Schall und Rausch: Andersen Storm sang, las und wurde gelesen

Bon voyage

Minister

Die Schnecke

Zigarette und Bier (Klavier geht nicht)

Bon voyage

Viel zu trunken war die Zeit, als dass sie bemerkt hätte, dass ich sie bemerkt hatte.
Die Zeiger hingen von den Uhren, flügellahm, wie Witzfiguren.
In einer Comic-Blase stand das Wort “Verräter”. Sie zeigte auf ein Glas.
Das war so voller Nichts, leerer Weise, voller schleichender Beunruhigung, ganz leise.

Ich hatte sehr tief hineingeschaut, doch nicht so tief, dass ich zum Grund gedrungen war.
Irgendjemand brüllte in mein Ohr. ich sah die Worte, doch der Sinn war mir nicht klar.
Das süße Kind in meinem Arm lachte süffisant über ein Bild.
Das war so voller Nichts, gemalter Weise, voller schleichender Beunruhigung, ganz leise.

Bon voyage. Gute Reise.

Die Wolken zogen vor das Licht. Sie hatten besseres zu tun als auszusehen.
Von den Wänden hingen Zeichen schemenhafter Zeitgeistleichen.
Ein tiefer Ton ergriff den Raum. Schauderhaft berührte er mein Herz.
Das war so voller Nichts, gefühlter Weise, voller schleichender Beunruhigung, ganz leise.

Die Nacht lag wach. Ich träumte alp. Vielleicht auch umgekehrt – du hast so laut geschnarcht.
Die Blumen tanzten einen Marsch. Sie nickten mit dem Beat und bewegten Ihren Arsch.
Endloses Gähnen ohne Schlaf, komatös. Es dämmert ein paar Jahre.
Die sind so voller Nichts, vergehender Weise, voller schleichender Beunruhigung, ganz leise.

Bon voyage. Gute Reise

Minister

Neulich wurden in M-V wieder neue Minister gekürt, weil die alten die Nase aus dem Wind haben wollten. Und was soll ich Ihnen sagen: ich war wieder nicht dabei. Das wird doch nicht am Ende daran liegen, dass ich in gar keiner Partei Mitglied bin? Ein Schelm wer Böses dabei denkt. Nur wegen fehlendem Parteibuch nicht Minister werden, ja, gibt’s denn so was?!

Dabei wäre ich so gern Minister für Zwiebelleberwurst und luftgestützte Interkontinentalreisen. Da hab ich nämlich gar keine Ahnung von. Da bin ich für geeignet. Also ich weiß jetzt nicht, ob sich M-V ein Miniterium mit diesem Zuschnitt leisten will und ob das überhaupt einer ist. Interkontinentalreisen, und dann auch noch luftgestützt! Aber luftgestützt müsste schon sein, auf dem Landweg käme ich ja nicht überall hin. Na gut, doch schon irgendwie, wenn man mal so einem Meer auf den Grund ginge, aber wer will denn das – zumal als Minister!

Reisen will ich aber, mindestens so weit und so lange wie unsere Außenkanzlerin Steinmerkel. Das wäre meine ständige Vergleichsgröße. Ich schlage die Außenkanzlerin in ihrer besten Disziplin und dann auch noch als Landesminister! Wäre mir ein innerer Vorbeimarsch mit ohne Küssen der Truppenfahne und des Flughafenbetons. Das Unangenhme wäre ja schon durch den Fachbereich Zwiebelleberwurst abgedeckt. Da würde ich dann jeden Tag Pressemitteilungen raushauen müssen, ganz im Ursel-von-der-Leine-Stil: “Leberwurst findet erfolgreich neue Wege durch Seniorenmägen” oder “Zwiebelreform zeigt erste Erfolge: Währen Papa pupst und die Kinder wieder lachen können, arbeitet Mutti selbstbewußt an der Verbesserung des Raumklimas”.

Ach, das wäre ein Leben als Minister in MV: all die schönen Häuser und das Schloss und BUGA ist ja 2009 auch noch in Schwerin. Da würde ich in Blumen baden können, bis zur Pollenallergie. “Tragt mich auf mein Schloss!”, würde ich den Heli-Piloten zurufen. Das steht auf einer insel und die sind manchmal auch kontinent, also mein Geschäftsbereich. Und Schmalz und Marmelade ließe ich in Stömen um Lachs und Kaviar und Champagner ergänzen. Und sie alle dürften partizipieren und – zusehen!Außer Frau jules, aber die wäre ja bei mir Staatssekretärin für die Zwiebelleberwurstgeschichte.

Bin ich aber als Minister im Gespräch gewesen? Nein, wieder nicht! Und ich würde so gern weg aus der egozentristischen Inkompetenzforschung! Jahrelang scheitere ich nun schon am passenden Forschungsdesign. Das hat auch sein Gutes: Wer schon auf niedrieger Höhe die Stufe seiner Inkompetenz erreicht hat, kann natürlich deutlich weniger Schaden anrichten. Und das auch noch mit deutlich geringeren Bezügen. Wie gut für den Steuerzahler.

Die Schnecke

Die Schnecke

Klar habe ich einen Text. Und ob ich einen Text habe. Ich habe sogar einen guten, lustigen, freundlich belehrenden Text. Ich habe sogar einen Klasse-Text. Und ob ich einen Klassetext habe. Ich will den aber nicht vorlesen! Nein. Neihein! Ich will nicht. Nicht vorlesen. Nicht jetzt, nicht so und auch nicht hier.

Sie sitzen hier rum und lassen sich berieseln und dann lachen Sie am Ende über den Doofen, der hier vorliest. Ich will nicht der Doofe sein. Ich will nicht lesen! Können Sie doch mal Lesen! Hier, hier! Lesen Sie vor! Ja, ja, ja! Das steht doch da gar nicht! Sie wollen ja bloss, dass ich wieder der Doofe bin und hier vorlesen soll! Was?! Was haben Sie eben gesagt? Nein, davor mein ich! Können Sie ruhig laut sagen! Ja, jeeeetzt kneifen!!

Und ob ich lesen kann! Ich hab das doch selber geschrieben, da wird ich das doch wohl auch retuka…, rekatupo…, erinnern können! Oder??!! Oder?! Wörtlich vielleicht nicht. Aber doch im Sinn! Ich weiß jetzt nicht mehr die ganze Geschichte, ok: aber die Pointe, die weiß ich noch.

„Siehste“, sagte die Schnecke, „siehste wohl: Aggressives Verhalten führt zu nix Gutem!“ Ja, genau! Wörtlich… fast. „Siehste wohl, sagte die Schnecke, Aggressivität geht nicht immer gut aus!“ Oder so.

Ist doch einen kluge Pointe, oder? Oder??! Ist doch eine, oder? JETZT könnten Sie ruhig was sagen, ja… Ist doch ne gute Pointe?

(Herr ivalo:) Aber ich kenne doch die Geschichte gar nicht.
(AS:) Ja, stimmt schon. Hier steht sie. ICH habe sie geschrieben… Ich kann mich nicht mehr erinnern. Ich kann mich nicht mehr erinnern…
(Herr ivalo:) Können Sie die Geschichte nicht einfach vorlesen?
(AS:) Nein. Nein. Ich kann doch… ich hab doch meine Brille vergessen!
(Herr ivalo:) Könnte ich die Geschichte nicht vorlesen? (Erhält wortlos das Manuskript und lies vor.)

Die Begegnung (von Andersen Storm)

Eine Schnecke und ein Schmetterling fanden einmal einen Spiegel im Grase. „Schau mal!“, rief die Schnecke, so laut es Schnecken eben können: „was für nette Leute wir gerade treffen!“

„Nett?“, antwortete der Falter spitz. „Was für ein angeberisches Flatterdingens! Dem wird ich es zeigen!“ und flatterte den virtuellen Fremden los. Da aber auch der näher kam, versuchte der Schmetter-Schmähling es mit einem Box-Angriff. Links, links, rechte Gerade und Kick. „Aua!“, rief er, denn er prallte mit jedem Schlag und jedem Kick nur gegen etwas sehr Hartes, bis er endlich erschöpft ins Gras fiel.

Die Schnecke hatte sich indes in den Häuslebauherren gegenüber verliebt und kroch langsam und vorsichtig, so wie es nur Schnecken können, näher. Man berührte sich. Das war schleimig wie immer, allerdings dann doch kälter als erwartet. „Na, das ist jetzt aber nicht ganz das, was ich so bevorzuge“, seufzte die Schnecke und auch ihr Gegenüber zuckte mit der Schulter. Daraufhin entfernten sie sich voneinander. ‚Man kann nicht alles haben’, dachte die Schnecke und als sie den erschöpften Schmetterer im Gras liegen sah, sagte sie zu ihm:

„Siehst du, Flattermann, aggressives Verhalten bringt dich auch nicht weiter!“, und kroch heimwärts.

Zigarette und Bier (Klavier geht nicht) – haben Sie verpasst ;-)


 
 
 

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