Schöne neue Welt: Herr ivalo las

Schöne neue Welt II.,

Auf ein Neues,

und schöne neue Welt I.

Schöne neue Welt II.

“Mist, glatter Kältetod schon nach 2 Milliarden Jahren. Irgendwas ist wieder falsch gelaufen?”

Gott nahm einen großen Schluck aus seinem großen göttlichen Kaffeebecher, dachte einen Moment nach, setzte sich dann aufrecht in seinen großen Gottessessel und drückte genervt auf die Reset Taste. Das soeben verendete Universum verschwand in einem kleinen Strudel und war weg.
Gott formte einen neuen Klumpen Urmasse, wählte diesmal grobkörnig Gelb und warf ihn hinein in sein großes göttliches Universumsbecken. Entschlossen drückte er auf Neustart, beugte sich über das Becken und sah einen wunderschönen kraftvollen Urknall.

Er war, wie ein wunderschöner Urknall zu sein hat, hell leuchtend und hübsch warm, sodass Gott sich ein wenig die Hände wärmen konnte.
Nur dafür machte er das eigentlich, für dieses erhabene Gefühl, wenn etwas ganz Neues von vorn entsteht. Und es war jedesmal ein erhebendes Gefühl, eine neue Welt entstehen zu sehen. Manchmal beendete er ein Universum ein paar Runden vor Schluß, selbst wenn es noch interessante Entwicklungsmöglichkeiten hatte, nur um vor dem Zubettgehen noch ein neues Universum zu starten und ein paar Milliarden Jahre ins Becken zu starren.

“Was ist denn diesmal schiefgegangen,” nuschelte er in Gedanken.

“Die Lichtgeschwindigkeit war wohl etwas zu hoch, …, dafür könnte ich die Gravitation etwas runterregeln.”

Gott klickte einige Knöpfen an seinem großen göttlichen Universumsbecken. Und sah nach einer Weile recht zufrieden aus.

“Ja, das dürfte gehen. Breitet sich hübsch aus. So, einmal pusten für die kleinen Dichteunstetigkeiten. Ja, feines Universum, das wir da haben!”

Gott lehnte sich zurück, nahm noch einen Schluck vom Kaffee, verschränkte die Arme hinter dem Kopf und genoss den Anblick der expandierenden neuen Welt. Das war jetzt die interessanteste Phase, die wichtigsten Naturkonstanten waren bestimmt, alles sortierte sich und nahm seinen Lauf.

“Ja, da die ersten Sterne! Nach nicht mal einer Milliarden Jahren! Jetzt läuft’s!” jubilierte Gott, “Schwarze Löcher, Galaxien, Supernoven” seine Augen glänzten und er biss genüsslich von seiner Pizza ab, während er ins Becken starrte. Doch halt! Was war das: “Moooooment, viel zu rot, da muss ich wohl die Ruhemasse des Elektrons anpassen. Uuups! So besser, viel besser, ein ganz feines tiefes Orange im Zentrum.”

Und wenn es lief, dann lief es auch, Gott war inzwischen recht versiert, was die Erschaffung von neuen Welten angeht, er verbrachte schließlich die meiste Zeit des Tages vor seinem Universumsbecken. Allerdings hatte er bisher noch kein Universum erschaffen können, dass länger als 100 Milliarden Jahren bestand, das wurmte ihn schon, denn er wusste, dass es möglich ist. Er hatte es in einem Forum gelesen. Nach 95 Milliarden Jahren war stets Schluß: die Welt war am eigenen Strahlungsdruck kollabiert oder es hatte sich zu schnell nach dem Urknall ein großes schwarzes Loch gebildet, in dem alle Masse sofort aufgesogen wurde.

Leben sollte entstehen, das war klar. Das brachte die meisten Punkte. Intelligentes Leben, das über die Existenz eines Schöpfers nachdenkt.
Gott liebte es, zuzusehen, wie sie sich stritten! Ob er existiere, wie er aussähe und ob er sie einmal belohnen oder bestrafen werde.
Lange schon allerdings war es ihm nicht mehr gelungen, ein Universum zu schaffen, in dem Leben entstand. Fast hätte er einmal sein Universumsbecken aus dem Fenster geschmissen und sich ernsthaften Dingen hingegeben. Zum Beispiel dem Schreiben seiner Memoiren. Aber wer wollte die schon lesen? Seine Mutter vielleicht? Und schließlich war Welten schaffen das einzige, was er wirklich konnte.
So blieb er seinem Becken treu und schuf tagein tagaus Universum nach Universum und verbrachte Milliarden von Jahren mit dem Justieren der Naturkonstanten in der Hoffnung irgendwann mal die perfekte Kombination zu finden. Ruhm und Ehre auf dem nächsten Kreator-Usertreffen wären ihm gewiss.

“Torsten! rief es aus der Küche, willst Du nicht mal wieder mit dem Hund rausgehen, Du hängst schon wieder den ganzen Tag vor dem Becken, mach doch endlich mal was Vernünftiges, Junge.”
“Och, komm, noch ein paar Runden, sie bauen mir grade eine Kathedrale! Ich krieg bestimmt Highscore.”

Ja, das ist die bittere Wahrheit: Gott heißt in Wirklichkeit Torsten, ist 38 Jahre alt und wohnt in Magdeburg-Neustadt. Seine Mutter passt auf ihn auf, dass er sich auch mal bewegt. Und wenn er mal wieder intelligentes Leben erschaffen hat, dann rätseln wir, ob es ihn auch wirklich gibt.

Auf ein Neues

Kalender 2008 ins Regal. Wieder ein Jahr rum. So schnell geht’s. Zum Jahreswechsel manifestiert sich das Fortschreiten der Zeit am brutalsten. Eben noch war Jahresende, schon liegt ein nagelneuer, unbefleckter Kalender vor mir und wartet auf die ersten Einträge. Da kann ich doch nicht so einfach weitermachen, als wäre nichts. Ein Jahr Lebenszeit verschwindet im Archiv. Ohne Innehalten, ohne Nachdenken. Ohne zu analysieren und zu bilanzieren. Halt, ich will mir etwas bewahren! Nur was? Warte, verweile doch, Du Augenblick …
Aber das neue Jahr, das kann doch nicht einfach so losgehen. Mit einem Glas Sekt und einer Leuchtrakete vom Balkon. Ich muss mich noch vorbereiten. Muss planen, mir was wünschen. Mir überlegen, was ich besser machen will und so. Gute Vorsätze. Ich bin noch nicht so weit, halt!
Ganz ruhig, durchatmen, tief Luft holen. Alles wird gut. Ich schiebe mir die letzte Goldkugel vom Weihnachtsteller in den Mund.
Der Weihnachtsteller ist leer, das ist schon mal gut. Und so schlecht war das vergangene Jahr doch auch gar nicht. Die Familie ist gesund, ein paar Dinge sind teurer geworden, aber das Konto ist im Plus. Und das nächste Jahr kann eigentlich nur gut werden. Der Dezembernebel lichtet sich, Bush wird endlich in die Wüste geschickt und alle wollen das Klima verbessern.
Blick nach vorn und nicht zurück. Ich werde nicht in den Spiegel schauen und neue graue Haare entdecken. Und auf die Waage stellen wierde ich mich schon gar nicht. Vielleicht nachdem ich das nächste Mal Joggen war. Joggen sollte ich wohl mal wieder. Und zwar bis Zippendorf, nicht bloß bis zum Zoo. Ein guter Vorsatz für das neue Jahr?
Nein, ich nehme mir nichts vor, gar nichts. Ein Jahr, das mit guten Vorsätzen anfängt, braucht gar nicht erst loszugehen. Da ist der Frust bloß vorprogrammiert. Eisregen, plötzliches Hungergefühl, wichtige Telefonate oder eine spannende Fernsehserie zur Joggingzeit: das Aus in Kalenderwoche 3. Und dann? Weitermachen? Wo der gute Vorsatz eh gebrochen ist?
Aber ich will doch joggen. Also nehm ich es mir nicht vor. Dann klappt es auch.


 
 
 

Kommentar abgeben:


  • Statistik

    • Beiträge 530
    • Kommentare 688
    • Wörter in Beiträgen 216,216
    • Wörter in Kommentare 18,214