Reiselese: Manja “Maschi” Graaf las

Höchst flexibel.

Pioniergeburtstag

Höchst flexibel.

„Ich bin eine Nummer. Ich laute 5399668 und wer sich bei meiner Noch-Besitzerin mein Passwort abholt, kann noch bis Dezember 2007 in Neuseeland ca. 5 Stunden kostenlos mit dem Bus fahren.“

Pioniergeburtstag

Heaphy Track, Saxon Hut zur John Mackay Hut, 13.12.2006
Heute ist ein ganz besonderer Tag, denn heute habe ich einen neuen Freund gefunden.
Gestern war auch ein besonderer Tag, denn da bin ich nach heftigen Regenfällen auf nassen Steinen ausgeglitten und in den Fluss gefallen. Beim Trocknen meiner Sachen und mir selbst ist mir dann die den Fluss überspannende Hängebrücke in den Augenwinkel geraten.
Aber heute ist ein ganz, ganz besonderer Tag, denn ich habe einen neuen Freund gefunden. Er heißt Mr. PICKEY, ist ca. 52 cm groß und alles kam so:
Nach verspäteten Aufbruch, was ganz klar noch mit zu erbringender Trockenleistung des prasselnden Ofens in der Saxon Hut zusammenhing, wanderte ich zügig in die nächsten Regentropfen hinein, die dann aber weit weniger zahlreich als befürchtet fielen. Und da war es auch gleich viel weniger schlimm ziemlich zum Bergfest des Heaphy Tracks kniehoch im Schlamm stecken zu bleiben.
Wie ich am Abend feststellen durfte war ich nicht die einzige, aber dem Moment der negativen Schrittgeschwindigkeit mitten im Neuseeländischen Urwald tat dies keinen Abbruch. Geräuschvoll schwankte und zutschte ich mich frei, um deutlich vorsichtiger und langsamer die verbleibenden Kilometer bis zur John Mackay Hut zu… schlurpsen… und dabei die schuhgerechten Fuß- und Zeh – Schlammpackungen langsam in Körpertemperatur und darüber hinaus übergehen zu merken.
Die Hütte lag dann hügelig versteckt aber im strahlenden Sonnenschein und der Zeltplatz war ein sonnenwarmes Holzpodest auf Pfählen im morastigen Grund – also dem Schweriner Schloss nicht unähnlich. Dort streckte ich mich und meine Sachen gleich aus, um den mich einhüllenden Schlamm einfach an der Luft resttrocknen zu lassen, was mir klüger, vernünftiger und Zeit sparender als Waschen vorkam.
Es war dann so ca. 15 Uhr 00 und ich beschloss die Nachtruhe einzuläuten. Ein Zelt war nicht aufzubauen, denn ich hatte keins und einen geheimen Unterschlupf für und gegen den mich sowieso irgendwann weckenden Nachsturm mir Regen und Gewitter hatte ich bereits ausgespäht.
Ich kroch also halbwegs gesäubert in meinen Schlafsack uns sank warm und trocken (erstmals seit drei Tagen) auf den himmlisch harten Holzboden. Der Kopf berührte die Bretter und der Mensch schlief.
Und dann wurde ich geweckt, weil mich etwas ins Gesicht piekte.
Einigermaßen erschrocken fuhr ich hoch, aber als Schlafsack getarnte Bockwurst erreichte ich gerade so die Höhe, um mich auf meinen rechten Ellenbogen aufzustützen und meinem neuen Freund genau in die Augen zu schauen.
Bevor weitere Begrüßungsformeln ausgetauscht werden konnten, piekte er noch mal in meine Wange und leckte auch ein bisschen, um dann wegzugehen. Ich denke, er mag keine Bockwurst, aber ich habe jetzt einen neuen Freund und er heißt Mr. PICKEY.
Später habe ich gesehen, dass er mit seiner ganzen Familie da war und der eigentliche König der John Mackay Hut. Ich habe ihn auch fotografiert, aber noch in der Nacht beschlossen, sämtliche strafverfolgende Schritte gegen ihn zu unterlassen – ich meine, wir sind Freunde!
Außerdem freute ich mich sehr über die gewaltige Wetterverschlechterung mit aufziehendem Sturm und rapiden sowie tiefen Temperaturverfall (binnen zehn Minuten sah man seinen Atem in der Hütte gehen), denn der DOC [Department Of Conservation] – Ranger zeigte Herz und ließ mich trotz fehlendem Hüttenpass drinnen schlafen.
Dabei stellte ich dann gleich noch fest, dass ich im Gegensatz zu meinen Mitwanderern ANGUS und LUIS MIGUEL Feuer machen kann und dass sich getrockneter Schlamm prima ausklopfen lässt.


 
 
 

Ein Kommentar zu “Reiselese: Manja “Maschi” Graaf las”

  1. Schmalz und Marmelade » 2. September: Saisonauftakt außer der Reihe - Der Rückblick
    4. September 2007 um 18:02

    [...] Also wir waren da, an diesem frühherbstlichen Spätsommersonntag, in Barnin, und wir wollten uns ja eigentlich mit diesem kleinen Picknick außer der Reihe bei Ihnen bedanken, bei Ihnen, unseren Freunden, unserem Publikum, unseren treuen Gästen, fleißigen Helfern, tapferen Schmalzvertilgern… Eigentlich. Aber dann waren da auch noch Axel Göttsch, in dessen Kulturscheune vom Atelier am Barniner See wir zu Gast sein durften, dessen blaue Bühne uns die schönste Picknickwiese war, die man sich vorstellen kann! Und Sannah, die ganz oft hin- und herrannte, damit auch alle Gäste einen Teller hatten und frischen heißen Kaffee und Stühle und Tische; und dann war da noch die Weltreisende Maschi, extra angereist, um fleißig Marmelade umzuschichten, bis die Gläschen platzten, Anderson Storm, der für Sie und uns die Bretter der wunderbaren blauen Picknickwiese zum Erbeben brachte mit seinen Liedern; und Carlo, unser Live-Pianist, in den sich doch glatt Frau Jules fast verliebt hätte; und da waren die Wortlichter, das treueste Publikum der Welt und ihre Improtheater-Gäste von ImProgramm und Impromptü… Kurz: dann waren da schon wieder so viele Helfer und Freunde und Stammgäste, dass wir glatt nächsten Sonntag gleich noch mal mit Ihnen dankeschönpicknicken müssten. Aber da es draußen langsam kalt wird, gehen wir lieber rein. Am 9. September, in den Freischütz. Um 11.30 Uhr. Mit Ihnen. [...]

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