Sieben: Herr thom* las und sang

Horst Schwerinski zum Film “Sieben”

Horst Schwerinski und der Frauentach

Ich fürchte mich vor Dir

Ich fürchte mich vor Dir

Ich bin Köln und du bist die U-Bahn
Ich bin Berlin und Du bist zugezogen, aus Bonn,
Ich bin New Orleans und Du bist Kathrina
Ich bin Schwedt, Forst, oder Brüel und Du bist die Abwanderung
Ich bin Duisburg und Du bist der Weltmarkt
Ich bin Bonn und Du bist der Umzug vom Rhein an die Spree
Ich bin Galtür und du die Lawine
Ich bin Holland und Du bist der Deichbruch bei stürmischer See

Jetzt guck nich, wien Dackel und wackel nich so weise mitm Kopf
Ich wollte das schon immer mal sagen und heute pack ich die Gelegenheit beim Schopf

Liebling – ich fürchte mich vor Dir
Liebling – ich fürchte mich vor Dir
Schatz, das ist nicht bös gemeint und subjektiv und ungereimt und sacht auch gar nix über uns ist nur in den blaun Dunst, hineingesungen… Liebling,
Liebling ich fürchte mich vor Dir

Ich bin Hansa Rostock und Du bist der Abstieg
Ich bin ein Kleinaktionär und Du bist der Dax
Ich bin die Liebe und Du bist der Kleinkrieg
Ich bin die Tischdecke Du bist das Wachs

Liebling – ich fürchte mich vor Dir
Liebling – ich fürchte mich vor Dir
Schatz, das ist nicht bös gemeint und subjektiv und ungereimt und sacht auch gar nix über uns ist nur in den blaun Dunst, hineingesungen… Liebling,
Liebling ich fürchte mich vor Dir

Ich bin thailändisches Eiland und du der Tsunami
Ich bin der Nichtraucherclub und Du bist Altkanzler Schmidt
Ich bin Vegetarier und du die Salami
Ich bin der Fettrand und du, du bist Fit.

Liebling – ich fürchte mich vor Dir
Liebling – ich fürchte mich vor Dir
Schatz, das ist nicht bös gemeint und subjektiv und ungereimt und sacht auch gar nix über uns ist nur in den blaun Dunst, hineingesungen… Liebling,
Liebling ich fürchte mich vor Dir

Ich bin der Brockhaus und Du Wikipedia
ich bin die CD und Du mp3
Ich bin die Elite und du, du bist jeder
Ich bin Schwerin und Du die Bedeutungslosigkeit

Liebling – ich fürchte mich vor Dir
Liebling – ich fürchte mich vor Dir
Schatz, das ist nicht bös gemeint und subjektiv und ungereimt und sacht auch gar nix über uns ist nur in den blaun Dunst, hineingesungen… Liebling,
Liebling ich fürchte mich vor Dir

Liebling – ich fürchte mich vor Dir
Liebling – ich fürchte mich vor Dir
Schatz, das ist nicht bös gemeint und subjektiv und ungereimt und sacht auch gar nix über uns ist nur in den blaun Dunst, hineingesungen… Liebling,
Liebling ich fürchte mich vor Dir

Schwerinski zum Film “Sieben”

Also Sieben, det isn Film über ne janz jroße Freundschaft. Sone janz jroße von so zwei Leuten, die keinen ham in ihrem Leben, der eine nich, weil er kein Fleisch essen will und der andere weil er son Hitzkopp is. Und denn die Szene im Schlachter, wa… Det war für mich det jrößte… Da kommt och kein Tom Hanks jejen an. Da siehste in Jroßaufnahme lecker Mett und lecker Blutwurscht und die Sülze, die hatte son Fettstrang inne Mitte, det sah aus wie wennse lächelt und det halbe Schwein, det hat dem ivalo so zublinzelt, wa? Und denn fährt die Kamera janz dicht auf det Auge von dem ivalo und det strudelt denn so, son Strudel jibs denn und da siehste ihn drin fliejen und det Schwein ruft komm, ivalo ick bin janz für dich da, mit Haut und Haaren bin ick für dich da…. und denn kommt die Traumsequenz so richtich in Fahrt: ivalo janz alleine auffe Wiese, ne Pusteblume im Mund und so heitere Musikke und det Licht is janz weich und die Wiese is weich und der ivalo, der is och janz weich – inne Birne allerdings, denn er hüpt so rum und riecht hier ma anne Natur und da ma und denn kommt sone Kuh an und die is och janz weich und die hat Messer und Jabel in Rücken und sacht zu den ivalo, ivalo, küss mich und wie er jrade seine Lippen schürzen tut, da wird aus den Rindvieh sone schlabberige Masse und die kriecht ihn jradewegs in Mund rin… Und denn wachter auf in Schlachterladen und kotzt die janze Theke voll…

Det is übrijens die Szene, wo er denn hinterher weeß – ick muss ßu mir finden. Ick muss ick sein. Det bin ick de Tierwelt schuldich. Ick! Und nich wat andere in mir sehen wollen. Sone Selbstfindung macht er da durch, so wie der schwule Cowboy, oder och der Typ in Fight Club, der denn hinterher merkt, dass der Tylor Durden gar nich echt is und er selber die Weltrevolution anjezettelt hat…

Aber ick finde, an rüherndsten is ja der Schluss.. Wie der ivalo so neben seiner liebsten sitzt – die wir übrijens die janze Zeit nich zu Jesicht kriegen, die janze Zeit nich, die janze Zeit liebt der nur so inne Luft, wir sehen nix… und denn an Schluss, denn zieht die Kamera wieda jroß uf sein Jesicht und inne Pupille siehste denn, det er die janze Zeit nen Toaster anjehimmelt hat so mit den Dackelblick und denn jibs Rückblenden ohne Ende, wie er den jestreichelt hat an Strand, und jeherzt, und wie er mitn Toaster über sone Sommerwiese tanzt und wie er den seinen Eltern vorstellt und der Vadda, der zeicht denn so böse uffe Tür… och… det is jroß…

Und wie denn die Kamera abblendet, da is mir so jaaanz warm jeworden ums Herz wa? Und den Toaster erst, wa… Der hat denn so jejlüht, innerlich hat der so jejlüht,. det musste schauspielerisch ersmal hinkriegen.

Achso… ick sollte ja wat ßu meine Rolle sagen, wa… Ick hab den Mann jespielt, der inner 54. Minute von links durch det Bild jerannt is und sein Kind immer so anjetrieben hat. Nu je schon, wir ham ja nich ewig ßeit… det war mein Text. aber det hat der feine Herr Reschisseur ja rausjeschnitten. Könnse den ja mal fragen warum…

Hallo, mein Name ist Horst Schwerinski und heute is Frauentach

Seitte Wende haik den Frauentach ignoriert. Haick einfach jesacht, Frau, haick jesacht, det is een Relikt. Ufoktruiert. Vierzich Jahre. Damit muss Schluss sein, kriegst wat zum Muttertach. Und bein Muttertach haick jesacht, Frau, der is von Hitler persönlich erfunden, den willste doch nich feiern, wa? Det is ßwar so nich janz richtich, aba es tut seine Wirkung.

In diesen Jahr wollte ick det ma anders machen. Naja… det Selbstbewusstsein, det is halt nich mehr so… und denn dacht ick, musste se mal neu jewinnen, wa? Wollt ick se überrasch, wa… Mit wat selbstjemachtem, wa? Wollt ick ihr sone richtige Freude machen… Wat mit Herz, fürt Herz, wa?

Bin ick ßu sone Stripschule jejangen. Schon in Januar. Lässte Dir ma außßiehn beibringen, haick jedacht.

Nu stand ja als ersted die Fraje, wat machste mitn Kind. Bleibt nich viel. Konnt ja schlecht der Frau sagen, sie soll mal das Kind nehmen, ich muss strippen. Haick det Kleene also mitjenommen. Hamse janz schön jeguckt da anne Tür bei de Stripschule und rumjepault ham die Fatzkes… Haick jesacht, hey, pass uff Alter, meine Frau muss arbeiten und ick lern strippen, besser jehts doch nich… Da warnse still…

Wie wir ßum dritten Mal dajewesen warn, hätte det Kleene beinah allet versaut. Fängt dit Jöhr ohne Vorwarnung an, sich ausßußiehen? Und wackelt mitn Hintern dabei… und kiekt so komisch wa? Bin ick aber zwischenjesprungen, wa, bevor die Frau det richtich jesehen hat. Und den Zettel vonne Krippe, den haick och verschwinden lassen. Da schreibt die Frau Erzieherin, ob wir det Kind nachts fernsehen lassen. Haick zurückjeschrieben, Frechheit, det is Bauchtanz, dit jehört ßu meiner Relijonsausübung. War se still, die Frau Erßieherin.

Heut morgen denn wach ick auf, die Frau is wech und ick hör det inne Küche rumoren, wa. Zieh ick mir also janz schnell den Silberschlübber die Stiefel an und det Hemd mit den Klettverschluss ßum aufreißen und denn schleich ick mir annen Rekorder und mach Eye of the tiger an… Und denn spring ick ins Wohnzimmer, kiecke lasziv ane Decke und lass mit der Hand im Schritt die Hüfte kreisen.

Und denn jeht die Klospülung.

Und denn mach ick die Augen auf und denn sitzt da meine Mutter aufe Couch mit det Kleene ufn Arm. Ick hab schnell noch wat von Fasching jerufen, hab mir umjedreht und denn bin ick meiner Frau jradewegs inne Arme jelaufen. Und die sacht janz trocken: Det is also Deine neue Relijon…

Und als meine Frau denn jefracht hat, war det ochn janz schlechter Moment um ßu sagen , nee Schatz, bei deinen Yoga an Nachmittag, da geh ich nich mit.


 
 
 

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