Adventslese: Herr thom* las und sang

Gammelfleisch

Räuchermann

Adventsduo

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Gammelfleisch

Just lauf ich übern Weihnachtsmarkt
will Rostbratwürste kosten
und frag mich, warum so teuer sind:
Würste, die schon rosten…

Räuchermann

Zehn Jahre stand mein Räuchermann blitzsauber im Regal,
doch neulich legte er sich hin und ich schien ihm egal.
So lag er da und staubte ein, bis dass er ganz versiffte,
nur rauchen konnt er immer noch – doch glaube ich, er kiffte.

Adventsduo

Rot und Gold sind die Farben des Advent. Wie schelmische Vorboten einer Zeit voller Vorfreude und Besinnlichkeit haben sich Zuckerbäcker, Spielzeugmacher und Winzer auf den Märkten eingefunden. Sie heben lächelnd ihre Mützen für die freundlich nickende Kundschaft. Mandelduft… Zimt und Glühwein… hölzern milder Harzgeruch…

Plaste und Sperrholz sind die billigen Boten des Advents. Wie gierige Jäger haben Händler die Tempel gestürmt und schleudern Waren als Heilsversprechen unters Volk. Sie ziehen grinsend an den Börsen ihrer unstet irrenden Kundschaft. Altes Frittenfett, verbrannter Bauchspeck… der schwere Gestank schlechter Schokolade zieht über die Stadt.

Kinder beseelen die Orte dieser Stadt. In ihren Augen spiegeln sich Lichter im Tannengrün, erst eins, dann zwei… Mit offenen Mündern lauschen sie den Geschichten vom Jesuskind, sie recken die Nasen nach Weihrauch, finden in jedem Gesicht einen heiligen König und für sie ist die Krippe im Stall zu Bethlehem der heimeligste Ort der Welt. Sie sind die wahre, die glänzende Hoffnung der Weihnachtszeit.

Kinder kreischen wirr durch die Stadt. Sie zündeln – ungeschickt zum Glück – mit nassen Streichholzschachteln. Sie verhöhnen die Bücher, in Märchenstuben stopfen sie die Ohren sich zu mit fragwürdigen Klangkrankheiten und Glaube, Vertrauen und Phantasie reichen ihnen so weit nur, wie der Daumen sich rührt auf der Fernbedienung. Sie sind der wahre Grund sich zu fürchten vor dem morgigen Tag.

Verträumt schlendern Leute unter Lichtern durch die Straßen. Sie suchen nichts und finden alles. Mit jedem Schritt füllen sich die Herzen mit wohligem Zauber – ein jeder weiß, Weihnachtswunder geschehen. Den Armen wird ein Arm gereicht, sich zu erheben und milde reichen die Reichen ihren Wohlstand aus.

Elend hetzen Menschen wie Irrlichter durch die Straßen. Sie suchen den Rausch, sie kaufen ohne Sinn ohne Lust. Sie kaufen bis Mitternacht, kaufen in der Früh, sie kaufen, kaufen, kaufen, kaufen, kaufen, kaufen, kaufen und kein Wirtschaftswunder geschieht. Sie haben keinen Arm für die Armen und die Reichen reichen im Herzen nicht weit.

Ist der Heilige Abend heran, versammeln wir träumend uns an unseren Feuern. Von Herzen die Gaben treffen auf dankbare Blicke und wieder sind die Kinder es, die mit ihrem Spiel zwischen Puppenhaus und Eisenbahn die Welt versöhnen. Miteinander buchstabieren wir Liebe: Leicht. innig, ehrlich, brüderlich, ewig.

Ist der 24. Dezember heran, stapeln wir traumlos die Kisten unter teuren Tannen. Was wir gedankenlos erworben, findet Fremde ohne Dank. Wieder sind die Kinder es, die eine letzte Heiligkeit aus diesem Abend treiben mit Pumpgun und Kettensäge in Dolby Sourround. Im tumben Analphabetismus buchstabieren wir Liebe: kalt, ordentlich, neidisch, seicht, unwirsch, matt.

was soll man schenken

was soll man schenken wenn kein klassiker passt?
ohne zu kränken – was das du noch nicht hast.
was mit herz und mit stil, das den rahmen nicht sprengt
und begeistert macht, wenn man es schenkt

einen weinenden harlekin auf knien
eine ente in grün, eine raumpflegerin.
ein paar liter benzin. einen pinguin
für den ernstfall – fluchtstrategien
für die fernbedienung – genug batterien
und ein penthouse mitten in berlin

was soll man schenken wenn kein klassiker passt?
ohne zu kränken – was das du noch nicht hast.
was mit herz und mit stil, das den rahmen nicht sprengt
und begeistert macht, wenn man es schenkt

für die ente in grün einen führerschein
eine mitgliedschaft im alpenverein
siebenmeilenstiefel, einen meilenstein
einen hauselefant für das elfenbein
einen ungemein heiligen heiligenschein
sammeltassen fürs traute heim

was soll man schenken wenn kein klassiker passt?
ohne zu kränken – was das du noch nicht hast.
was mit herz und mit stil, das den rahmen nicht sprengt
und begeistert macht, wenn man es schenkt

ein bild hinter glas? eine tüte mit gras?
eine platte von james last? n kilo bananas
ananas aus den wäldern botswanas
eine fast-food-rast am amazonas
ein schiffsjungenjob an bord eines schoners
die whiskydestille eines inselbewohners

was soll man schenken wenn kein klassiker passt?
ohne zu kränken – was das du noch nicht hast.
was mit herz und mit stil, das den rahmen nicht sprengt
und begeistert macht, wenn man es schenkt


 
 
 

2 Kommentare zu “Adventslese: Herr thom* las und sang”

  1. ivalo
    10. Dezember 2006 um 21:12

    War das die live-Aufnahme von heute? Wo hatten Sie denn die Band versteckt, Herr thom? Lustig, ich meine, ich hätte heute Schwerin gehört, wie man sich vertun kann!

  2. thom*
    10. Dezember 2006 um 22:03

    Der Song ist eine ehrwürdige Aufnahme der Originaleinspielung mit Gottes eigene Band. Tschuldigung. Hätte ich dranschreiben sollen. Nu stehts ja hier…

    Und ja: Ich biedere mich gern beim Publikum an. Ich hätte auch “Bitterfeld” gesungen… In Bitterfeld. ;-)

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