Raten: Andersen Storm las und sang
Absolut ungebraucht, neu, gewissermaßen.
Muss stimmen, sonst lassen (Ukulelen-Blues)
Raten vs Roggen
Absolut ungebraucht, neu, gewissermaßen.
Dieser Satz kam von allein, direkt aus dem Gehirn, Zwischenhirn, denke ich gerade, keine Ahnung was das soll, in die Finger, auf die Tastatur, in den Computer, in das Programm, in den Text. Dieser Satz wollte ausgedruckt sein, die Qualitätskontrolle passieren, in einem Text in ein Programm eingebaut an die Zuhörer kommen. Dort wollte er, vermutlich ungeprüft, direkt in die Gehirne der anderen. So verhalten sich keine Sätze. So verhalten sich Parasiten. So verhalten sich Schädlinge, Schadprogramme, Computerviren. Dieser Satz wollte gar nicht viel Aufhebens um sich machen, er wollte schnell und effizient sein Ziel erreichen, sein neues Zuhause, in einem , in vielen anderen Hirnen.
In Wahrheit war er ja nicht einmal ein Satz, eher eine Wortgruppe mit dem Anflug einer Beschreibung, einer Umschreibung und ihrer Relativierung. Absolut ungebraucht, neu, gewissermaßen.
Warum will sich so ein Nichtsatz verbreiten? Es ist nicht davon auszugehen, dass er in den Hirnen der Zuhörer verschwinden und nicht wieder auftauchen wollte. Möglich ist es schon, aber es macht irgendwie keinen Sinn. Wozu dann die ganze Mühe? Viel wahrscheinlicher ist es doch, dass der, ich nenne ihn weiter Satz, des besseren Verständnisses wegen und weil es einfacher ist für mich, Satz die nächstbeste oder auch nächstgünstigste Möglichkeit suchte, aus den Zuhörerhirnen weiter zu kommen in immer neue Wirtshirne und vielleicht auch in neue Landschaften, Landkreise, Länder, Kontinente, vielleicht – aber das ist jetzt müßig darüber zu spekulieren – sogar über den Erdball hinaus, im Hirn eines Weltallisten, Kosmo- oder Astronauten, oder einer automatischen Sonde des SETI-Projektes.
Vielleicht korrespondiert dieser Satz ja sogar heimlich mit anderen. Jetzt schaudert es mich. Werde ich benutzt von einer fremden Macht, die mir Sätze aus dem Kopf, ungeprüft, direkt in die Finger, die Tastatur usw. (siehe oben) eingibt? Werde ich zum reinen Objekt der Textverbreitung, ohne den Sinn zu erfassen, zu kennen, zu begreifen? Wird meine Darstellungswut – ich sage nicht Sebstdarstellungswut, dieser Text ist mir so fremd, jedenfalls in Teilen, Satzteilen – die ich in Form der Podcasterei und der Mitgliedschaft in dieser Lesebühne auslebe, ausgenutzt, um, ja um was eigentlich zu tun?
Sätze zu verbreiten, ohne Sinn und Verstand, soviel scheint klar zu sein.
Vielleicht gibt es noch mehrere solcher Sätze, die ähnlich meines Satzes, der eher durch mich hindurch, als durch mich auf diese Bühne kommt, die Köpfe eines bestimmten oder einer Gruppe von Menschen erreichen wollen, um sich dort zu etwas größerem zusammenzusetzen. Zu einem Text, wohlmöglich, zu einem ungewöhnlichen, außergewöhnlichen Text, mit einem ganz erstaunlichen Inhalt: Den kenn ich nicht. Das wäre zuviel verlangt von mir. Ich bin doch bloß der Bote. Ich überbringe diesen einen Satz, der eigentlich kein Satz ist, ohne etwas über ihn zu wissen, oder darüber, warum er existiert, mich als Boten wählte, oder genau zu Ihnen wollte.
Das müsste Ihnen doch jetzt zu denken geben. Will der Satz zu mir, also zu Ihnen? Hat mich, also Sie, eine fremde Macht verleitet heute hier zu sein? Sind da noch andere Sätze, die schon auf diesen warten? Was ist ihre Quintessenz, also deren? Was ist ihre Struktur? Ergibt sich da ein Sinn, ein Motiv, eine Idee? Nein? Dann stecken Sie jetzt ganz gehörig in der Zwickmühle.
Wollte der Satz nicht zu Ihnen, sondern durch sie hindurch zu anderen, können sie das, mit dem Wissen, dass sie jetzt durch mich erhalten haben, unter Umständen verhindern! Wozu?! Haben sie sich mal gefragt, ob der Satz nicht vielleicht sogar Teil einer Verschwörung sein könnte – gegen wen auch immer? Könnte er nicht, da er offensichtlich nichts Böses bedeutet, wenn er überhaupt etwas bedeutet – ich kann das an dieser Stelle noch nicht beurteilen: Absolut ungebraucht, neu, gewissermaßen, nein, das bedeutet für sich nichts und für mich auch nicht – könnte er nicht trotzdem Teil eines besonders bösen Unheils sein?
Sie werden mir zustimmen, ja, könnte er, kann man nicht wissen. Ergo müssten Sie den Satz unbedingt für sich behalten, bzw. ihn den Sicherheitsbehörden ausliefern, wenn Sie sich komplett lächerlich machen wollten.
Es hat ja immer auch ein Aber. Aber wenn der Satz zu etwas Gutem beiträgt? Vielleicht nicht direkt, vieleicht indirekt, über einen ganz raffinierten Plan um tausend Ecken hinweg? Über einen Plan, der Sie und mich zu Komplizen macht, obwohl wir beide alle gar nichts dafür können! Einen Plan der mich erstaunen lässt, welche Zeilen zu diesem Satz wie von selbst aus mir herausfließen mussten, um sich zu einem Text zu formieren, der den Weg hierher gefunden hat, mit schlafwandlerischer Leichtigkeit die Hindernisse komplex und dennoch gradlinig genommen hat, um uns hier zu komplizieren, also zu Komplizen zu machen.
In ihrer Haut möchte ich jetzt nicht stecken. Wie wollen Sie das entscheiden? Vielleicht retten Sie die Welt, mit einem Satz?! Vielleicht aber auch helfen Sie die Welt zu vernichten, mit diesen vier, jedem für sich belanglosen, Worten: Absolut ungebraucht, neu, gewissermaßen?
Lösen wir das Problem doch beiläufig, als würde es nichts bedeuten. Das können wir tun, da wir ja nicht sicher wissen, welches die geltende Bedeutung ist. Streuen Sie den Satz einfach in irgendein Gespräch mit jeder Person, der Sie in den nächten Tagen begegenen. Dann haben Sie ihren Teil erfüllt, sind den Satz los und niemand kann Ihnen Vorsätzlichkeit vorwerfen.
Wie auch, wenn Sie einen Satz wie diesen sagen: Guten Morgen, der Tag ist absolut ungebraucht, neu, gewissermaßen. Oder vielleicht diesen: Ich nehme fünf Brötchen und ein halbes Weißbrot, absolut ungebraucht, neu, gewissermaßen. Ok, ich gebe zu, das waren keine wirklich guten Beispiele, aber ein bisschen müssen sie sich auch mühen, immerhin lösen wir ja hier Ihr Problem, ein Problem, von dem sie bis eben noch nicht einmal ahnten, dass Sie es haben würden, absolut ungebraucht, neu, gewissermaßen, das Sie allerdings auch auf spielerische Weise wieder los werden können.
Wie ich gerade. Vielen Dank.
—
Muss stimmen, sonst lassen
Ein Satz muss stimmen, / sonst kannst du den auch lassen.
Was soll das heißen, / du liebst mich so wie ich bin?
Es wäre gut / ich könnt an deiner Liebe wachsen.
So wie ich jetzt schon bin, / das krieg ich selber hin.
Ein Bild muss stimmen, / sonst kannst du das auch lassen.
Was soll das heißen, / du bist so heiß wie ein Vulkan?
Spuckst du jetzt Feuer, / rauchst meinen Himmel voller Asche?
Oder liegst du einfach nur so da/ und drohst mir, dann und wann.
Ein Bild muss stimmen, / sonst kannst du das auch lassen.
Was soll das heißen, / ich geh dir auf den Geist?
Kann sein er ist da, / vielleicht ist er ja nur zu klein,
denn wär er groß genug,/ würde ich drauf stehn
und könnte auch drauf gehen.
Ein Satz muss stimmen, / sonst kannst du den auch lassen.
Was soll das heißen, / ich mach dich lächerlich?
Ich mach dich gern, / das muss dann aber auch reichen.
Dich lächerlich machen, / nein, das mach mal schön allein.
Ein Bild muss stimmen, / sonst kannst du das auch lassen.
Was soll das heißen, / wir wachsen zusammen?
Ich hoffe mehr so in dem Sinne / von gemeinsam,
denn zusammenkleben du und ich / nee, lass mal, besser nicht.
—
Raten vs Roggen
folgt demnächst


6. November 2010 um 14:42
[...] und man kann den Test ja beliebig oft wiederholen. War aber schon ein eigener Text, der hier: http://www.schmalzundmarmela.de/2010/06/13/…; und zwar der dritte und vierte Absatz! Kafkaesk! AKPC_IDS += [...]