Monatsarchiv für Januar 2007

 
 

Wurst und Durst: Frau nadine las

Liebe geht durch den Magen


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Wurst und Durst:
Wohl dem, der Freunde hat

Chefkoch Horst MatthiesSchmalz und Marmelade hat gute Freunde. Das hat sich gerade heute gezeigt, heute, da wir umgezogen sind in den großen Saal, gefühlte 500 Stühle und 100 Tische zu tragen hatten. Heute, da es Suppe gab, die auszuteilen war, da wir eine Küche brauchten mit Töpfen und Kellen und all dem Zeuch. Naja, und da standen dann einfach Leute bereit und haben mit angepackt. Großartig. Horst Matthies, unser Gast, Andy Hömke, der Mann für Küche und Bar, die Taggs, Spieler der Wortlichter und einige mehr…

Mit fast 100 Gästen hat die Januar-Lesung alle bisherigen Veranstaltungen in Sachen Publikum überboten. 100 aufmerksame und fröhliche Leute haben uns da im Speicher zum gemeinsamen Frühstück besucht. Ich denke, ich liege nicht falsch, wenn ich nicht wenige davon unserem Gast zurechne: Horst Matthies war unser Autor am Herd, seine Geschichte zur Eröffnung des zauberhaften Mittags erzählte von der erotisierenden Wirkung einer richtig zubereiteten Kürbissuppe auf Carola, Carolin… nein Clara muss sie geheißen haben. Als Lesender, als Plauderpartner, als Mann der Kürbissuppe war Horst Matthies unschlagbar. Das Publikum goutierte das mit mächtigem Applaus, mit zufriedenem Suppeschlürfen und nicht zuletzt auch mit dem Kauf der – übrigens von Britta Matthies wunderschön gestalteten – Bücher und Rezeptgeschichtenblätter des Autors.

Das Lesekollektiv präsentierte sich zunächst arg dezimiert: Frau sophie steckte in Emden fest und Frau jules war im Staatstheater, um sich ihren Preis abzuholen. Ja, Sie haben richtig gehört, im Wettbewerb “Wi moken di Platt” der Fritz-Reuter-Bühne und vieler anderer Partner hat Frau jules mit “Splittergranate” den dritten Preis abgeräumt. Inklusive Händeschütteln mit dem Ministerpräsidenten und Pressetermin. Na und da konnte sie ja schlecht sagen, Tschuldigung Leute, ich muss auf meine Lesebühne.

So waren die Frau nadine, der Herr ivalo und ich am Anfang etwas allein. Herr ivalo gedichtete eine besoffene Zugfahrt von Bitburg nach Gerolstein, ich erzählte von den Schweinen meiner Kindheit und zwischendurch gabs Werbung für Wurst, Blumenkohl und Brokkoli. Frau nadine hat ganz wunderbare Überlegungen angestellt zum kausalen Zusammenhang von Essgewohnheit und Kinderzahl der verschiedenen Länder. Wir, so ihr Fazit, sterben allein schon deshalb aus, weil wir sooo schwer essen, das wir hinterher nicht mehr miteinander ins Bett wollen.

Ein absoluter Höhepunkt war Herr ivalos Jonglage. Zum Hintergrund: Herr ivalo wurde im zarten Alter von fünf Jahren an einen Wanderzirkus verkauft und dort galt eine harte Regel: Du darfst nur essen, was in der Luft herumfliegt. Als Vegetarier lernte Herr ivalo also mit Äpfeln zu jonglieren und gleichzeitig das Jongliergut aufzuessen. Das war saukomisch.

Horst Matthies hatte mehr als eine Geschichte und die Kürbissuppe im Gepäck. Seine monovokalischen Texte beeindruckten durch ihren reduzierten Stil und genau der machte sie auch zu zwerchfellerschütternden Wunderstückchen.

Die Suppe, das schien mir Konsens, war exzellent. Gekrönt von Sahne und Kürbiskernen, etwas süß vom Honig und etwas sauer vom Wein, von Lauch und Zwiebeln geprägt, hat sie gerade so gereicht. Nachschlag war trotz der großen Töppe nicht drin…

In der dritten Leserunde war dann auch Frau jules bei uns. Herr Sonntag tauchte auf, in all seiner Inkonsequenz das Essen betreffend und unsere Preisträgerin verriet, dass sie eigentlich Tänzerin sein wolle. Ganz und gar umgehauen hat dann der “Perla”-Text von Julia Weißbach, das Publikum, aber auch Frau jules als Lesende selbst. Manch Satz erstickte zutiefst sympathisch im Gelächter.

Wohl dem, der Freunde hat, war auch das Fazit unserer Januarlese: Wir waren nicht allein beim Abbau, Geschirr, Töpfe und Zeuch lud Andy kurzerhand in sein Partymobil und Dank sei auch allen gesagt, die unser Tun mit einer Spende unterstützten. Nicht zuletzt: Danke an die Fotografen, die immer dafür Sorge tragen, dass Sie feine Bilder zu sehen kriegen.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel: Am 11. Februar treffen wir uns im Speicher zum Thema “Musik”, mit uns auf der Lesebühne stehen Carsten Stotco, Peter Marschik, Oli Schneider und Metapha.

Aufwachen, Essen fassen

broccoli.jpgaber erst morgen! Für heute empfiehlt sich das Goethe-Gymnasium, dort improvisieren Die Wortlichter und Impromptü aus Hamburg einen kulinarischen Genuss der besonderen Art: einen Leichenschmaus. 20.00 Uhr geht’s los. Improvisieren heißt theaterspielen ganz ohne Text, nichts ist geprobt, alles spontan und im Moment. Natürlich doch mit Text, aber den Text weiß jetzt noch niemand, deshalb kann er nicht geprobt werden. Mit dabei: Hamburger Jung, auf dessen flickr-Account dieses schöne Bild zu finden war.

Currywurst

Wurstlink

Terminologisches

Schmalz und Marmelade ist eine Lesebühne. In unserer Pressemitteilung zu “Wurst und Durst” am kommenden Sonntag, haben wir uns mit leichter Anspielung an die “elf Freunde” fünf Lesefreunde genannt. Kein Wort vom Schreiben! Man könnte meinen, wir lesen Zeuch von Fremden…

Ich mein, man kann drauf kommen, dass eine Lesebühne von Schreiberlingen betrieben wird, auch wenn es absurd klingt. Klarheit in der Sprache wiederum ist essenziell. Insofern… Umbennenen?
Schreibebühne? Och nö.

Literatenfrühstück? Hihi. nee, ganz sicher nicht… Literaten… tststs…

Ach, alles Quatsch. Wir lassen das so. Wer liest der schreibt, wer schreibt, der bleibt. Ist doch einfach.

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…haben wir noch nicht im Griff. Entschuldigen Sie bitte den kryptischen Stil.

Sonntag: Schüssel raus – Essen fassen

Liebe/r [hier bitte selbstständig den eigenen Namen lesen],

Essen und Trinken, das weiß der Volksmund, hält Leib und Seele zusammen. Dabei ist, das weiß der religiöse Volksmund und der vegetarische Herr ivalo windet sich in Krämpfen, Wurst vorzuziehen, denn das Fleisch ist schwach. Mmmmmhhhh. Blutwurst. Mit extra großen Fettstückchen… Oder eine lecker-leichte Wurstbowle für den Sommer…
Ich hör auf. Der Herr ivalo ist schon ganz gelb im Gesicht.

“Wurst und Durst”, liebe Leserinnen und Leser, hat das Schmalz-und-Marmelade-Kollektiv (mit einer Gegenstimme) die Januar-Lese genannt. Nach Weihnachtsgans und Silvesterkarpfen gehen Frau nadine, Frau jules, Herr ivalo und Herr thom* bis über den Kragen angefüllt mit kulinarischer Kompetenz auf die Bühne des Speichers. Dabei werden sie unterstützt von einem Meister des Wortes und der Küche gleichermaßen: Horst Matthies stellt sich der Herausforderung und wird beweisen, dass Literaten viel mehr als nur Buchstabensuppe auf die Teller der Gäste zu schütten vermögen.

Wurst und Durst
Sonntag, 14. Januar
Speicher, Röntgenstraße
Türen auf um 11.30 Uhr
Lesezeit und Fettlebe ab 12 Uhr

Weitere Einblicke finden Sie unter folgenden Adressen:

http://www.schmalzundmarmela.de/2007/01/08/in-der-kuche-von-januar-gast-horst-matthies/

http://www.schmalzundmarmela.de/2006/12/18/topfgucker-wir-laden-zu-tisch/

Das Lesekollektiv jedenfalls verharrt in Vorfreude. Ihretwegen! Schließlich hat man sich das ganze Jahr noch nicht gesehen.
Bis Sonntag!

gezeichnet: Hans Wurst und die Broccoli-Brothers

PS: Herr thom* hat sich sogar einen Defibrilator besorgt – falls ihn die Schlemmerei in den Infarkt treibt. Er sagt, so könne er trotz ärztlicher Warnungen unbesorgt weiter essen.
———————–

Ausblick:

11. Februar – Thema “Musik!” – Gäste: Kapellmeister Peter Marschik, Carsten Stotco, Oli Schneider, Metapha

11. März – Thema “Schule” – Gast: Peter Dethloff,

Zu Gast bei Horst Matthies

In der Küche von Januar-Gast Horst MatthiesDas blaue Schmalzmobil tuckert Richtung Norden. In Zickhusen biegen Herr ivalo und ich rechts ab nach Gallentin, durchqueren Bad Kleinen, erreichen Hohen Viecheln. Wie geahnt findet sich das Gehöft von Britta und Horst Matthies am Ende des Dorfes, am Rande eines unscheinbaren Landwegs – allein die Häufung von schwarz-weißen Straßenbegrenzungspfählen auf der nahen Wiese verwirrt den Städter. Die sind für die Pferde wird uns später verraten. “Kommt näher” sagt Horst Matthies und hängt die Jacken in den Schrank. Seine Frau Britta, sie ist Malerin und Grafikerin und hat ihr Atelier unterm Dach, schaut uns mit offenem Gesicht entgegen.

Hinter den Eingangstüren schlummert ein Haus mit Charakter. Kleine Holzwürfel reihen sich zu einer Art Parkett, darauf lümmelt sich eine rotbraune Katze. Ein Buch von Jutta Schlott liegt auf der Anrichte, ein Exemplar der Literaturzeitschrift “Risse”, vor der Tür schaut sehnsuchtsvoll ein ebenfalls rotbrauner Hund durchs Glas. Beim Blick ins Wohnzimmer fällt der Laptop ins Auge – wie ein Fremdkörper steht das schwarze Teil inmitten des vornehmlich mit Geschichte beladenen Interieurs.

Der Kaffee dampft in den Tassen, der Kuchen kommt ofengewärmt auf den Tisch. “Mit dieser Idee von Literatur und Kochen habt Ihr bei Horst regelrecht einen Hebel umgelegt”, sagt Britta Matthies und wir gucken uns ungläubig an. Der Schriftsteller taucht indes den grauen Bart in die Tasse und erzählt vom Reisen mit Wolf Spillner. Nichtsweniger als das Geheimnis des amerikanischen Brotes haben die beiden gelüftet. Nach vielen hundert Kilometern durch den Kontinent. Dann erfahren wir doch noch – wenigstens im Ansatz – was es mit dem umgelegten Hebel auf sich hat. Offensichtlich schlummern da noch einige kulinarisch geprägte Texte in den Schüben und die richtigen Rezepte dazu sind auch nicht weit. Was allerdings genau die Liaison von Literatur und Küchenkunst bringen wird – vielleicht werden wir am Sonntag eingeweiht.

Was es denn nun am Sonntag zu essen gäbe, fragen wir und Horst Matthies erklärt. Erst das Gericht und dann die ganze Sache zu einem Geheimnis. Sicher ist: jeder wird probieren dürfen. Wir klären kurz, was gebraucht wird – am nächsten Tag wird sich herausstellen, dass all das für Andy und seine Meisterküche für Meisterköche kein Problem sein wird. Dann schweifen wir ab, plaudern über die ersten Tage des Freischütz, erfahren, dass gutbürgerliche Ledersessel mit Knöpfen drauf den Laden am Ziegenmarkt prägten, bevor Matti und Dani die Sache in ihre Hände nahmen. An den derben Eckbänken hat Horst Matthies mitgebaut. Aus alten Dielen und aus mehr als hundert Jahre alten Türblättern sind die Dinger entstanden.

Für die Pressefotos wird richtig Aufwand betrieben. Binnen Sekunden lässt das Cerankochfeld das Wasser im Topf dampfen, Herr ivalo trägt derbe Handschuhe und Horst Matthies rührt und gießt im frischen Hemd extra fürs Bild.

Aufgekratzt wie eine Band bei der Unterschrift eines guten Plattendeals verlassen wir Hohen Viecheln beim Dunkelwerden. Am liebsten würden wir jetzt gleich in den Speicher fahren und einrichten. Das wird ein Sonntag…

Soundlounge: Take V – Nachtrag

Kaum ist die Besinnlichkeit aus der Stadt gewichen, da geht es für Thomas Fink im Soundlounge-Studio wieder an die schmalzig-marmeladige Arbeit. Frau sophie steht um 11 auf der Matte und hat drei Texte im Gepäck. Herr ivalo leistet seelischen Beistand, ich rolle gerade auf der A24 der Stadt entgegen. Es ist Freitag, der 29. Dezember.

Um 14 Uhr treffen Frau nadine, Frau jules und ich das heitere Dreigespann vor der Toreinfahrt. Frau sophies Texte sind im Kasten und ein Döner aus der Bude an der Werderstraße war offensichtlich Mittag genug. Wir beginnen mit den Aufnahmen für die Chorstückchen im “Heimat”-Lied. Und wir quälen uns. Und Thomas Fink mit. Der guckt tapfer und sagt dann, wir sollten das nicht so musikalisch angehen, das hätte keinen Sinn, mehr so rufen wäre gut… Wir rufen im Takt und es klappert. Am Ende is alles schick.

Ich vergaß: Vor dem Arbeiter-und-Bauern-Heimatchor steht ja noch ein bitteres Ereignis: Frau nadines Katzenallergie schlägt heftig auf die Soundlounge-Studio-Katze an und nur dem katzenfreien, vakuumgereinigten Aufnahmeraum ist es zu verdanken, dass Frau nadine überhaupt bei uns bleiben kann. Mit mächtig dicker Nase steht sie den Aufnahmetag durch. Sie liest ihre Weihnachtsgeschichten und um 18 Uhr wird sie von jati er- und abgelöst.

Herr jati hat Geschichten aus seinem ersten Buch mitgebracht. Gottvolles Zeuch. Kurz, knackig. Nach einer halben Stunde sind rund acht Minuten im Kasten und die CD ist fertig. Fertig aufgenommen. Noch im Januar wird es wohl das fertige Masterband geben, dass wir dann gen Presswerk senden. 32 Stücke insgesamt, davon fünf Lieder.

Warum das Ganze?

Soundlounge I

Soundlounge II

Soundlounge III

Soundlounge IV


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