“Großes Kino”: Frau Jules las
Herr Sonntag & ich – Lichtblickkino
Dynastie
Für A. zum Vortreffen
Herr Sonntag & ich – Lichtblickkino
Lichtblickkino. Matte Metallene Buchstaben über der Holztür, die man schwenkt um hindurch zugehen. Milchglas. Berlin, am Abend. Das matte Metall im Kegel zweier Scheinwerfer, des Abends und des Baugerüsts linker Hand wegen. Die Scheinwerfer faustgroß.
Der Trottoir kopfsteingepflastert. Graues Laub, der die Straße säumenden Bäume. Der Trottoir ein wenig nass. Glänzend im Kegel zweier Scheinwerfer. Die Scheinwerfer faustgroß. Vor dem Milchglas eine Bank. Dort raucht man. Vor der schwarzen Einfahrt rechter Hand, junge Künstler zur Eröffnung ihres Ateliers. Laufpublikum heischend. Man gehe bis ganz hinten durch. Eine Toilette. Graue, beleuchtete Buden, zur Einkehr zwischen den Bäumen. Man isst und trinkt.
Zum Abend wird es eng. Man kennt sich oder kennt sich nicht bis kaum.
Noch vier Minuten. Das Lichtblickkino besitzt nicht mehr als dreißig Plätze. Der Vorraum. Fliesen. Man drängt sich vor der Tür. Die Tür wie die Wände, eine Farbe wie nasser Sand sich färbt. Blumenmuster im oberen Drittel. Filmplakate. Ich sei nicht allein, sagt mir darauf eine Frau mit Wachdienstmütze und ein Dicker mit spitzer Nase und fettigen Haaren. Er trägt ein weißes Unterhemd. Ich sei nicht allein. Das kenn ich von zu Haus, denke ich.
Zur linken eine hohe Blechtheke mit Süßkram und bunten Flaschen, die Preisliste dazu. Ein Mann mit Kunzebrille, für den die Revolution noch nicht zu Ende ist, der letzte Karten verkauft und Süßkram und bunte Flaschen, dahinter. Nicht die von vor einer Stunde. Die, die so nach Ungarn klang oder Polen, nach irgendwas hinter der Oder im Osten von uns.
Zu spät öffnet man uns die Tür. Es ist nahezu zehn Minuten nach der Zeit. Schmale Lederjacke, mit langen grauen Fingernägeln von rechts raucht und schiebt. Die Dicke in Leinen mit Brille, vor mir, stinkt, drängelt. Einen dünnen, schwarzen Blechgang klopft man ab mit den Schritten in Richtung der nicht mehr als dreißig Sitze. Dann beide versunken in rotem Plüsch. Die Leinwand ist wie alles eng und klein. Nicht die Wände. Die sind hoch. Der Projektor steht schief. Knarrt. Gekaufter Süßkram und gekaufte bunte Flaschen rascheln, floppen und zischen und ein Schmatzen dazu. Die Bilder fangen an am Licht vorbeizuzurren. Stufen rechts neben mir. Das Blech unter unseren Füßen war Fliese, wurde Blech, Stein jetzt.
Angelehnt. Unser Film beginnt. Unser Film endet. Man fällt ineinander, küsst, verschließt Augen und streicht Hüften zwei Plätze rechts neben uns. Wie im Film, denke ich. Was glaubst du woher kommen die Geschichten. Sagt Herr Sonntag.
Dynastie (Laudatio für Familie Wille – Oscar für die besten Fotos)
Das Motiv.
Die Kamera.
Die Schärfe.
Das unbewegte Bild, ihr Metier.
Das unbewegte Bild, ihre Passion.
Generation 1
Generation 2
Generation 3
Rahmen uns in Megapixeln.
Uns, Schmalz & Marmelade.
Sie, The Willes.
Für A. zum Vortreffen (Laudation für Anne)
Hinten Rechts in der Ecke
da sitzt du
und feilst
und schmierst
und drechselst
mit uns.
Hinten Rechst in der Ecke
da sitzt du
in deckender Deckung
in beruhigender Ruhe
in guter Mine
zu uns.
Hinten Rechts in der Ecke
da sitzt du
mit feilschendem Blick
mit lachendem Zahn
mit schlichtender Zunge.
Hinten Rechts aus der Ecke
Erwischt uns der Zuruf
von sauberer Dramaturgie
von guter Idee
von der auftrittlosen Nummer vier
von dir.


13. November 2007 um 21:23
so leid es mir tut. aber frau jules muss weg. weg aus der kleinstadt und rauf auf die richtig grossen buehnen. hier in schwerin wuerde sie, und da blutet mir das herz, nur versauern. die zukunft von frau jules, und da bin ich mir leider ziemlich sicher, liegt nicht hier.
oder anders: boah, hat die was aufm kasten, ey. krass.
14. November 2007 um 18:36
ich bin gerade rot geworden. vielen lieben dank.