Schützenfest: Frau nadine las

Eine Hommage an die Schweriner Wirtschaft

Schützen fest: Medieval Action Adventure im Mehrspielermodus mit Option zum Finishing Move

Eine Hommage an die Schweriner Wirtschaft

An meinem ersten Tag in der kleinen Landeshauptstadt lernte ich, dass in Schwerin auf Sprachökonomie nicht die linguistische Höchststrafe steht. Ganz offiziell und unverfroren stand da an einem Schild am Schelfmarkt “Straba”. Einfach so.
An einem höchstoffiziösen, kommunalen, steuergeldlich finanzierten, kunststoffhergestellten, DIN-genormten deutschen Hinweisschild stand eine Abkürzung, die in meiner Heimatuniversitätsstadt von höheren Semestern der Philologien nur noch naserümpfend und allenfalls im mündlichen Sprachgebrauch geduldet wurde.
Zumindest sprachlich hatte die Stadt in meinen Augen von da an den Mut und die sympathische Dreistigkeit eines kleinen Dorfes in Gallien.

An meinem zweiten Tag in Schwerin lernte ich, dass die Menschen in diesem Land den Gedanken, in einem Flächenland zu leben, so sehr verinnerlicht haben, dass für sie jeglicher Fußweg über 30 m eine Strecke von schier unzumutbarer Distanz und unüberwindbarer Länge bedeutete. Ich hatte in der Nebenstraße geparkt und dies auch so kundgetan, als ich von meinen nimmerintegrationsmüden Kollegen erfuhr, für Mecklenburger Verhältnisse stünde ich im Nachbarkreis.

An meinem dritten Tag lernte ich das Selbstlern-Sightseeing-Programm der Stadtmarketing kennen. Man startet mit dem PKW einfach an einem beliebigen Punkt innerhalb eines Zwei-Kilometer-Radius’ um die Innenstadt. – Ein geradezu didaktisch konzipiertes, methodisch aufeinander aufbauendes System aus Einbahnstraßen oder für den privaten PKW-Verkehr gesperrten Straßen ermöglicht es dem Neuankömmling, sich innerhalb von 40 Minuten die bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt mit dem KFZ zu erschließen – ohne aussteigen oder eine Straße doppelt nutzen zu müssen.

An meinem vierten Tag entdeckte ich den “Freischütz”. Zu meinem Erstaunen hatten sich die Gäste in dieser Kneipe offenbar nicht im Skiurlaub einen Sonnenbrand geholt. Auch hatten sie – und hier hatte dieses kleine Land im hohen Norden gleich wieder den Charme eines kleinen widerborstigen Dorfes – nicht wie alle in Berlin oder Köln ihre Fladenbrote auf martialische Weise aufgeschlitzt und wie überall, gepresste, gequälte und völlig überwürzte Fleischbröckchen hineingestopft. Nein, hier hatte man Mut, hier war man anders. Hier blieb das Brot – ganz Milchviehland – ein Fladen, auf dem der Gast nach Herzenslust Sättigungsbeilagen stapeln lassen konnte.
Ich fühlte mich gleich ein wenig zu Hause, denn von der Wand lächelte der gleiche nette, schlecht frisierte ältere Herr wie im Musikkabinett meiner Dorfschule.
Ein wenig befremdlich fand ich zwar, dass hier – anders als in den Schankwirtschaften des Bundeslandes, aus dem ich grade kam, Beine statt Geweihe von den Wänden hingen, aber nun gut, vielleicht gibt es ja so hoch im Norden einfach keine Hirsche und hätte das Beschaffen eines Geweihs die Besitzer oder Raumausstatter dieser Kneipe an den Rand der Beschaffungskriminalität getrieben. Das hätte ich auch nicht gewollt. Und so betrachtet fand ich Beine dann schon wieder besser als tote Fische.
Als ich auf die Toilette musste, war es mir vollends klar, dass ich an einem Ort gelandet war, an dem man stets und ständig um das Wohlergehen der Gäste bemüht war: statt sich in Situationen allergrößter zeitlicher Not mit mehr als viersilbigen Beschilderungen aufzuhalten,
hatte man sich hier auf ganze zwei Silben verlegt: “Das Weib“.
Als ich mich wieder an den Tisch setzte und noch einmal den Blick schweifen ließ, wusste ich, könnte meine Oma mich jetzt sehen, wüsste sie, ich wäre angekommen.
Angekommen und in guten Händen.
Denn für einige Jahre nach dem Tod meines Großvaters hatte sie im Ort… die Erfassungsstelle für Eier.

Schützen fest: Medieval Action Adventure im Mehrspielermodus mit Option zum Finishing Move

Die Fahnen flattern, bunt weht des Königs Wappen hoch im Wind.
Rosse, Rennbahn, Ritterlanzen krachen.
Es schnaubt des edlen Recken Schimmel
Und scharrt die Hufe durch den feinen Sand.
Die Nüstern wutvoll aufgebläht.
Bauern, Mägde, Knappen, alle sind versammelt.
Medieval public viewing, wunderbar!

Auf der Tribüne, König, sin Fru und auch das Goldstück Froll’n Tochter.
Die Fürstenloge war schon ausverkauft, so’n Schiet,
So wie im Globe einst tobt die Menge auf den Plätzen,
als Kunigund’ den Recken sieht.
Die Rüstung glänzt, der Gaul geschniegelt, die Mähne weht an Helm und Pferd.
Galopp macht auf der and’ren Seit’ des Gegners stolze Stute.
Sie rast, er hebt die schwere Lanze an zum Stoß.
Das Ziel in Kunigundes Augen ist erfasst, fest richtet sich der Blick auf ihn,
den unbekannten Schützen. Doch er, nur Augen für den Feind,
Erfasst das Ziel und treibt das Ross mit Sporen.
Holt hoch die Lanze, fest im Griff, den Blick starr gradeaus.
Und “krach“ das Holz zerberst’, die Lanzen splittern…
Das Fräulein auf, dann von der Brüstung springt, der Vater sie kaum lässt,
sie, reißt sich los, rennt übers Heldenfeld, direkt ihm in die Arme
der Recke strahlt, das Spiel vorbei, hält Kunigund’ den Schützen fest.


 
 
 

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