Musik! Herr thom* las

Schweigen können

Die Oper und ich

Schwerin Schwerin

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Schweigen können

Man muß auch mal schweigen können liebe Leser. Den richtigen Moment abpassen und einfach schweigen. Und der richtige Moment ist immer dann, wenn ein unangenehmer Zeitgenosse in Rage ist. Denn nichts ist nichtiger als Streit. Ich zum Beispiel bin neulich äußerst gelassen und bis oben vollgepumpt mit der Würde des Siegers aus einer Musikalienhandlung entschwunden, noch bevor der Verkäufer dazu kam, mir einen Mikrofonständer ins Kreuz zu werfen. Das kam so: Der Musikalienhändler meines Vertrauens hatte eine neue Lieferung hochmoderner 60er Jahre Gitarren nebst Verstärker erhalten, hundsteure Geräte, die aussehen, als hätten Die Who schon das eine oder andere Konzert mit ihnen gespielt. Wenn man genau hinsah, konnte man sogar ein bisschen Hendrix-Sabber auf dem Griffbrett erkennen. (Ich habe gehört, der wird bei diesen Instrumenten werksmäßig aufgetragen.) Die wollte ich natürlich ausprobieren, ging in den Laden und spielte drauflos. Die Saiten hatte ich schnell eingespielt, was man daran erkennt, dass sie reißen. Aber ich war ja in einer Musikalienhandlung. Leicht angesäuert aber immer noch von der Aussicht auf furiosen Gewinn geblendet händigte mir der Verkäufer einen neuen Satz aus, den ich aufzog. Irgendwie hab ich da aber was durcheinandergebracht, jedenfalls riss ein kleiner güldener Nippel vom Steg und bohrte sich in eine teure Zwölfsaitige an der Wand. Das konnte ich zunächst vertuschen. Erst als sich der Verstärker in einer Feedback-Schleife erging und sich kleine Risse im Holz der Gitarren an der Wand bildeten, wurde der Händler ein wenig ungehalten. Er drängte mich zur Kaufentscheidung. Die teilte ich ihm mit. (Eigentlich wollte ich gar nichts kaufen, aber ich fühlte mich in der Pflicht.) Ich nahm ein kleines Plasteplättchen (“Plektrum” sagen glaub ich die Fachleute) für 20 Pfennig und zückte meine EC-Karte. Und da geriet dieser unangenehme Zeitgenosse in Rage. (Weil ich nicht gehässig bin, erwähne ich nicht gesondert, dass der mir nachgeworfene Mikrofonständer die Glasladentür durchschlug und einem vorbeilaufenden Polizisten das Schienenbein zertrümmerte… )

Die Oper und ich

Die Oper und ich, wir werden keine Freunde. Nicht mal ihre kleine Schwester die Operette kann mir gefallen. Von der schlampigen Göre namens Musical ganz zu schweigen. Schlimm und zutiefst nervenaufreibend ist vor allem der Gesang. Nanu, werden Sie jetzt wundern, er sagt doch die ganze Zeit er sänge, wie kann er da den Gesang verdammen? Nun, das will ich Ihnen erläutern. Gesang an und für sich ist eine prima Sache. Menschen haben schon immer gesungen, schon immer einige von ihnen besser, einige schlechter, aber immerhin, Gesang ist demokratisch. Hören Sie nur hinein in die Musiklandschaft – jeder singt. Und wer nicht singt dreht´n Film. Oder beides. Aber ich schweife ab. Selbst die elitärste aller Gesangsklassen, der klassische Gesang, ist mir, wenn brauchbar dargebracht, angenehm. Aber nicht in Verbindung mit einer Handlung, die mit dem Anspruch, dramaturgisch durchdacht zu sein antritt. Denn es will mir nicht in den Kopf, warum bei Mozart Menschen, die auf der Flucht sind, so lange singen müssen, bis der Sultan kommt und sie locker wieder einfängt. Jetzt sagen Sie, das wäre doch klar, ist halt eine Oper (ja liebe Kritiker ein Singspiel!), da singt man eben immerzu. Genau (!) sage ich, und darum mag ich Opern nicht.

Schwerin Schwerin

Wer etwas werden will, verlässt die Stadt mit zwanzig
schaut nur zu Weihnachten am Ziegenmarkt vorbei
wer hier hängen bleibt wird vor der Zeit schon ranzig
und in der Straßenbahn riechts früh nach Arzenei

Ach! Das Städtchen duftet nach Wasser und Wald
nach Schilf und im Juni nach Flieder
Das Blau überm Dom sieht dann aus wie gemalt
mit Tupfern aus Möwengefieder

Schwerin Schwerin Du Hauptgewinn
Du petzende, schnipsende Streberin
nah am Wasser gebaut und verschrien
als das piefigste, triefigste,
schönste und schläfrigste
Dorf zwischen Kiel und Berlin

Schwerin ist gestern nur und morgen ist woanders
Schwerin ist süß wie eine alte Ananas
Schwerin ist Häschenschule, Alterssitz und kann
das Ende sein für den, der den Absprung verpasst.

Doch Schwerin ist auch die Stadt der braven Leute
man kann sicher sein: die Guten finden sich
ist der Schweriner auch des Zweifels fette Beute
so schlecht wie er denkt ist die Stadt lange nicht

Schwerin Schwerin Du Hauptgewinn
Du petzende, schnipsende Streberin
nah am Wasser gebaut und verschrien
als das piefigste, triefigste,
schönste und schläfrigste
Dorf zwischen Kiel und Berlin

Zwischen Schelfe und St. Paul ist, wo das Herz hängt
wo das Herz hängt soll man sein, hab ich gehört
und der Kummer wird im Morgengrauen im Pfaffenteich ertränkt
nur wo das Fernweh bleibt ist ungeklärt

Schwerin, Schwerin du Tausendschön
du Traum in Grün,
wer das Blau deiner Seen
je gesehn hat, wird mich verstehn
Schwerin Schwerin, du Tausendschön
Schwerin du Tausendschön

Berthas Fluch

Hab ich nicht neulich ein Bier getrunken
in einer der dunklen Spelunken
mit dem der die Kasse macht
bei der Wasserwacht

Und sachte der nicht sie bräuchten noch rote
wasserwachttaugliche Rettungsboote
und ich sach, ich weiß,
da wen mit nem guten Preis

Also hab ich die beiden zusammen gebracht,
den mit dem Preis und die Wasserwacht
unter Männer, ein Handschlag…
ein Schnaps, ein Vertrag

Auch an meinem Steg lag nun edel in rot
ein wasserwachttaugliches Rettungsboot
von dem der gute Preise macht
für die Wasserwacht

Nu gucken se nich so moralisch verbrähmt
wegen sowas hat sich noch keiner geschämt
und auch ich wäre heute noch nicht geheilt
hätte mich nicht Berthas Fluch ereilt

Denn jede Blume, wo immer ich war
biss fortan ins Gras, kam ich ihr nah
der Tod ganzer Blumenrabatten
ging meinetwegen von statten

Ich konnte mich nirgends mehr blicken lassen
so sehn Männer aus, die Blumen hassen
schrien Kinder mir nach auf dem Trottoire
meine Frau zog nach Unna

Mein Hund verreckte an Stechapfelresten
die Freunde waren fort, selbst die allerbesten
mir blieb nur der Schnaps und am Steg in Rot,
das Wasserwachtboot

Bis mir eines nachts Bertha Klingberg erschien
und erzählte ihr Fluch sei Chance für Schwerin
denn Klüngel und Filz, das kenne sie schon,
seien Bruder und Schwester der Korruption

Bei mir hätte sie nur ausprobiert
was genau bei diesem Fluch passiert
und die großen Schieber hebt sie sich auf
für die Buga 2009…
wolln sehen wie die schauen, die Großkopferten,
wenn um sie herum die Blumen verrecken…

Sprach Bertha und ich verkaufte das Boot
spendete alles an Kinder in Not
und kann mich wieder ehrlich freun
auf die Buga 2009


 
 
 

Ein Kommentar zu “Musik! Herr thom* las”

  1. Schwerin-Schwerin.de: Unser Lied
    19. Februar 2007 um 14:30

    [...] Die Uraufführung des Meisterwerks unseres geschätzten Kollegen, Bloggers, Songwriters, Texters (ach, wie ich wieder übertreibe… aber ich finde das soooo gut!), Herr Sandmann (*tusch*) fand bei der Februarlese von Schmalz und Marmelade statt. Herr Sandmann hat sich zur musikalischen Unterstützung dabei niemand Geringeren als Carsten (!) Stotco (!!) dazugeholt. Und bei dieser Gelegenheit entstand auch das Video zum Song, das Gerüchten zufolge in wenigen Tagen bei MTV und Viva in die Rotation einsteigen wird. Trotz des fehlenden Schlusses. Des weiteren sind erste Klingeltöne bei Jamba plaziert, und die Einnahmen daraus sollen den armen Künstlern wenigstens in diesem Jahr eine Gans zum Weihnachtsfest ermöglichen. [...]

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