Bugga-Bugga: Herr ivalo las
Mein Buga Tagebuch, Teil 0, Prolog oder: was bisher geschah
und
Blümkes füre Olle
Mein Buga Tagebuch, Teil 0, Prolog oder: was bisher geschah
Ich wohne schon etwa so lange in Schwerin, wie Griechenland eine ernstzunehmende Fußballnation ist.
Böse Personen könnten daraus schließen, ich würde gar nicht in Schwerin wohnen. Doch direkt nach der EM 2004, noch komplett unter Umzugskisten in der alten Heimat Berlin erlebt, zog ich in diese schöne Stadt an den vielen Seen.
Und seit dem ersten Tag, also seit fast 5 Jahren, ist hier Bundesgartenschau.
Es scheint mir nicht irgendeine Bundesgartenschau, sondern die Bundesgartenschau, die BUGA des Lebens.
Die Menschen hier reden, wenn sie von Visionen reden immer von 2009.
Sie haben dann diesen besonderen Blick. So etwas von, dann wird alles besser, mehr noch, dann wird endlich alles gut. Arbeitslosigkeit weg, Abwanderungsverluste weg, der demografische Wandel wandelt sich zurück, der 100.000ste Einwohner wird begrüßt, der Osten kommt im Westen an und die Nazis lösen sich auf. Graffitty geht von alleine ab und der Klimawandel wird schon nicht so schlimm. Alles vereint in einem Blick und kondensiert in einer Zahl: 2009.
In den ersten Jahren, da gab es aber auch die anderen, die hatten auch diesen Blick, diesen anderen Blick. Sie waren nicht einfach zu unterscheiden die Blicke, denn visionär waren beide, sehnsuchtsvoll und visionär. Nach einer Weile konnte ich die Blicke mühelos unterscheiden, der andere Blick, er hatte eher etwas von, dann bin ich sowieso hier weg, weit weg!
2009 war allgegenwärtig. War Fokus und Ziel.
Jede politische Entscheidung, jede Diskussion um jede Straßenlaterne, um jede Supermarkteröffnung wurde dem BUGA-Test unterzogen.
Nützt dieser Neubau an dieser Stelle 2009? Ja? Nein?
Keine weiteren Fragen.
Wenn ich Position für das Fahrrad als nachhaltiges und zukunftsfähiges Verkehrsmittel bezog wurde das Thema von meinen Gesprächspartnern jedesmal als bugairrelevant durchgewinkt, Diskussion beendet. Buga-Besucher kommen eben mit Reisebussen und das Rad dürfe ja sowieso nicht aufs Gelände, außer in einem morgentlichen Zeitfenster von 10 Minuten gefahren von Walldorfschülern. Ich war in die Esoterik-Ecke gestellt, das schlimmste politische Abseits.
Wenn ich jemandem mein Leid klagte, dass ich seit etwa 3 Jahren monatlich meine Joggingstrecke ändern muss und immer erst vor Ort nach zwei bis drei Sackgassen und unschönen Schlenkern entlang vielbefahrener Straßen feststellen muss, dass wieder ein Stück Lieblingsjoggingstrecke gesperrt ist, werde ich als Innovationsbremse bezeichnet. Ich stelle mich dem wirtschaftlichen Erfolg einer ganzen Region in den Weg, ich Zugereister.
Manchmal, in geselligen Runden, nach 2-3 Gläsern Wein, wenn ich alle kenne und allen vertraue, dann erzähle ich von der Bundesgartenschau 1991 in Dortmund. Von den schönen Lichterfesten, den Open-Air Konzerten. Doch auch hier bin ich inzwischen vorsichtiger.
Bundesgartenschau? Woanders? Neunzehnhundertwieviel?
Wer bitteschön hat jemals von einer Bundesgartenschau in Dortmund gehört? Also!
Überhaupt endet die Zeitrechnung vieler Schweriner mit dem ominösen Datum. Nie habe ich Einheimische von 2010 oder 2011 reden hören, nur von 2009, es gibt kein Danach.
Vermutlich deshalb haben Schweriner auch noch keine Sorgen, was die Klimakatastrophe angeht. Der See bleibt in den Grenzen von 2009 und das bis Ende Oktober. Ende Oktober gut, alles gut.
Jüngst wurde eine Südafrikanische Delegation der Fußballweltmeisterschaft des Bundeslandes verwiesen, mit der Begründung 2010 gäbe es gar nicht. Nur eine Intervention des Bundespräsidenten konnte verhindern, dass sie wegen Hochverrats eingesperrt wurden.
Gefreut hatte ich mich vor allem auf einen Einzug der pflanzlichen Kost in die örtliche Gastronomie.
Es würde sicherlich exotische Wurzelgemüse oder Neuzüchtungen regionaler Kohlsorten aus dem Küchengarten zu Essen geben.
Das war leider eine zu optimistische Erwartung, denn statt fantasievoller vegetarischer Gerichte gab es auf dem BUGA Menü Hacksteak Nelke, Schnitzel Physalis und Schmorbraten Ginster. Mit Tiefkühlgemüse der Saison.
Und wenn der Spuk vorbei ist? Hey, das Leben geht weiter. Die BUGA 2011 in übrigens in Koblenz. Und die Fußball-WM 2014 in Brasilien.
Blümkes füre Olle
Mensch Kalle, et is ma wieder soweit.
Ich weiß gannich warum, aber ich spür’et.
Ich spüret genau!
…
Weiße: wennet soweit is, dann spürßet, glaubs mir.
Ja, sia, ganz schnell, en Bier!
Dabei weiß ich ga nich, watt widda is!
Hochzeitstach habbisch nich vergessen, der is im Dezember. Zum Kegeln laß ich se au immer gehen. Ich vertehet nich!
Ne, ne, ne.
Jau, Prost.
Irgendwann, isset dann einfach nich mehr zu verhindern.
Da müssen dann Blümkes her!
Blümkes!
Ich versteh ga nich, wie Frauen sich emotional von soem Grünzeuch abhängig machen können, Gestrüpp!
Nach zwei Tagen fängtet am Stinken an, is do so.
Aber dafür gibt se dann ne Woche Ruhe, meine Olle..
Wenn ses denn unbedingt will, soll ses haben.
Wat war denn bloß?
Okay, dat Dienstagsspiel auf Schalke und se mußte dann unsan Lütten vom Training abholen.
Aber dat kannet do nich sein, da kann ich do nix dafür.
Müsste der Spielplanmacher ihr Blümkes mitbringen.
Mensch, Kalle, stell dich dat ma vor: die Jungens vom DFB bringen alle Frauen Blümkes vorbei, woe Männer auffet Dienstagsspiel gehen! Ha! Dat wär do wat!
…
Dat machen die nich! Sind die viel zu geizig dafür!
Scheiß Behördenpupser!
Und wir anne Front müssen et dann ausbaden, is do so!
Is, mir jetz aber auch egal, morgen kricht se ihre Blümkes und dann gut is!
Jau, ich nehm no eins.
Mensch Kalle, Du weißt ga nich wie gut du das hast.
Ohne Frau, mein ich jetzt ma so.
Hör auf, Kalle, Du hasset gut! Und weißet nichma zu schätzen!
Wie kann man an so Grünzeug nur wat finden?
Steht rum un is na zwei Tagen welk!
Kannße dir do au en Bild aufhäng! Dat is au bunt und fangt nicht irgendwann zum Stinken an, is do so!
Un wenn ich se jetz en Bild schenk, dann guckt se wieder so blöde! Ne, ne! Et müssen immer Blümkes sein.
Dat ham se irgendwie ins Gehirn reingepflanzt gekricht: Blümkes!
Nur dann hat Dein Mann Dich lieb! Vonne Schwiegermüttermafia von klein auf inne Mädkenshirne reingetrichtert! Blümkes, Blümkes, Blümkes!
Ich will hier und heute ne Grünzeuchallergie! Auffe Stelle!
Dann hab ich ne Entschuldigung! Dann is die ganze Bude blütenfrei!
Dann krichtse Mon Cherie und gut is!
Aber, ne, aber ne, die Dame is sich zu gut dafür.
…
Kalle, ich weiß et nich mehr!
Jau, Prost!
En bisken Kohlenstoff mit Wasser drumrum, mehr is dat is dat nich, soen Blümken! Dat hat mich ma en Kumpel vonne VEBA erklärt. Hätteße nich gedacht! Nur Kohlenstoff und Wasser. Unsere Kohle, Kalle, in soem Blümken!
Un eigentlich is so en Bier au nix anderes. Kohlenstoff und Wasser.
Wenn ich meine Olle en Bier schenke, sachtse ieh! dat stinkt und für mich is dat lecker.
Und wenn ich meine Olle en Blümken schenke, finde ich dattet stinkt. Dabei is do eigentlich beides nur Kohlenstoff und Wasser.
Komisch, die Menschen.
Ne, ne!
Meinße ich kann meine Olle dat erklären und ihr dann en Bier mitbringen?
Dat wär zu schön, aber Frauen verstehen ja nix vonne Technik, is do so!
Sachma, Kalle, jetz woe weiß wat in soem Bier drinne is, da kanße do au nicht mehr 1,90 für so en Glas Blümkenwasser nehmen oder?
Na, gut, laß ma, stimmt so, ich muß jetz los, sonß mußich morgen die richtig teuren Blümkes anschleppen! Dat hat meine Olle nämlich schon spitz gekricht, welche die teuren sind, beiem Aldi.
Jau, Kalle, tüß, bis morgen!

