sagte:<br />
„Es ist Winter und wir haben zu wenig zu essen. Er kann jonglieren, mit Äpfeln und Worten.<br />
Wir haben ihn seinen Eltern abgekauft, damals, bei einem Gastspiel in Unna-Massen. Er ist gut.“, sagte der Clown.<br />
„Warum gebt ihr in dann weg?“ &#8211;  „Na, weil er gut isst. Und wir haben doch wenig.“<br />
Ich nahm ihn an die Hand und ging zurück zur Straßenbahn.<br />
Es krachte und surrte und zischte und die Straßenbahn blieb stehen mit einem Ruck. </p>
<p><i>Herr ivalo:</i><br />
Die anderen drängten nach draußen mit uns und auf den Schienen saß ein kleiner Junge, traurig und dick.<br />
Und weinte und weinte immerfort.<br />
Und die anderen fragten mit uns, was denn sei und der kleine Junge, traurig und dick, biss in ein Schmalzbrot und sagte: „Bertha!“ Und die anderen mit uns fragten: „Bertha?“ Und der kleine dicke Junge sagte: „Bertha ist tot!“ Die Frau aus Berlin und ich nahmen ihn von den Schienen und er erzählte uns Berthas Geschichte, und seine, und die von der kleinen Stadt. Im Norden. Die mit den sieben Seen. Er hatte alles aufgeschrieben. Alles. Er wusste nicht, wie er nach Berlin gekommen war und biss in sein Schmalzbrot. Er aß immerzu Schmalzbrot. Er war gewiss ein kleiner Poet. Ein Poet, dessen Geschichten bisher ungelesen waren. Ein Poet, dessen Geschichten bisher ungehört waren. Vielleicht sogar ungeschrieben. Aber ein Poet war er ohne Zweifel, der kleine dicke traurige Junge. Ein sympathischer Poet, freundlich. Einer, den man schnell in sein Herz  schloss. </p>
<p><i>Frau nadine:</i><br />
So saßen wir dort, an der Straße im großen Berlin, der Stadt der Künstler, und Verrückten &#8211;  der Stadt der Bohème. Der kleine dicke Junge, das gefräßige Zirkuskind aus Unna Massen und ich im kalten verschneiten Berlin. Ich, die ich gerade mein Leben verlassen hatte.  Meinen Mann, meine drei Kinder, mein Einfamilienhaus in Berlin Wannsee, meinen TÜV-geprüften Weihnachtsbaumständer. Dort gab es für mich nichts mehr und so saßen wir dort. </p>
<p><i>Herr thom*:</i><br />
Wir sahen einander an und wir wussten, dass wir ganz schnell, ganz doll reich und berühmt werden mussten.  Aber  wie?  Berlin hatte Bühnen. Doch nur ich konnte singen. Dafür hätte es nicht gereicht. Aber Geschichten hatten wir alle zu erzählen. </p>
<p><i>Frau nadine:</i><br />
Der kleine dicke Junge, das Zirkuskind aus Unna Massen und Ich. </p>
<p><i>Herr thom*:</i><br />
Wir suchten eine Bühne, der wir unsere Geschichten erzählen konnten, wenn niemand sonst sie hören wollte.<br />
Die Bühnen Berlins wollten unsere Geschichten nicht hören.</p>
<p>Den Ausgang eines der vielen Theater suchend, begegneten wir ihr. Sie, die in einem der großen Theater vor den großen Spiegeln an Stangen tanzte, und tanzte und tanzte und tanzte und tanzte und während sie so tanzte, und tanzte und tanzte und tanzte und tanzte wurde uns klar, dass sie es ist. „Hey, die kleine Fette da, die ist richtig gut, aber mit uns schreiben und lesen bekäme ihr besser. Ganz sicher.“ Und das kleine fröhliche Zirkuskind aus Unna-Massen fasste sich ein Herz und sprach zu ihr, die sie dann, tanzend und tanzend und tanzend und tanzend, rief „Schreiben und Lesen mag ich auch sehr gern. Vielleicht sogar noch mehr als Tanzen.“ Und ihre Schuhe, die Schuhe einer Tänzerin, fanden ihren Platz an einem Nagel an der Wand. </p>
<p><i>Frau jules: </i><br />
Wir und unsere Idee von einer Lesebühne, sollten am besten ganz schnell ganz doll reich und berühmt werden. Die Welt erobern.<br />
Raus aus Berlin und ab in die Provinz.<br />
Nach Schwerin, in die kleine Stadt. Im Norden. Die  mit den sieben Seen. Den Brauseboys fernab der Stadt der Künstler und Verrückten. Fernab der Stadt der Bohème, ein Schnippchen schlagen. Mit einem dimdimdimdimdididim stiegen wir in der Mitte dieser kleinen Stadt, im Norden, die mit den vielen Seen, aus und fanden eine Bühne. </p>
<p>Eine Bühne, die unsere Geschichten hören wollte. </p>
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		<item>
		<title>Fahrradtour: Frau nadine las</title>
		<link>http://www.schmalzundmarmela.de/2007/05/13/fahrradtour-frau-nadine-las/</link>
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		<pubDate>Sun, 13 May 2007 20:42:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nadine</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rückblick]]></category>

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		<description><![CDATA[An einen Freund

Wir waren schon seit der ersten Klasse zusammen. Eigentlich kannten wir uns sogar schon aus dem Kindergarten. Im Sommer standen wir beide jeden Tag in der gleißenden Mittagssonne vor der Badeanstalt und warteten darauf, dass der alte Mann kam und das Tor aufschloss. Acht Wochen Sommerferien. Und wir verbrachten fast jeden Tag miteinander. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>An einen Freund</strong><br />
<span id="more-274"></span></p>
<p>Wir waren schon seit der ersten Klasse zusammen. Eigentlich kannten wir uns sogar schon aus dem Kindergarten. Im Sommer standen wir beide jeden Tag in der gleißenden Mittagssonne vor der Badeanstalt und warteten darauf, dass der alte Mann kam und das Tor aufschloss. Acht Wochen Sommerferien. Und wir verbrachten fast jeden Tag miteinander. Selbst wenn es gewitterte, fuhren wir in die Badeanstalt. Und ich radelte barfuss zurück, weil die Turnschuhe vollgesogen waren mit Wasser und ich mit den glitschigen Sohlen nicht von den Pedalen rutschen wollte. </p>
<p>Später dann, als ich alt genug war, verbrachten wir beide die Sommer gemeinsam am See. Mit den anderen. Wir lagen in der Sonne und sahen den Wolken zu wie sie einander jagten. Noch später dann, egal ob es November war und wir im Nebel über den feuchten Wiesen kaum die Hand vor Augen sehen konnten oder ob die Tage glasklar waren vor Eiseskälte, die einem den Atem abschnitt, fuhren wir zwei jeden Sonntag ins Nachbardorf. Bei Karsten gab es dann immer heißen Cappuccino und Kekse. Für den Rückweg ließen wir uns dann meistens etwas mehr Zeit. Es waren unsere Sonntage. Niemand, niemand konnte sie uns nehmen. Und du, du warst immer für mich da. Jeden Sonntag.</p>
<p>Noch später dann, auf dem Gymnasium, wollte ich immer, dass wir zusammen die 11 km in die Kreisstadt fuhren, zur Schule, du und ich. Aber meine Mutter war dagegen. Die Landstraße sei mit dem vielen Verkehr und den Rasern zu gefährlich. Man höre ja soviel.<br />
Heimlich, ganz heimlich haben wir es aber dann doch ein paar Mal getan. </p>
<p>Wir haben viel zusammen erlebt. Im Sommer nach dem Abi waren wir beide in Schweden. Schienenersatzverkehr auf Rügen. Und der Fahrer hat dich aus dem Bus geschmissen. Ich war wütend. Es hat fast die ganze Zeit geregnet. Aber dir hat das alles nichts ausgemacht, mit den Zelten und den Schlafsäcken und dem ganzen Gepäck. Es war ein abenteuerlicher Sommer und ich bin froh, dass ich ihn mit dir verbracht habe. Mit dir und keinem anderen. Wir haben viel zusammen erlebt. </p>
<p>Ich weiß, ich habe dich aber auch viel zu oft allein gelassen in diesem Leben. Das Jahr in England, da war ich ohne Dich. Aber es hätte dir eh nicht gefallen, glaub mir. In dem Jahr habe ich dich auch betrogen. Ich war mit einem anderen im Theater. „Cyrano de Bergerac“ war schuld, open air, im Garten des Magdalen College. Sonst wäre das alles nicht passiert, ich schwör’s dir. Auch wenn du das nicht hören kannst: Ich habe trotzdem nie bereut, dass es soweit gekommen ist, ich habe auch nie bereut, dass ich ohne dich dort war. </p>
<p>Oder weißt du noch, nach dem Studium? Ich bin durch Südfrankreich gefahren und eigentlich solltest du mit. Südfrankreich, mon ami! Ich wäre gern mit dir durch Südfrankreich gefahren. Aber im Cabrio war kein Platz für drei. Ich weiß nicht mal, ob du wirklich sauer warst. Ich habe dich nie gefragt. Und du, du hast nichts gesagt. Wie immer hast du geschwiegen.</p>
<p>Jetzt sind wir hier in Schwerin. Und du bist immer noch da. Du bist sogar heute mitgekommen. Zu „Schmalz und Marmelade“. Du bist da und teilst wieder ein Stück Leben mit mir. Begleitest mich.<br />
Du, mein Fahrrad. </p>
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		<title>Lug und Trug: Frau nadine las</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Apr 2007 21:39:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nadine</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einblick]]></category>

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		<description><![CDATA[Lügen und Literatur
Der Mensch lügt zwischen 1,6 und 200mal am Tag. Eine reife Leistung.
Er belügt Menschen aus Liebe, aus Hass, aus Not, aus Gelegenheit, aus Verzweiflung&#8230; Als ob das alles nicht tragisch genug wäre, gibt es Menschen, die verdienen damit sogar ihre Brötchen.
 
Diese Sorte Mensch nennt man Schriftsteller. 
Nicht genug, dass sie uns mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Lügen und Literatur</strong></p>
<p>Der Mensch lügt zwischen 1,6 und 200mal am Tag. Eine reife Leistung.<br />
Er belügt Menschen aus Liebe, aus Hass, aus Not, aus Gelegenheit, aus Verzweiflung&#8230; Als ob das alles nicht tragisch genug wäre, gibt es Menschen, die verdienen damit sogar ihre Brötchen.</p>
<p><span id="more-241"></span> </p>
<p>Diese Sorte Mensch nennt man Schriftsteller. </p>
<p>Nicht genug, dass sie uns mit ihren Geschichten – unter dem scheinheiligen Vorwand uns unterhalten zu wollen – seitenweise erfundenes Zeug und Unwahrheiten auftischen. &#8211; Sie lassen auch noch ihre Figuren sich gegenseitig die Taschen voll hauen, dass sich die Balken biegen. </p>
<p>Nehmen wir nur mal eines unserer größten Werke der Nationalliteratur: Faust. Ganz abgesehen davon, dass Mephisto sowieso der Lügenprinz in Person ist, wenn er Faust, dem armen Tor, das Blaue vom Himmel verspricht, damit dieser mal etwas klüger als wie zuvor ist, haut Fausten selbst auch noch voll rein in die Kerbe und schwatzt, wir erinnern uns, dem armen Gretchen ein Schlafmittelchen auf, das angeblich keinerlei Risiken und Nebenwirkungen besitzt. Gretchen, so naiv, dass es danach schreit, dass solche Typen sie aufs Kreuz legen, hätte gut daran getan, doch lieber ihren Arzt oder Apotheker zu fragen. Stattdessen kommt ihr verlogener Lover doch noch in den Genuss seines ungestörten Schäferstündchens mit ihr, derweil Gretchens Mutter aufgrund des Schlafmittelchens das Zeitliche segnet. Im Zusammenhang mit Sex wird übrigens auch im realen Leben am meisten gelogen. Aber das nur nebenbei&#8230;</p>
<p>Das mit dem Schlaftrunk kommt dem versierten Literaturrezipienten übrigens bekannt vor und man fragt sich, wie oft man als Bücherwurm auf die Nummer eigentlich noch reinfallen soll. Ich sage nur: Romeo und Julia. Sie trinkt ein Gift, dass sie für 42 Stunden und nur zum Schein in die ewigen Jagdgründe befördern soll, er hört, sie sei tot, er – völlig unreflektiert &#8211; glaubt diese unverfrorene Lüge, nimmt auch Gift, sie, wacht auf, sieht ihn, es kommt zum Showdown in der Gruft&#8230; na ja, Sie kennen den Rest.  </p>
<p>Diese ganze Lügerei geht im Übrigen schon in der Kinderliteratur los:<br />
Hätte man Heidi die Wahrheit gesagt, nämlich dass der Ausflug zu Klara nach Frankfurt kein zeitlich begrenzter Ferienspaß ist, sondern sie sich mal lieber gleich dran gewöhnen soll, im Großstadtmoloch ihr Dasein zu fristen, hätte dieses naive kleine Ding nicht ständig drauf gehofft, wieder in die Berge zu kommen. So wird sie vor lauter Sehnsucht so krank, dass sie doch nach Heidiland zurückgebracht wird.<br />
Hätte man der jungen Dame von Anfang an reinen Wein eingeschenkt, hätte man ihr erspart, den Rest ihres Lebens Ziegen zählend an der Seite eines Analphabeten zu fristen. Es gibt Kinderbücher, die lassen einfach jeglichen erzieherischen Ansatz vermissen.</p>
<p>Apropos erzieherischer Ansatz: den sollte ja angeblich das berühmte Kinderbuch um die lügende, plappernde Holzpuppe Pinocchio haben. Aber mal ganz ehrlich, wenn schon eine doofe Holzpuppe nicht auf die Lüge reinfällt, es werde alles gut, wenn er nur schön artig sei und sich anständig benähme in der Welt, warum sollten es dann die kindlichen Leser?<br />
Der vollständige Titel des Buches lautete übrigens: „Storia di un Burattino“ – Geschichte eines Hampelmanns. Zu einem solchen macht sich der Erziehungsberechtigte, der versucht, mit der Lüge von den langen Nasen sein Kind zur Wahrheit zu erziehen. </p>
<p>Gipfel der literarischen Lügerei allerdings ist unser adliger junger Freund aus dem nördlichen Nachbarland: Prinz „Hamlet“. Nicht genug, dass ein Prinz, der extra ein paar Semester als Austauschstudent absolviert hat, so dusselig ist, einem Gespenst zu glauben, nein, er bringt sich auch noch um unkomplizierten Sex, indem er die ihn Anbetende durch Vortäuschung falscher Tatsachen in den Wahnsinn und den Suizid treibt.<br />
Er bescheißt sich und den Rest der Welt nach Strich und Faden, alles nur Theater, und am Ende sind wie immer alle tot. Mehr Freude am Lesen, sag ich da nur. </p>
<p>Zum Glück gibt’s aber auch literarische Lichtblicke. Obwohl nach so vielen Jahren normalerweise niemand mehr glauben würde, dass der treue Göttergatte noch mal aus der Versenkung aufkreuzt, lässt sich Penelope kein X für’n U vormachen: die Schlange stehenden Bewerber blitzen reihenweise ab und Penelope glaubt die Lüge nicht, dass Odysseus schon längst tot sei. Hut ab! Wo man doch über Leute, die zur See fahren, so einiges hört&#8230;. </p>
<p>Die Liste ließe sich noch endlos fortführen – vom Sommernachtstraum, wo am Ende keiner von was gewusst haben will, über Don Quixote, Münchhausen oder „In 80 Tagen um die Welt“. – Die Literatur ist voll von Lügnern und wir geben unser Geld aus und opfern unsere kostbare Zeit für Unwahrheiten. </p>
<p>Aber: spätestens wenn die Leselampe mal wieder viel zu spät ausgeknipst wurde und der Wecker uns aus unseren Abenteuern reißt, wissen wir: wir lieben diese Lügner alle!</p>
<p>Und die Moral von der Geschicht’: die Wahrheit taugt für Bücher nicht. </p>
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		<title>Schule: Nadine las</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Mar 2007 23:55:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nadine</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rückblick]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Prinzip Hausschuh

Das Prinzip Hausschuh
Was ich an der Musikschule nie verstanden habe, war das Tragen von Hausschuhen.
Was unterscheidet eine Musikschule hinsichtlich der Auswahl des Schuhwerks von einer anderen Schule?
Nichts.
Welche Gründe gab es für diese staatlich anerkannte Einrichtung der außerschulischen kulturellen Bildung, junge Menschen dem kollektiven Wechselschuhzwang zu unterwerfen?
Das Vermeiden unnötiger Tritt-, Absatzklapper- und Stapfgeräusche aus [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Das Prinzip Hausschuh</strong></p>
<p><span id="more-226"></span></p>
<p><strong>Das Prinzip Hausschuh</strong></p>
<p>Was ich an der Musikschule nie verstanden habe, war das Tragen von Hausschuhen.<br />
Was unterscheidet eine Musikschule hinsichtlich der Auswahl des Schuhwerks von einer anderen Schule?</p>
<p>Nichts.</p>
<p>Welche Gründe gab es für diese staatlich anerkannte Einrichtung der außerschulischen kulturellen Bildung, junge Menschen dem kollektiven Wechselschuhzwang zu unterwerfen?</p>
<p>Das Vermeiden unnötiger Tritt-, Absatzklapper- und Stapfgeräusche aus Solidarität zu den ebenfalls musisch zu erziehenden Mitschülern, kann es nicht gewesen sein. In anderen Schulen war es mindestens ebenso wichtig, dass es auf den Fluren zumindest für 45 Minuten mucksmäuschenstill war. Fast.</p>
<p>Außerdem war das Wechseln der handelsüblichen straßentauglichen Fußbekleidung in den Musikschulen des Arbeiter- und Bauernstaates geradezu der Startschuss, sich getreu dem Wort Haus-Schuh wie zu Hause zu fühlen und noch lautstärker durch die Gänge zu toben. Und schon ging es durch die Flure der Musikschule treppauf treppab, gegen Möbel donnernd um Ecken sausend, wie der Wind durch Zwischentüren fegend – nein, akustische Gründe kann diese Doktrin nicht gehabt haben.</p>
<p>Ästhetische waren es in der DDR auch auf keinen Fall. War doch das Hausschuh-Design wie so vieles andere eher dem Anspruch nach Funktionalität unterworfen.</p>
<p>Reinigungstechnische Gründe kann es ebenfalls nicht gehabt haben. Schließlich gab es den staatlich anerkannten Beruf der Raumpflegerin und musste es auch für diesen Berufszweig immer genug zu tun geben.</p>
<p>Vielleicht waren es erzieherische Gründe. – Am ersten Tag des neuen Schuljahres im Schuhregal nach der ordnungsgemäßen Benutzung fand man sein Paar – es gab im Regal weder Nummern für Hausschuh-Stellplätze noch Marienkäfer oder Frösche wie im Kindergarten – sowieso nie wieder. Auch wenn niemand anders im Gebäude Unterricht hatte – es war das ungeschriebene Hausschuh-Gesetz der Musikschule, dass das eigene Paar immer weg war.</p>
<p>Wenn besonders wenige Tatverdächtige, vulgo Schüler, im Haus waren, linste ich heimlich während der Notenlehre an den Beinen meiner Lehrerin hinunter und versuchte, einen Blick auf ihr Schuhwerk zu erhaschen. Trotz meiner erst neun Jahre, war sie nämlich nur unwesentlich größer als ich. Hätte ja sein können&#8230;</p>
<p>Ich wartete. Vielleicht erhielt man ja sein Paar am Ende des Jahres vor dem Start in die großen Ferien zurück oder hatten meine Eltern im Vertrag nur überlesen, dass mit der Ausbildung an der Musikschule auch eine Solidaritäts-Hausschuhspende für die Kinder der Genossen in Nikaragua verbunden gewesen war.<br />
Fehlanzeige.<br />
Im nächsten September galt es also, wieder ein neues Paar mitzubringen.</p>
<p>Das war es also auch nicht.</p>
<p>Heimlich, ganz still und leise habe ich bis heute die Hausschuh-Industrie der DDR, den Staat, ja das ganz System im Verdacht. Vielleicht war der jährliche Erwerb neuer Hausschuhe zum EVP von 8,75 Mark Teil eines konspirativen Planes, einer geheimen Abmachung zwischen Musikschulen und dem VEB Lederwarenkombinat, damit letzteres wieder seinen Plan erfüllte und den Titel &#8220;Bester Betrieb des Bezirkes&#8221; einheimste.<br />
Ich weiß es nicht.</p>
<p>Das Hausschuh-Prinzip in der Musikschule – es bleibt mir für immer und ewig ein Rätsel.</p>
<p>Wenn es aber überhaupt etwas in mir bewirkt hat, so die Tatsache, dass mich diese strikte Regel und ihre unbedingte Einhaltung so sehr konditioniert haben, dass ich bis heute nicht in der Lage bin, in Straßenschuhen zu musizieren.</p>
<p>(Und alles andere sähe auf der Bühne wohl ziemlich &#8230; bekloppt aus.)</p>
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		<title>Frau nadine: die TOP drei von heute&#8230;</title>
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		<pubDate>Tue, 23 Jan 2007 18:55:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nadine</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einblick]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich kann mich meinen Vorschreibern nur anschließen: das war jetzt nicht grad einfach. Aber für heute hab ich drei gefunden:
1. Tim Isfort Orchester: Die ganze Zeit
2. Jane Birkin: Canary Canary
3. Philip Glass: Glassworks &#8211; Closing
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich kann mich meinen Vorschreibern nur anschließen: das war jetzt nicht grad einfach. Aber für heute hab ich drei gefunden:</p>
<p>1. <a href="http://www.tim-isfort.de/" target=blank>Tim Isfort</a> Orchester: Die ganze Zeit<br />
2. Jane Birkin: Canary Canary<br />
3. Philip Glass: Glassworks &#8211; Closing</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Wurst und Durst: Frau nadine las</title>
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		<pubDate>Sun, 14 Jan 2007 16:20:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nadine</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rückblick]]></category>

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		<description><![CDATA[Wurst und Durst: Frau nadine las

<strong>Liebe geht durch den Magen</strong>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Liebe geht durch den Magen</strong></p>
<p><span id="more-154"></span></p>
<p>Die Deutschen setzen zu wenige Kinder in die Welt. ‚Elterngeld!’ &#8211; Heißt da die neue Lösung der nicht mehr ganz so neuen koalierenden Regierung. Als ob es am Geld läge! Pffff! Nein, der Grund für den mangelnden Kindersegen liegt einzig und allein – der Titel dieser Veranstaltung lautet schließlich nicht „Heller und Pfennig“ – am Essen! Jawohl, am Essen! Oder mal ganz ehrlich, haben Sie nach einem Kotelett, zwei Kilo Kartoffeln, fetter brauner Bratensauce, Erbsengemüse und einem Pils dazu noch Lust auf&#8230;?<br />
Ich weiß ja nicht, wie’s Ihnen geht, aber nachdem der Partner in bester Caveman-Manier den Knochen abgenagt hat und das kleine grüne Kullergemüse seine Wirkung zu tun beginnt, ist mir nicht mehr danach.</p>
<p>Die Italiener, die sind da viel cleverer. Essen nur so’n bisschen Pasta. Kann man schon mal ganz erotisch zwischen den Lippen in den Mund zutschen, so’n Spaghetti. Sind vor allem auch die blanken Kohlenhydrate – das gibt jede Menge Energie für mehr. Alles schön in kleinen Dosen, mit ein paar Antipasti vorneweg – dass es nicht so träge macht. Dazu ein lecker Chianti, das enthemmt. Noch’n bisschen Tiramisu aus dem sich leicht wölbenden Schöpfteil des Dessertlöffels geleckt und die Sache geht klar, &#8216;buona notte&#8217;, sag&#8217; ich da nur!</p>
<p>Oder die Franzosen! Allein die Art der Tiere, die sie brutzeln, setzt im Hypothalamus die Technik der freien Assoziation in Gang! Froschschenkel, meine Damen und Herren. Oder Poulardenbrüstchen! Das treibt nicht nur dem Chefkoch den Schweiß auf die Stirn. Und als Aperitif ein kleines Gläschen Champagner – weil das so schön prickelt in die Bauchnabel.</p>
<p>Anderes Beispiel: die Inder! Schon mal Kardamom, Curcuma, Koriander und all die anderen fantastischen Gewürze eines Currys in Öl heiß gemacht und gewartet, was passiert? – Da laufen ganze Bollywoodfilme vor Ihrem geistigen Auge ab – ohne die metaphorischen Tanzszenen. Bei dem Geruch schlägt Ihnen die Sinnlichkeit eines ganzen Subkontinents entgegen. Kein Wunder, dass ein Inder das Kamasutra geschrieben hat.</p>
<p>Oder die arabische Küche – Fleisch in Gewürze eingelegt mit Saucen aus Kräutern und aromatische Tees&#8230;. – Wem da nicht allein schon beim Duft Gedanken an Haremsdamen oder 1001 Nacht mit 40 Räubern kommen, ist selber Schuld.</p>
<p>Bester lebender Beweis für meine Theorie jedoch:<br />
1,314 Milliarden Chinesen: Glasnudeln, Reis, fix ein bisschen Gemüse im Wok und man schläft nicht nach dem Essen gleich ein. Da helfen auch die Zwei-Kind-Beschränkung, Geburtenkontrolle und kostenlose Verhütungsmittel nichts mehr.</p>
<p>All diese Völker haben eines gemein: sie konsumieren Essen, das viel leichter und sinnlicher ist als das unsrige.</p>
<p>Sie glauben mir meine wunderbare Theorie nicht?</p>
<p>Nun, schauen Sie sich die Amerikaner an:<br />
Fette Doppelt-Käse-und-Dreifach-Beef-Burger, 1,5 Liter XXL-Milchshakes, Super Cokes und Super Size Muffins! &#8211; Und die Kinder im Land bekommen die eingewanderten Minderheiten, die sich ernähren von Reis, Taco Shells und Starbucks Kaffee.</p>
<p>Oder die Inuit. Auch ihre Bevölkerungszahlen dezimieren sich immer mehr. Klarer Fall: Nach Walspeck und Robbenfett könnt’ ich auch nicht mehr.</p>
<p>Durch Deutschlands Küchen muss ein Ruck gehen.<br />
Da helfen auch Mälzer gucken, Biolek kaufen und Kochduell nix mehr.<br />
Genau genommen müsste dann auch das Kindergeld umbenannt werden in Essengeld.<br />
Aber keine Panik, Sie sind ja mit der heutigen Kochlese fein raus. Und vielleicht schafft ja nach dem heutigen Tag auch die Landeshauptstadt endlich mal die 100.000.</p>
<p>Mahlzeit.</p>
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		<item>
		<title>Adventslese: Frau nadine las</title>
		<link>http://www.schmalzundmarmela.de/2006/12/10/adventslese-frau-nadine-las/</link>
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		<pubDate>Sun, 10 Dec 2006 17:54:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nadine</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einblick]]></category>
		<category><![CDATA[Rückblick]]></category>

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		<description><![CDATA[Weihnachtsmodelle
Vierundvierzig fünfundneunzig

Weihnachtsmodelle
Genau genommen, gibt es nur zwei Arten von Weihnachten. Sie dachten, es wären mehr? Weihnachten amerikanisch mit Santa Clause durch den Kamin kommend und den Geschenken in Socken am nächsten Morgen? Weihnachten in der Kirche mit Krippenspiel und Gottesdienst? Weihnachten Russisch mit Väterchen Frost und Snjegurotschka am 6. Januar? Weit gefehlt. Es sind zwei. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Weihnachtsmodelle</p>
<p>Vierundvierzig fünfundneunzig</p>
<p><span id="more-125"></span></p>
<p><strong>Weihnachtsmodelle</strong></p>
<p>Genau genommen, gibt es nur zwei Arten von Weihnachten. Sie dachten, es wären mehr? Weihnachten amerikanisch mit Santa Clause durch den Kamin kommend und den Geschenken in Socken am nächsten Morgen? Weihnachten in der Kirche mit Krippenspiel und Gottesdienst? Weihnachten Russisch mit Väterchen Frost und Snjegurotschka am 6. Januar? Weit gefehlt. Es sind zwei.  &#8211;   Weihnachten für Singles und Weihnachten für Familien. – Egal in welchem Land.</p>
<p>Woran sie merken, welches von beiden Modellen Sie feiern? Nun ja, ganz einfach:</p>
<p>Kriterium 1: Die Geschenke.</p>
<p>Weihnachten für Singles erkennt man zum Beispiel daran, dass es die Geschenke, des Menschen, den sie lieben, entweder einen Tag früher gibt, am 23. – oder vier tage zu spät. Niemals jedoch am 24. Denn selbst wenn man grad jemanden kennen gelernt hat, verbringt jeder von beiden Weihnachten bei den Eltern, denn es gehört zum guten Ton unter Singles oder Quasi-Singles, selbst bei frisch gebackenen Beziehungen dieses durch Familie und Spießigkeit stigmatisierte Fest nicht gleich im ersten Jahr miteinander zu verbringen<br />
– Im Übrigen der beste Garant dafür, dass man auch im nächsten Jahr wieder alleine feiert.</p>
<p>Kriterium 2: Die Geschenke II<br />
Im Gegensatz zu allen anderen in der Familie, sind Sie der einzige, der auch mit über dreißig überhaupt noch Geschenke von den Eltern bekommt. Und das Erschreckende daran ist, das geschieht nicht mal aus Mitleid. In den Augen Ihrer Eltern sind Sie nämlich erst dann ein ganzer Mensch und von der Kind-freu-dich-doch-Verpflichtung befreit, wenn Sie entweder a) mindestens einen anderen Menschen selbst in die Welt gesetzt haben oder es b) fertig gebracht haben, mehr als fünf Jahre am Stück mit einem anderen Exemplar dieser Spezies ohne die Mithilfe von Anwälten oder Therapeuten verbracht zu haben.</p>
<p>Nr. 3 – Das bisschen Haushalt.<br />
Während alle anderen in der Weihnachtszeit friedfertig  „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ im Fernsehen gucken, leben Sie es. Aufgrund der Tatsache nämlich, dass Sie Weihnachten (vergleiche Punkt 1)  bei den Eltern verbringen, haben Sie keinerlei eigene Bäume zu schmücken oder Gänse zu stopfen. Sie sind die ideale Besetzung für sämtliche anderen familiären Haushaltsnotfälle der Stufe drei. Sie finden sich spätestens ab 11 Uhr Vormittag am Heiligen Abend kochend, waschend oder putzend in einer Küche der Verwandtschaft wieder, weil irgendjemand, der Weihnachtsmodell 1 feiert, es mal wieder nicht schafft, den Baum gemeinsam mit seinen bläkenden Kindern zu schmücken, nebenbei die Ente zu braten, mit der anderen Hand die restlichen Geschenke einzupacken und bei all dem nicht auch noch seinen Partner anzuschreien. Um wenigstens einen Teil dieser Katastrophen abzufangen sind Sie da. Na ja, geben Sie’s zu, Sie hatten ja eh nichts Besseres vor.</p>
<p>Nr. 4 – Der Baum.<br />
Sie brauchen unter gar keinen Umständen einen Baum. Sie feiern ja eh bei den Eltern. Investieren Sie lieber in einen gut als Handgepäck geeigneten Feuerlöscher, den Sie auf jede Weihnachtsparty mitnehmen können  – schließlich sind Sie an Heiligabend, wie unter Punkt 3 beschrieben, der Katastrophenschutz und man zählt auf Sie.</p>
<p>Nr. 5 – Klasse Geschenke!<br />
Wenn Sie Weihnachtsmodell 2 – das für Singles – feiern, haben Sie auf jeden Fall ein Problem definitiv nicht: das der geschmacklosen, nutzlosen, überflüssigen, in der Konfektionsgröße daneben gegriffenen, oder gar doppelten Geschenke. Denn die wichtigste Person in Ihrem Leben, die Ihnen etwas schenkt, sind Sie selbst. Und darum dürfen Sie sich – wie an Ihrem Geburtstag übrigens auch – das schenken, was Sie schon immer haben wollten, was aber den Rest des Jahres über in der Anschaffung kaum gerechtfertigt wäre. Sie sind der König unter ihrem Weihnachtsbaum, der Herr über Ihren Gabentisch. Genießen Sie es. Die Zeit der hässlichen Socken und des Parfums, auf das Sie allergisch reagieren, ereilt Sie noch oft genug.</p>
<p>Nr. 6<br />
Wie ich Weihnachten verbringe, fragen Sie sich? Nun ja, als ausgewiesener Experte auf diesem Gebiet, ziehe ich es vor – schon aus einem gewissen Sportsgeist heraus – eine Mischform aus beiden Modellen zu leben. Lasse den Partner aber nicht wie unter Punkt 1 beschrieben zu Haus, sondern nehme ihn mit zu meiner Familie. Küchen-Katastrophen, hässliche Geschenke und brennende Bäume machen schließlich nur mit Publikum so richtig Spaß. Außerdem ist diese stressige Mischform der perfekte Härtetest für jede frisch gebackene Beziehung. Spätere eigene Familienweihnacht nicht ausgeschlossen. Vertrauen Sie mir. Und: fröhliche Weihnachten!</p>
<p><strong>Vierundvierzig fünfundneunzig</strong><br />
<em>Mein erstes Mal oder: Warum ich von jetzt an jedes Jahr Weihnachten feiern muss</em></p>
<p>Es war mein erstes Jahr mit einem eigenen Weihnachtsbaum. Nicht, dass ich vorher nicht auch einen gewollt hätte, aber das Problem war, als Student mit einer 20 Quadratmeter großen 1-Raum-Wohnung blieben abzüglich aller Möbelstellplätze nur 0,5 Quadratmeter Grundfläche übrig, um einen solchen aufzustellen. Ein eigener Weihnachtsbaum war also 14 Fachsemester lang schon rein mathematisch nicht drin.<br />
Doch dann wurde alles anders. Ein Eintrag in die Hochschulbewerberdatenbank des Arbeitsamtes veränderte mein Leben und somit mein Weihnachtsfeierverhalten schlagartig. Ich war fertig mit dem Studium, ich war Absolvent, ich hatte einen Job und fand mich plötzlich auf knappen 60 Quadratmetern Wohnfläche wieder. Platz genug für einen Baum, der nur noch von dem auf dem Rathausplatz übertroffen werden konnte.</p>
<p>Gesagt, getan, fuhr ich einen Tag nach Nikolaus – ich hatte mir sagen lassen, echte Weihnachtsbaum-Experten erledigen die Sache pünktlich –in meinen Lieblingsbaumarkt, um mich in der dortigen Grünpflanzen-in-Freiland-Haltungs-Abteilung mit einem für das erste Mal würdigen Exemplar zu versorgen.</p>
<p>Ich hatte meinen Baum, ich hatte meinen Stellplatz. Einen Christbaumständer hatte ich auch, denn ich hatte im Jahr zuvor – trauriger Weise – den Karton Weihnachtsschmuck meiner Oma geerbt. Darin war ein wunderschöner, verschnörkelter, alter, grüner, gusseiserner Christbaumständer gewesen.<br />
Ich verstaute den Baum zum Neid aller Nachbarn auf dem Balkon, um ihn pünktlich am Heiligen Abend durch die schmale Balkontür ins Warme zu zerren und zu bearbeiten.</p>
<p>Ich hatte den Baum, ich hatte die Kugeln, ich hatte den wunderschönen, verschnörkelten, alten, grünen, gusseisernen Christbaumständer. Und ich hatte ein Problem. Ich war zwar stolzer Besitzer des zweitgrößten Baums im ganzen Haus, aber es entspricht einer Grundannahme der Botanik, dass – je dicker und größer der Baum, desto dicker auch der Stamm. Zu dick für meinen wunderschönen, verschnörkelten, alten grünen gusseisernen Christbaumständer!<br />
Ich zerrte also das Weihnachtsstatussymbol zurück auf den Balkon und fing an mit dem besten, größten, schärfsten Küchenmesser, dessen ich habhaft werden konnte, am Stamm herumzuschnitzen wie einst Michel in seinem Schnitzschuppen und Schicht um Schicht vom Baum abzutragen. Nach ca. einer halben Stunde war der Stamm nur gefühlte 2 cm dünner geworden, hatte ich Blasen an den Händen und sah mein Balkon aus, als hätte ich den Strauchbestand einer ganzen Schrebergartenkolonie zerhäckselt.</p>
<p>Um den Balkon vor weiterem Unfug und mich vor den Blicken der neugierigen Nachbarn zu bewahren &#8211; und auch weil mir langsam kalt wurde &#8211;  zerrte ich den Baum zurück in die Wohnung, Als optimaler Ort, wenigstens die Baumschnitzelflugbahnen und den daraus resultierenden Putzaufwand zu verringern, erwies sich die Badewanne.<br />
Ich schnitze also – den unteren Teil des Baumes in die trockene Wanne gestopft in meinem Bad weiter, bis es auch dort aussah, wie auf einer städtischen Rabatte. Fehlanzeige. Der Baum wehrte sich noch immer. Mittlerweile war eine weitere Stunde vergangen, die „Muppets Weihnachtsgeschichte“ im Fernsehen längst vorbei und mein Baum noch nicht ansatzweise in der passenden Größe für meinen wunderschönen, verschnörkelten, alten, grünen, gusseisernen Christbaumständer!<br />
Es musste eine Lösung her! Ein Blick auf die Uhr: 13.30 Uhr. Um 14 Uhr schließen die Baumärkte. Wie von der Tarantel gestochen riss ich die Jacke vom Haken, steckte mein Geld ein und rannte ich runter zum Auto, um 18 Minuten später mit quietschenden Reifen vor meinem Lieblingsbaumarkt zum Stehen zu kommen.</p>
<p>Es hätte alles so schön werden können. Aber: Weihnachten ist auch die Zeit der Wunder.  Und so hatte jemand wie von Zauberhand über Nacht die Christbaumständer, die bei meinem letzten Besuch noch 19,95 gekostet hatten, ganz heimlich neu ausgepreist. – 44,95!!! In Worten: vierundvierzig fünfundneunzig! Klar, welcher Idiot kauft schon am Heiligen Abend um 12 Minuten vor Ladenschluss einen Christbaumständer! Ich hatte keine Wahl, die Kettensägen waren noch teurer.<br />
Vier Minuten später verließ ich den Laden. Es kostete mich daheim zwei Minuten, den Baum brandschutzgerecht und TÜV-geprüft aufzustellen. Erschöpft, durchgeschwitzt, mit Blasen an den Händen und vor allem für diesen Tag finanziell ruiniert sank ich darunter zusammen.</p>
<p>Seitdem feiere ich jedes Jahr Weihnachten mit einem eigenen Baum – auch wenn ich gar nicht da bin, sondern verreise. Der Wert des Ständers muss sich schließlich amortisieren. Im Sommer benutzte ich ihn übrigens, um ab Windstärke 6 im Garten meinen Wäscheständer zu beschweren. – Auch das trägt dazu bei, dass sich hoffentlich in 20 Jahren die Investition ansatzweise gerechnet haben wird. Und, falls von Ihnen dieses Jahr jemand einen Christbaumständer braucht – ich verreise und hätte da ein tolles Stück zu verborgen&#8230;</p>
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