Advent 2007 – Mandarinen und Traditionen
Wann ist etwas Tradition? Der Mensch ist ja bestrebt Regelmäßigkeiten im Lauf der Welt zu erkennen und zu deuten. Dinge, die zweimal hintereinander passieren, ob nun zufällig oder geplant, ist er bereit als feste Regel zu beschreiben. Als Tradition, selbst wenn der betrachtete Zeitraum gerade einmal die letzten 18 Monate umfasst. 18 Monate ist Schmalz und Marmelade alt, 16 Mal lasen wir unsere Sonntagslese. Zum allerersten Mal hatten wir ein Thema doppelt und zum allerersten Mal kam ein Gast zum zweiten Mal. Eine Tradition eben. Das Thema im Dezember 2007 war Advent, das gleiche, wie im Vorjahr, unser Gast war, wie vor einem Jahr Domprediger Volker Mischok.
Der Freischütz war wieder einmal gut gefüllt. Mit 15 minütiger Verzögerung ging es los, das Auto mit der Technik streikte. Michael Milz, unser Held der Technik schaffte die Verstärkeranlage dennoch um Punkt 12 Uhr heran. So konnten wir vom Tresen wieder herabklettern, den wir zwecks besserer Akkustik bereits bestiegen hatten und aus unserer Leseecke technisch verstärkt das Etablissement gut hörbar füllen.
Für die besondere weihnachtlich-festliche Stimmung sorgten Esther Kartzewski und Dascha Gargel mit barocken Duetten für Geige und Querflöte von Georg Philipp Telemann und Michel Blavet.
Außerdem hatte Herr thom* lauter kleine Gedichtchen geschrieben, die er hier und dort immer mal einstreute. Weihnachten in Familie liebevoll beobachtet und satirisch kommentiert. Mit Frau jules musste er sich allerdings gleich streiten, sie fand Weihnachten nämlich einfach nur schön und festlich, er kommerziell überzeichnet und gar nicht mehr das, was es mal sein sollte. Da stimmt ich ihm sofort zu. Die Unterschriftenlisten des Vereins gegen den Vorweihnachtskommerzterror, VG VW KT e.V. wurden an der Theke ausgelegt. Mit Erfolg. Es wurde kein einziges Weihnachtslied angestimmt. Während der ganzen Veranstaltung nicht. Doch, das von thom*, aber das war kein wirklich Klassisches. Dafür gab es aber Mandarinen und Plätzchen. Herr jati besuchte den Weihnachtsmann am Nordpol, der in einer Art Ehekrise war. Armer Mann. Hat aber auch viel zu tun. Also der Weihnachtsmann, nicht der Herr jati. Der hat auch viel zu tun. Gemeint war eben aber der Weihnachtsmann. Der Herr jati! Ja, das hat uns ganz besonders gefreut. Gründungsmitglied von Schmalz und Marmelade, zuletzt im Juli 2006 zum Thema Fußball bei uns – Sie erinnern sich vielleicht, wenn Deutschland spielt im Baumarkt und Aktionsfußball gezeigt von der Ukraine und der Schweiz waren seine Themen – war mal wieder bei uns. Zu sagen, er kam als Vertretung für die verreiste Frau Nadine, wäre jetzt übertrieben. Oft hatten wir angeklopft, diesmal vielleicht etwas hartnäckiger.
Ich habe dann schnell noch geklärt, wie Vertreter anderer Religionen zum Weihnachtsbaum stehen und Herr thom* sang sein Lied. Hab ich jetzt noch als Ohrwurm. La-la-la-la Thunfischpizza …. schön. Und eben nicht weihnachtlich, jedenfalls nicht vordergründig, eben wegen Thunfischpizza.
Volker Mischok brachte, und auch das ist Teil der Tradition, eine weihnachtliche Geschichte von Christine Nöstlinger mit. Wie schnell strickt das Christkind und vertragen Erwachsene die Wahrheit darüber. Darum könnte es gegangen sein.
Der dritte Teil, der ab heute offiziell dritte Halbzeit heißen darf, und das ist bei uns noch nicht die Halbzeit danach, sondern noch mitten drin, begann mit einem angekündigten Überraschungsgast. Wir waren 3 Spatzen und Martin Neuhaus dirigierte uns in unserem Haselbusch. Ich hatte es warm, denn ich spielte den Hans. Den frechen in der Mitte. Damit wollte Martin es eigentlich bewenden lassen. Einen echten Schauspieler. Kurz vor Weihnachten. Den lassen wir doch so schnell nicht gehen. Nach einem 15-Minuten-Workshop haben wir heute nämlich sich-über-Weihnachtsgeschenke-freuen-wenn-man-sich-gar-nicht-freut gelernt. War gar nicht so schwierig, wie ich dachte. Wir sollen allerdings viel üben, bis Weihnachten, damit es auch glaubhaft wird.
Frau jules hat sich noch als Meisterin des Schlüssellochschauens geoutet, Herr jati als oberster Klimaschützer gezeigt. War sonst immer meine Aufgabe, fand ich aber mal ganz angenehm. Ich kann ja nicht dauernd die Atmosphäre retten.
Der Eiszapfen, der so ganz anders war, war mit einem schmelzenden Schneemann der Held der Weihnachtsgeschichte, die Martin Neuhaus uns mitgebracht hatte, von himmlischer Geigen- und Flötenmusik begleitet.
Kann man sich einen schöneres Lesebühnenfinale für’s Jahr wünschen, als diesen feierlichen Nachmittag im Freischütz? Ich nicht, nein, das war wundervoll, vielen Dank, allen, die geholfen haben ihn zu gestalten.
Kommen Sie gut durch die Weihnachtszeit, die Ihnen eine Feierliche sein mag. Damit wir uns am 13. Januar 2008 im Freischütz wiedersehen können, wenn es heißt: “Die Kunst der Stunde”.


9. Dezember 2007 um 21:30
Wunderschön rückgeblickt. Man war das schön!