Advent: Herr thom* sang und las

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Interview mit dem Weihnachtsmann

Advent im Dorf am Ende der Straße

Die Rückgängig-Taste
Ich möchte eine Rückgängig-Taste Steuerung Z oder Apfel Z je nach System
eine Rückgängig-Taste, die immer geht, eine Rückgängig-Taste fürs wirkliche Leben

Die hätte ich gedrückt noch in der Heiligen Nacht, als Du so wütend warst auf mich. Ich hatte Dir einen Auftritt geschenkt in einer Stylingshow im Fernsehen. Ich hatte gedacht in so einer Stylingshow würdest Du Dich wohlfühlen. Und hinterher würde mich ganz Deutschland um Dich beneiden. Und eine Visitenkarte hatte ich dazu gelegt von einem Schönheitschirurgen in Hamburg. Da wären wir dann erst zum Phantom der Oper gegangen und dann hätte ich Dich da abgegeben. Und später wieder abgeholt. Ist doch Ehrensache…

Doch irgendwie muss bei dir da der Eindruck entstanden sein, ich fände dich nicht mehr so schön wie am ersten Tag. Dabei dacht ich doch nur, dass eine Frau von heute, dass eine selbstbewusste und glückliche Frau sowas mag…

Und deshalb möchte ich gern eine Rückgängig-Taste Steuerung Z oder Apfel Z je nach System
eine Rückgängig-Taste, die immer geht, eine Rückgängig-Taste fürs wirkliche Leben

Und manchmal hätt ich gern drei Knöpfe, drei Knöpfe fürs wirkliche Leben
mit denen ich wählen kann zwischen „abbrechen“ „überspringen“ oder „ok“

Und wenn mein Chef dann vor mir steht und sagt, Herr thom*, Sie sind mein bestes Pferd im Stall. Dann wiehere ich kurz und bestätige mit ok. Aber wenn das Finanzamt kommt und Geld will, dann drück ich überspringen. Und dann kommen die, so meine Theorie erst im nächsten Jahr wieder. Und wenn mich Gliederschmerzen plagen und Du mich beiläufig fragst ob wir schlafen gehen. Dann muss ich nur abbrechen drücken und schon ist die Situation gerettet.
Aber vielleicht bist Du ja dann die ganze Nacht lang gekränkt. Und am morgen so sauer wie ein Tagebausee in der Lausitz. Dann muss ich vielleicht ein wenig improvisieren. Und es doch noch einmal mit dem ersten Geschenk probieren

Mit meiner Rückgängig-Taste Steuerung Z oder Apfel Z je nach System
eine Rückgängig-Taste, die immer geht, eine Rückgängig-Taste fürs wirkliche Leben

Was ich mir auch gut vorstellen könnte, wäre eine Suchfunktion für meine Wohnung
Also jetzt nicht für die Wohnung selbst, die finde ich in der Regel ganz gut, vielmehr für die Sachen die da drin sind. Dann wärs auch gar nicht mehr schlimm, dass Du immer alles vermöhlst. Natürlich Du jemand anders räumt bei uns ja nicht auf. Was soll das heißen ich sei faul, was willst du denn damit sagen… Ich mach gleich das Fenster auf und dann kannst du ja mal zeigen, was du mit dem Besen drauf hast. Flieg davon Herzallerliebste flieg davon…. Dein Besen ist gesattelt, folge nur dem Luftballon

Gottseidank hab ich die Rückgängig-Taste Steuerung Z oder Apfel Z je nach System
eine Rückgängig-Taste, die immer geht, eine Rückgängig-Taste fürs wirkliche Leben

Ich fand Deinen Setzkasten schon immer blöd und das Geschirr von Deiner Mutter, das ist eine Zumutung. Als wären Deine Kochkünste noch nicht abschreckend genug, muss ich auch noch von gepunkteten Tellern essen. Nur weil Deine Mutter mit diesem Töpferamateur liiert ist und Du nicht nein sagen kannst. Und das mit der Zahnpastatube, das hab ich Dir auch noch nie gesagt, also hör her – ich hasse es, wenn Du den Deckel nicht wieder drauf machst, ich hasse es, denn dann kommt am nächsten Morgen statt Zahnpasta ein trockener Klumpen aus der Tube, das ist eklig, das ist Verschwendung, das muss nicht sein, dafür hasse ich Dich ich könnte wahnsinnig werden, Gottseidank ist das endlich raus…

Gottseidank hab ich die Rückgängig-Taste Steuerung Z oder Apfel Z je nach System
eine Rückgängig-Taste, die immer geht, eine Rückgängig-Taste fürs wirkliche Leben

Aaaaauuuuuu

Interview mit dem Weihnachtsmann
Fragenfrager
Herzlich willkommen zurück, das war Wham mit Last Christmas und nun habe ich einen ganz besonderen Gast hier an meiner Seite, den Weihnachtsmann, Guten Abend und herzlich willkommen.

Weihnachtsmann
Danke. Ich freue mich hier zu sein.

Fragenfrager
Lieber Weihnachtsmann, ich weiß, Ihr Beruf lebt von Geheimnissen, aber dennoch möchte ich mich gleich am Anfang ein wenig vorwagen in ihre Kindheit… Erzählen Sie mir von ihrem Vater…

Weihnachtsmann
Mein Vater war, wie soll ich sagen, mein Vater war ein einfacher Mann. Der war selbst aufgewachsen in vorweihnachtlichen Verhältnissen, in einem kleinen Dorf zwischen Sternberg und Parchim. Seine Eltern, also meine Großeltern, die haben noch im Stall geschuftet damals, Ostereier bemalt. Das war ein hartes Brot… Morgens ganz früh gings raus und Feierabend war erst, wenn die letzten Eier von der Stiege waren. Es gab ja eine Menge Osterhasen damals, die ihre Mitarbeiter wie Sklaven behandelten. Gerade hier in Mecklenburg… Woanders da konnten die ihre Wunschzettel schon ganz offen schreiben, und hier war faktisch ja noch Leibeigenschaft. Mein Großvater hat mal erzählt, dass er seine Geschenke noch in den 30er Jahren suchen musste… Naja, ich wills kurz machen, als das dann endlich vorbei war mit den Osterhasen und ihren zweifelhaften Ritualen, da hat mein Vater denn auch zur Schule gehen dürfen. Er hat dann in einer Schleifenfabrik angefangen, als Binder und hat sich hochgearbeitet. Am Schluss hat er die Weihnachtsfeiern organisiert.

Fragenfrager
…so dass ihnen ihr Beruf quasi in die Wiege gelegt wurde?

Weihnachtsmann
Wenn Sie so wollen, ja. Wobei ich zugeben muss, dass es nie mein Traumberuf war. Als Kind, da wollte ich immer Sandmann werden, das ist ja so ein klassischer Kindertraum… Später da hab ich aber dann die Musik für mich entdeckt. Ich hab im Chor der Engel mitgesungen, ich hab Laute gelernt und Harfe, wir haben das Weihnachtsoratorium aufgeführt und den Messias, aber dann bin ich etwas aus der Form geraten. Naja und irgendwann nahm mich dann mein Chorleiter beiseite und meinte, ich würde die Proportionen stören, also optisch. Engel sind ja eher zart, wissen Sie. Ich hab dann eine Weile nur rumgehangen und Mist gebaut – hab mein Rentier tiefer gelegt und bin illegal Rennen gefahren… hab heimlich Eier geschlürft und Osterwasser gesoffen… Naja was man so macht… Und dann ist mir irgendwann im Rausch mein Vater erschienen, und der hat gesagt, Junge, Dir wird nichts geschenkt. Ja und da hats dann Klick gemacht. Ich habs dann erst ein paar Monate als Sack probiert, aber da fühlte ich mich unterfordert und dann hat mein Abteilungsleiter gesagt, wir brauchen einen Weihnachtsmann, traust Du Dir das zu. Na und da bin dann hängen geblieben…

Fragenfrager
Was wünscht sich eigentlich ein Weihnachtsmann vom Weihnachtsmann?

Weihnachtsmann
Sehr witzig.

Fragenfrager
Hat ihre Mutter so gar nichts zu ihrem beruflichen Werdegang beigetragen?

Weihnachtsmann
Von meiner Mutter hab ich den Bartwuchs… Nein im Ernst. Meine Mutter ist eine zauberhafte Frau. Wenn ich sie besuche und nicht einschlafen kann, dann bringt sie mir noch heute eine von ihren fantastischen Weihnachtsgänsen ans Bett…. Sie hat immer an mich geglaubt und es gab nach ihr nie wieder eine Frau in meinem Leben.

Fragenfrager
Sie leben keusch?

Weihnachtsmann
Ich lebe in einer ehe-ähnlichen Gemeinschaft.

Fragenfrager
Sie sind homosexuell? Rot alleine reicht ihnen wohl noch nicht?

Weihnachtsmann
Das ist hochgradig albern und wenn Sie so weiter machen, sehe ich, was Geschenke betrifft, für Sie schwarz.

Fragenfrager
Sie haben Recht, es ist mit mir durchgegangen. Wie muss ich mir ihren Alltag vorstellen?

Weihnachtsmann
Einmal im Jahr reise ich durch die Welt – in der Regel aber ist das ein ganz normaler Innendienst. Gleitzeit.

Fragenfrager
Jetzt haben Sie aber angefangen…

Weihnachtsmann
Bitte?

Fragenfrager
Wenn Sie für einen Tag Chef sein dürften, also so richtig oberster Chef, Gott meinetwegen, wenn Sie es so nennen wollen, was würden Sie verändern?

Weihnachtsmann
Ich würde einiges verbieten – zum Beispiel, dass Kinder Weihnachtsgedichte aufsagen müssen bevor sie ihr Geschenk kriegen. In letzte Zeit wird auch immer häufiger Blockflöte gespielt, ich weiß nicht, ob Sie sich vorstellen können, was das für mich bedeutet. Ich würde auch die Weihnachtsaufführungen in Schulen und Kindergärten verbieten, das ginge bei vielen Eltern sicher sogar als Geschenk durch. Und den Zeitungen würde ich die Glühweintests untersagen und die Plätzchentests und die Weihnachtsmarkttests und die Mutzentests und die Rostbratwurttests. Ich würde alle Kirchenbänke durch Couchen ersetzen und im Dezember hätten immer alle frei. Und ich würde eine Sache ungeschehen machen. Last Christmas von Wham.

Fragenfrager
Vielen Dank!

Advent im Dorf am Ende der Straße
Als Weihnachten naht im Dorf am Ende der Straße besinnt sich Vadder Theser der Kraftstromanschlüsse, die in jeder Scheune im Ort verlegt sind. Er schlurft in sein Glühbirnenlager, das hatte er eingerichtet, als das Gerücht umging, die Glühbirnen würden verboten, und zählt. Es sind genau 716 Stück. Dazu die Baustrahler vonner alten LPG und die Scheinwerfer von dem Theaterheini, der vor zwei Jahren versucht hatte hier heimisch zu werden, es aber nicht wurde, weil er es sich schon am ersten Tag mit Vadder Theser verscherzt hatte, was nicht einfach ist, denn Vadder Theser ist ein gutmütiger Mann, aber ein gutmütiger Mann, der es auf den Tod nicht ausstehen kann, wenn jemand das Maul aufreißt am ersten Tag, der Theaterheini jedenfalls ist dann wieder weggezogen, hat aber die Scheinwerfer dagelassen.

Die Scheinwerfer und die Baustrahler und die 716 Glühbirnen, das sollte reichen, denkt Vadder Theser und dass es noch gar nicht lange her ist, dass sie da Straßenlaternen angeschraubt haben an die Strompfähle. Da schwirrten dann sommers die Viecher rum und von da wo die Landstraße einen Knick macht und die Dorfstraße abzweigt an allen Häusern entlang war es taghell mitten in der Nacht. Vadder Theser hatte damals extra Rollos gekauft. Irgendwann aber hat die Gemeinde dann Kassensturz gemacht und von fortan brannte nur noch jede zweite Laterne. Dann kam die Finanzkrise und nun ist es wieder dunkel, wie es sein soll nachts und die Theserschen Rollos bleiben oben. Die Nachbarin tottert zwar darüber beim morgendlichen Hofgespräch, sie in blauer Schürze und in Gummischlappen tottert, das gehöre sich nicht wenn da jeder reingucken kann, aber Vadder Theser denkt nur daran, dass er ja sogar vor dem FKK nicht gekniffen hatte, 1974 beim Brigadeausflug, und es nun auch nicht mehr drauf an kommt…

Is dein Heino schon duhn, oder kann der noch, fragt Theser. Die Nachbarin guckt aufs Küchenfenster, hinter der Scheibe auf dem Fensterbrett steht eine Flasche, sie ist voll. Vadder Theser geht rein und verlässt das Haus erst wieder, als die Nachbarsfrau fragen will, ob er zum Mittag bleibt. Nein. Zum Mittag will Vadder Theser gewiss nicht bleiben, was nicht an der Gesellschaft liegt, sondern an den Katzen, die durch die Küche streifen wie hochwohlgeboren und die Vadder Theser riechen kann schon an der Haustür und im Flur und im Bad und in der Küche erst recht. Wenn es etwas gejaucht röche, der Vadder ertrüge es, aber Katzen, die riechen wie nur Katzen riechen und bei jeder Kartoffel hätte er das Gefühl von Haaren im Mund, bei jeder Kartoffel neu.

Am nächsten Morgen bringt Heino einen Schaltplan. Auf einem kleinkarierten Block hat er das Dorf eingezeichnet und dicke Kugelschreiberstriche gehen kreuz und quer. Am Kirchturm laufen sie zusammen. Vadder Theser steckt den Plan ein und tritt das alte Fahrrad zur Kirche hin. Bis zum Ende der Straße lässt er rollen, dann kommt der Feldweg durch den Gutspark, die Grundmauern des Gutshauses bleiben rechts liegen und da, wo der Weg sandiger wird und in einer Kurve hinanführt, steigt Vadder Theser ab und schiebt die letzten Meter bis zur Eisenpforte in der Feldsteinmauer. Beim Pfarrer gibt es den Kaffee koffeinfrei und aus dicken Töpfertassen.

In den folgenden Tagen besucht der Pfarrer den Bürgermeister und der Bürgermeister den Chef der LPG und der Chef der LPG fährt in die Kreisstadt zu den Stadtwerken und auf dem Rückweg macht er bei Vadder Theser halt. Er holt sich das Schweißgerät und die Maske mit dem dunkelblauen Glas in der Mitte, seinen Zaun will er schweißen, da ist ihm neulich die Nachbarsfrau reingerauscht. Die hat zu sehr auf das Schlafzimmerfenster geachtet, vermutet Vadder Theser, doch das will der LPGer nicht bestätigen. Dafür legt er den Schaltplan auf den Tisch und sacht, der Vadder soll mal morgen in sein Büro kommen. Und den Heino den soller gleich mitbringen, jedenfalls wenn er nicht duhn ist, und denn kommt noch der Betriebselektriker und gut, sacht der LPGler und als er gegangen ist kriecht Vadder Theser auf den Heuboden und kramt zwischen Büchern, Puppengeschirr und Rollschuhen die bunte Partylichterkette hervor. Als er die Kabel am Zaun des Zwingers entlang windet sacht er zum Hund: Der Anfang ist gemacht.

Ein paar Tage später hängen 716 Thesersche Glühbirnen die Dorfstraße auf und ab. Und noch einmal 900 fremde. Die Scheinwerfer sind auf den Ställen montiert und machen die Felder hell, die Baustrahler leuchten den Kirchturm an, direkt die Mauern hoch, dass die Feldsteinen Schatten schlagen. Oben im Glockenstuhl steht Vadder Theser wie ein Kapitän auf der Brücke steht und in die Ferne stiert. Nur das Fenster ist nicht weit und gläsern sondern wehrkirchenschmal und kein Steuerrad hat der Vadder unter den Händen, sondern ein Schaltpult, das hatte einmal die Melkmaschinen befehligt im alten Kuhstall, jetzt konnte der Vadder ein Lauflicht damit zaubern die ganze Dorfstraße entlang.

Am nächsten Abend kommt die Zeitung und macht ein Foto, an den folgenden drei Abenden dreht das Fernsehen für eine 40-Sekunden-Nachricht. Und die Zeitung, das Fernsehen und das Radio drängen sich unter den Lichtern, als etwas später ein Sportflieger nahezu unbeschädigt am Ende der Dorfstraße zum Stehen kommt. Doch da hatte Vadder Theser das Schaltpult schon auf Automatik umgestellt, war nach Hause geradelt und hatte die Rollos heruntergezogen.


 
 
 

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