Schöne neue Welt: Frau Jules und Herr ivalo lasen
Was für eine Welt!
Was für eine Welt.
Ich sitze da und die Gedanken und Ideen fliegen mir nur so zu. Kaum, dass ich sie denke, gestalten sie sich zu elegant formulierten Sätzen gefüllt mit Geist und Witz und zu Abschnitten und Seiten auf dem eben noch weißen Fleck Monitor vor mir, schneller, als ich zuschauen könnte. Ich sitze an meinem Tisch und meine dass es mit mir passiert, eher, als dass ich etwas dafür täte.
Mein Tisch ist zudem ordentlich und aufgeräumt. Kein Staub auf der Tischplatte, kein Staub auf dem Monitor. Alles liegt übersichtlich und ordentlich dort wo es liegen soll, alles, was stehen soll, steht an seinem Platz.
Meine Frau, die schönste und liebevollste Frau der ganzen Welt, grüßt mich zärtlich und bringt mir liebkosend die frischesten Früchte herein, die die duftendsten Aromen verströmen und von herrlichem Geschmack, einer feinen Säure und einer fruchtigen Süße sind, engelsgleich die Zunge verwöhnend. Sodann bringt sie mir Schokolade herein, deren feines Aroma noch die Würze des südamerikanischen Dschungels trägt. Dick macht die nicht!
Die Gedanken strömen weiter und formen sich in ihrer zauberhaften Textwerdung zu einem wahrhaft meisterlichen Schriftstück.
Ich sitze da und mir fällt nichts ein.
Das war irgendwie auch schon immer so.
Ich habe nie richtig gute Idee.
Mir fällt nichts ein.
Nur Schrott.
Unfug, der sich zu keinem klugen Satz zusammenzimmern lässt.
Ist doch scheiße.
Ist nicht lustig.
Will keiner hören.
Mir fällt nichts ein.
Wenn ich nichts zu erzählen habe, brauche ich auch nichts schreiben.
Aber es muss ja was auf´s Papier gekloppt werden, ne?
Mir fällt nichts ein. Oh neee…
Meine Augen brennen.
Scheiß Rechner.
Die Sonne bescheint meine Wange und erfüllt meinen Körper und meinen Geist mit Wärme und Kraft. Ich sehe hinaus, auf den in malerisches Licht getauchten Park und den in brilliantesten Bernsteinfarben schimmernden See. Die Menschen schreiten elegant und würdevoll an der Promenade entlang, selbst die Wagen fahren nahezu lautlos und geruchsfrei auf breiten Chausseen und Alleen.
Die Vögel tanzen am Himmel und ziehen Kreise und Bögen und Kurven der Lust, eine Pracht ihnen dabei zuzusehen.
Es erklingt von irgendwo himmlische Musik, eine betörende Harmonie, die die Sinne streichelt und den Geist erhaben kitzelt, auf dass ich einatmen mag, dieses Manna an Sinneseindrücken, das mich umstrahlt.
Seit früh um drei fällt mir nichts ein.
Es ist stockdunkel draußen.
Vermutlich genauso arschkalt wie hier drinnen.
Heizung ist im Eimer.
Seit die Heizung im Eimer ist, lüfte ich nicht mehr.
November.
November war´s als sie in´ Eimer gegangen ist.
Scheiß Winter.
Ich bin müde.
Muss Kaffe trinken.
Muss die Kippenstummel aus meiner Tasse sammeln.
Den Kaffesatz wegkippen.
Kaffe trinken.
Alle Menschen grüßen sich freundlich, sind hilfsbereit, rücksichtsvoll und gütig. Menschen machen einander Platz, wenn sie sich auf dem Gehweg begegnen, alten Menschen wird beim Überqueren der Straße, beim Steigen von Treppen geholfen, spielenden Kindern wird freundlich zugelächelt. Ich gehe hinaus und atme die Welt, die eine reine Freude ist, jeder Tag aufs Neue. Der Nachbar winkt mir zu, weil er sich freut, mich zu sehen, ich winke zurück.
Die Stadt ist glücklich und ein lebendiges Zentrum der Kultur, des Austausches und der Begegnung. Menschen aus allen Gegenden der Welt leben friedlich und in Eintracht miteinander und verstehen und ergänzen sich.
Politiker sind beliebte Menschen, denn sie dienen dem Wohl des Landes und seinen Bewohnern. Die fähigsten und intelligentesten werden ausgewählt, das Land zu regieren. Es gibt keine Armen Menschen, alle haben, was sie brauchen, niemandem mangelt es an Essen, an Trinken, an Wohlstand und Bildung.
Kaffe.
Müsste mal meinen Tischaufräumen.
Mal abwischen.
Die Asche.
Kaugummis und bachsigen Teller, Badezeug, Rechnungen, Fleischdosen,
Mir fällt nichts ein.
Wie auch, wenn mein Nachbar gerade sein fette Freundin…naja.
Seit einer halben Stunde…
Wem soll da was einfallen.
Muss Kaffe trinken.
Das letze Mal bin ich eingeschlafen.
Hab wieder nichts geschrieben.
Nichts.
Mir fällt nichts ein.
Ich könnte über meinen Nachbar und seine fette Freundin…Nee, lieber nicht. Ich kann mir auch was vorstellen…das alles schön…Sonne, Musik, Vögel…nee.
Oder was lustiges. Geht auch.
Scheiße.
Alle Menschen sind zufrieden denn sie haben von Allem, was sie zum Leben brauchen, Sie wollen nicht mehr haben, als andere Menschen nur aus dem Grund, mehr zu haben als diese.
Es gibt keine Kriege.
Die Ressourcen unseres Planet werden nachhaltig genutzt und die Natur nicht verbraucht, sondern gebraucht um das zu produzieren, was ausreichend ist, damit alle das haben, was sie brauchen.
Und ich sitze wieder an meinem Tisch und das Gedachte formuliert sich von allein, denn die Gedanken fließen und sie formen sich zu einem Text und der Text formt eine Welt.
Was für eine Welt!
Rechner läuft mit Reservestrom.
Scheiß Akku.
Wo is´n das Kabel?
Muss ich jetzt mal suchen.
Scheiße die Colaflasche war ja offen.
Dreck.
Mein Rechner klebt.
Mit Reservestrom.
Scheiße.
Mir fällt nichts ein.
Muss ich jetzt mal sauber machen.
Könnte über´s sauber machen schreiben.
Nee…Könnte auch über meinen Hund schreiben.
Mein Hund, ja der pennt…Pennt…
Was reimt sich auf pennt? Nee…
So. Sauber.
Immernoch dunkel draußen.
Kein Mensch zu sehen.
Nur ich bin wach.
Scheiße.
Was machen die denn mit meinem Auto?

