Monatsarchiv für November 2008

 
 

Dienstag, 18. November: Schmalz und Marmelade am Abend

Liebe [hier bitte selbstständig den eigenen Namen lesen],

der Mensch ist ja ein Gewohnheitstier, wie schrecklich. Ein Gewohnheitstier, das – in meinem Fall – vollkommen auf Sonntage gepolt ist und so gar nicht bedenkt, dass auch ein Dienstag ein zauberhafter Lesetag sein kann. So wie der kommende Dienstag, an dem wir um 20 Uhr in der Aula der Volkshochschule eine vielversprechende Lese mit Carlo Ihde, dem Landeslyrikmeister, und Carsten Stotco, dem musikalischen Meister der Herzen, vorhaben.

Insofern plänkele ich einmal gar nicht vorab, sondern lade Sie gezielt und mit Inbrunst ein, Ihren Dienstagabend mit uns zu teilen. Die Fakten:

Dienstag, 18. November, 20 Uhr, Aula der Volkshochschule
Schmalz und Marmelade – der Wettbewerb. Im Rahmen der Schweriner Literaturtage
Gäste: Carlo Ihde, Carsten Stotco.

Übrigens – Weihnachten naht. Zeit, sich schon einmal mit Märchen zu beschäftigen. Hase und Igel zum Beispiel. Da lernen wir, dass mit ein wenig Beschiss ne Menge geht. Und: dass, wer immer der Erste sein will, sich ganz schön abhetzen muss. Oder, dass der kleine Mann den reichen Schnösel meucheln kann, wenn ers nur gewitzt anstellt. Je nach Gusto und weltanschaulicher Präferenz. In jedem Falle aber bleibt beim Märchenfreunde hängen, dass Wettbewerbe zum Leben gehören und man sich nur schlecht drücken kann.

Das ist jetzt alles etwas verquast. Zugegeben. Was ich eigentlich sagen will: Schmalz und Marmelade möchte Sie am kommenden Dienstag einmal hinter die Kulissen schauen lassen. Wie entsteht eine Sonntagslese? Welche Konflikte, welche Schmerzen, welche Entbehrungen nehmen wir in Kauf, um an jedem zweiten Sonntag eines Monats gut gelaunt vor unserem Publikum im Freischütz zu stehen. Und wieviel Harmonie steckt wirklich hinter der heilen Fassade? “Schmalz und Marmelade – der Wettbewerb” ist insofern eine existenzielle Selbsterfahrung, die wir mit Ihnen teilen wollen. Keine Angst – wir lösen das wie immer verbal und nicht handfest und es gibt auch kein interzelebrales Actionpainting, die Schürze und den Schirm können Sie also vor der Türe lassen.

Soweit alles Wissenswerte für Sie – den Rest können wir ja am Dienstag (Dienstag!!!!) besprechen.

i.A. thom*

PS: Die für diese Mail benutzten Buchstaben sind von der Dudenkommission geprüft und müssen nicht endgelagert werden.

PSPS: Dies ist wie seit Jahren schon ein mit Hand, Herz und etwas Zärtlichkeit erstellter Hilfsnewsletter. Wenn wir Sie damit belästigen, antworten Sie einfach entsprechend und Sie hören nie wieder ein Wort von uns.

Herbststürme: Herr thom* las

Tangogramme (PDF)

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Herbststürme – Herr ivalo las

Kalle – Herbstmeister

und

Lieber Herbst

und

Bauer Johannsen – Alles im Wind

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Herbststürme: alte Bekannte, neue Bekannte und drei Premieren

Der 9. November brachte alte Bekannte zur Lesung an den Ziegenmarkt. Nicht nur unter den Zuschauern im gut gefüllten Freischütz waren wieder zahlreiche Stammgäste, auch das Lesekollektiv brachte in seinen Texten zum Thema “Herbststürme” alte Freunde mit an den Tisch. Herr Sonntag war dabei. Es kommt ja immer mehr über diesen putzigen Gesellen heraus. Aber Bucheckern im Bett, nur um den Herbst zu fühlen, nein, Frau jules, ich verstehe Ihren Zwiespalt, lieb ist er ja, Ihr kauziger Freund, aber ihm mal die Meinung zu sagen, das war ganz richtig. Auch wenn er manchmal unvorhergesehen reagiert, das haben sie ja auf Ihre diplomatische Art wieder hinbekommen. Schade jedenfalls wäre es, er wäre nachhaltig sauer auf Sie, denn dann gibt es keine schönen Geschichten mehr über ihn.
Bauer Johannsen war, genau wie im Herbst des vergangenen Jahres mit von der Partie. Im Kampf mit übernatürlichen Elementen hatte er sich diesmal mit dem Wind höchstpersönlich auseinanderzusetzen. Aber erst nachdem ganz kurz ein zweiter regelmäßig Verlesener hereingeschaut hatte: der der immer seinem Lieblingswirt Kalle etwas erzählt und selber keinen Namen hat.

Ja, und die neuen Bekannten, die hatten es diesmal echt in sich: Wolfram Pilz, Poet. Unser Novembergast. Ich glaube Poet ist die passende Bezeichnung, seine Gattung nennt er “Lyrik aus dem Amt”. Gelesen von ihm und gespielt von seiner CD, dort gelesen von Ekke Hahn war sie zu hören. Mir persönlich haben die langen Gedichttitel sehr gut gefallen, die auf Punkt de-oh-ce endeten (.doc) und sich auch noch reimten: „Alles neu macht der Schnee Punkt de-oh-ce“, zum Beispiel, herrlich! Lyrik pur schon im Titel. Schmunzeln. Die Gedichte erzählten von menschlichen Elementen des sich Begegnens und des sich Über-seins, von Katzen und von Motten, von Gewohnheiten und auch vom Amt. Von sozialistischer Geschichte, vom Fluß und vom Fließen. Worte klanglich schön vereint zum Wirkenlassen. So wurden die Gedichte auch in die erhaben andächtiger Stille des Publikums verlesen und dort genossen. Ich genoss. Vielen Dank, Wolfram Pilz für diese schönen Momente.

Premiere, gleich in doppelter Hinsicht hatte Andersen Storm, unser Gitarrist und Sänger des Tages. Premiere I. und II. hießen seine Lieder, eins davor und eins danach, vor und nach einer besungenen Premiere. Vielleicht bekommen wir ja einen abspielbaren Link? Sie klangen nämlich sehr schön! Wobei sie selber ja auch Weltpremiere waren, also vielleicht noch nicht auf mp3 gepresst. Aber wenn, dann sagen Sie es uns hier, nicht wahr, Andersen Storm?
Herr thom* machte Tango, ich will mal sagen bitterböse, in Telegrammen. Kurze Gedichte der tragischen Liebe und des Todes, die er Tangogramme nennt. Die genauso bitterböse waren wir Horst Schwerinsky. Sie entdecken vielleicht gerade das Schwerin in Schwerinsky, das ist voll beabsichtigt, ich hoffe aber nicht typisch! Herr Schwerinsky jedenfalls hält sich für einen guten Vater und hatte wertvolle Erziehungstipps parat. Ne, ne. Ich saß zwei Kindern genau gegenüber, die haben jedenfalls gelacht und sind nicht weinend rausgelaufen. War also klar, dass das frei erfunden war und nicht zur Nachahmung gedacht, zum Beispiel das mit der Tablette. Trotzdem besser zuhause nicht Mama erzählen, versprochen? Sonst hat die Euch nicht mehr lieb!
Damit wir nicht alle in depressiver Herbststimmung nach Hause triefen mussten, hatte ich für den Schluß einen Liebesbrief an den Herbst dabei. Ich hoffe der hat angesteckt und Sie haben genau wie wir den Herbst jetzt alle lieb.

Ich für meinen Teil geniesse den Restsonntag bei Bratapfel, Glühwein, Kürbissuppe und bohre Kastanien an, um Streichhölzer als Beine reinzustecken damit sie auf der Fensterbank stehenbleiben.

9. November – Herbststürme bei Schmalz und Marmelade

Liebe/r [hier bitte selbstständig den eigenen Namen lesen],

der Tag ist so warm, so kalt, wie die Nacht in dieser Woche. Das ist, weil der Tag nicht warm wird, weil der Dunst die Sonne fern hält und die Nacht nicht kalt ,weil der Dunst den Frost frisst. Das ist Herbst, hat die Dame im Radio gesagt. Man könnte traurig werden, wären da nicht diese Farben.

Und das Rascheln im Laub natürlich und der erste Bratapfel und dieser Duft, dieser Duft im Hof, nach Kaminfeuer…. mh. Und dann ein Sturm vor den Fenstern und eine dicke Decke dahinter… Aaaahhh.

Wer mietet kann schwärmen, wer ein eigenes Dach über dem Kopf hat, der bangt vielleicht um die Ziegeln. “Dem Willi hats Dach abgedeckt “, ist einer dieser Sätze, die sich nicht geändert haben im Dorf am Ende der Straße und dann flickt Willi und es hält bis zu den Stürmen im März. Willi sacht, dass sei eh alles eine Frage der Zeit.

Genau wie die CD von Hans Michau. Die heißt unter anderem 4:55 und das meint Zeit und diese CD sollte auf keiner gut sortierten Festplatte fehlen. (Selbstverständlich erst kaufen, dann kopieren.) “Blubbermugge und Gedichte”, hat mal jemand dazu gesagt und ganz falsch ist es nicht. Es ist großartig. Mit ganz viel Stimmung und … und… ähem… na da fehlen mir die Worte. Müssen sie hören. Können Sie auch: Wolfram Pilz kommt am kommenden Sonntag, Wolfram Pilz, der Michau sehr, sehr gut kennt und etwa die Hälfte der Texte auf der CD spricht, die andere Hälfte spricht auf der CD Ekke Hahn, Wolfram Pilz, der beim NDR für das Kulturjournal arbeitet, Wolfram Pilz, der Moderator, der kommt und liest Michau. Digital und analog.

Mehr hier:

http://www.strike-hoerbuch.de/

Und noch ein Blickfangblock für alle, die nur die Fakten brauchen:

Schmalz und Marmelade – Herbststürme

9. November 2008, 11.30 Uhr Frühstück, 12 Uhr Frühlese.
Freischütz am Ziegenmarkt
Gast: Wolfram Pilz

Der Worte sind genug gewechselt – am Sonntag sehen wir uns ja eh. Bis dahin grüßt herbstlich,

i.A. thom*

PS: Schmalz und Marmelade wird nicht in Barack-Obama- Lesebühne umbenannt. Auf einen entsprechenden Beschluss einigten sich die Organisatoren bereits am vergangenen Montag.

PSPS: Dies ist nach wie vor ein Hilfsnewsletter. Ohne professionelle Basis dafür aber mit Herz, Hand und viel Liebe erstellt. Sollten Sie sich dennoch belästigt fühlen, reicht eine kurze Antwortmail mit entsprechendem Betreff.


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