Soundlounge Studio: Take I

Sachen im Studio aufzunehmen hab ich etwa so vorgestellt: Hingehen, vors Mikro stellen, sprechen, weg gehen. Zeitaufwand bei, sagen wir, sechs kurzen Texten etwa ein Stündchen.

Denkste.

Auf die Minute pünktlich dreht sich der Schlüssel im Schloss. Zehn Schritte sind es bis zur Lounge, einem Raum mit Couch und Tisch, in den mein inneres Auge sofort wilde Heavy-Metal-Bands beim Chillen mit Kippe und Pils projeziert. In einem Rollcontainer nebenan blinken Lämpchen lustig vor sich hin, viertausend Regler und zwei Millionen Knöpfe warten darauf, benutzt zu werden. Im Aufnahmeraum das Mikrofon glänzt matt vor Understatement, der Poppschutz wird montiert, der Notenständer bereit gestellt.

Herr ivalo legt den ersten Text vor. Saubere Arbeit, finde ich. Aber Thomas Fink macht schnell deutlich, dass er hier wesentlich mehr ist, als der Mann, der die Knöpfe drückt. Unnachgiebig und mit einer Engelsgeduld hört er sich wieder und wieder die Sachen an, schlägt Änderungen vor, mahnt Nebengeräusche an, feilt an der Aussprache, bietet immer wieder Zwischenergebnisse und stellt Fragen. Thomas Fink redet, dreht, drückt und schiebt bis das Ergebnis Gnade in seinen Ohren findet. Nahezu jeder Satz wird so einer Feinabstimmung unterzogen. Durch die Boxenpaare klingt Herr ivalo, als stünde er ganz dicht bei mir.

Zwischendurch rauchen wir und trinken Kaffee. Reden über eine Speed-Polka-Band aus Berlin, die kürzlich hier aufgenommen hat, über Reel, die Irish-Folk-Band, über die Big Band vom Goethe-Gymnasium und über Mikrofone. Über Schlagzeugunterricht an der “Rock & Pop Schule”. Über Katzen auch. Auf einer Snare liegen Rohrzange und Lenkergriff und Fahrradklingel.

Nach letztendlich vier Arbeitsstunden sind gut 10 Minuten geschliffener Text in der digitalen Konserve. Morgen, äh.. nachher gehts weiter.

Warum das Ganze?


 
 
 

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