Herbststürme: alte Bekannte, neue Bekannte und drei Premieren

Der 9. November brachte alte Bekannte zur Lesung an den Ziegenmarkt. Nicht nur unter den Zuschauern im gut gefüllten Freischütz waren wieder zahlreiche Stammgäste, auch das Lesekollektiv brachte in seinen Texten zum Thema “Herbststürme” alte Freunde mit an den Tisch. Herr Sonntag war dabei. Es kommt ja immer mehr über diesen putzigen Gesellen heraus. Aber Bucheckern im Bett, nur um den Herbst zu fühlen, nein, Frau jules, ich verstehe Ihren Zwiespalt, lieb ist er ja, Ihr kauziger Freund, aber ihm mal die Meinung zu sagen, das war ganz richtig. Auch wenn er manchmal unvorhergesehen reagiert, das haben sie ja auf Ihre diplomatische Art wieder hinbekommen. Schade jedenfalls wäre es, er wäre nachhaltig sauer auf Sie, denn dann gibt es keine schönen Geschichten mehr über ihn.
Bauer Johannsen war, genau wie im Herbst des vergangenen Jahres mit von der Partie. Im Kampf mit übernatürlichen Elementen hatte er sich diesmal mit dem Wind höchstpersönlich auseinanderzusetzen. Aber erst nachdem ganz kurz ein zweiter regelmäßig Verlesener hereingeschaut hatte: der der immer seinem Lieblingswirt Kalle etwas erzählt und selber keinen Namen hat.

Ja, und die neuen Bekannten, die hatten es diesmal echt in sich: Wolfram Pilz, Poet. Unser Novembergast. Ich glaube Poet ist die passende Bezeichnung, seine Gattung nennt er “Lyrik aus dem Amt”. Gelesen von ihm und gespielt von seiner CD, dort gelesen von Ekke Hahn war sie zu hören. Mir persönlich haben die langen Gedichttitel sehr gut gefallen, die auf Punkt de-oh-ce endeten (.doc) und sich auch noch reimten: „Alles neu macht der Schnee Punkt de-oh-ce“, zum Beispiel, herrlich! Lyrik pur schon im Titel. Schmunzeln. Die Gedichte erzählten von menschlichen Elementen des sich Begegnens und des sich Über-seins, von Katzen und von Motten, von Gewohnheiten und auch vom Amt. Von sozialistischer Geschichte, vom Fluß und vom Fließen. Worte klanglich schön vereint zum Wirkenlassen. So wurden die Gedichte auch in die erhaben andächtiger Stille des Publikums verlesen und dort genossen. Ich genoss. Vielen Dank, Wolfram Pilz für diese schönen Momente.

Premiere, gleich in doppelter Hinsicht hatte Andersen Storm, unser Gitarrist und Sänger des Tages. Premiere I. und II. hießen seine Lieder, eins davor und eins danach, vor und nach einer besungenen Premiere. Vielleicht bekommen wir ja einen abspielbaren Link? Sie klangen nämlich sehr schön! Wobei sie selber ja auch Weltpremiere waren, also vielleicht noch nicht auf mp3 gepresst. Aber wenn, dann sagen Sie es uns hier, nicht wahr, Andersen Storm?
Herr thom* machte Tango, ich will mal sagen bitterböse, in Telegrammen. Kurze Gedichte der tragischen Liebe und des Todes, die er Tangogramme nennt. Die genauso bitterböse waren wir Horst Schwerinsky. Sie entdecken vielleicht gerade das Schwerin in Schwerinsky, das ist voll beabsichtigt, ich hoffe aber nicht typisch! Herr Schwerinsky jedenfalls hält sich für einen guten Vater und hatte wertvolle Erziehungstipps parat. Ne, ne. Ich saß zwei Kindern genau gegenüber, die haben jedenfalls gelacht und sind nicht weinend rausgelaufen. War also klar, dass das frei erfunden war und nicht zur Nachahmung gedacht, zum Beispiel das mit der Tablette. Trotzdem besser zuhause nicht Mama erzählen, versprochen? Sonst hat die Euch nicht mehr lieb!
Damit wir nicht alle in depressiver Herbststimmung nach Hause triefen mussten, hatte ich für den Schluß einen Liebesbrief an den Herbst dabei. Ich hoffe der hat angesteckt und Sie haben genau wie wir den Herbst jetzt alle lieb.

Ich für meinen Teil geniesse den Restsonntag bei Bratapfel, Glühwein, Kürbissuppe und bohre Kastanien an, um Streichhölzer als Beine reinzustecken damit sie auf der Fensterbank stehenbleiben.


 
 
 

2 Kommentare zu “Herbststürme: alte Bekannte, neue Bekannte und drei Premieren”

  1. Martin
    10. November 2008 um 10:45

    Schon Schade, die Uhrzeit – jetzt mit Kind ist das genau die Mittagessen- und Mittagschlaf-Zeit…

    Aber irgendwann wirds bestimmt mal wieder…

  2. aba
    10. November 2008 um 12:31

    @martin.
    das habe ich auch mal gedacht…

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