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	<title>Schmalz und Marmelade &#187; jati</title>
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	<description>Die Frühlese für Spätaufsteher in Schwerin</description>
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		<title>Advent: jati las</title>
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		<pubDate>Mon, 10 Dec 2007 16:14:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jati</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rückblick]]></category>

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		<description><![CDATA[Zuhause beim Weihnachtsmann und Klimakiller Weihnachtsfest

Zuhause beim Weihnachtsmann
„Ich bin wieder da-ha!“ rief der Weihnachtsmann gut gelaunt und ließ die Tür seines Hauses geräuschvoll hinter sich ins Schloss fallen. Kalt war es draußen und voller Schnee. Kein Wunder: Bekanntlich wohnt der Weihnachtsmann am Nordpol.
„Schuhe aus! Ich habe gerade frisch gewischt“, schallte es durch die geschlossene Küchentür [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><b>Zuhause beim Weihnachtsmann</b> und <b>Klimakiller Weihnachtsfest</b></p>
<p><span id="more-373"></span></p>
<p><b>Zuhause beim Weihnachtsmann</b></p>
<p>„Ich bin wieder da-ha!“ rief der Weihnachtsmann gut gelaunt und ließ die Tür seines Hauses geräuschvoll hinter sich ins Schloss fallen. Kalt war es draußen und voller Schnee. Kein Wunder: Bekanntlich wohnt der Weihnachtsmann am Nordpol.</p>
<p>„Schuhe aus! Ich habe gerade frisch gewischt“, schallte es durch die geschlossene Küchentür zurück. Große Dinge schienen dahinter vollbracht zu werden. Es brummte, klapperte und zischte in einer Tour. Die Tür öffnete sich einen spaltbreit und der Osterhase schaute heraus. „Wo kommst Du jetzt erst her? Das Essen ist seit einer halben Stunde fertig!“ rief er durch den Flur zum Weihnachtsmann, der in voller Montur und ein wenig perplex im Eingang stand. Der Osterhase schaute kurz auf die kleine, schmutzige Pfütze, die geschmolzener Schnee bereits unter den schweren Schuhen des Weihnachtsmanns gebildet hatte. „Schuhe aus!“ rief der Osterhase noch, dann zischte es im Raum hinter ihm, sein Kopf verschwand aus der Tür, die klappte zu und der Weihnachtsmann hörte den Hasen wild herumhoppeln und undeutliche Flüche ausstoßen. Der Weihnachtsmann seufzte. „Schön, wieder zu Hause zu sein“, murmelte er in seinen Bart und zog die Schuhe aus, versuchte den Mantel so ordentlich er konnte an die Flurgarderobe zu hängen, um keinen weiteren Ärger zu provozieren. „Und häng Deinen nassen Mantel nicht wieder an die Garderobe“, rief ihm der Osterhase durch die geschlossene Küchentür zu. „Sonst stinkt wieder alles nach Rentier!“</p>
<p>***</p>
<p>Bald darauf saßen sie am Esstisch im Wohnzimmer und aßen schweigend. Im Kamin knisterte ein Feuer. Mit einem großen Löffel schaufelte sich der Weihnachtsmann das dampfende Gericht in den Mund und zerkaute es schnell und schmatzend. Der Osterhase schaute kurz auf und knabberte dann weiter an einer Möhre.</p>
<p>„Ich habe große Fortschritte gemacht“, sagte der Weihnachtsmann und löffelte weiter gierig das Essen in den bärtigen Mund. „Aha“, sagte der Osterhase. „Ja“, sagte der Weihnachtsmann euphorisch. „Ich habe einen Weg gefunden, Geschenke mit einer zwei Prozent höheren Effektivität einzupacken. Man muss nur&#8230;“ „Hast Du dabei zufällig einen Weg gefunden, Deine Sachen mal selbst wegzuräumen?“ unterbrach der Osterhase und schaute den Weihnachtsmann direkt an. Der geriet gedanklich vollkommen aus dem Tritt. „Was?“ brachte er gerade noch hervor. </p>
<p>„Du glaubst gar nicht, wo ich Deine Socken und Unterhosen heute überall gefunden habe“, sagte der Ostserhase und guckte. „Oh. Äh. Wo denn?“ fragte der Weihnachtsmann in einem etwas unbeholfenen Versuch, Interesse zu signalisieren. „Überall!“ warf der Osterhase zurück. „Überall!“ wiederholte er und guckte.</p>
<p>Bevor der Weihnachtsmann irgendetwas antworten konnte, fuhr der Hase fort: „Ich habe versucht, aus diesem Haus, in dem wir ja angeblich gemeinsam wohnen, wieder etwas zu machen, in dem man sich wohlfühlt.“ An der Haltung der Hasenohren erkannte der Weihnachtsmann, dass der Abend keine gute Wendung nehmen würde. „Ich habe aufgeräumt und gewischt. Ich habe Wäsche gewaschen. Ich habe das Wohnzimmer hergerichtet.“ Stimmt, dachte der Weihnachtsmann. Jetzt sah er es auch. Das Wohnzimmer war geschmückt. Es sah weihnachtlich aus. Er versuchte davon abzulenken, dass er das alles nicht bemerkt hatte und sagte: „Ja und Du hast den Kamin angemacht. Das finde ich sehr schön.“ „Ja und was meinst Du, wie lange ich gebraucht habe, bis ich den Kamin sauber hatte?! Hattest Du nicht gesagt, das würdest Du machen? Das sei Deine Aufgabe? ‚Natürlich‘ würdest Du das tun? Ich bräuchte mir da keine Gedanken zu machen? Hattest Du das nicht gesagt?!“ Der Osterhase hatte sich in Rage geredet. Die Ohren hingen links und rechts am Kopf herunter und seine Augen glühten. „Ich konnte es noch nicht, ich war doch den ganzen Tag im Büro&#8230;“, begann der Weihnachtsmann. „Eben!“ rief der Osterhase triumphierend. „Eben!“ wiederholte er. „Du bist den ganzen Tag im Büro. Von morgens bis abends. Und ich bin hier mit allem allein. Und dann soll ich mir abends noch anhören, dass Du Deine Geschenke jetzt fünf Prozent schneller verpacken kannst?!“ ereiferte sich der Osterhase. „Zwei Prozent“, korrigierte der Weihnachtsmann geistesabwesend, wollte eigentlich noch etwas anderes sagen, aber da war der Osterhase schon aufgesprungen, aus dem Zimmer gehoppelt und hatte die Tür hinter sich ins Schloss fallen lassen. Der Weihnachtsmann lehnte sich zurück, massierte seine Augen mit der rechten Hand und dachte: Dieser Abend wird kein gutes Ende nehmen.</p>
<p>***</p>
<p>Später saßen sie in ihren Sesseln und sahen dem Feuer zu. Sie schwiegen. Aus dem Augenwinkel sah der Weihnachtsmann, dass die Ohren des Hasen noch immer nach unten hingen. Er überlegte, was er sagen könnte. In einer solchen Situation musste er sehr behutsam vorgehen. Das wusste er. Nur kannte er sich damit leider trotzdem überhaupt nicht aus.</p>
<p>„Was ähm&#8230;“, begann der Weihnachtsmann vorsichtig und räusperte sich. Der Osterhase sah ihn feindselig an, was ihn weiter verunsicherte. „Was&#8230; hast Du denn heute so gemacht?“ fragte er schließlich schwach. „Was ich heute gemacht habe?“ fragte der Osterhase spöttisch zurück. „Da muss ich erst einmal überlegen. Diese Frage ist so ungewohnt, da habe ich jetzt gar keine Antwort drauf.“ Er tat so, als überlege er. „Mh. Ja, was habe ich eigentlich gemacht? Eigentlich nichts! Ist doch sowieso egal, was ich mache! Es interessiert Dich ja überhaupt nicht!“</p>
<p>Verdammt, dachte der Weihnachtsmann. Warum bekomme ich es nie hin, in solchen Momenten irgendetwas Versöhnliches zu sagen? Er versuchte die Wogen zu glätten. „Ja, aber jetzt bin ich doch da und höre Dir zu. Ich möchte es wirklich wissen“, sagte er und versuchte auf eine Art und Weise zu gucken, die nicht im Widerspruch zu dem stand, was er gerade gesagt hatte. Aber der Osterhase schüttelte nur den Kopf. „Ach, jetzt hast Du Zeit, ja? Das ist aber schön für Dich.“ Und nach einer kleinen Pause sagte der Hase enttäuscht und wütend zugleich: „Du verstehst es wirklich nicht, was?“ &#8211; „Was verstehe ich nicht?“ fragte der Weihnachtsmann verwirrt. &#8211; „Siehst Du! Das meine ich!“ rief der Osterhase. „Das meine ich!“ wiederholte er und schüttelte den Kopf. Seine hängenden Ohren schlackerten vor und zurück. Bevor der Weihnachtsmann seine herumschwirrenden Gedanken im Kopf einfangen konnte, fuhr der Osterhase fort: „Ich verlange doch gar nicht so viel. Ich will doch überhaupt nicht, dass Du mir so wahnsinnig viel hilfst. Mir reicht doch schon ein Signal, ein Zeichen, irgendetwas, damit ich weiß, dass ich Dir nicht vollkommen egal bin.“ Der Osterhase schluchzte leise.</p>
<p>Gerade als der Weihnachtsmann den Mut gefasst hatte, um aufzustehen und zu ihm zu gehen, rief der ihm entgegen: „Und mit den Eiern hast Du mich auch vollkommen allein gelassen!“ Der Weihnachtsmann sackte im Sessel zurück. „Mit den Eiern?“ fragte er hilflos und setzte hinzu: „Mit welchen Eiern?“ Zornig sah ihn der Osterhase an. „Du weißt es nicht einmal mehr, wie Du mich mit allem allein gelassen hast! Alle diese Eier musste ich bemalen! Ich musste sie verstecken! Ich musste die Schokohasen-Produktion überwachen! Und Du? Wo warst Du, als ich Dich so dringend gebraucht hätte?!“</p>
<p>Der Weihnachtsmann überlegte: Ja, wo war er denn gewesen, letztes Ostern? Da fiel es ihm wieder ein: Sein Rentier Rudolf war krank geworden. „Ja, aber da konnte ich doch nicht anders“, versuchte er sich zu rechtfertigen. „Rudolf&#8230;“ „Ja, Rudolf! Rudolf! Wenn Rudolf irgendwas hat, dann bist Du sofort da! Aber was mit mir passiert, ist Dir vollkommen egal! Ist es das, was Du Dir unter einer Partnerschaft vorstellst? Ist es das? Deine Vorstellung von Partnerschaft? Dass jeder seins macht und den anderen alleine lässt?“</p>
<p>Der Weihnachtsmann wusste, dass er ruhig bleiben sollte. Aber diese Frage ärgerte ihn. Natürlich war das nicht seine Vorstellung von Partnerschaft! „Natürlich ist das nicht meine Vorstellung von Partnerschaft“, sagte er ein wenig lauter, als er eigentlich wollte. „Meine Vorstellung von Partnerschaft ist es aber auch nicht, dass ich überhaupt nie darüber sprechen kann, was bei mir auf Arbeit passiert.“ So, jetzt hatte er es gesagt.</p>
<p>Verdattert starrte der Osterhase ihn an. Dann hoppelte er schluchzend aus dem Zimmer. Der Weihnachtsmann blieb sitzen. Wütend und verwirrt starrte er ins knisternde Feuer. Er ärgerte sich über den Osterhasen mit seinen Vorwürfen. Er ärgerte sich über sich selbst und dass er wieder laut geworden war. Er ärgerte sich, dass das alles jetzt passierte, so kurz vor Weihnachten, wo er doch nun wirklich schon genug Stress hatte. Er beobachtete das Feuer im Kamin und ärgerte sich. Die Flammen umspielten das Holz. Mit der Zeit wurden sie kleiner. Ein Glimmen blieb zuletzt. Dann verschwand auch das und ließ verkohltes Holz und Asche zurück.</p>
<p>***</p>
<p>Die Nacht auf der Couch war für den Weihnachtsmann nicht sehr bequem gewesen. Mühsam war er aufgestanden und zur Arbeit gefahren. Als er abends zurückkam, war eine seltsam ruhige Stimmung im Haus. Seine Stiefel hatte er draußen ausgezogen und sie vorsichtig auf die Lage Zeitungspapier gestellt, die im Flur bereitlag. Seinen Mantel hatte er zum Trocknen im Hauswirtschaftsraum aufgehängt. Nun ging er mit einem Geschenk in der Hand vorsichtig durch den Flur, als könne jederzeit überraschend ein hungriger Eisbär über ihn herfallen. In der Küche war niemand, aber es war alles blitzeblank aufgeräumt. Und es roch nach Keksen. Er ging weiter zum Wohnzimmer. Sacht öffnete er die Tür. „Oh, Du bist ja schon da!“ rief der Osterhase, hüpfte aus seinem Sessel und kam auf ihn zu. Verunsichert blieb der Weihnachtsmann in der Tür stehen. Auch der Osterhase hielt jetzt inne, vielleicht zwei Meter entfernt. Verschämt und unsicher standen sie da. Dann trafen sich ihre Blicke. Sie mussten lachen, weil sie sich so kindisch verhielten. „Ist das für mich?“ fragte der Osterhase und zeigte auf das Geschenk, das der Weihnachtsmann noch immer in Händen hielt. „Ja, habe ich Dir mitgebracht.“ sagte er. „Ich habe ganz viel an Dich gedacht.“ setzte er hinzu. „Ach, Du!“ wehrte der Osterhase ab. „Das brauchst Du doch nicht.“</p>
<p><b>Klimakiller Weihnachtsfest</b></p>
<p>Es reden doch jetzt alle über Zeh-Oh-Zwei. An das Ozonloch haben wir uns längst gewöhnt. Feinstaub ist gerade nicht mehr en vogue. Aber Treibhausgase sind der Hit.</p>
<p>Ich frage mich allerdings, warum wir trotzdem Weihnachten feiern. Unter dem Gesichtspunkt des Klimaschutzes ist dieses Fest beim besten Willen nicht mehr zu verantworten.</p>
<p>Sie glauben es nicht? Dabei liegt es auf der Hand.</p>
<p>Es beginnt damit, dass wir uns einen Baum abholzen und zum Sterben ins Wohnzimmer stellen. Damit wir nicht darüber nachdenken müssen, dass dieser Baum nun kein CO2 mehr aus der Atmosphäre entnehmen kann, behängen wir ihn mit schachtelweise Kram, der unter ungeheurem Aufwand von Energie hergestellt wurde und zum Teil nach dem Fest einfach in den Müll wandert, wo er seine eigentliche Bestimmung findet.</p>
<p>Den Baum behängen wir zusätzlich mit einer Lichterkette. Ebenso schmücken wir das Fenster mit Lichtern. Eventuell sogar das Haus. Der Stromzähler dreht, die Kohlekraftwerke qualmen, das Klima geht den Bach runter. Dafür sieht&#8217;s in der guten Stube dann hübsch kuschlig aus und die Nachbarn sind neidisch, weil&#8217;s nebenan so viel weihnachtlicher zugeht als bei ihnen. Im nächsten Jahr haben sie die größere Lichterkette, das steht fest.</p>
<p>In den Wochen vor den Feiertagen kaufen wir haufenweise Dinge, die sonstwo in der Welt hergestellt wurden &#8211; meistens inzwischen in China, würde ich mal schätzen. Dieses in der Regel unnütze Zeug ist gemeinsam mit seinem dazugehörigen Verpackungsmüll quer über den Globus verschifft worden, damit wir es schließlich fürs Fest noch ein weiteres Mal einpacken und unter den sterbenden Baum mit seiner glühenden Lichterkette legen.</p>
<p>Unsere Einkäufe erledigen wir natürlich mit dem Auto. Klar. Dafür haben wir&#8217;s ja.</p>
<p>Nach dem gut geplanten weihnachtlichen Großeinkauf fahren wir regelmäßig erneut los, um dann alles das „noch schnell“ zu holen, was wir beim ersten Durchgang vergessen hatten. Und danach fährt „Vattern“ nochmal los, weil das Schmalz nicht für den Rotkohl reicht oder die Butter nicht für den Kuchen oder für die Kekse keine gemahlenen Haselnüsse im Haus sind. Er düst leise brummend los und packt das Plastiktütchen hinterher wortlos auf den Küchentisch, wo es vergessen wird.</p>
<p>Apropos Kochen: Es wird massenhaft gekocht zu Weihnachten. Alle Herdplatten glühen. Der Ofen geht gar nicht wieder aus, Braten wechseln sich mit Plätzchen ab, dann die Pizza für den Sohn, dem das alles auf den Geist geht und der sich genervt in sein Zimmer zurückzieht. Die Mikrowelle wird gebraucht, um alles das schnell aufzutauen, was im übervollen Gefrierschrank vergessen wurde, der ebenso wie der Kühlschrank auf höchster Stufe läuft.</p>
<p>Während der Feiertage steigt dann die gesamte Republik in ihre Autos, um woanders hinzufahren. Im Grunde ist Weihnachten ein Straßenfest, aber das sagt keiner, weil das unromantisch wäre. Nicht umsonst ist aber &#8220;Driving home for Christmas&#8221; einer der Klassiker der modernen Weihnachtsmusik: Alle fühlen sich befleißigt, den sonst im Jahr doch recht bewährten Mittelpunkt des eigenen Lebens hinter sich zu lassen, und die Mittelpunkte anderer Leute aufzusuchen, deren sterbende Bäume und glühende Lichterketten zu bewundern, in Verpackungsmüll versteckte überflüssige Dinge aus China entgegenzunehmen und irrsinnig viel zu essen.</p>
<p>Nach dem Fest setzt dann der Umtauschstress ein. Manch einer packt den ganzen Kram auch einfach ins Auto und vergräbt die unliebsamen Geschenke im nächstgelegenen Wald. Bleibt nur zu hoffen, dass die Präsente nicht zurückkehren wie die Katze in Stephen Kings &#8220;Friedhof der Kuscheltiere&#8221;.</p>
<p>Alles in allem haben wir ein paar schöne Tage gehabt und der Klimakollaps ist wieder ein Stück näher gerückt. Aber mal ehrlich: Wenn die Welt untergeht, können wir doch wenigstens noch schön feiern. Auf der Titanic hat die Band ja auch bis zuletzt gespielt.</p>
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		<title>Fußball isst unser Leben: Herr jati las</title>
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		<pubDate>Mon, 10 Jul 2006 22:42:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jati</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rückblick]]></category>

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		<description><![CDATA[1. Erlebnisse der Langeweile: Schweiz gegen Ukraine
2. Fahnen an Autos
3. Während des ersten Deutschlandspiels im Baumarkt

1. Erlebnisse der Langeweile: Schweiz gegen Ukraine
Während der Fußball-WM 2006 habe ich längst nicht alle Spiele gesehen. Eigentlich nur einige und selbst das war für meine Verhältnisse schon ziemlich viel. Obwohl ich diesen Ausspruch immer dämlich finde, bin ich auch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>1. Erlebnisse der Langeweile: Schweiz gegen Ukraine</p>
<p>2. Fahnen an Autos</p>
<p>3. Während des ersten Deutschlandspiels im Baumarkt</p>
<p><span id="more-46"></span></p>
<p><b>1. Erlebnisse der Langeweile: Schweiz gegen Ukraine</b></p>
<p>Während der Fußball-WM 2006 habe ich längst nicht alle Spiele gesehen. Eigentlich nur einige und selbst das war für meine Verhältnisse schon ziemlich viel. Obwohl ich diesen Ausspruch immer dämlich finde, bin ich auch einer, der eigentlich kein Fußball guckt, außer „wenn Deutschland spielt“. Und eine WM an sich ist ja sowieso was anderes, zumal im eigenen Land.</p>
<p>Wenn, dann habe ich bei dieser WM am ehesten die Spiele am Abend geguckt. Nach welchem System die Spiele auf Nachmittag oder Abend verteilt wurden, hat sich mir allerdings nicht erschlossen. Ich tippe auf Zufallssystem. Dagegen spricht nur, dass die WM bekanntermaßen in Deutschland stattfand und hier wird nichts dem Zufall überlassen, nicht einmal der Zufall. Aber das führt jetzt auch zu weit.</p>
<p>Eines Abends jedenfalls spielte die Schweiz gegen die Ukraine. Okay: Weder bei der einen, noch bei der anderen Mannschaft waren bisher Lobeshymnen über die Spielkultur und Raffinesse der Ballkünstler an mein Ohr gedrungen. Aber das hat nichts zu sagen. Ich gucke ja kein Fußball, außer wenn Deutschland spielt oder eine WM läuft. Ich erwähnte das bereits.</p>
<p>Vielleicht stellt sich bei Ihnen an dieser Stelle des Textes schon eine gewisse Langeweile ein? Wenn ja, dann ist das künstlerisch so gewollt. Wenn nein, haben Sie sicher mehr Fußball geguckt als ich und sind abgehärtet.</p>
<p>Das Spiel der Schweiz gegen die Ukraine war jedenfalls so ziemlich das Langweiligste, was ich bislang erlebt habe. Der Spielablauf war etwa Folgender: Hütterli passt zu Fränkli, Ostankowitsch geht dazwischen, beide liegen am Boden. Freistoß Ukraine im Mittelfeld, schnell ausgeführt. Pipolinksi spielt zu Ukranowitsch, wird von Schwizerli in einen Zweikampf verwickelt, der eine stolpert über den anderen, abgepfiffen. Die Schweiz am Ball, Fehlpass, der Ukrainer übernimmt den Ball, stolpert, ein Schweizer geht dazwischen, Ball im Aus. Einwurf Ukraine, Zweikampf, beide am Boden, Freistoß an der Mittellinie. Und so weiter. Bis dahin konnte man denken: Anfangsnervosität, das legt sich und dann wird auch ein echtes Fußballspiel draus. </p>
<p>Dann: Eine tolle Kombination der Ukraine – zwei Pässe nacheinander gelingen beinahe fehlerlos &#8211; die Ukraine nähert sich dem Schweizerischen Strafraum auf Sichtweite, ein Schweizer dazwischen, beide fallen, abgepfiffen. Freistoß Schweiz. Der schnell ausgeführt, verspringt dem Schweizer ins Aus. Einwurf Ukraine, ein Schweizer dazwischen, beide am Boden.</p>
<p>Das muss so in etwa der Moment gewesen sein, in dem ich entnervt in die Küche ging. Da war es spannender, denn da konnte ich unserem Brotbackautomaten beim Wackeln zusehen.</p>
<p>Sie müssen wissen, dass unser Brotbackautomat in der Küche auf einem kleinen Holzregal steht, das nicht verstärkt ist. Und wenn im Backprogramm das Teigkneten dran ist, dann wackelt der Brotbackautomat durch die Rührbewegung mit dem Regal gemeinsam hin und her. Das sieht dann in etwa so aus wie der kleine Roboter R2-D2 in Star Wars, wenn er ganz dringend auf etwas aufmerksam machen will. Er kann ja nicht richtig sprechen und schon gar nicht rufen, sondern nur verschiedene Piep- und Pfeiflaute von sich geben, die von seinem goldglänzenden und humanoiden Kumpel C3PO dann gern übersetzt oder beantwortet werden. Und wenn’s dringend ist, dann wackelt R2-D2 so putzig hin und her.</p>
<p>So wie R2-D2 wackelte also unser Regal in der Küche. Allerdings in Zeitplupe. Spannend, oder?</p>
<p>Was mich an R2-D2 immer wieder erstaunt: Dass der kleine Blecheimer in jedem Film neue Fähigkeiten hat. Ich vermute hier einen Gag der Drehbuchautoren. Egal in welcher Situation man ist, R2-D2 hat immer gerade das passende Werkzeug oder die hilfreiche Funktion parat. Das ist fast wie bei einem Schweizer Taschenmesser, das in „Traumschiff Surprise Periode 1“ als Schweizer Taschenlaser sogar schon eine zentrale Filmrolle bekommen hat, was übrigens kein Zufall war. Kein Wunder, denn das ist ein deutscher Film und in Deutschland überlässt man nichts dem Zufall. Aber ich glaube, das erwähnte ich bereits.</p>
<p>Angesichts des Schweizer Taschenmessers komme ich jedenfalls nicht drumherum, den Kreis zum Anfang des Textes zu schließen. Sie erinnern sich eventuell noch daran, dass es um das Spiel der Schweiz gegen die Ukraine ging.</p>
<p>Nachdem der Brotbackautomat auf seinem Regal mit dem Wackeln aufgehört hatte, wurde es mir in der Küche wiederum zu langweilig und ich kehrte ins Wohnzimmer zurück. Beim Reinkommen sah ich gerade, wie Grützli auf Pütterli passte, dem versprang der Ball, ein Ukrainer dazwischen, beide liegen, Ball im Aus. Einwurf Schweiz von der Mittellinie. Ein Ukrainer grätscht einen Schweizer um, abgepfiffen. Inzwischen war Verlängerung und es stand noch immer 0:0.</p>
<p>Kommentator Bela Rethy schlug vor, die beiden Strafräume mit Werbebanden abzusperren, das würde keiner der beiden Mannschaften auffallen. Er sehnte das Elfmeterschießen herbei, denn dann würden endlich Tore fallen in diesem Spiel, meinte er. Mit dieser Aussage hatte er sich allerdings sehr weit aus dem Fenster gelehnt, wie man bald fassungslos beobachten konnte. Selbst im Elfmeterschießen versagten die Spieler. Am Ende siegten die Ukrainer und die Schweizer hatten nicht ein einziges Mal das Tor getroffen. Ob ihnen an dieser Stelle ein Schweizer Taschenmesser weitergeholfen hätte, weiß ich nicht. Aber R2-D2, der hätte bestimmt seinen Elfer sicher verwandelt.</p>
<p><b>2. Fahnen an Autos</b></p>
<p>Zu den Besonderheiten der WM 2006 in Deutschland gehört es, dass die Deutschen öffentlich kenntlich machen, welchem Staat sie angehören. Ja, solche Selbstverständlichkeiten sind in diesem Land sehr ungewöhnlich und Journalisten können damit erhebliche Mengen an Textzeilen und Sendeminuten füllen. Vor allem als Intellektueller ergeben sich wunderbare Möglichkeiten, über den Zustand der deutschen Volksseele zu spekulieren. Aber „Volksseele“ würde man wohl nicht sagen, denn das klingt zu sehr nach Nazisprache, trotz all der Volksprodukte der Bildzeitung. Die übrigens hat jetzt einen Aufkleber mit der Aufschrift „Schwarz – Rot- Geil“ herausgebracht, der die WM-Begeisterung der Deutschen in den Alltag tragen soll. Aufkleber für den Aufschwung könnte man sagen. Schon interessant, wie weit man im selbsternannten Land der Dichter und Denker bereits gekommen ist. „Schwarz – Rot – Geil“, für solche ausgefeilten Formulierungen ist die deutsche Sprache erfunden worden. Herzlichen Glückwunsch an uns alle.</p>
<p>Aber davon abgesehen geht es uns doch ganz gut. Das zeigen die Fähnchen an den Autos. An einem Tag habe ich mal mitgezählt: Die deutschen Fähnchen steckten an 10 Autos einer deutschen Marke, außerdem an 15 japanischen, 9 koreanischen, 8 französischen, 8 italienischen, 1 amerikanischen und 1 spanischen Auto. Wobei das mit dem „deutsch“ auch so eine Sache ist, denn Volkswagen beispielsweise werden inzwischen teilweise in Spanien, Tschechien und Brasilien produziert und die Einzelteile kommen sowieso aus fast allen Teilen der Welt.</p>
<p>Die Ansteckfähnchen fürs Auto jedenfalls waren so beliebt, dass die Produktion in Asien einen Zahn zulegen musste. Fleißige Chinesen schoben Extraschichten, damit wir stolz wie Bolle mit den Flatterdingern am Auto durch die Stadt kurven konnten. Vielen Dank an dieser Stelle an die fleißigen Chinesen. In der Regel wird in den chinesischen Fabriken übrigens 12 bis 15 Stunden pro Tag gearbeitet und wer im Monat 70 Euro verdient, gehört zu den Privilegierten. Aber von solchen Details sollten wir uns natürlich nicht die Laune verderben lassen.</p>
<p>Wir haben ja allen Grund zum Feiern. Unser Fußballteam hat es bis ins Halbfinale geschafft und immerhin einen dritten/vierten Platz geholt. Und das mit dem Aufschwung kriegen wir auch hin. Und selbst wenn nicht: Bis runter zu chinesischen Verhältnissen ist es noch ein weiter, weiter Weg. Lasst uns bis dahin alle mindestens einen „Schwarz – Rot – Geil“-Aufkleber aufs Auto kleben. Moment mal: Wo werden eigentlich diese Aufkleber produziert?</p>
<p><b>3. Während des ersten Deutschlandspiels im Baumarkt</b></p>
<p>Während des ersten Spiels der deutschen Mannschaft bei der Fußball-WM 2006 waren meine Freundin und ich in einem Schweriner Baumarkt. Sie glauben gar nicht, wie leer ein solcher Baumarkt sein kann, wenn seine Hauptzielgruppe gerade kollektiv mit einem Fähnchen in der einen Hand und einem kühlen Pils in der anderen Hand vor dem Fernseher sitzt. Das aber eröffnet einem Mann wie mir ganz neue Möglichkeiten: Endlich mal in Ruhe im Baumarkt stöbern. Ein Kollege von mir findet beispielsweise die Baumarktprospekte in der Zeitung immer spannender als die Zeitung selbst. Jedenfalls liest er wesentlich länger in den Angeboten als in dem, was die Journalisten im Schweiße ihres Angesichts und mit viel Mühe zusammengestellt haben.</p>
<p>Und ein bisschen kann ich das auch verstehen. So ein Baumarkt ist wirklich ein Wunderland. So viele verschiedene Sachen. Was man damit alles machen kann! Meistens weiß ich das übrigens nicht. Ich bin ja generell ein unmännlicher Mann und beim Heimwerken besonders.</p>
<p>Eine Bohrmaschine hatte ich schon in der Hand, sogar richtig rum. Ein Loch habe ich ebenfalls bereits gebohrt, genau genommen sogar mehrere, und meist ist das Loch hinterher da gewesen, wo vorher die Bleistiftmarkierung war. Aber wenn ich im Baumarkt bin, erschlägt es mich doch immer wieder. Diese Vielzahl an Bohrern für meinen Bohrer! Toll. So gibt es beispielsweise Bohrer für Stahl und für Beton und für Stahlbeton. Erstaunlich. Woher wissen diese kleinen Dinger, wofür sie zuständig sind? Mich fasziniert sowas ungeheuer. Und dann die richtige Kombination aus Bohrer, Dübel und Haken oder Schraube zu finden: eine Wissenschaft für sich.</p>
<p>Und dann gibt es noch so viele rätselhafte Dinge zu kaufen. Unter einer Metall- oder Holzsäge kann ich mir noch etwas vorstellen. Mit einer Metallsäge sägt man Metall und mit einer Holzsäge sägt man Holz. Aber wofür ist eine Stichsäge? Und wer braucht schon eine Kreissäge? Nur fürs Kreise sägen eine eigene Säge? Oder ein Winkelschleifer. Sobald ich mir mal einen Winkel schleifen will, komme ich zurück und kaufe mir so was, denke ich und mache mir eine Notiz. Mir fällt mal wieder auf: Wir leben doch in einem sehr reichen Land, wenn wir uns solche Spezialgeräte leisten können. Als ich dann noch eine Kettensäge und danach eine Gartensäge entdecke, muss ich mich einen Moment setzen.</p>
<p>Zwischendurch fällt mein Blick auf einen eigens aufgestellten Fernseher: Aha, 2:0. Deutschland hat Angstgegner Costa Rica offenbar fest im Griff. Da kann ich ja weiterstöbern.</p>
<p>Immer wieder ein Highlight ist auch die Gartenabteilung. Von Pflanzen habe ich ebenfalls keine Ahnung, aber ihre Namen sind einen Ausflug in den Baumarkt wert. Vor Krallenastern bekomme ich Angst, Polsterstauden klingen da doch gleich viel gemütlicher. Küchenschelle oder Sonnenhut könnten sogar praktisch sein. </p>
<p>Und was sehe ich da: der Gardena Blumenzwiebelpflanzer mit Auslöseautomatik. „Bequeme Handhabung durch Griff-Auslöseautomatik zum Erfassen und Entleeren der Erde“, lese ich da und den Hinweis: „Mit eingeprägter Tiefenskala.“ Faszinierend. Ich gehe weiter. </p>
<p>Ich lerne, dass ich mit einem Kleingrubber den Boden wurzelschonend lockern und lüften kann. Zum ersten Mal sehe ich, dass Azaleen und Rosen unterschiedliche Erde benötigen – beide Sorten gibt es in sündhaft teuren und erstaunlich kleinen Säcken zu kaufen. Einen Moment verweile ich vor einer Packung Rhododendrondünger und erfreue mich an diesem herrlichen Wort. Ein Lächeln zaubert mir der Bonsai-Dünger ins Gesicht. Wird auch Zeit, dass sich mal jemand der armen Dinger annimmt, denke ich. Wenn man das den Japanern überlässt, bleiben die am Ende noch so klein.</p>
<p>Toll finde ich auch Rasenmäher. Es gibt hier Elektro-Rasenmäher und Benzin-Rasenmäher. Ich frage einen Verkäufer, woran ich erkennen kann, ob ich einen Elektro-Rasen oder einen Benzin-Rasen habe. Leider scheint der junge Mann anderweitig beschäftigt zu sein, denn er lacht nur und geht. </p>
<p>Als wir wieder zu Hause sind, hat Deutschland 4:2 gegen Costa Rica gewonnen. Und ich habe plötzlich das Bedürfnis, mal ein paar Kreise zu sägen. Schade, jetzt hat der Baumarkt schon zu.</p>
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		<title>Herr jati las</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Jun 2006 18:54:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jati</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Top 5: Woran merkst Du, dass Du zu selten ins Theater gehst?
&#038;
Theatertypen

Top 5: Woran merkst Du, dass Du zu selten ins Theater gehst?
5: Du wunderst dich, warum keine Werbung zu Klingeltönen oder zu Infos per Faxabruf unten durchs Bild läuft.
4: Du findest das Bild erstaunlich groß und scharf, aber der Sound ist zu Hause viel [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Top 5: Woran merkst Du, dass Du zu selten ins Theater gehst?</p>
<p>&#038;</p>
<p>Theatertypen</p>
<p><span id="more-37"></span><br />
<b>Top 5: Woran merkst Du, dass Du zu selten ins Theater gehst?</b></p>
<p>5: Du wunderst dich, warum keine Werbung zu Klingeltönen oder zu Infos per Faxabruf unten durchs Bild läuft.</p>
<p>4: Du findest das Bild erstaunlich groß und scharf, aber der Sound ist zu Hause viel besser.</p>
<p>3: Du beschwerst dich lauthals beim Sitznachbarn, dass die Kameraführung ja wohl das Letzte sei.</p>
<p>2: Alle gucken böse, nur weil du mal schnell ein Bier holen und auf Klo willst.</p>
<p>1: Du stellst fest, dass du nicht umschalten kannst.</p>
<p><b>Theatertypen</b></p>
<p><b>Der Schüler</b>: Der Schüler ist dadurch gekennzeichnet, dass er in der Regel in großen Gruppen auftritt und sehr kommunikativ ist. Der Schüler erforscht intensiv die verschiedenen Sitzpositionen, die die Theaterstühle zulassen und auch nicht zulassen. Der Schüler erheitert sich ausdauernd am Flug der Spuckefäden aus dem Mund des Hauptdarstellers.</p>
<p><b>Der Abiturient</b>: Im Gegensatz zum normalen Schüler ist der Abiturient freiwillig im Theater, jedenfalls soweit es innerhalb unserer Gesellschaft überhaupt eine Freiwilligkeit gibt, was der Abiturient wortreich abstreiten kann. Die Kleidung ist second hand, aber schmerzhaft perfekt aufeinander abgestimmt. Vor dem Stück steht der Abiturient mit den anderen Vertretern seiner Art in einem kleinen Kreis zusammen und diskutiert Lösungen für den Nahost-Konflikt.</p>
<p><b>Der Kritiker</b>: Der Kritiker ist gut zu erkennen an seinem wissenden bis gelangweilten Blick und seinem spitzen Bleistift samt Notizblock. Zudem schüttelt er auffallend oft seinen Kopf und beschäftigt sich demonstrativ während eines dramaturgischen Höhepunkts auf der Bühne mit dem Inhalt seiner Sakkotaschen.</p>
<p><b>Der eigentliche Kritiker</b>: Im Gegensatz zum Kritiker ist der eigentliche Kritiker derjenige, der hinterher wirklich etwas über das Stück schreibt. Er ist in all den Jahren seiner Arbeit eins mit dem Theater geworden und daher praktisch unsichtbar. Weder von seinem Kommen, noch von seiner Anwesenheit, noch von seinem Gehen nimmt jemand Notiz &#8211; natürlich abgesehen vom Regisseur und den Schauspielern. Die versuchen verzweifelt, wenigstens diesmal an seiner Mine den Tenor seines Textes zu erahnen.</p>
<p><b>Der Amateur</b>: Der Amateur ist heute das erste Mal im Theater. Er fällt auf, weil er sich vor allem mit der Architektur des Entrée des Gebäudes auseinandersetzt und mit spöttischem Blick auf die Abiturienten zeigt. Der Amateur ist kurz vor Beginn der Vorstellung im dritten Rang links und wird von der Theaterangestellten freundlich darauf hingewiesen, dass seine Karten für den vierten Rang rechts sind. Zudem dürfen die Taschen nicht in den Saal mitgenommen werden.</p>
<p><b>Der Fortgeschrittene</b>: Der Fortgeschrittene kennt sich bestens aus und ist in den eigenen Augen der eigentliche Profi (s.u.). Der Fortgeschrittene legt sofort seine überzählige Kleidung ab, holt sich einen Rotwein und kauft das Programmheft. Ab diesem Zeitpunkt wird in zentraler Lage im Eingangsbereich des Theaters über das Kommende diskutiert, vorzugsweise mit Amateuren.</p>
<p><b>Der Profi</b>: Der Profi braucht kein Programmheft, weil er das Stück sowieso bereits mehrere Male an verschiedenen Theatern der Welt gesehen hat. Rotwein hat er zu Hause getrunken oder heimlich ein Bier. Diskutiert wird gar nicht, stattdessen reichen wissende Blicke und kurze ellipsenhafte Verweise auf frühere, ähnliche Theatererlebnisse.</p>
<p><b>Der Rentner</b>: Der Rentner trinkt und kauft nichts, beschwert sich dafür über den schon wieder gestiegenen Preis seiner verbilligten Eintrittskarte. Tritt er in großen Gruppen auf, gehört er zur Untergruppe der &#8220;Rentner von außerhalb&#8221;, Stichwort: Seniorenbelustigung. Ist der Rentner von jüngeren umgeben, hat ihn seine Familie ins Theater verschleppt, meist in der irrigen Annahme, Opa oder Oma kenne das ja noch von früher und freue sich bestimmt. Im Grunde ist der Rentner froh, wenn er wieder in Puschen vor dem Fernseher sitzen darf und ihn die ganze Bagage wieder in Ruhe gelassen hat.</p>
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		<title>Am Ort des Geschehens</title>
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		<pubDate>Fri, 26 May 2006 16:46:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jati</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einblick]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor einigen Tagen haben wir uns den Raum im Speicher angesehen, in dem &#8220;Schmalz und Marmelade&#8221; am 25. Juni das erste Mal stattfinden wird. Wo sitzen wir? Wo sitzt das Publikum? Und wo sitzt eigentlich der Gast?
Hier die Fotos, geknipst per Handy &#8211; also bitte nicht wundern.





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			<content:encoded><![CDATA[<p>Vor einigen Tagen haben wir uns den Raum im Speicher angesehen, in dem &#8220;Schmalz und Marmelade&#8221; am 25. Juni das erste Mal stattfinden wird. Wo sitzen wir? Wo sitzt das Publikum? Und wo sitzt eigentlich der Gast?</p>
<p>Hier die Fotos, geknipst per Handy &#8211; also bitte nicht wundern.</p>
<p><span id="more-8"></span></p>
<p><img src="http://www.schmalzundmarmelade.de/wp-content/uploads/2006/05/060526-speicher-01.jpg"></p>
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