Ostrost und Westreste – Frau jules las

Erna Halbwitz und Der Fakteur

Erna Halbwitz

Kennen Sie Erna Halbwitz?

Erna Halbwitz unterhält sich mit einem Mann vom Fernsehen.

Sie wird interviewt. Wir wissen nicht wie alt Erna Halbwitz ist oder woher sie kommt, wir wissen auch niht was der Mann vom Fernsehen sie fragt. Gespannt erwarten wir Erna Halbwitz´ Antwort auf eine Fragedie wir noch nicht kennen. Vielleicht fragt er nach Bananen oder Politik oder nach beidem…
Bei Bananen da denk ich auch immer an Stasi.
Bei 17 da denk ich auch immer an Juni
Bei NVA da denk ich auch immer an Gürtelschnalle
Bei Udo da denk ich auch immer an Pankow
Bei Trabbi da denk ich auch immer an blau

Bei Goldkathi Witt da denk ich auch immer an „Wetten das…?“
Bei Planwirtschaft da denk ich auch immer an Mähdrescher
Bei Karat da denk ich auch immer an City
Bei Perestroika da denk ich auch immer an Eisenbahn
Bei ´89 da denk ich auch immer an Geburtstag
Bei Marx da denk ich auch immer an Weihnachten

Bei Schlagersüß da denk ich auch immer an Rex Guildo
Bei Stasi da denk ich auch immer an ES TE A ES I
Bei Pankow dadenk ich auch immer an Udo
Bei Ulbricht da denk ich auch immer an Briefmarke
Bei Juni da denk ich auch immer an ´53
Bei Henry Maske da denk ich auch immer an Opernphantome

Bei Honecker da denk ich auch immer an Bilderrahmen
Bei City da denk ich auch immer an Karat
Bei Mirr da denk ich auch immer an wiedumirsoichdir.
Vielleicht hat der Mann vom fernsehen ja wirklich nach Bananen oder nach Politik gefragt. Aber wir wissen nicht wie alt Erna Halbwitz ist oder woher sie kommt, wir wissen auch nicht wer der Mann vom Fernsehen war.

Und die Antwort kennt keiner, außer Erna Halbwitz und der Mann vom Fernsehen.

Der Fakteur

Man hat doch immer irgendwie eine Vorstellung im Kopf.

So wie es am schönsten ist oder wie man es gehört hat von anderen.

Geschichten von, die dabei waren.

Ein Bild eben.

Und man selber hat gar keine Ahnung von den Abhängigkeiten der Zeit.

Von der die anderen reden.

Nur den gesunden Verstand, zum selber denken.

Zum vorstellen.

Und dann kommen die, die es wissen – so faktisch eben. Aber schließlich waren sie dabei – denen kann man glauben.

Die Fakteure, die eigentlich keine sind.

Wenn sie dann erzählen, von ichweißnochwie. So ganz persönlich nebenbei dann denk ich immer denen kann man glauben.

Aber auch die Fakteure sind ja meinungsgeschädigt, die sind ja subjektiv.

Die mittendrin waren oder wenigstens am Bildrand standen.

Und jetzt sollen die Fakteure ganz objektiv vermitteln.

Sollen sie das überhaupt…?

Ich weiß es nicht.

Also der Mensch,der redet ja immer verschieden, verschieden emotional, emotional, weil es ihn betrifft.

Also subjektiv aber korrekt. Selbstverständlich korrekt.

Weil er schließlich weiß von den Abhängigkeiten der Zeit.

Das heißt der arme Fakteur, brauch nur ehrlich zu sein, damit ich ihm glauben kann.

Dann soll er erzählen von sich und von damals…

Dann würde ich auch eine Meinung haben wollen.

Damit ich reden kann von den Abhängigkeiten der Zeit,

Damit ich weiß warum und warum auch heute noch.

Auch wenn ich erst kurz dabei bin, aber übrig bleibt ja immer was.

Vielleicht sogar mehr als ich vermute.

Dann würde ich auch eine Meinung haben wollen.

Der Fakteur würde reden und reden und reden und reden…

Und ich würde malen und malen und malen und malen mit allen Farben in mein Ausmalheft ganz bunt. Einfach so.

Nicht schwarz oder weiß. Nicht oben oder unten. Nicht du oder ich. Nicht sein oder haben. Nicht dürfen oder wollen. Nicht sagen oder maul halten.

Sondern bunt und ohne langweilige Üblichkeiten.

Von einem, von dem man sonst nur hofft, dass es stimmt was er sagt.

Von einem, von dem man sonst nicht sagen kann, dass begeistert für das was war.

Ich danke dem Fakteur, der das er nicht ganz er ist. Und ehrlich.



 
 
 

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