Adventslese: Herr thom* las

Horst Schwerinski – Weihnachtsmarkt

Adventsgedichte

Hallo…. mein Name ist Horst Schwerinski… und Weihnachten is unjerecht.

Nu schläfts… Hätt ich bei den Glühwein dies Jahr gar nicht gedacht. So eine Plörre… Aber wir warn ja auch ein paar Stunden draußen. Sacht man ja immer, frische Luft macht müde. Mir is och schon janz… is ja auch jenuch frische Luft hier in Schuppen draußen.

Das war ja heute so: Hat meine Frau gesagt, Schwerinski, alter Berufsvata, hatse jesagt, hau ab. Ich muss Geschenke einpacken und außerdem muss ich wenigstens vorm Fest unter Deinem Hintern mal durchwischen. Und Schwerinski, hatse jesacht, nimms Kind mit!

Ich hab nich jemault, wa. Macht man ja nich, wenn man am Abend nich im Schuppen schlafen will, aber da begann quasi die ganze Ungerechtigkeit. Von Weihnachten. Schließlich ham wir jesacht, das ich inne Woche das Kind schaukel, wenn se uff Arbeit geht, und an Wochenenden, da machts die Frau. Wejen die Gleichberechtigung. Und damit des Kind auch mal was anderes sieht als seinen Vata, wa. Son Kind braucht ja auch ne Mutter, ne?!

Ich sach, Frau, wie soll das gehen, aufn Weihnachtsmarkt, da muss ich doch die Hände frei haben. Eine fürn Glühwein und eine für die Wurscht. Und mitn Kinderwagen, da kommste uffn Weihnachtsmarkt ja janich durch. Denn hängste Dir das Kind vorn Bauch hatse jesacht. Und basta.

Jesacht jetan. Nu muss man aber wissen, dass ich nache Schwangerschaft son büschen… naja… son büschen zugelegt hab vornerum und wie ick mir denn das Kind umschnallen will, merk ich, dasses gar nicht passt. Also det passt, wenn ich den Bauch einziehe, wa, aber wenn ich denn locker lasse, kriegts sone ungesunder Jesichtsfarbe…

Ich hab denn denn den Rollkoffer genommen…

Erst ha ick ja gedacht, ich kanns janz einfach lösen. Wir sind ja so zum Mittachsschlaf rum los und da ha ick jedacht, wenn icks Kind einfach uffn Markt bei Josef und Maria in die Krippe lege, denn ha ick ein bisschen mehr Bewegungsfreiheit. Aber denn musst ick ja das Holzkind, des da drinlag, des musste icke irgendwie entsorgen und det war schwer, vüler schwerer wie meins. Hast ja nüscht gewonnen, hab ich gedacht und mir meins wiedergeholt.

An Glühweinstand wars Kind ja denn auch erstmal ganz artig. Die ersten drei Stunden hats nich maff, nicht muff gesagt. Und wenn doch, ham wirs einfach ma kurz mitte nase übern Becher gehalten. Det ging. Aber offenbar setzte irgendwann sowas wie Gewöhnung ein.

Ha ick mir also den Rollkoffer geschnappt und wir sind zum Glühweinstand anne Bühne, damits was zu gucken hat. Aba det Kind is ja musikalisch, ne, ick jlobe, det hats vom Nachmittagsfernsehen, da summtet jedenfalls immer die Titelmelodien vonner Serien mit, jedenfalls ist das Kind musikalisch und als die janzen jequälten Kreaturen von Musikschule ihre Xylophone behämmert haben, da hats noch mehr geheult.

Als wir wieder zu Hause warn, hats Kind erstmal immazu zur Mutti jewollt, denn hats der Mutti in Ausschnitt jespuckt und denn isses an Muttis Busen eingeschlafen. Det kommt nach mir sach ich noch, aber det fand die Frau nich witzig. Und auch det mit dem Rollkoffer hattse denn spitz gekriegt und außerdem meinte sie, das Kind würde nach Alkohol riechen. Ick hab mir denn son Tannenast ausn Garten in Schuppen jestellt und alle zehn Minuten mach ich mal n Streichholz an, wejen die Heimlichkeit.

Und wenn mir zu kalt wird, denn verfeuer ich die Holzeisenbahn.


 
 
 

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