Wurst und Durst:
Wohl dem, der Freunde hat

Chefkoch Horst MatthiesSchmalz und Marmelade hat gute Freunde. Das hat sich gerade heute gezeigt, heute, da wir umgezogen sind in den großen Saal, gefühlte 500 Stühle und 100 Tische zu tragen hatten. Heute, da es Suppe gab, die auszuteilen war, da wir eine Küche brauchten mit Töpfen und Kellen und all dem Zeuch. Naja, und da standen dann einfach Leute bereit und haben mit angepackt. Großartig. Horst Matthies, unser Gast, Andy Hömke, der Mann für Küche und Bar, die Taggs, Spieler der Wortlichter und einige mehr…

Mit fast 100 Gästen hat die Januar-Lesung alle bisherigen Veranstaltungen in Sachen Publikum überboten. 100 aufmerksame und fröhliche Leute haben uns da im Speicher zum gemeinsamen Frühstück besucht. Ich denke, ich liege nicht falsch, wenn ich nicht wenige davon unserem Gast zurechne: Horst Matthies war unser Autor am Herd, seine Geschichte zur Eröffnung des zauberhaften Mittags erzählte von der erotisierenden Wirkung einer richtig zubereiteten Kürbissuppe auf Carola, Carolin… nein Clara muss sie geheißen haben. Als Lesender, als Plauderpartner, als Mann der Kürbissuppe war Horst Matthies unschlagbar. Das Publikum goutierte das mit mächtigem Applaus, mit zufriedenem Suppeschlürfen und nicht zuletzt auch mit dem Kauf der – übrigens von Britta Matthies wunderschön gestalteten – Bücher und Rezeptgeschichtenblätter des Autors.

Das Lesekollektiv präsentierte sich zunächst arg dezimiert: Frau sophie steckte in Emden fest und Frau jules war im Staatstheater, um sich ihren Preis abzuholen. Ja, Sie haben richtig gehört, im Wettbewerb “Wi moken di Platt” der Fritz-Reuter-Bühne und vieler anderer Partner hat Frau jules mit “Splittergranate” den dritten Preis abgeräumt. Inklusive Händeschütteln mit dem Ministerpräsidenten und Pressetermin. Na und da konnte sie ja schlecht sagen, Tschuldigung Leute, ich muss auf meine Lesebühne.

So waren die Frau nadine, der Herr ivalo und ich am Anfang etwas allein. Herr ivalo gedichtete eine besoffene Zugfahrt von Bitburg nach Gerolstein, ich erzählte von den Schweinen meiner Kindheit und zwischendurch gabs Werbung für Wurst, Blumenkohl und Brokkoli. Frau nadine hat ganz wunderbare Überlegungen angestellt zum kausalen Zusammenhang von Essgewohnheit und Kinderzahl der verschiedenen Länder. Wir, so ihr Fazit, sterben allein schon deshalb aus, weil wir sooo schwer essen, das wir hinterher nicht mehr miteinander ins Bett wollen.

Ein absoluter Höhepunkt war Herr ivalos Jonglage. Zum Hintergrund: Herr ivalo wurde im zarten Alter von fünf Jahren an einen Wanderzirkus verkauft und dort galt eine harte Regel: Du darfst nur essen, was in der Luft herumfliegt. Als Vegetarier lernte Herr ivalo also mit Äpfeln zu jonglieren und gleichzeitig das Jongliergut aufzuessen. Das war saukomisch.

Horst Matthies hatte mehr als eine Geschichte und die Kürbissuppe im Gepäck. Seine monovokalischen Texte beeindruckten durch ihren reduzierten Stil und genau der machte sie auch zu zwerchfellerschütternden Wunderstückchen.

Die Suppe, das schien mir Konsens, war exzellent. Gekrönt von Sahne und Kürbiskernen, etwas süß vom Honig und etwas sauer vom Wein, von Lauch und Zwiebeln geprägt, hat sie gerade so gereicht. Nachschlag war trotz der großen Töppe nicht drin…

In der dritten Leserunde war dann auch Frau jules bei uns. Herr Sonntag tauchte auf, in all seiner Inkonsequenz das Essen betreffend und unsere Preisträgerin verriet, dass sie eigentlich Tänzerin sein wolle. Ganz und gar umgehauen hat dann der “Perla”-Text von Julia Weißbach, das Publikum, aber auch Frau jules als Lesende selbst. Manch Satz erstickte zutiefst sympathisch im Gelächter.

Wohl dem, der Freunde hat, war auch das Fazit unserer Januarlese: Wir waren nicht allein beim Abbau, Geschirr, Töpfe und Zeuch lud Andy kurzerhand in sein Partymobil und Dank sei auch allen gesagt, die unser Tun mit einer Spende unterstützten. Nicht zuletzt: Danke an die Fotografen, die immer dafür Sorge tragen, dass Sie feine Bilder zu sehen kriegen.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel: Am 11. Februar treffen wir uns im Speicher zum Thema “Musik”, mit uns auf der Lesebühne stehen Carsten Stotco, Peter Marschik, Oli Schneider und Metapha.


 
 
 

Ein Kommentar zu “Wurst und Durst:
Wohl dem, der Freunde hat”

  1. Schmalz und Marmelade » Schützenfest-Rückblick: High noon in Schwerin city
    9. September 2007 um 21:40

    [...] Ein Schützenfest wollten wir mit Ihnen feiern, liebes Publikum, eine Schussfahrt in die neue Saison sollte es werden. Herauskam ein Showdown um 12 Uhr Mittags, mit vier Helden, die hereingeritten kamen in den Saloon auf einer musikalischen Welle, bereit mit Gags zu feuern und Pointen zu schießen. Der “Freischütz“ war bis auf den letzten Platz gefüllt – das freute uns sehr, duellierten wir uns an diesem Tag doch mit Altstadtfest und dem Tag des offenen Denkmals. Pünktlich um 12 und ganz westernmäßig durften Sie aber erst einmal auf uns, die Tells, schießen, bevor wir an unserem Festtisch Platz nahmen. Begleitet wurden wir vier Leseschützen von unserer Schützenkapelle für diesen Tag: von dem Saxophonquartett der Stadt. Herr thom* läutete das Schützenfest ein mit einer galoppierend schnell erzählten Kurzfassung des “Freischütz“, gefolgt vom Medieval Action Adventure von Frau nadine, das wiederum direkt überleitete zur Geschichte des Herrn thom*, in der er davon berichtete, wie er, ganz shootermäßig, mit zwei unbekannten Helden – dem Fatalisten und dem Berliner – das Schlaraffenland erobern wollte. Frau jules erzählte uns vom Kugel und später Hoffnung durchbohrten Schützenkönig, und Herr ivalo erklärte, warum Regentropfen es verdient hätten zu Königen gekrönt zu werden, warum diese Ehre bisher jedoch noch nie einem Regentropfen zuteil wurde. Nach dem “Wildschwein“ von Frau jules ging es dann – mit Blasmusik – beschwingt in die Pause. Nach der Pause betrat unser Schützenkönig und Lesegast, der Schweriner Schauspieler Andreas Lembcke, den Schützenplatz und erzählte uns vom Erlegen einer Currywurst, liebenden Rittern in quietschenden Rüstungen und sang ein traumhaft schönes Lied über Hansa Rostock. In den dritten Leseblock schritten wir – den mussten wir uns dann doch noch geben – zum Jägerchor aus Carl Maria von Webers “Freischütz“ ein. Herr ivalo bot – die Besucher der Kochlese mit Horst Matthies werden sich an seine [...]

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