Nachwuchs: Herr ivalo las

Lieber Nachwuchs, Brief an die zukünftige Generation

und

Die Wahrheit ist auffem Platz

Lieber Nachwuchs, Brief an die zukünftige Generation

Liebe zukünftige Generation,

alle reden immer von Dir. Wir müssen an Dich denken, gerecht zu Dir sein, dürfen heute nicht so viele Schulden machen, nicht alles Öl verbrauchen und so.
Obwohl es Dich ja noch gar nicht gibt!
Du lebst irgendwann, vielleicht in 50 Jahren, vielleicht auch in 100 Jahren.
Ich schreibe Dir jetzt einfach mal, um Dir zu sagen, wie es heute wirklich ist!
Klar, wenn Du dann mal lebst, dann sieht die Erde anders aus als heute. Die Deiche sind vielleicht höher oder die ganzen Holländer wollen bei uns wohnen und ein paar hübsche Korallenriffinseln gibt es nicht mehr. Ihr habt Elektroautos und Windkraftflugzeuge und überall Solarzellen. Wer weiß!
Vielleicht denkst Du ja später, wir sind heute Schuld, dass es keine Eisbären mehr gibt, nur noch im Zoo!
Aber denk doch bitte auch mal an uns heute! Wie schwierig das ist, so von heute auf morgen alles zu verändern! Das ist nicht leicht!

Wir wollen ja eigentlich schon jetzt weniger Energie verbrauchen!
Wir wollen gar nicht so dicke Autos fahren und den Fernseher auf Standby lassen! Aber wie gesagt, das ist nicht leicht! Das mit dem Fernseher vergisst man nämlich meistens und dann steht man nachts nicht noch mal auf, wegen ein paar Milligramm CO2!
Und das mit dem Autofahren, das ist aber auch verdammt geil! Weiß nicht was Ihr da später mal zu sagt, das ist cool, fresh, hip, das geht ab! Mit 250 auf der Autobahn zu fahren. Und wenn man’s doch darf? Und wenn das Fahrzeug es drauf hat, hey, dann fahr ich auch! Das merkt man manchmal nicht mal, bei den tollen Autos, die wir heute haben!
Und der Blick vom Nachbarn, wenn ich mit unserem City-Jeep in der Siedlung Einzug halte. Das ist schon cool, geht ab und so! Du glaubst gar nicht wie gut das tut! Der mit seinem lächerlichen Toyoto-Hybrid und seinem Jägerzaun!
Warum also darauf verzichten, wenn wir’s uns doch leisten können?
Also, Du verstehst uns!

Und weißt Du, so ein Einzelner, der könnte doch auch gar nichts machen! Es geht ja darum Millionen Tonnen CO2 einzusparen, das schafft einer alleine gar nicht!
Die Politik, weißt Du, die muss endlich mal was tun. Wir wollen ja!
Aber wie sollen wir das schaffen, wenn wir gar nicht müssen?
Verstehst Du?
Klar, es gibt auch ein paar Idioten, die Brüllen gleich laut auf. Die sagen dann „Wo kommen wir denn da hin!“ wenn der Sprit teurer wird oder wenn es Tempolimit geben soll: „Dann geht die Wirtschaft vor die Hunde!“
Aber das sind ja auch Idioten. Die haben Kampfhunde und schlagen Ihre Kinder im Keller.
Wir anderen, also die meisten anderen, sind dafür, dass gespart wird. Wir sind nämlich vernünftig.
Wir hätten schon längst überall Energiesparlampen, Recyclingtoilettenpapier, Gemüse vom Biobauern, Kaffee aus fairem Handel, Ökostrom, würden Neuseelandäpfel boykottieren, nie wieder Urlaub auf Malle machen, Lesebühnentexte immer einzeilig, in 10er Schriftgröße auf bereits einseitig bedrucktem Papier ausdrucken und jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren!
Wenn die Kollegen uns nur nicht so mitleidig ansehen würden!
Ich hab mir sogar schon eine Zeitschaltuhr gekauft, damit mein W-LAN nicht ständig läuft, wenn ich es nicht brauche. W-LAN, das ist so ein Funkgerät fürs Internet, gibts bei Euch bestimmt nicht mehr.
Aber ich befürchte, wenn ich die Uhr vorschalte, dass ich alles neu konfigurieren muss, weil der Strom dann nachts ja weg ist. Das wird bei Euch sicherlich einfacher, aber heute ist sowas verdammt knifflig und ich bin froh, wenn alles einmal läuft!

Und ich würde auch sofort eine Partei wählen, die für den Umweltschutz eintritt! Aber dann kommt die FDP und will genau meine Steuern senken! Und das nicht nur ein bisschen, sondern so, dass es sich echt lohnt! Da wäre ich doch blöd, wenn ich die dann nicht wähle, oder? Und mehr Atomkraftwerke heute sind ja eigentlich auch gut für Euch, da schmilzt kein Gletscher von!

Einen herzlichen Gruß

Deine Generation von heute

Die Wahrheit ist auffem Platz

Los, Jungs, noch 5 Minuten! Dat is doch wohl zu schaffen!
Los, los, los, denen hängt schon die Zunge bis zum Bauchnabel!
Rennen, rennen!

Ker, dat darf doch jetz nich wahr sein.
3 Meter-Pass und der trifft genau den Gegner anne Beine.

Nu pass doch rüber!
Und jetzt schießen! Ja,
…ne!
Schießen hab ich gesacht, nich kullern!
Mitten dem Torwat inne Arme!
Der Torwart von die is do zu blöd sich auffen Boden zu schmeißen!
Da musse nur durche Beine schießen und dat Dingen is drin!
Und wat machter? Kullert ihm die Pocke inne Arme.
Dat is aber auch en Fetten, wenn ich dem seim Vatter wär, dan gäb dat aber keine Hamburger mehr!
Den hätte doch selbst Ernst Kuzorra seine Oma mit links….,
Ne, ne, ne! Nur mein Herr Sohnemann nicht! Mann, mann, mann!
Wenigstens noch den Ausgleich, komm!

So, komm, jetz nochma!
Ja!
Nä!
Justin! Trau dich doch ma wat zu! Spiel nich immer so feige! Schieß do endlich ma Dein Tor! Du kannßet doch!
Eigentlich! Ne, er schaftet nich, isser zu blöde für. Von mir hatta dat nich, dat sach ich aber.
Voll dat Weichei, …, dat hatter von meine Ollen, is do so.
Nu hau em die Beine wech, der ollen Heulsuse!
Un dann rin mitte Kirsche! Rin sachich!

Nichma en ordentlichet Foul lärn’ se im Verein.
Wozu schick ich en dann noch zum Training?
Kriechen und Streben! Dat kanner auch inne Schule lernen! Is do so!
Für-et Leben soll er wat lerne hier!
Ker, ker, ker!
Peinlich, verlieren gegen die Knirpse von Wanne-Eickel.
Die ham wa zu meine Zeit 12:0 weggeputzt.
Ja, Junge, schneid Dir ma von deinem Papa ne Scheibe ab, wenne wat werden wills!
Dat ganze Geld wat we inne Fußballschule Ingo-Anderbrügge stecken, dat is doch zum Fenster rausgeschmissen!
Also dat Geld, vonne Tante Gisela. Na, se kannet sich ja leisten!
Sollset lieber mir geben, da unterstütz ich die regionale Kleinwirtschaft mit, anne Ecke, is do so!
Nich ma en ordentlichet Bier gibbet hier, wegen Jugendschutz! Lächerlich, hattet zu meine Zeit nich gegeben.

Da, Schiri, haßet nich gesehen? Der hat meinen Jungen umgerempelt!
Dat musse doch ahnden! Ahnden musse dat! Wofür haße denn die Katten!
Sonß verrohen hier die Sitten auffem Platz! Gleich ma Rot für sowat, dann is Schluß! Dat darf ga nich einreißen!
Du wills en Vorbild sein, für Fair-Play und so?

Is do so!
Ja, is gut, ich bin ja schon still.
Pfeif schon ab. So!
Hömma, Justin, ich ruf die Mama an, die holt dich gleich ab, ich geh schon ma zum Kalle, ne, Tüss!


 
 
 

Ein Kommentar zu “Nachwuchs: Herr ivalo las”

  1. der universaldilettant | Brief an die zukünftige Generation
    6. Oktober 2009 um 10:25

    [...] geschrieben für und vorgetragen bei Schmalz und Marmelade [...]

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