Sieben: die Filmpremierenmatinee im Capitol
Alle waren sie da. Herr Carlo der Regisseur, die blondierte Hauptdarstellerin der Frau Brenninger, das Filmorchester “Die Band von letztens”, der Schauspieler mit Hut und Gitarre, dieser komische Nebendarsteller, der dauernd sein Statistenkind anraunzte und behauptete, er übe seinen Text, der der in den Toaster verliebt war, ja, wirklich alle waren da. Und in der ersten Reihe, da saß die Frau vom Lokalfernsehen und der Typ mit der Kamera hat alles eingefangen. Sogar jemand zum Singen war engagiert. Wegen Frauentag! Extra aus Berlin! Martin Neuhaus, Schauspieler, ja, man gibt sich gern groß in der Landeshauptstadt.
Überhaupt! Hat es denn zur Premiere in Berlin nicht gereicht? Landesfilmfördermittel mit Knebelvertrag? Wer weiß das schon immer.
Na und dann die Sieben! Sieben Raben, Sieben Leben, Sieben Nächte, die ganze Metaphorikleier rauf und runter. Schon abgenudelt, bevor es losging. Aber he! Darum ging es doch. Um das Durchsieben der Mystik an der Zahl und mit der Zahl und durch die Zahl. Provokantes Kino, so muss Neues Deutsches Kino sein. Und wer es nicht glaubt, der soll sich den Film doch mal ansehen. Läuft nach der Premiere sicherlich in 12 Programmkinos zwischen Bad Zwischenahn und Sonthofen. Kunstfilm eben, mit Anspruch. Dafür zahlt die GEZ-getreue Bildungsbürgerin.
Der Film selbst war dann nichtssagend bis vielsagend. Natürlich darf wer bis zehn zählen kann ein paar Sünden in sein Register schreiben, anschließend ein Bild davon malen zur besseren psychischen Bewältigung in einer verständnisvollen Wattegesellschaft. Das wußten wir aber vor Sieben. Allerdings wirklich hervorragend und meisterhaft vom Regisseur in Szene gesetzt. Cómplimènt! Und die Besetzung: grandios! Da blinzelte des Regisseurs Zauberhändchen durch. Musik: Oscarreif.
Fazit: wem der französische Symbolfilm liegt, der kann von Sieben intellektuell inspirierende und unanstrengende Abendunterhaltung erwarten. Wer allerdings ins Kino gehen will, der soll lieber ins Kino gehen. Wir empfehlen die Siebenerkarte.


10. März 2009 um 09:57
Testkommentar
9. September 2009 um 11:05
Ich hätte so wahnsinnig gerne eine Tel.-Nr. von jemandem von “Die Band von letztens” – aber leider bekomme ich die im Internet nicht raus. Könnt Ihr mir weiter helfen???
Besten Dank im voraus.
D. Schnoor