Hinter Gittern – Herr thom* las

Rundgang

Tiere essen

Die Sprache der Tiere

Geliefert

Rundgang
Hier zur Linken sehen Sie die älteren Exemplare, das ist unser Seniorengehege, da haben wir eine Florian-Silbereisen-Puppe aufgehängt, der Silbereisen ist sehr populär, und wir haben darauf geachtet, dass genug beige Jacken zur Verfügung stehen. Einmal in der Woche legen wir noch Tücher in gedecktem Lichtblau dazu – die sind abgestimmt auf das Kaffeegeschirr, das laufend ausgetauscht wird. Hier ist sozusagen immer Kaffeezeit. Da hinten ist die Zuhörecke, da sitzt immer Helmut, ein Ehrenamtlicher, sein Kurzzeitgedächtnis ist völlig hinüber und er freut sich ehrlich über jede Geschichte. Der Pflegeaufwand ist naturgemäß etwas höher hier im Seniorengehege, aber unsere Philosophie ist es eben, die Spezies Mensch in seiner ganzen Vielfalt abzubilden. Schauen Sie – die zwei da an der Hecke – die beiden kämpfen um die Rangfolge im Rudel… der eine hat schon das Telefon in der Hand, der ruft bestimmt seinen Rechtsanwalt! Na das wird noch spannend

Aprospos Rechtsanwalt – hier sind wir jetzt bei den so genannten BestAgern angekommen – aus diesem Gehege entstammen besonders viele Alphamännchen – das sind Exemplare die Führungspositionen besetzen. Einzelgänger in der Regel – wenn Sie dort mal schauen wollen – wir nennen es Richard, ein 47-jähriges Männchen, sein Nachwuchs ist grad in ein eigenes Gehege gezogen und wenn Sie genau hingucken, dann sehen sie, wie Richard am Hinterteil dieses jungen Weibchens schnüffelt, ja geradezu hängt, das Weibchen ist nicht abgeneigt, stellt den Steiz auf, sie sucht einen Versorger, er will seine Gene weitergeben – das ist ein durchaus normales Verhalten in diesem Alter, das wird sicher noch für Stimmung sorgen, allerdings heute nicht denn das angestammte Weibchen von Helmut, das finden Sie dort hinten in der Wellness-Oase. Und mit den Gurken auf den Augen sieht sie natürlich nichts.

Wenn Sie nun dort rechts einmal schauen wollen – da sind gerade zwei nicht mehr ganz so junge Männchen beim klassischen Abtasten, sie können einander noch nicht einschätzen – gerade in Bezug auf die Weibchen – der eine gibt Laute von sich, die entfernt an Gesang erinnern, der andere scheint Steine aufzuschichten, der will offenbar den Nestbau immitieren – und immer wieder, immer wieder schauen sie beide auf die Weibchen nebenan, doch die tun bewusst desinteressiert. Bei diesen beiden Exemplaren der Spezies Mensch ist es wichtig immer ein paar Spielzeuge zur Hand zu haben, bei jüngeren verstecken wir die Nahrung ja noch konsequenter, in diesem Alter haben sie in der Regel alle Verstecke herausgefunden – da brauchen sie eben Spielzeuge, um bei Laune zu bleiben.

Und bevor ich Sie nun alleine lasse und auf Ihre ganz eigene Rundreise durch die Welt der Menschen schicke noch ein Hinweis auf diese possierlichen Exemplare, das sind so genannte Schweriner…. deren Stadt haben wir exemplarisch hier im Zoo nachgebaut. Und wenn Sie hier einmal genau hinsehen, dann sehen Sie den Zoo der Stadt – witzig, was? Ein Zoo im Zoo? Das ist witzig, oder? Und da ist heute auch irgendwas los, schauen Sie mal – da liest doch einer was vor, oder? Oder was macht der? Können Sie da was erkennen? Warten Sie, ich greif mir den mal…

Tiere essen
Ich akzeptiere, Tiere
Ich esse alles
Ich esse auch ausgefallene Sachen
Ich hab schon Schnecken gegessen und Muscheln – da ist der Weg zum Pinguin so weit nicht
Vielleicht könnte man im Zoo ja mal eine Kochshow etablieren
Einige Exemplare sind auch schon älter, da würde sich das anbieten
Und Bärentatzen, habe ich bei Karl May gelesen, Bärentatzen sollen ganz hervorragend schmecken
Und die Tierpfleger, die könnten noch ein paar Worte zum Tier verlieren, wie süß die Erdmännchen auf den Grillspießen früher immer geguckt haben zum Beispiel und wie schön die Flamingos aussehen bevor sie knusprig werden
Dann wüsste man, wen man da isst. Is nich so anonym.
Und der Zoo spart sich die Tierkörperbeseitigung.
Ist doch eine WinWin-Situation

Die Sprache der Tiere
Wenn wir die Sprache der Tiere verstehen könnten
gäbs nie wieder Steak oder Hack oder Entensauerfleisch

Wir würden mit Tauben plaudern und sie freundlich überzeugen
in Zukunft die Innenstädte zu meiden

Doch wenn der Schlachter niest und das Schwein, das sacht Gesundheit,
kann der Schlachter dann das Schwein noch einfach so…? Ich denke ja nicht…

Oder würden Sie einen Silvesterkarpfen köpfen können
den sie jammern hören und dicke Tränen flennen sehen…
Ich denk ja nicht…

Dann verdienen die Tofu-Aktionäre Millionen
Die Fleischer müssten wieder bei Mami wohnen
oder zum Gärtner umschulen…

Unsere Schuhe wären alle aus Hanf oder aus Plaste
Die Ledertrine aus der Feldstadt trüg ne Gummimaske

Und Motorradrocker hätten Kunstledertaschen
Und Rodeoreiter müssten abwaschen gehen oder Lehrer werden

Und wenn wir uns dann noch Gott behüte mit Pflanzen unterhalten…
Doch soweit kommt es nicht. Nichtmal das mit den Tieren kommt…

Der Mensch ist zwar mit einem heftigen Forscherdrang geboren
doch schließlich gibt es ja auch Stöpsel oder Watte für die Ohren
oder wir gehen da mitten rein in die DNA und züchten uns stumme Tiere

Menschheit, ich verlass mich auf Dich!

Geliefert
Vom Affen gebissen,
von Eulen beschissen
vom Nashorn gejagt
von Schlangen geplagt
von der Flucht vor den Bären KO
kein schöner Tag
kein schöner Tag
für den Weihnachtsmann im Zoo


 
 
 

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