Liebe/r [hier bitte selbstständig den eigenen Namen lesen],
schreiten wir zur 50-Euro-Frage: Ist Schmalz und Marmelade – a) eine Lesebühne b) ein Handarbeitszirkel c) eine Selbsthilfegruppe oder d) eine neue Bezeichnung für die Infoschalter der Deutschen Bahn?
Richtig!
Und nun die 100-Euro-Frage: Ist am kommenden Sonntag bei Schmalz und Marmelade zu Gast – a) Katja Ebstein b) Horst Köhler c) Nike van Eppstein oder d) ein Sparpaket?
Jepp. Stimmt auch! Und alles ohne Joker!
Und nun schalten wir rüber in die Werbung – danach sehen Sie die Dokumentation “Buckelwale – behindert in den Weltmeeren” und wir sehen uns wieder, wenn Sie mögen, am kommenden Sonntag, 12 Uhr im Freischütz in Schwerin. Gast der Lesebühne Schmalz und Marmelade ist dann Nike van Eppstein.
[hier bitte selbstständig einen Werbeblock vorstellen - am Ende geht der Fernseher aus]
Liebe Mitleser, liebe Zufallsbekanntschaften, liebe Freunde, liebes Volk!
Raten ist, Raten sind: beliebt. Selbst mein Großvater hat immer gesagt, spare in der Not, dann kannste, wennde musst, auch die Raten bezahlen. Nützlich insbesondere in ärmlichen Wohnvierteln sind auch Ratenköder, Ratatouille ist mancherorts sogar ein Gericht. Und vor Gericht und auf hoher See, das wissen Sie – sind wir in Gottes Hand. Gott würfelt nicht, hat ein schlauer Mann einmal gesagt und auch wenn es niemand aufgeschrieben hat, so ist es doch die Wahrheit: derselbe Mann ergänzte Sekunden später seinen Ausspruch um die kurze Erkenntnis – Gott rät. Er rät zum Beispiel die Eltern zu ehren oder nicht zu stehlen. Insofern sind Ratesendungen, auch wenn sie in dieser Kausalität religiös motiviert wirken, doch in Wahrheit gotteslästerliche Zivilisationsunfälle, stehlen sie doch, nämlich den Menschen die Zeit. Und genau das hat mein Großvater schon meiner Mutter vorgeworfen – wenn sie mit dem Schulheft nach Hause kam, das Ergebnis einer Klassenarbeit ankündigend und dann auf die Frage, was denn herausgekommen sei, geheimnisvoll sagte: Rate mal. Wollte mein Großvater aber nicht, der wollte auf den Acker mit dem blauen Kugeltrabant und so hat er sich abgewendet und auf Gott verwiesen – du sollst nicht stehlen. Erst recht nicht die Zeit Deiner Eltern, die Du doch ehren sollst.
Doch zurück zur Lesebühne: Immer wieder gibt es, immer wieder gab es bei uns Texte, die Sie geradezu zum Raten herausgefordert haben. Texte, die kryptisch und unverständlich blieben, so dass Sie am Ende – oder in der Pause schon – rätselten: Was will uns der Schreiber damit sagen. Nicht immer weiß es der Schreiber, diesmal aber ist Raten Programm. Und damit Sie sich nun nicht weiter fragen müssen, wer denn diese ominöse Nike van Eppstein ist, sagen wirs Ihnen einfach:
Nike van Eppstein singt, liest und ist ganz und gar bezaubernd dabei. Ihr musikalischer Weg schrappte kurz an Buxtehudes Kyrie eléison vorbei, touchierte die Beatles um dann zu einer Stichstraße eigener Lieder zu werden. Und weil Lieder mit korrekt gearbeiteten Texten einfach besser klingen, hat sich Frau van Eppstein an ihre Kindheit erinnernd ein großes Vorbild für Rhythmus und Versmaß gesucht – das Kleinod ”Fuchs und Igel” von Wilhelm Busch. Indes treibt sie die Ungeduld der inneren Jugend – wohl nie werden wir deshalb einen Roman aus ihren Fingern aufs Nachttischchen legen können – dafür Kurzgeschichten, was ja in diesem Fall ganz hervorragend zu Schmalz und Marmelade passt, schließlich haben Sie – das geneigte Publikum ja nicht ewig Zeit.
Nach einem Rücktritt vor dreizehn Jahren – begründet hatte Nike van Eppstein den übrigens mit den Worten, sie vermisse den Respekt vor ihrem Amt, ein Spruch, den unlängst ein Politiker ohne mit der Wimper zu zucken abkupferte – ist Nike van Eppstein nun zurück auf den deutschen Bühnen. Premiere feiert sie dabei im Schweriner Freischütz bei der Lesebühne Schmalz und Marmelade.
Die Fakten:
Was: Schmalz und Marmelade – die Schweriner Lesebühne
Wann: Sonntag, 13. Juni 2010 – 11.30 Uhr Frühstück mit Schmalz und Marmelade – 12 Uhr Lesung
Wo: Zum Freischütz am Ziegenmarkt
Thema: Raten
Gast: Nike van Eppstein
Damit dürfte Sie im Bilde sein, wir fallen für Sie aus dem Rahmen – aber am Sonntag erst, bis dahin verbleiben wir Ihre überaus mitfühlenden Kasperköppe von der Lesebühne Schmalz und Marmelade.
i.A. thom*
PS: Schmalz und Marmelade wird Ihnen präsentiert von Horsts Rücktrittsbremse und dem Festkommitee “Wir können auch ohne Geld glücklich sein” der Landeshauptstadt Schwerin
PSPS: Wenn Sie nicht kommen sind Sie nicht da. Und das wollen wir doch nicht, oder?
PSPSPS: Taggs – die Theatergruppe am Goethe-Gymnasium – ist toll. Sie haben am Freitag, Sonnabend und Sonntag noch die Chance, die fantastische Inszenierung “Unser Haus” zu sehen. www.taggs-schwerin.de