Wahlkrampf:
Herr thom* sang und las

1.) Sehnsucht, Sucht und Konfusion

2.) Vierzeiler zur Wahl

3.) Es ist alles gesagt

4.) Seitdem

1.)

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(Aufnahme mit Gottes eigener Band, 2003)

2.) Vierzeiler zur Wahl
Ich traf einmal am Meeresgrund ein ganzes Rudel Wale
alte Freunde, rund, gesund wie schon beim letzten Male
“Alles wie immer?”, fragte ich nett und starrte auf meine Sandalen
und die Tiere sagte, Du kennst das doch. Nichts ändert sich bei Walen.”

3.) Es ist alles gesagt

Ich sach dazu nichts mehr. Is alles gesacht. Politik? Is alles ßu gesagt. Da sach ich nichts mehr ßu.

Ich mein, man muss ja ma überlegen, wie man Politiker wird. Ich mein, dass is ja nu nich son Kindheitstraum, keiner schreibt in der zweiten Klasse in sein Aufsatzheft, wenn ich groß bin möchte ich Innenminister werden, oder Fraktionsvorsitzende. Also fängste klein an, inne Jugendorganisation und denn inne Kommunalpolitik und denn weiter. Ich mein, die Leute sind doch gar nicht normal sozialisiert. Wie, die Quereinsteiger? Naja, wer quer in die Politik einsteigt, hat entweder keine Freunde oder sonst nichts Sinnvolles mit seinem Leben anzufangen. Worin liegt der Reiz zermarternder Diskussionen, was besticht an immer gleichen Grabenkämpfen, Eitelkeiten, Sitzungsmarathonen, was ist der besondere Reiz daran, Bänder durchzuschneiden, wissend zu nicken und ausufernd zu plaudern – ich meine beruflich. Acht bist vierzehn Stunden am Tag. Und wann denkt man da noch?

Aber dassja alles gesagt. Sach ich auch nichts mehr ßu.

Und wieviel persönliche Eitelkeit muss man schon verloren haben, um in Fußgängerzonen herumzulungern, ignoriert oder in Stammtischdebatten verstrickt, mit farbigem Fähnchen, mit Luftballons… “Mama was machen die Onkels da?” “Sei still, geh weiter.” Wieviel Würde hat noch, wer sich auf Wahlkreisreisen von Schnittchentermin zu Schnittchentermin hangelt, Leute besucht, von denen er weiß, dass sie sich nicht daneben benehmen werden, wer sich im Internet, in der Zeitung, in Anzeigenblättchen und an Laternen sehen muss, wer lauern muss auf jede Seele, nur damit er nochmal vier Jahre darf. Vier Jahre Sitzungen, Diskussionen, Bänderdurchschneiden, Kinderküssen, Zorn einstecken, beherrscht bleiben, Luftballons verteilen, kleine Siege erringen, die sofort madig gemacht werden… Im Ernst, wer will sowas?

Aber dazu muss ja eigentlich nichts mehr gesagt werden.

Gut. Als Altersvorsorge. Das ist denkbar. Aber auch eine gemeine Unterstellung. Ich glaub ja an Sucht. Politiker sind Suchtpatienten. Unbehandelte allerdings. Irgendeine Studie hat das ja auch belegt. Macht im Sinne der Fähigkeit zu gestalten macht süchtig. Auch nur der Glauben an die Fähigkeit zu gestalten macht süchtig. Placebo.

Aber ich muss da ja nicht auch noch meinen Senf zugeben. Haben ja schon genuch Leute getan.

Ich meine, es gibt wunderschöne Berufe und wunderschöne Orte. Aber Politiker und Plenarsaal gehören nicht dazu. Insofern können wir ja froh sein, dass sich überhaupt Leute finden, die die Drecksarbeit machen. Natürlich nicht, wenn die Suchttheorie zutrifft. Dann wären Politik und Politiker ja eher so etwas wie eine Symbiose – die Politiker erhalten die Politik indem sie sie betreiben und dieses Betreiben wiederum verschafft ihnen innere Befriedigung. Und vor der Wahl – das ist dann wie ein drohender kalter Entzug. Na, und dafür stellt man sich dann auch brav auf die Hinterbeine. Womit wir wieder bei der Würde sind.

Es dreht sich im Kreis. Deshalb ist ja auch alles schon gesagt. Alles. Alles. Wirklich alles.

4.)

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(…hier in einer Aufnahme von 1995)


 
 
 

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