Schützenfest: Herr ivalo las

Schützenfest, ein bivokalisches Gedicht

Schützenfest in Dortmund

Regen, der auf Holland fällt

Schützenfest, ein bivokalisches Gedicht

wenn Schützen Schützenwut verspüren
Schützenkunst zu messen
und Schützenhelden küren
deren Ruhm und Ehre unvergessen

begehrt der Mensch je gut zu leben
nur: erst Schuss, Festzelt zuneben
Gebrüll: Jürgen erlegt über Gebühr ferne Türme
Jubel: Kurts Schuss erstürmt Zentrum der Lust

der Weg der Kugel ungebunden
unentwegt zum Schützenglück
der Leute Herzbegehr verkünden
und Segen dem der Meute verzückt

wenn Schützen Gewehre brüsten
glühen Würste, Kerle dürsten
Kehlen leeren zechend Gerstenkübel
zur elften Stunde: sehen wer erlegen dem Übel
und wer nüchtern gewesen

jung Schützengesell bewundert Blusen
verzückt durch den begehrten Busen
buhlt er um des süßen Mundes Kuss
erregter Herr gebückt
Versuch nur schlecht geglückt
zu Bette geht er nun zu Fuß

Held gekürt, Zelt leer,
Fest zu Ende und Schluss

Schützenfest in Dortmund

Die ganze Südtribüne bebte und vibrierte, alle hüpften auf und ab und sangen: ah-ja-ja-ja, Schüützenfest in Dortmund. Schützenfest mit langem üüü . Nach Vorlage von aijaijaijai Karneval in Rio oder vielleicht auch Oh-ja-ja-ja, Karneval in Kölle, wahrscheinlich ist das Original aber eher Aijaijaijai muchos delos pintos. Schützenfest in Dortmund jedenfalls war was die ganze Südtribüne gröhlte, später bis auf einige wenige das ganze Stadion und das zurecht: es war ein Schützenfest an diesem 6. November 1982 im Westfalenstadion. Ich war 14 und mittendrin, mein 4. Bundesligaspiel die Jugendkarte für 4 Mark.
Dabei fing es für Dortmund gar nicht erfreulich an, und zwar mit Frank Pagelsdorf.
Frank Pagelsdorf, Trainer der Bundesligamannschaft von Hansa Rostock war in den 80er Jahren aktiver Profispieler, unter anderem bei Arminia Bielefeld.
Das Spiel war gerade eine Viertelstunde alt, da brachte Pagelsdorf den Außenseiter aus Ostwestfalen in Führung. Der östliche Teil Westfalens heißt tatsächlich Ostwestfalen, klingt doof ist aber so. Spitzfindige sagen nur Falen, da sich Ost und West angeblich aufheben, aber das nur nebenbei.
Pagelsdorf jedenfalls wird nach seinem Treffer einen extra Bogen entlang der Torauslinie an der Südtribüne gelaufen sein, bevor er sich bei seinem Passgeber bedankte.
Die Freude auf Seiten der Arminen dauerte ganze 3 Minuten, Manfred Burgsmüller sorgte in der 19. Minute für den Ausgleich und den 1:1 Pausenstand.
Was dann passierte war einmalig in der Bundesligageschichte:
In der 46. und 47. Minute schaltete der BVB auf Sieg, 3:1, ab dem 5:1 in der 66. Minute begann der Countdown der Südtribüne, nur noch 5, 69. Minute nur noch 4, 72. Minute, das 7:1 war der 5. Treffer von Manfred Burgsmüller in dieser Partie, 78., 80., 84. Minute 10:1.
88. Minute Elfmeter für Dortmund. Alle wollten „Manni“ Burgsmüller sehen, 6 Tore in einem Spiel wäre gemeinsam mit Dieter Müller vom 1. FC Köln Bundesligarekord. Doch Lothar Huber legte sich den Ball zurecht, mich hielt nichts mehr auf meinem Platz, ich rannte runter zum Zaun, einen Meter von der Torauslinie entfernt, Tor zum 11:1. Lothar Huber stürmte den Dortmunder Fans auf der Südtribüne entgegen, seine Arme erreichten mühelos das Stadiondach.
Dortmund war Tabellenführer, Punktgleich und ein Tor besser, als der HSV.
Bielefeld bleibt für mich Schießbude und Schützenfest ist Schützenfest in Dortmund.

Regen, der auf Holland fällt

hollandregen.jpgGemessen an der Gesamtmenge des Wassers auf der Erde und der jährlichen Niederschlagsmenge regnet ein Wassermolekül durchschnittlich alle 1000 Jahre auf die Erde nieder. Dauert also ganz schön lange, bis ein Regentropfen, wenn er einmal runtergeregnet ist erneut regnen darf.
1000 Jahre ist natürlich nur der Durchschnitt. Der eine Regentropfen verdampft sofort und regnet ziemlich bald erneut, ein anderer dümpelt hunderttausende von Jahren in tiefen Erdhöhlen vor sich hin, bis sich ein Mineralwasserbrunnen mal erbarmt, nach ihm zu bohren.
Wie im richtigen Leben: der eine hat Glück, der andere eben Pech!
Das Schicksal eines Tropfens entscheidet sich just in dem Moment, da er der Mutter Erde Schoß berührt. Dann wird Gewissheit, ob ein durstiges Maul von wiederkäuendem Weidevieh schlabbernd den erfrischenden Trank erwartet, ob rohe Kapillarkräfte monströser Wurzelgeflechte dem unglücklichen Tropf aufsaugend auflauern oder Milliarden Artgenossen des Ozeans die Arme zum Willkommensgruß ausbreiten.
War der Tropfen noch fröhliche Reisegesellschaft für die glücklichen Minuten des freien Falls heißt es nun Abschied nehmen. Im unerbittlichen Konkurrenzkampf der H2O-Partikel zählt nur noch das Molekül, Solidarität war gestern. Vom ersten Bodenkontakt an heißt das alleinige Ziel: das nächste Mal auf Holland regnen.
Gar nicht so einfach, macht die Fläche dieses possierlichen Landes doch gerade Mal 1/100 Prozent der Erdoberfläche aus. Der schnelle Zuhörer hat längst nachgerechnet, dass es da im Durchschnitt 10 Millionen Jahre dauert, bis so ein armes Molekül einmal auf Holland regnet. Im Durchschnitt wohlgemerkt!
Das ist Stress pur: günstige Strömungen suchen, den richtigen Moment zum Verdunsten finden und sich dann in moderater Höhe einer gemütliche Nimbostratus anschließen, die einen hoffentlich über dem Land der Polder und Windmühlen abwirft.
Egal ob aus der mongolischen Steppe, der Mecklenburgischen Schweiz oder den unendlichen Weiten des Südpazifiks: aufs gelobte Land zu regnen, das ist Ziel und Erfüllung zugleich.
Nur so ist zu erklären, dass es derart viele immer wieder schaffen. Gar nicht wenige verfehlen ihr Ziel nur knapp, die bekommen wir dann ab.
Jahr für Jahr gibt es unter Wassermolekülen den auf-Holland-regnen-Wettbewerb. Das Molekül, welches es schafft, innerhalb eines Jahres am häufigsten auf Holland zu regnen ist der ungekrönte König unter Seinesgleichen.
Ungekrönt nur deshalb, weil noch niemand eine so kleine Krone gebaut hat.


 
 
 

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