Terminschwierigkeiten: Herr ivalo las
Berlin Hauptbahnhof
und
Mit dem Universum Reisen
Berlin Hauptbahnhof
Berlin ist groß. In Berlin ist alles groß: die Stadt, die Straßen, die Häuser, der Bahnhof. Vor allem der Bahnhof. Er hat fünf Ebenen mit Geschäften, Imbissen, Werbetafeln, Kaffeestuben, Servicepoints, Reisecentern, Fast-Food-Ketten, ach so: und Bahnsteigen. Doch, Bahnsteige hat er auch. Gaaanz oben und gaaanz unten. Wenn man gaaanz oben steht kann man die ipsi-mini Züge unten sehen. Die Ebenen sind mit Fahrtreppen und Aufzügen verbunden.
Eines Sonntags wollte ich aus unserer großen Bundes- in unsere kleine Landeshauptstadt reisen. Mit der Regionalbahn um 17:23 Uhr, weiter nichts. Gemeinsam mit meinem Fahrrad betrat ich das Bahnhofsgebäude um 17:11 Uhr, orientierte mich schnell und war um 17:16 Uhr im Besitz einer Fahrkarte. Kein Ding für einen Bahnfahrprofi, wie mich.
Das Gleis und ein Aufzug, der mich ins Untergeschoss bringen sollte waren auch schnell gefunden. Super. Knopf drücken. Tür schon zu, Aufzug fährt los ohne mich.
Mist. Zum Nachbaraufzug gehen? Warten? Warten.
Um 17:19 Uhr war der Aufzug wieder da, ich rein. Unten sehe ich durch den Vollglaskäfig meinen knallroten Doppelstöcker ins Gleis einfahren. Der Aufzug fuhr – hinauf! OG1, Türen öffnen, Aussteigen, Einsteigen, Türen schließen, OG2, Türen öffnen, Aussteigen, Einsteigen, hallo, macht mal hinne, Türen schließen, 17:21 Uhr, das darf doch jetzt nicht sein, he, nicht auf alle Knöpfe drücken! OG1, raus, rein, EG, raus rein, 17:22 Uhr, UG1, raus rein, 17:23 Uhr, 12 Meter unter mir die Schaffnerin, Pfeife im Mund schaut auf die Uhr, nein! Endlich ganz unten, UG2, ich raus, renne zur Waggontür, Fahrradabteil? Egal! Nicht zumachen!!
Tür schließt, Zug fährt ab. Puls auf 190, ich außer Atem von 40 Meter Aufzugfahren in 4 Minuten 30.
Da stehe ich, just aus Gefangenschaft befreit, vollgepumpt mit Adrenalin, unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen. Schlimmes Fluchwort leise. Schlimmeres Fluchwort laut. Nicht mit mir! Nicht so! Ich drücke irgendwelche Knöpfe von Informationsfernsprechsäulen und höre Warteschleifentöne. Aber was sollte ich auch sagen?
Durchatmen.
Servicepoint. Der nächste Zug nach Schwerin. Was 20:25 Uhr? Das ist in 3 Stunden! Oder EC um 19 Uhr nochwas, Fahrrad aber nur vielleicht. Wie vielleicht? Na, hingehen, fragen. Ne, oder? Ich will Genugtuung, Schadensersatz, Entschuldigung für die Umstände, die unser lahmer Aufzug Ihnen bereitet hat, hier Reisegutschein, Herr Stammkunde, so was will ich hören! Nicht bloß Achselzucken.
So. Noch ein letztes Mal Fluchwort Deutsche Bahn und dann egal!
Ich gehe in den Imbiss was essen, dann in den Snackpoint was trinken und danach in eine Kaffeelounge. Hab ja 3 Stunden Zeit, die mach ich mir jetzt richtig nett!
Mit dem Universum Reisen
Dieser Text steht mit hübschen Bildern dabei auch auf meinem Blog. Ich erlaube mir einfach mal, den Beitrag hier lediglich zu verlinken.


8. November 2009 um 20:35
Tja, das Thema Aufzug im Berliner Hauptbahnhof mal wieder.
Die Aufzüge, liebe Damen und Herren, tun nur das, was der Mensch ihnen befiehlt. Wenn einsteigende Menschen, und das schreiben Sie ja selbst in Ihrem Text, einfach mal alle Knöpfe drücken, dann hält der Aufzug eben in jeder Etage. Das funktioniert überall so. Des Weiteren fährt er die Etagen nach der Reihenfolge ab, das heißt: Wer zuerst drückt, mahlt zuerst.
Die Aufzüge in diesem Bahnhof werden oft missbraucht. Da wird gedrückt und dann nach zwei Sekunden weggelaufen, der Aufzug aber hält trotzdem in der Etage. Es fahren Leute spazieren und drücken wie verpeilt alle Knöpfe, wodurch andere wieder warten müssen. Und die Leute kommen zT beim Ein- und Aussteigen nicht aus der Hüfte.
Fazit: Es sind nicht die “lahmen Aufzüge” schuld oder die Bahn, sondern alleinig Ihre Mitmenschen, und bei denen lassen Sie bitte auch Ihre (berechtigte) Wut.
Und wenn Sie mal Zeit haben, beobachten Sie doch einfach mal das Geschehen im Bahnhof, von einem Punkt aus, wo Sie alle Etagen überblicken können. Beobachten Sie mal, wie schnell es zu Wirrungen und Kettenreaktionen im Bereich der Aufzüge kommt, da reicht schon ein dummer Mensch, der nicht weiß, wie man mit so ‘nem Ding umgeht, und das zieht alle Anderen mit hinein, die zum jeweiligen Zeitpunkt auf den Aufzug angewiesen sind. Ich weiß, wovon ich rede, ich erlebe es täglich.
Beste Grüße, mit Hinweis auf den “World Usability Day” am Donnerstag, mit Workshops im Hauptbahnhof.
9. November 2009 um 06:24
Mal so theoretisch gedacht: Wenn eine Software so gebaut ist, dass nur wenige Fehlbedienungen zu einem allgemeinen Chaos führen, dann wär die Software Schrott und die Programmierer müssten nachsitzen…
Und bei einem so komplexen System wie dem Berliner Hauptbahnhof soll das anders sein? Mh.
9. November 2009 um 19:17
Danke für die Reaktion. (Die ich zunächst für ein offizielles Statement des Bahnhofsmanagements hielt, es aber nicht ist)
Dennoch muss ich, auch wenn der Ärger spontan und nach einer Weile verflogen war, nüchtern und mit Abstand sagen: dieser Bahnhof wurde nicht unter der Vorgabe reise-/zugangsfreundlich, sondern unter wirtschaftlichen Aspekten geplant.
Gut. Ist heute halt so.
Aber: es gibt Aufzüge (das ist meiner Meinung eher die Regel als die Ausnahme), die nur anhalten, wenn die entsprechende Richtung gedrückt wurde und anzeigen, ob das der Fall ist. Sollte dort jemand 4 Minuten vor mir die Richtung “aufwärts” gedrückt haben (was ich nicht erkennen konnte) kann ich verstehen, dass sie/er die Rolltreppe nimmt, anstatt zu warten, oder? Missbrauch kann ich da nicht erkennen.
Hier den Fehler beim Benutzer zu suchen ist schon sehr technikverliebt.
Die Begebenheit ist minutiös so passiert, die Schilderung literarisch zugespitzt.
9. November 2009 um 23:20
Wie gesagt, nehmen Sie sich mal Zeit und beobachten Sie.
Alternativ auch einfach mal Aufzug fahren (ohne selbst was zu drücken), treiben lassen, schauen, wer so alles einsteigt, und wie wenige doch klar kommen mit den Ebenen, und/oder den entsprechenden Knöpfen (Deutsche, wohlgemerkt, Touristen können mitunter nicht wissen, was “UG” und “OG” bedeutet). Generell sollte man wissen, wohin man will, bevor man einsteigt, aber viele gucken einfach nur mal.
Sie können es nicht nachvollziehen, wenn Sie selbst in der Situation drin stecken und in dem Moment alles, was für Sie zählt ist, Ihren Zug zu erwischen. Dafür habe ich Verständnis.
Aufzüge funktionieren überall gleich. Was nicht heißt, dass nichts verbessert werden könnte. Vielleicht bekommen die Dinger irgendwann ne Art künstliche Intelligenz. Bis dahin bleiben die von Menschen abhängig und reagieren nur auf den Menschen. Der Fehler liegt beim Benutzer, andererseits sprechen Sie den Aufzügen ein Eigenleben zu, das sie nicht besitzen. Und nein, ich habe kein Verständnis dafür, dass Leute drei Sekunden nach Drücken abhauen (das sind Aufzüge, und keine Beam-Maschinen), oder spazieren fahren und wie verpeilt alles durcheinander drücken (das war gemeint mit Missbrauch), ohne dran zu denken, dass vielleicht ganz andere Menschen (Rollifahrer, Gepäckbeladene) drauf angewiesen sind. Ohne überhaupt zu denken. Und natürlich ist dann der Bahnhof schuld, weil Mensch sich seine eigene Inkompetenz nicht einzugestehen vermag. (Die Inkompetenz ist keine Kritik an IHNEN, sondern u.a. denen, die Ihnen Ihre Reise erschwert haben)
Natürlich sind wir nicht das Bahnhofsmanagement
Denen scheint gänzlich egal zu sein, welche Probleme Fahrgäste in ihrem Bahnhof haben. Wir beobachten genau, und bringen Vorschläge in Richtung DB, aber auch in Richtung Fahrgast.
Ich weiß nicht, inwiefern der Bahnhof insgesamt reise- und zugangsunfreundlich* sein soll. Es gibt hier und da Tücken, eindeutige Planungsfehler. Aber für so ein Gesamturteil reicht es meiner Meinung nach nicht.
Spielen Sie bei den wirtschaftlichen Aspekten auf die ganzen Geschäfte an? Ich denke, das ist ne Diskussion für sich (gerne anderswo, oder bei uns im Blog).
*mir fallen gerade die Drehtüren der Haupteingänge ein, die sind tatsächlich eindeutig zugangsunfreundlich. Aber nur im Winter
Viele Grüße
27. Januar 2010 um 12:21
[...] >> Das Kreuz mit den Aufzügen im Hauptbahnhof Berlin ___________________________________________________ Kategorien:Aufreger, Momentaufnahme Schlagwörter:aufzüge, berlin hauptbahnhof, menschen, panoramaaufzüge, reise Kommentare (0) Trackbacks (0) Einen Kommentar hinterlassen Trackback [...]