Lesebühne nun im Freischütz: Ich sag ganz leis zum Abschied: Danke!

Ganz aufmerksame Leser haben es bereits rechts in der Ankündigung bemerkt: Wir werden genau zu unserem ersten Geburtstag am zweiten Sonntag des Juni mit der Frühlese für Spätaufsteher in den Freischütz umziehen. Grund genug, um dem Speicher, insbesondere Andy, dem Mann hinter der Theke, und dem Kulturbüro der Stadt Schwerin einmal herzlichen Dank für die schöne Zeit dort zu sagen. Und einmal zu erzählen, wie alles wirklich begann.

Die Lesenester
Im März 2006 muss es gewesen sein, da wurden die Lesenester geboren – eine Initiative, die sich zur Aufgabe gemacht hat, junge Schreibende in Schwerin zu fördern. Um diesen Plan all jenen vorzustellen, die dabei helfen könnten, initiierte die Theatergruppe am Goethe-Gymnasium einen Abend im Schleswig-Holstein-Haus, an dem das Projekt vorgestellt wurde. Unter anderem das Kulturbüro der Stadt Schwerin, der Kulturbund und die Stadtbibliothek zeigten sich sehr interessiert. Leider gibt es ein Lesenest, also eine Veranstaltung, bei der sich junge Autoren gegenseitig ihre Texte vorlesen und diese diskutieren, bis heute nur am Goethe-Gymnasium. Aber es soll weitere Kreise ziehen – die Stadtbibliothek zum Beispiel hat schon Werkstätten für junge Autoren eingerührt. Zur Zeit ist ein Blog in Arbeit und ein Forum, so dass der Austausch von Texten auch im Internet möglich wird. In jedem Fall aber brachte dieser erste Abend im März Menschen zusammen, die Literatur zusätzlich zu den etablierten Strukturen fördern wollten.

Die Lesebühne
Doch was hat das alles mit Schmalz und Marmelade zu tun? Antwort kommt: Herr ivalo hatte die Idee einer Lesebühne aus Berlin mitgebracht und die Frau jules, den Herrn jati und mich dafür begeistert. Aufbauend auf das Konzept der Lesenester sollte Schmalz und Marmelade das Podium für die etwas älteren Schreibenden sein. Die Lesebühne sollte einerseits die Brücke zu gestandenen Autoren schlagen, andererseits ein Publikum für junge Literatur begeistern. Brigitte Wils vom Kulturbüro – vielen ist sie als die kreative Organisatorin der Literaturtage bekannt – stellten wir das Konzept vor, baten um den Speicher als Veranstaltungsort und um einen finanziellen Zuschuss für die Gastleser, die im Konzept bereits vorgesehen waren. Brigitte Wils stieg ein, öffnete uns die Speichertüren, Andreas Hömke, der Gastronom vor Ort, nahm das Risiko geringer Einnahmen in Kauf und öffnete seinen Tresen für uns. “Theater” hieß das erste Thema, Schauspieler Horst Rehberg war unser erster Gast.
Was mit etwa 35 Menschen im Juni 2006 begann fand, was das Pubikumsinteresse betrifft, seinen Höhepunkt im Januar 2007, als mehr als hundert Gäste den Speicher stürmten. Da allerdings war der Herr jati bereits in den Weiten des Netzes verschwunden – Frau sophie und Frau nadine aber hatten schon im Herbst zu uns gefunden und so war die Lesebühne wieder komplett.

Die CD
Im November erhielten wir von Brigitte Wils eine verdammt gute Nachricht: Das Kulturbüro sagte uns finanzielle Hilfe für die Vervielfältigung unserer ersten CD zu – für die Aufnahmen und das Mastering stand uns Thomas Fink vom Soundlounge-Studio als Sponsor zur Seite. Die CD wurde am 1. März dem Publikum vorgestellt – das Schleswig-Holstein-Haus war ein perfekter Rahmen dafür. Dass wir uns in diesen Rahmen stellen durften, ist wiederum Brigitte Wils zu verdanken.

Der Speicher
Zweimal durften wir im Speicher unten im Saal spielen. Ärgerlicherweise ist beim zweiten Mal das Klavier auf der Bühne umgestürzt – ein bitteres Missgeschick, das zwar finanziell eine Versicherung regelte, aber den Speicher-Leuten doch viel Organisationsarbeit aufgebürdet hat. Dass wir uns damit natürlich nicht unbedingt ins Herz der Speicherbesatzung gekickt hatten, sollte jedem klar sein und irgendwie haben beide Seiten in dieser Phase keine kommunikativen Glanzleistungen vollbracht.
Sicher haben auch Sie es gehört – der Speicher soll laut der kommunalen Sparpläne zukünftig mit deutlich weniger Geld auskommen. Das ist sicher ein Grund, warum man an uns herantrat, um über Mietzahlungen für unsere Lesebühnentermine zu reden.

Schmalz und Marmelade war von vornherein als ein Frühstück mit Gästen und Lesung geplant und Frühstücksgästen nimmt man keinen Eintritt ab. Das soll so bleiben. Schließlich ist die Förderung junger Literatur nach wie vor ein Ziel der Lesebühne und unser junges Publikum ist, das kennen wir selbst auch noch ganz gut, traditionell knapp bei Kasse. Wenn man aber auf Spendenbasis arbeitet, dann gibt es keine Möglichkeit, eine feste Miete zu zahlen, schließlich kann man nicht wissen, wieviel am Ende im Topf landet. So mussten wir schweren Herzens auf die Suche nach einem neuen Ort gehen.

Der Freischütz
Im Dezember bereits gab uns der Freischütz ein Obdach, als im Speicher die Termine kollidierten. Zur Adventslese waren etwa 60 Leute zu Gast, das war schön kuschelig. Insofern lag es nahe, dass wir bei Matti wegen des neuen Domizils anklopften. Und Matti ließ uns ein. Am 10. Juni werden wir dort unsere erste Frühlese über die Dielen bringen, Juli und August sind für uns die Sommerpause und von September bis Dezember – soviel steht jetzt schon fest – geht es im Freischütz mit neuen Texten, neuen Themen, neuen Gästen, mit Faxen, Unfug und Kram weiter.

Wie in der Vorrede angekündigt: Wir haben sowohl dem Kulturbüro als auch dem Speicher und Tresenmann Andreas Hömke zu danken. Wer Kinder hat weiß: Das erste Jahr ist prägend und das erste Jahr der Lesebühne haben wir mit ihnen verbracht. Schön wars.

Und jetzt: den Blick nach vorn und auf ein Neues im Freischütz. Matti – wir kommen!


 
 
 

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