Schule: Herr Ivalo, OStR., dozierte

Schweriner Schule

Hier irgendwo muss sie sein, wenigstens ein Hinweis ein klitzeklitzekleiner Hinweis, das wäre schon was. Was könnte sie sein? Wo ist sie versteckt, wo manifestiert? In den Gesichtern der Menschen? auf den Fassaden der Häuser? zwischen den Pflastersteinen der Straßen, in den Schaufenstern, den Werbeplakaten? Oder in den Parks, den Uferwegen, dem Schilfgürtel der Seen? im Muster der Möwen am Himmel? im Straßenlärm, den Liedern und Tönen der Menschen? eine Farbe vielleicht nur? Was ist sie, wo ist sie, gibt es sie überhaupt? Natürlich gibt es Schulen in Schwerin, sogar eine ganze Menge. Aber gibt es sie, die Schule, die Schweriner Schule?
Es gibt die Wiener Schule, die Berliner Schule, die Hamburger Schule. Sie bezeichnen Richtungen und Auffassungen der Lehre der Psychologie, des Filmemachens und der Popmusik. Es gibt die Amsterdammer Schule der Architektur, die Südwestdeutsche Schule der Philosophie, die Zürcher Schule der konkreten Kunst.
Was mag sie nun sein, die Schweriner Schule?
Es gibt die Hohe Schule der Reitkunst, die Alte Schule der Höflichkeit, aber die Schweriner Schule, keine Idee.
Diese Gedanken denkend gehe ich die Stufen zu meiner Wohnung hoch und meine Nachbarin kommt mir entgegen. „Tag schön!“ „Guten Tag“, erwidere ich. Ihr „Tag schön“, klingt nach, klingt falsch, falsch herum, umgedreht, merkwürdig.
Im Sinne von, würdig, gemerkt zu werden.
Ich beschließe diese Grußformel die Schweriner Schule der inversen Begrüßung zu nennen und bin vorerst zufrieden.


 
 
 

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