Monatsarchiv für Dezember 2006

 
 

Fast food für die Ohren

Das gibt es nicht oft, ein Italiener, bei dem es echt italienisch aus den Boxen kommt, also nicht Italo-Pop á la Ricchi e Poveri sondern echt gesprochener Text. Obwohl die italienische Herkunft der Gaststättenbetreiber in Schwerin eher unwahrscheinlich ist hat das ziemlichen Stil. Da verzeiht man mehrere englischsprachige, US-amerikanische oldie-pop-Weihnachtslieder (am 28. Dezember!) bevor man denkt, da gäbe es im Internet doch bessere italienische Radiosender zu beziehen, die man im hohen Norden auch in Gaststätten spielen darf. Die Sprache verschlägt es mir dann, als ein Jingle kommt und den Sender beim Namen nennt: Radio Mc Donalds (la mio gusto). Hm, bin ich im falschen Lokal? Gibt Mc Donalds jetzt auch Franchise an Tarnunternehmer? In einem Ristorante, einem Platz, wo man verweilt und genüßlich speist, sich von einem Hauch des dolce vita umgeben möchte, läuft eine Dauerwerbesendung für fast food. Nein, nein, liebe Gastronomen, dann lieber Ricci e Poveri oder Opernarien (die Gaststätte ist schließlich nach dem venezianischen Opernhaus benannt) oder hach, wie heißt er gleich, dieser tolle Sänger, bei dem alle Frauen so schwach werden, ich komme gleich drauf, ja, doch, selbst den lieber!

Sie merken, liebe Leserinnen und Leser, der Advent ist vorbei, der Januar naht und mit ihm unser Januarthema: Wurst & Durst, kommen Sie gut hinein ins neue Jahr und besuchen Sie uns am 14.1. 2007 im Speicher, es wird lecker!

Noch ein Adventsgedicht, für Häuslebauer

Advent, Advent,
ein Sack Zement
erst einer
dann zwei
dann drei
dann vier
in meine Wand bau ich morgen ‘ne Tür

Soundlounge Studio: Take IV

Zweiter und letzter Tag für Frau jules. Ein schneller Kaffee im Schützen, dann sitzen wir wieder am Mischpult. Während der Aufnahmen piekst Thomas Fink, wie schon an den Tagen zuvor, immer wieder Staubkörner vom grauen Metall – Staubkörner, deren tatsächliche Existenz bezweifelt werden darf. Die mächtige Konsole ist sauberer als der OP-Raum einer teuren Privatklinik. Heute – bei der vierten gemeinsamen Sitzung – piekse ich mit.

Eigentlich ist keine Zeit. Wir haben für drei Texte nur knapp 90 Minuten. Hektik kommt dennoch nicht auf. Akribisch wird korrigiert, geschnitten, wieder korrigiert, wieder geschnitten. Beim letzten Text beschließen wir noch ganz kurzfristig, dass Frau jules und ich uns die Passagen teilen. Geht gut.

Am Ende sitzen wir mit Finch, dem Bassisten von Stotco, oben am Ofen und reden über Sinn und Zweck von Mastering, über Zwischenmenschliches in Bands und die Chancen, aus dieser kleinen Stadt heraus berühmt und reich zu werden. Als Schreiberling kann ich nicht wirklich mitreden.

Sollte ich jemals Bock darauf haben, etwas zu besetzen, also richtig zu besetzen, mit “Anarchie! Anarchie!- Rufen” und einer Sitzblockade, dann wird es dieses Studio sein. Am 29. Dezember müssen Frau sophie, Frau nadine und Herr jati ran.

Warum das Ganze?

Soundlounge I

Soundlounge II

Soundlounge III

Schwerin Schwerin interviewt Herrn thom*

Das erste Massenmedium ist auf unsere Werbung hin angesprungen und veröffentlicht ein Interview mit dem Herrn thom*, also mit mir. Wow… ich fühle mich plötzlich so… so… wichtig.

Soundlounge Studio: Take III

Heute ist Frau jules Tag. Um 13 Uhr durchqueren wir den Hausflur, aus der Regie dringt mächtig laute Mucke, Gitarren wie Bretter… Ein freundlich dreinblickender Herr sieht zufrieden aus und zieht mit einer frisch gebrannten CD von dannen.

Wir sind unter Zeitdruck. Der Kaffee fällt aus, Familie Neumann wird postiert, Frau jules kriegt was auf die Ohren und los gehts. Ihr geht es wie uns an den Tagen zuvor, auch ihr war die Nervosität angesichts der besonderen Umstände anzuhören. Aber die Arbeitsweise macht einfach locker: Testsprechen zum Pegeln, einmal ohne Faxen durch den Text, gemeinsames Anhören und Manöverkritik in der Regie, zweiter Versuch – wieder in die Regie. Dritter Versuch – jetzt werden Stellen, die nicht so flüssig gelaufen sind, gleich wiederholt, also direkt in die Aufnahme geschnitten. Dafür bekommt der Sprechende sich selbst zwei, drei Sekunden vor der entscheidenden Stelle auf die Kopfhörer, einen Hauch bevor es soweit ist drückt Thomas Fink zwei Knöpfe und ab.

Nach einer Stunde vierzig Minuten sind drei Texte im Kasten. Morgen gehts weiter – noch ein Stündchen, dann ist Bergfest.

Warum das Ganze?

Soundlounge I

Soundlounge II

Soundlounge Studio: Take II

Tag zwei im Soundlounge Studio in der Bergstraße: Gespannt und nicht ganz ohne Schiss vor der Unbestechlichkeit guter Aufnahmen klingel ich die Nummer an, Thomas Fink macht die Tore weit und dreht den Heizer hoch. Ein Kaffee und ein kurzes Gespräch über den Plan für heute und schon stehe ich inmitten einer imposanten Mikrofonherde im teppichverhängten Aufnahmeraum. Mein innigster Partner für die nächsten Stunden heißt Neumann.

Die Sprachaufnahmen sind nach knapp zwei Stunden geschafft. Is schon toll, wenn man intensiv nach Sinn und Zweck der Texte gefragt wird und das Gegenüber die Antwort wirklich hören will, wenn man ausprobieren darf und mit der Dynamik spielen, wenn ehrliches Interesse daran besteht, dass nichtsweniger als das Bestmögliche auf Band landet. Ich überlege, ob man den Herrn Fink nicht einfach in einem kleinen Käfig halten kann. Dann hätte man ihn immer zur Hand, wenn mal ein Regisseur, ein Pianist, ein Bassist, ein Techniker oder ein Arrangeur gebraucht wird. Dann fällt mir ein, dass so etwas strafbar sein könnte. Also doch lieber reich und berühmt werden und dem Herrn Fink den normalen Preis für seine Dienste zahlen.

Jetzt kommen die Lieder. Ich habe mir vier Stück vorgenommen, erwarte aber, weniger zu schaffen. Noch zu gut ist mir die Feinarbeit in Erinnerung und nun geht es schließlich um Stimme und Gitarre. Erschwerend kommt hinzu, dass ich auch noch für beides gleichzeitig verantwortlich bin. Still muss ich sitzen, ganz still, ran ans Mikro heißt die Devise und nicht mit der Gitarre wackeln. Und locker bleiben.
Der Chef, so mein Eindruck, nimmt die Songs und meine Fähigkeiten als Wald-und-Wiesen-Gitarrist hin. Er erkennt, was geht, wo noch Platz ist, zum Schrauben, und auch, wo man die Dinge einfach hinnehmen muss. Unter den Voraussetzungen kriegen wir bis zum späten Nachmittag tatsächlich sechs Lieder in die Konserve. Morgen kommt Frau jules.

Warum das Ganze?

Soundlounge I

Soundlounge Studio: Take I

Sachen im Studio aufzunehmen hab ich etwa so vorgestellt: Hingehen, vors Mikro stellen, sprechen, weg gehen. Zeitaufwand bei, sagen wir, sechs kurzen Texten etwa ein Stündchen.

Denkste.

Auf die Minute pünktlich dreht sich der Schlüssel im Schloss. Zehn Schritte sind es bis zur Lounge, einem Raum mit Couch und Tisch, in den mein inneres Auge sofort wilde Heavy-Metal-Bands beim Chillen mit Kippe und Pils projeziert. In einem Rollcontainer nebenan blinken Lämpchen lustig vor sich hin, viertausend Regler und zwei Millionen Knöpfe warten darauf, benutzt zu werden. Im Aufnahmeraum das Mikrofon glänzt matt vor Understatement, der Poppschutz wird montiert, der Notenständer bereit gestellt.

Herr ivalo legt den ersten Text vor. Saubere Arbeit, finde ich. Aber Thomas Fink macht schnell deutlich, dass er hier wesentlich mehr ist, als der Mann, der die Knöpfe drückt. Unnachgiebig und mit einer Engelsgeduld hört er sich wieder und wieder die Sachen an, schlägt Änderungen vor, mahnt Nebengeräusche an, feilt an der Aussprache, bietet immer wieder Zwischenergebnisse und stellt Fragen. Thomas Fink redet, dreht, drückt und schiebt bis das Ergebnis Gnade in seinen Ohren findet. Nahezu jeder Satz wird so einer Feinabstimmung unterzogen. Durch die Boxenpaare klingt Herr ivalo, als stünde er ganz dicht bei mir.

Zwischendurch rauchen wir und trinken Kaffee. Reden über eine Speed-Polka-Band aus Berlin, die kürzlich hier aufgenommen hat, über Reel, die Irish-Folk-Band, über die Big Band vom Goethe-Gymnasium und über Mikrofone. Über Schlagzeugunterricht an der “Rock & Pop Schule”. Über Katzen auch. Auf einer Snare liegen Rohrzange und Lenkergriff und Fahrradklingel.

Nach letztendlich vier Arbeitsstunden sind gut 10 Minuten geschliffener Text in der digitalen Konserve. Morgen, äh.. nachher gehts weiter.

Warum das Ganze?

Geheimplan: Ohrenschmalz und Augenweide

Es hat keinen Zweck mehr. Als mich heute morgen die Fleischersfrau auf den großen Schmalz-und-Marmelade-Geheimplan ansprach, dachte ich, das es nun eh zu spät ist und ich getrost alles sagen kann. Hier im Blog, meine ich. Wenn es die Fleischersfrau weiß…

Schmalz und Marmelade ist zur Zeit im Soundlounge-Studio zu Gast, um zusammen mit Studiochef Thomas Fink ein Hörbuch mit dem Besten aus sechs Lesungen zu produzieren. Die CD trägt den schlichten Arbeitstitel “SuM I” und wird voraussichtlich im Februar in ersten Exemplaren unter den Ladentischen liegen.

Und jetzt, da ich schonmal dabei bin, darf ruhig die ganze Wahrheit auf den Tisch: Die CD soll, so die Portokasse noch etwas gefüllt wird, einem Buch beiliegen. Dieses Buch wird vom Farbfigur Verlag in Gneven produziert und veredelt sein durch Zeichnungen von Roland Regge-Schulz. Hier hängt der Fertigstellungstermin von der genannten Portokasse ab. (Sollten Sie, liebe Leser solvente Mäzene wissen, die das Treiben von uns Textproduzenten unterstützen wollen, sagen Sie Bescheid.)

Die CD wird zunächst in 100 Vorab-Exemplaren erscheinen. Später dann gibt es sie nur noch in Kombination mit dem Buch.

So. Jetzt isses raus. Ich fühl mich gleich viel besser.

Topfgucker – wir laden zu Tisch

“Nach dem Spiel ist vor dem Spiel” lautet eine alte Fußballerweisheit, genau wie “Die Spanier sind keine Italiener” und “Der Ball ist rund”. Rund ist jetzt genau das Stichwort, denn rund sind auch die Töpfe und Pfannen der Meisterköche und deren Mützen sowieso. Doch zurück zur ersten Weisheit: “Nach dem Spiel ist vor dem Spiel”: Gleich nach einer Adventslese steckt der Januar schon sein keckes Näschen in die Vorweihnachtsluft.

“Wurst und Durst” haben wir unsere Januarlese am 14. des kommenden Monats, betitelt und wir schreiben und lesen uns dafür rund um die Themen Küche, Kneipe, Essen, Trinken, Fast-Food, Ketwurst, Imbiss, Büdchen und Kiosk und die dazugehörigen kulturellen Sitten und Gebräuche. Doch viel mehr als das: unser Gast, der Schriftsteller Horst Matthies, ist ein erfahrener Küchenstratege, der viel mehr kann, als Buchstabensuppe, und dies wird er im Speicher live und in Farbe unter Beweis stellen. Andy fährt sein feinstes Küchengerät auf und wir werden dafür sorgen, dass ein Hauch der TV-Wirklichkeit vom Showkochen durch die heiligen Speicherhallen zieht.
Hier also nochmal für Ihren Terminkalender:

Sonntag, 14. Januar,
11.30 Uhr Frühstück; 12 Uhr; Lesezeit
Thema: “Wurst und Durst”
Gast: Horst Matthies

Unterstützt und gefördert wird auch diese Veranstaltung vom Kulturbüro der Landeshauptstadt Schwerin, von Andy und seiner Meisterküche für Meisterköche, von Planet IC, dem Soundlounge Studio und von Mamas Marmelade.

Noch ein Adventsgedicht: Für Mafiosi

Advent, Advent,
bis zum Knie in Zement,
erst einer,
dann zwei,
dann drei,
dann vier,
Kein Bock mehr. Den Fünften erschießen wir.

Noch ein Adventsgedicht, für Hamburger Fußballfreunde

Advent, Advent, Tabelle brennt
erst elfter
dann zwölfter
dann dreizehnter
dann vier
-zehnter, dann siebzehnter, dann fliegt der Trainer vor die Tür

Adventslese: Frau jules las

Herr Sonntag und ich – Advent

Herr Sonntag und ich – Sonntag


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