Monatsarchiv für Dezember 2006

 
 

Nachtrag: Text zur Eröffnung der Molterschen Ausstellung

Werner S. wurde nicht mit einem Schrei in die Welt geworfen. Sein erster Laut auf Erden klang vielmehr wie ein unterdrücktes Rülpsen. Frau S. grunzte kurz unter der Geburt, Herr S. reparierte fluchend das Moped eines Nachbarn.

Das erste Spielzeug des Werner S. war eine Rassel. Allerdings hatten seine Eltern das klappernde Innenleben entfernt. Also schwenkte Werner das rot-weiße Plasteding still vor sich hin. Und das auch nur, wenn niemand zusah.

Weil Werner S. nie schrie, ja nicht einmal quengelte, hielten ihn seine Eltern für ein glückliches Kind und ließen ihn in Ruhe. Dafür ist er ihnen bis heute dankbar. Krippe und Kindergarten überstand er ohne größere Konflikte. Er scheute die Gesellschaft der anderen Kinder. Allzu aufdringliche Gören schwieg Werner konsequent in die Flucht.

Am Tag, als Werner S. auf seine Schultauglichkeit hin untersucht werden sollte, stieg er auf einen Stuhl nahm Vaters Trenchcoat vom Haken, den Hut vom Regal und fuhr mit der Straßenbahnlinie 2 zum Amtsarzt. Nachdem er alle Aufgaben bravourös gemeistert hatte, kehrte er heim und beschloss von nun an darauf zu warten, dass ihm Vaters Garderobe passte.

Als sich Werner S. kürzlich seiner Schulzeit erinnern wollte, fiel ihm nur ein, dass er mit 15 in der Alten Münze sein erstes Bier getrunken hatte.

Die Lehrzeit im Finanzamt genoss Werner S. Endlich war Stille um ihn. Und dank Frollein P. auch die Liebe…

Mit Frollein P. lernte Werner S. stumm und unprätentiös zu lieben – das war nicht schwer, es entsprach einfach seinem Naturell. Frollein P. war zuständig für die Buchstaben Xa bis Yl Werner S. für Qu. Im Archiv kamen sie sich näher.

Einmal, als Werner S. Schnaps getrunken hatte, probierte er es mit Plauderei. Siehe da: es ging. Jedenfalls für eine Weile. Und Frauen, so bemerkte er, mochten das.

Soviel zur Vergangenheit des Werner S.

Seine Gegenwart beginnt an einem 22. März 2005. In Schwerin steht die Ausstellung „Mein Block“ bevor und Martin M., Stiftphilosoph und Grafikdesigner, beschließt in den verbleibenden 30 Tagen bis Ausstellungsbeginn 30 Zeichnungen zu Papier zu bringen. Er frisst Werner S. vom Kneipentisch weg und löscht alle fassbaren Spuren seiner Vergangenheit aus. Feierabend. Martin M. sagt: Jeder ist Werner S.

Liebe? Naja. Ein etwas zu großes Wort, vielleicht. Sicher aber ist, dass Martin M. Werner S. ein Herz gegeben hat. Damit er was hat, zum Verlieren. Dass es sein Herz ist, wie hinterlistige Zeitgenossen behaupten, ist natürlich Quatsch. Dagegen spricht: 1.) Werner S. trinkt mehr Schnaps. 2.) Werner S. hat Tischnachbarn – keine Freunde. 3.) Werner S. trägt einen Hut.

Martin M. weiß: Mit Werner S. wäre er nie der größte Comiczeichner der DDR geworden. Aber dieser Plan hatte sich ja bereits 1989 zerschlagen, seitdem ist die DDR weg und nur noch die Bücher aus Tante Helgas Regal sind da. Karikaturen aus dem alten Land. Kindheit. Und Werner S. natürlich. Der sitzt am 22. März 2005 in einem Fahrstuhl im Erdgeschoss und fühlt sich heruntergekommen.

Seit diesem 22. März 2005 hat sich Werner S. auf mehr als 70 weiße Blätter gesetzt. Martin M. sagt: Ich hab ihn nur sichtbar gemacht, nur die Linien nachgezeichnet. Ähnliches soll auch Michelangelo erklärt haben: Die Figur hocke bereits im Marmor, er müsse nur noch das Zeug rundrum entfernen. Kommt gut. Vielleicht steht M. ja für Michelangelo. Vielleicht aber auch für Mickey Maus.

Jemanden wie Werner S. hält keiner lange aus. Irgendwann ist Schluss. Und wenn schon Schluss, dann mit mächtig Tamtam. Also hat Martin M. Rahmen besorgt und Farbe und Tonpapier und feines Schreibwerkzeug. Alles für Werner S.

Später dann noch Häppchen und Wein und einen DJ der Platten kratzt. Alles für uns. Damit wir Werner S. hochleben lassen können, fast zwei Monate lang hier und im Freischütz, um ihn dann zu uns nach Hause zu holen.

Am 4. Februar nämlich wird Werner S. käuflich. Sie, liebe Gäste und ich, wir bieten dann um die Wette um 26 Mal Werner S. Und bis dahin, können wir hier täglich gucken kommen, für welches Bild wir uns um Haus und Hof bringen werden.

Diesen Text gabs zur Ausstellungseröffnung “Feierabend” – Werner S. ausgestellt.

Adventslese: Frau sophie las

Adventsgedicht

Adventszwiespalt

Für E.


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Weihnachtsmärkte im Test: Mainz

Nachtrag, Advent.
Kürzlich war ich auf dem Mainzer Weihnachtsmarkt und fand dort die Weihnachtspyramide sehr beeindruckend. Neben zahlreichen weihnachtlichen Figuren, waren dort auch sehr weltliche Themen dargestellt: ein Mainzelmännchen, ein Fußballer vom FSV Mainz 05, ein Karnevalsoffizier, … Ich stelle mir gerade das Petermännchen auf einer Schweriner Weihnachtspyramide vor, sehr lustig!

Mainzer Weihnachtsmarkt

Herr ivalo las zum Advent

Herr ivalo war rechtzeitig von seiner Schulungsreise zurück. Alle Schuhhändler der Nation sind zur Aufnahme ihrer Jahresinventur bereit und Herr ivalo konnte seine persönliche Jahresinventur vornehmen.

Jahresinventur

Adventszeit ist Jahresendzeit und Jahresendzeit ist Zeit für Bilanzen. Menschen 2006 flimmerte bereits über die Bildschirme der Nation, höchste Zeit, die persönliche Jahresinventur vorzunehmen.

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Adventslese: Frau nadine las

Weihnachtsmodelle

Vierundvierzig fünfundneunzig


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Adventslese: Herr thom* las und sang

Gammelfleisch

Räuchermann

Adventsduo

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Jetzt kann Weihnachten kommen…

Wenn ein Boxer völlig zerschlagen nach dem Kampf den Gürtel der Ehre umbinden darf, gehts ihm gut. Stopp. Falsches Bild. Schmalz und Marmelade hat nichts mit einem Boxkampf gemein und eine Adventslese erst recht nicht. Von vorn: Wenn der Weihnachtsmann am Ende des Heiligen Abends die vielen Millionen Kinder beschenkt hat, wenn die Rentiere versorgt sind und das Lager geleert ist, dann gehts ihm gut, wie nie. Seine Schneekugel berichtet ihm von glücklichen Kindern und die paar Reklamationen lassen sich locker im Januar bearbeiten.

Was will uns der Pöt damit sagen? Nichts weniger, als das es für mich und das ganze Lesekollektiv ein toller Sonntag war. Etwa 40 Gäste ließen den Freischütz gut gefüllt wirken – 40 auserlesene Gäste, alle mit Prädikat und Gütesiegel und einer Aufmerksamkeit, die ihres Gleichen sucht.


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Soundlounge
für Schmalz und Marmelade

Vom Soundlounge-Studio in der Bergstraße und dem Musiker, Produzenten und Studiobetreiber Thomas Fink hab ich immer wieder gehört – im Zusammenhang mit der Rock und Pop Schule, wenn es um die Band und die aktuelle CD von Oli Schneider, oder auch um Stotco und sein musikalisches Treiben in der Stadt und darüber hinaus ging. So ist Schwerin – wer was macht, fällt auf.

Und wie ein börsennotiertes Unternehmen, das mit seinen Partner angibt, darf ich Ihnen heute einen neuen Partner des Schmalz-und-Marmelade-Leskollektivs vorstellen. Liebes Publikum an den angeschlossenen Endgeräten, bitte applaudieren Sie für das Soundlounge-Studio Schwerin samt Thomas Fink.

Wie jetzt, Partner? Gedulden Sie sich. Wir tun noch ein wenig heimlich.

soundlounge_willkommen.gif

Adventslese
am 10. Dezember im Freischütz

Liebe/r (bitte hier selbstständig den eigenen Namen lesen)

holterdipolter ist der Advent ins Jahr gestürzt und mit ihm der Geruch nach Mandeln und Zimt, nach Glühwein und Rostbratwurst, nach altem Frittenfett und Schweinebauch – äh… vergessen Sie die letzten beiden… nach Schmalz und Marmelade.

Mhhh. Zimtschmalz. Geflügellebermarmelade… Mhhhh…

Schon ganz andere haben ein Asyl gesucht zur Weihnachtszeit und es lediglich in einem Stall gefunden. Wir haben da etwas mehr Glück gehabt – das Schmalz-und-Marmelade-Lesekollektiv ist im Freischütz untergekommen für einen wunderbaren zweiten Advent – mit Ihnen, so steht zu hoffen.

Wie immer beginnt das Frühstück um 11.30 Uhr – ab 12 wird gelesen. Der Freischütz so heißt es, hat unserem Konzept nicht ganz getraut und noch die eine oder andere Leckerei extra bereit gestellt.
Nahezu besinnungslos vor Besinnlichkeit schrieben wir grad eben noch, bis die Finger bluteten, banden Kränze und zündeten Kerzen an um Inspiration zu erhaschen. Wir haben Weihnachtsmärkte getestet, bis Blindheit drohte und soviel Räuchermännchen aufgestellt, dass die Freiwillige Feuerwehr zum Löschen kam. Frau jules als Maria, Herr ivalo als Joseph und Herr thom* als Kindlein in der Krippe? Das hätten Sie wohl gern…

Eingeladen haben wir für diesen 10. Dezember einen ausgewiesenen Adventsfachmann, der – und das macht uns mächtig stolz – direktemang vom Gottesdienst im Dom zu uns in den Freischütz stürzt: Domprediger Volker Mischok wird uns Weihnachtslaien etwas auf die Adventssprünge helfen und im zweiten der diesmal vier (Nachtigall ick hör dir trapsen…!!!) Leseabschnitte für Sie und uns da sein.

Ich gebe zu – wir haben Sie ein wenig vermisst. Herr ivalo hatte am Ende der Novemberlese davon erzählt, dass wir uns mächtig über Adventsgedichte nach der Art “Advent, Advent…”, “erst eins, dann zwei…” etc. freuen. Sogar einen Preis hatte Herr ivalo großmütig für das schönste Gedicht ausgelobt. Aber Sie hatten wohl viel zu tun in den vergangenen Wochen und wir warten gern noch ein wenig.

Alternativ könnten Sie Scheußlichkeiten mitbringen: singende Weihnachtsmänner, Plasterentiere, einen geschenkten Feinripp-Schlübber von Tante Monika. Hier presche ich mal forsch voran und verspreche Ihnen milde Gaben im Tausch gegen die scheußlichsten Weihnachtsutensilien.

Glauben Sies ruhig: Wir freuen uns mächtig auf Sie und den gemeinsamen Advent im Freischütz, schließlich ist es die letzte Lese in diesem Jahr. Und ob ein neues kommt… wer weiß?
Kommen Sie also und bringen Sie alle Ihre Freunde mit und seien Sie gewiss: Wenn Sie nicht kommen, werden wir dem Weihnachtsmann einen Tipp geben und Sie bekommen dies Jahr nix geschenkt. Oder Socken. Alte.

Im Namen des Schmalz-und-Marmelade-Adventslesekollektivs,

thom*


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