Die Wasserlese: Frau Jules las…
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Herr Sonntag und ich – Bier
Herr Sonntag und ich – Wiedersehen
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Sie, 19jähriges Herzblatt, mit Zu-spät-komm-Lizenz weil „Kiddybonus“ mit Erfahrung als Notenständer und Double für den Dicken aus der Olsenbande und Münchhausens Kanonenkugel, möchte gerne Tänzerin werden, was mit Politik oder Wurst machen oder Rockstar werden. Versuche seit vier Jahren erwachsen zu werden und suche deshalb drei vierzigjährige Männer zum Chatten und/oder Lesebühne gründen, die lässig und jung geblieben sind. Das hilft wie sau nämlich. Wir könnten verrückte Sachen machen, eine Deutsch-, Geschichts- und DS- Lehrerin fragen ob sie die Lektoratsarbeit, Spielleitung und emotionalpsychologische Betreuung macht.
Wir könnten unsere künstlerischen und spirituellen Grenzen ausloten, vielleicht werden wir mehr daraus. Freunde zum Beispiel.
P.S. Melde dich auch, wenn du Nadine, Sophie oder Jati heißt.
Herr Sonntag und ich – Bier
Herr Sonntag bat mich diese Nachricht laut vorzulesen:
Lieber Horst, lieber Kalle – ach ne, deinen Namen, egal – wir sollten mal ein Bier zusammen trinken.
Euer Herr Sonntag
Herr Sonntag und ich – Wiedersehen
Herr Sonntag hat eine Beule am Kopf. Schmerzen zwischen Ohren und rund um den Bauchnabel plagen ihn seit Wochen. Jeden Morgen beobachtet er die Beule im Badezimmerspiegel. Jeden Morgen sagt er: „Sowas haben sonst nur Menschen, Tiere und Kartoffeln.“ Viel mehr sagt er nicht.
Vorgestern hat Herr Sonntag der Beule noch einen Namen geben wollen, einen seiner Scherze machen wollen. Aber seit ihn sitzen und bücken quälen, ist er nicht mehr bei sich. Er hatte vergessen, dass er seiner Beule einen Namen geben wollte. Früher hat er immer gesagt: „Allem was Mist ist, musst du einen Namen geben. Dann ist es nur noch halb so schlimm.“ Er hat seiner Beule keinen Namen gegeben. Er hat es einfach vergessen. Als ich gesagt habe, du wolltest deiner Beule noch einen Namen geben, hat er gesagt: „Sowas haben sonst nur Menschen, Tiere und Kartoffeln.“ Seit es vom Bauchnabel zum rechten Ohr „so zieht“ wie er sagt, macht er keine Scherze mehr. Herr Sonntag sagt seit Wochen fast nur noch „Sowas haben sonst nur Menschen, Tiere und Kartoffeln.“ und guckt aus dem Fenster. Er sitzt dann im Korbstuhl in der Küche auf einem plüschigen gelben Kissen, in das er einmal „Herr Sonntag und ich“ gestickt hat. Herr Sonntag sitzt da, trinkt Kamillentee, lutscht Zwieback und verzieht sein Gesicht, wenn es wieder zieht.
Wenn Kater Egon dann zwischen Herr Sonntags und den Stuhlbeinen umherschnurrt, am Korbstuhl seine Krallen wetzt, mauzt und jault, dann wirft Herr Sonntag eine Zitrone in die Stube und guckt nicht mal hinterher. Kater Egon schnappt sie sich dann und zutscht die Zitrone unter dem Sofa aus. Früher hat es ihm immer Spaß gemacht Kater Egon zu füttern. Er hat die Zitrone manchmal in Stückchen geschnitten, überall in der Wohnung verteilt und Kater Egon suchte dann wie irre. Herr Sonntag hat sich den Korbstuhl aus der Küche geholt und sich in der Stube neben Seemanns Kugelglas gesetzt. Dann haben sich Seemann und er über die drolligen Verstecke und den tollwütigen Kater amüsiert. Stundenlang. Dafür hat sich Kater Egon dann später ja auch gerächt. Davon weiß Herr Sonntag aber nichts. Von Herrn Sonntag lässt Kater Egon sich alles gefallen aber Seemann, ist in Wirklichkeit Seemann2.
Seit ihn seit Wochen die Schmerzen zwischen Ohren und rund um den Bauchnabel plagen, ist selten eine glückliche Mine aus dem Korbstuhl zu sehen oder mehr als ein „Sowas haben sonst nur Menschen, Tiere und Kartoffeln.“ zu hören.
Jeden Tag schüttele ich sein Kissen auf, positioniere die Milchbank so, dass er seine Füße gemütlich darauf ablegen kann.
Jeden Tag bekommt er seinen Zwieback. Jeden Tag koche ich Kamillentee für ihn. Er bekommt seine Lieblingstasse mit dem Foto von mir und ihm. Mit dem Foto von der Unterwasserkamera. Mit den Schnorcheln. Im Freibad. Herr Sonntag und ich.
Ich spiele seine Lieblingsweihnachtslieder. Auf der Mundharmonika, die er von seiner Uroma mit den zwei Holzbeinen geerbt hatte. Vor neun Jahren hatte Herr Sonntag die Mundharmonika vermöhlt. Sie war neun Jahre lang im Gefrierfach und niemand hat es gemerkt. Die Lieder habe ich mir in den letzten Nächten beigebracht.
„Herr Sonntag, seit fünf vermaledeiten Wochen plagst du dich vom Bett in den Küchenstuhl und zurück. Gut, es fing mit einem Schnupfen an, aber jetzt kannst du dich nicht bücken und sitzen ohne dein Gesicht zu verziehen, weil es krampft und ziept im großen Zeh und in deiner Rübe. Schluss. Morgen rufe ich deinen Arzt an, er soll kommen und gucken was dir fehlt und woher diese Beule kommt.“ „Unfug. Das ist bald vorbei“, sagt Herr Sonntag und hebt die Teetasse, als wollte er auf mein Wohl trinken. „Mach dir keine Sorgen. – Weißt du, wo ich gerne Mal hinfahren würde?“ „Hmm?“ „Nach Ägypten.“ Immer wenn es um den Arzt geht, fängt Herr Sonntag mit Ägypten an.
Herr Sonntag verzieht plötzlich sein Gesicht und lässt seine Teetasse fallen und zittert und schwitzt und ich trage ihn lieber in das Schlafzimmer.
Als Herr Sonntag am nächsten Morgen neben mir im Bett liegt, kann ich ihn nicht wecken. Nicht einmal mit der Mundharmonika, mit seinen Lieblingsweihnachtsliedern.
Aus dem Vogelhaus, das er im Winter immer renoviert hat, habe ich eine Kiste gebaut. Eine Locke von Kater Egon habe ich rein gelegt, die Postkarte von Seemann aus Ägypten, also Seemann1, eine Schuppe von Seemann2, die Mundharmonika von der Uroma mit den zwei Holzbeinen, seine Lieblingstasse und einen Zwanziger für den Fährmann, mein Herr Sonntag soll es bequem haben.


14. Juni 2009 um 21:49
Dann ist es also doch wahr? Ich dachte heute mittag, ich hätte mich bloss verhört. Schnüff!
14. Juni 2009 um 23:09
Ein Sonntag geht zu Ende. Danke, für die vielen Stunden, für die Worte die wie Geschichten waren. You did it, Baby, and no one can take it away from you.