Schützenfest-Rückblick: High noon in Schwerin city
High noon in Schwerin city
Oder: Die wilde 13
Ein Schützenfest wollten wir mit Ihnen feiern, liebes Publikum, eine Schussfahrt in die neue Saison sollte es werden.
Herauskam ein Showdown um 12 Uhr Mittags, mit vier Helden, die hereingeritten kamen in den Saloon auf einer musikalischen Welle, bereit mit Gags zu feuern und Pointen zu schießen. Der “Freischütz“ war bis auf den letzten Platz gefüllt – das freute uns sehr, duellierten wir uns an diesem Tag doch mit Altstadtfest und dem Tag des offenen Denkmals.
Pünktlich um 12 und ganz westernmäßig durften Sie aber erst einmal auf uns, die Tells, schießen, bevor wir an unserem Festtisch Platz nahmen. Begleitet wurden wir vier Leseschützen von unserer Schützenkapelle für diesen Tag: von dem Saxophonquartett der Stadt.
Herr thom* läutete das Schützenfest ein mit einer galoppierend schnell erzählten Kurzfassung des “Freischütz“, gefolgt vom Medieval Action Adventure von Frau nadine, das wiederum direkt überleitete zur Geschichte des Herrn thom*, in der er davon berichtete, wie er, ganz shootermäßig, mit zwei unbekannten Helden – dem Fatalisten und dem Berliner – das Schlaraffenland erobern wollte.
Frau jules erzählte uns vom Kugel und später Hoffnung durchbohrten Schützenkönig, und Herr ivalo erklärte, warum Regentropfen es verdient hätten zu Königen gekrönt zu werden, warum diese Ehre bisher jedoch noch nie einem Regentropfen zuteil wurde. Nach dem “Wildschwein“ von Frau jules ging es dann – mit Blasmusik – beschwingt in die Pause.
Nach der Pause betrat unser Schützenkönig und Lesegast, der Schweriner Schauspieler Andreas Lembcke, den Schützenplatz und erzählte uns vom Erlegen einer Currywurst, liebenden Rittern in quietschenden Rüstungen und sang ein traumhaft schönes Lied über Hansa Rostock.
In den dritten Leseblock schritten wir – den mussten wir uns dann doch noch geben – zum Jägerchor aus Carl Maria von Webers “Freischütz“ ein.
Herr ivalo bot – die Besucher der Kochlese mit Horst Matthies werden sich an seine monovokalischen Texte erinnern – ein Bivokalisches Schützenfestgedicht feil, während Frau nadine der Schweriner Wirtschaft huldigte, Frau jules ihren zweiten Schützenkönig krönte und Herr ivalo über das einzig wahre Schützenfest für einen ostwestfälischen Fußballfan sinnierte: das Schützenfest in Dortmund. Herr thom* ließ zum krönenden Abschluss noch einmal “Helga“ musikalisch wiederauferstehen, um sie dann – “Schuss“ – vermittels Liedende zu erlegen.
Das Publikum dankte es mit reichlich Applaus – hatten wir wohl mit diesem Saisonauftakt ins Schwarze getroffen. Für die Schweriner Lesebühne war’s die 13. Frühlese – kein Grund, abergläubisch zu werden. Für Sie war es hoffentlich einer der schönsten literarisch-musikalischen Shoot-outs der FilmSchützenfestgeschichte.

