Bugga-Bugga: Herr thom* las und sang

Horst Schwerinski – Wat Jesellschaft anrichten kann

Petermann!

Bertha und die Korruption

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Horst Schwerinski – Wat Jesellschaft anrichten kann
Nu isses passiert. Ick hab det Kleene wegjejeben. Weils doch immer so stumpf in sein Gitter-Bettchen saß. Ick meine, ick hab die Lethargie ja erst mit Humor jenommen. Imma wenns Kleene so rumsaß ha icks jefragt, obs Buga spielt. Hintern Zaun Blümchen gucken. Weil wir doch sone Blümchentapete ham. Blümchen gucken… Buga… Zaun… Sie vastehen, oder? Buga war denn auch det erste Wort, wat aus den Kinde rauskam.

Aba nu is Schluss mit lustich sein. Nachn Besuch bein Kinderarzt und wie der denn jesacht hat, det son Rumjehocke jar nich normal is und jefracht hat, mit wem det Kind denn so täglich Umgang hätte und als ick denn jesacht hab “mit mir” und der Dokter so verzweift aussah, da haick dann sein Rat anjenommen und det Kleene wegjejeben.

In Kinderjarten. Zu die Kinder und ßu die Tanten. Neee… Tanten sagen die ja nich mehr. Die sagen ja nur den Vornamen. Die kanntste nichma nen vernünftigen Beschwerdezettel schreiben, weil de ja immer nur den Vornamen kennst. Und Marianne sagen ßu die alte strenge Frau, die da der Jruppe von mein Kinde vorsteht… nääähh…

Ick hab det ja nich ohne Jrund bisher vermieden, det mit den Kinderjarten. Je länger det Kind nur uff mir fixiert is, desto länger kann ick ßu Hause bleiben. Nu muss ick mir anders rausreden. Jrade haick meiner Frau erklärt, ick sei Buga-Besucherzähler. Und weil ick ja aber nich raus will, haick jesacht, die hätten mir da ne Kamera einjerichtet und da jeht n Kabel rin, haick meiner Frau erklärt, und det andere Ende von den kabel, det is in mein Computa. Und da zähl ich nu den janzen Tach. Also bis der Halbtagsplatz rum is… Wollen ja nich gleich übertreiben mitte Sozialisation. Na jedenfalls hock ick jetzte immer vormittags vorn Computa und keiner meckert.

Aba. Ick befürchte, det is Resignation. Ick jlaube, meine Frau glaubt mir nich – nich in echt. Tut nur so. Naja… ick ßieh das noch ne Weile durch und denn gucken wir ma…

Det Kind, ick sach ihnen, det Kind, det blüht richtig uff. Wer hätte jedacht, det Jesellschaft son Einfluss hat. Gleich ne Hauptrolle hats jekriegt in den Theaterstück. Bei der Jeschichte, wo alle am Rübchen ziehen, da isses det Rübchen. Klasse wa? Warn die Tabletten also doch nich so schädlich, wie meine Frau immer jesacht hat.

Aprospos schädlich: Als icks Kinde neulich abjeholt hab, da hats janz dicke Auge jehabt. Die Frau Tante Marianne hat mir erzählt, dass sie jrade ein Buga-Projekt durchführen tun, wie se sagt und denn hat der Jens aus de Gruppe jesacht, sie müssen jetzt alle Buga spielen und da is det Kleene ausjerastet, hat jeschrien wie an Spieß und jezittert und hat sich nich wieder beruhicht.. Ick sachja… was Jesellschaft so mit son Kind anstellen kann… na hilft ja nix… Kannst ja nich immer da sein.

Petermann!
Die Stadt ist klein, kein Herz bleibt rein,
Deppen folgen Deppen gehen Deppen auf den Leim,
komm Petermann, tanz noch mal, bevor sie Zäune ziehen und deinen Tunnel füllen mit dem Aushub aus Burgsee und Beutel.

Was waren das für Zeiten, die junge Klingberg und ihr Herzog.
“Geh Blumen pflücken, mein Kind, wenn die Blumen Dir am Herzen liegen.”

Petermann, öffnest Du die Türen nachts für das Gesindel aus der Unterstadt? Die Klingberg wirds nicht tun, ihr sind die Blumen lieb und Ordnung hat sie gehalten 107 Jahre lang. Petermann, Du Rebell, hier ist Deine Chance. Vom weichen Maskottchen, vom kreuzbraven Stadtführer, vom tapsigen Schlossgeist zurückzukehren in eine Rolle, derer man sich erinnern wird:

Feuer und Schwert.
Schneidbrenner und Bolzenschneider,
mehr braucht es nicht, denn Schlösser sind auch nicht mehr, was sie einmal waren.

Bertha und die Korruption
Hab ich nicht neulich ein Bier getrunken
in einer der dunklen Spelunken
mit dem der die Kasse macht
bei der Wasserwacht

Und sachte der nicht sie bräuchten noch rote
wasserwachttaugliche Rettungsboote
und ich sach, ich weiß,
da wen mit nem guten Preis

Also hab ich die beiden zusammen gebracht,
den mit dem Preis und die Wasserwacht
unter Männer, ein Handschlag…
ein Schnaps, ein Vertrag

Auch an meinem Steg lag nun edel in rot
ein wasserwachttaugliches Rettungsboot
von dem der gute Preise macht
für die Wasserwacht

Nu gucken se nich so moralisch verbrähmt
wegen sowas hat sich noch keiner geschämt
und auch ich wäre heute noch nicht geheilt
hätte mich nicht Berthas Fluch ereilt

Denn jede Blume, wo immer ich war
biss fortan ins Gras, kam ich ihr nah
der Tod ganzer Blumenrabatten
ging meinetwegen von statten

Ich konnte mich nirgends mehr blicken lassen
so sehn Männer aus, die Blumen hassen
schrien Kinder mir nach auf dem Trottoire
meine Frau zog nach Unna

Mein Hund verreckte an Stechapfelresten
die Freunde waren fort, selbst die allerbesten
mir blieb nur der Schnaps und am Steg in Rot,
das Wasserwachtboot

Bis mir eines nachts Bertha Klingberg erschien
und erzählte ihr Fluch sei Chance für Schwerin
denn Klüngel und Filz, das kenne sie schon,
seien Bruder und Schwester der Korruption

Bei mir hätte sie nur ausprobiert
was genau bei diesem Fluch passiert
und die großen Schieber hebt sie sich auf
für die Buga 2009…
wolln sehen wie die schauen, die Großkopferten,
wenn um sie herum die Blumen verrecken…

Sprach Bertha und ich verkaufte das Boot
spendete alles an Kinder in Not
und kann mich wieder ehrlich freun
auf die Buga 2009


 
 
 

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