Fußball isst unser Leben:
Frau jules las nicht – schrieb aber
Einigkeit und Recht und Fußball
Bezirks- und Landesligavereine waren seit Wochen in der Vorbereitung. Grillfleisch, Würste, Bier, Winkelemente und Fingermalfarben gehörten spätestens seit dem 9. Juni 2006 in das Repertoir eines jeden noch so drittklassigen Vereins im Niemandsland. Bier ab 12 Uhr für die Jungens von 15 Jahren: dann heißt es nicht mehr Deutschland, sondern nur noch …schland. Schönes Sache. Alle hatten Spaß! Ja, auch die WM ging an Schwerin, der kleinsten Landeshauptstadt Deutschlands, nicht vorbei. Kleingärtner hissten ihre Deutcshlandfahnen haushoch und es wurde zeit für Konjunktur undNatonalbewusstsein. Ganz nach dem Motto: Die Welt zu Besuch bei Freunden. Und ja wir haben es auch dieses Mal wieder geschafft, „No Go“ – Area zu sein. Weil nette blauäugige Glatzen mal gerne Auf die Fresse hauten. Nur gut dass in unserem Bundesland nicht mal zur WM was los war. Das Hansa Rostock Stadion ist erstmal viel zu klein und außerdem: Hansa ist abgestiegen. Kein gutes Omen.
Aber es reicht ja wenn im Rest Deutschlands die Konjuntur Purzelbäume geschlagen hat. Oder so ähnlich. Es reicht wenn sich die Kleingärtner und drittklassigen Fußballvereine die Kante gegeben haben und dem türkischen Emigranten, der seit 4. Generationen in der kleinsten Landeshauptstadt Deutschlands lebt, ordentlich die Fresse polierten. Konjunktur für MV insofern, dass sich die Kleinen seit 31 Tagen nur noch von „Kick it“-Joghurten ernähren und mit Fußballaufklebern ihre Brotdose bekleben. Ein Hoch auf den Kommerz.
Wenigstens Almigurt geht´s gut, während Papa im Vollrausch Grillwurst kotzt und weint, weil Deutschland nicht im Endspiel ist. Den Rechten geht´s auch gut, weil Dimitri seine Verwandten gebeten hat ihn nicht zu besuchen sondern stattdessen zu versuchen in einer Niedersächsiche Pension im „Hierwirddeinautonichtangezündet“-Area unterzukommen. Ja, wir sind auch froh,dass der Krieg vorbei ist! Mama geht´s gut, weil die seit ebenfalls 31 Tagen bei ihrer Mutter untergebracht ist. Dort war ja noch ein Bett frei und das Altenheim ist ja soweiso von der Außenwelt abgeschottet. Zudem billig, sonst kann Papas bekotztes Trikot ja nicht abgezahlt werden, und die „Kick it“-Joghurte vom Kleinen… Ja auch Almigurt ist Teil unseres Sozialstaates, da kann man jetzt auch in Raten zahlen! Den drittklassigen Bezirks- und Landesligavereinen geht´s gut, weil ihre illegalen Getränkestützpunkte im Sportlerheim leer gesoffen wurden. Illegal, weil nicht angemledet. Da ist es nicht so schlimm, dass Deutschland nicht im Endspiel ist. Und den Kelingärtnern? Denen geht´s auch gut, solange die Sonne auf sie scheint. Wir brauchen kein Geld und keine Sozialstaat um glücklich zu sein! Es lebe das „No Go“ – Area! Es lebe Deutschland! Es lebe die WM! Es Lebe Fußball! Das muss unserer fremdbespaßten Gesellschaft im tiefen Osten reichen!

